Die USA - Ein Imperium

Sind die USA als Imperium zu bezeichnen?


Hausarbeit, 2010
22 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Imperium – Eine Definition

3. Die USA – Ein Imperium?
3.1. Die amerikanische Wirtschaft
3.2. Das amerikanische Militär
3.3. Die amerikanische Politik
3.4. Die amerikanische Kultur

4. Schlussbetrachtung

5. Quellenverzeichnis
5.1. Literaturverzeichnis
5.2. Webverzeichnis

1. Einleitung

Als die Sowjetunion 1991 zusammenbrach und der kalte Krieg damit endete, geschah dies nach Jahrzehnten der Konfrontation und des Wettrüstens mit den USA. Zuvor hatten sich der West- und der Ostblock über 40 Jahre gegenübergestanden und dadurch eine bipolare Welt geschaffen, die die globale Politik in Großteilen beherrschte. Der Wettlauf der beiden Supermächte beschränkte sich dabei allerdings nicht nur auf die militärische Ebene. Auch in den Bereichen der Wirtschaft, der Kultur, des Sports, der Wissenschaft und der Technologie gab es stets einen Konkurrenzkampf.

Mit dem Niedergang der Sowjetunion hatten nicht nur die USA gesiegt, sondern auch der Kapitalismus über den Sozialismus, die Marktwirtschaft über die Planwirtschaft.

Als der ehemalige US-Präsident George Bush im Januar 1991 für eine Rede, zur Lage der Nation, vor die Presse trat, proklamierte er eine neue Weltordnung, in der Frieden, Freiheit, Sicherheit und Gesetzlichkeit für die ganze Menschheit verwirklicht werden sollten.[1]

Die Hoffnung einer friedlichen Welt ohne kriegerische Auseinandersetzungen großer Mächte schien zum Greifen nahe. Die UN hätte ihrer einstmals zugedachten Rolle als Friedenswahrer in einer multilateralen Welt nachgehen und an der Umsetzung der proklamierten Ziele arbeiten können.

Während kritische Autoren, wie z.B. Jochen Hippler bereits Anfang der 90er Jahre vorhersagten, dass die USA sich nicht mit der Rolle eines gütigen Hegemons unter Leitung der UN zufrieden geben würden, ist diese Tatsache heute möglicherweise Gewissheit.

Spätestens nach den verheerenden Terroranschlägen des 11. Septembers 2001 daraufhin ausgerufenen „War on Terror“ erheben die Vereinigten Staaten zunehmend Anspruch auf eine unilaterale Führungsrolle in der Welt. Dies zeigte sich u.a. 2003, als die USA unter Führung ihres damaligem Präsidenten George W. Bush aus der bisher verfolgten Linie der UN austraten, diese für ineffektiv erklärten und eigenmächtig den Krieg gegen den Irak eröffneten. Dass der Irak trotz mehrmaliger Behauptung der Bushadministration nicht über Massenvernichtungswaffen verfügte, was häufig als Begründung für die Kriegshandlungen herangezogen wurde, gilt heute als bewiesen und diente daher offenbar nur als Vorwand zur Rechtfertigung des Einmarsches in das ölquellenreiche Land. Dennoch schaffte George W. Bush es im Jahre 2004 von der amerikanischen Bevölkerung für eine zweite Amtsperiode gewählt zu werden und konnte somit seine Machtpolitik für vier weitere Jahre fortsetzen.

Im Zuge dieser Entwicklungen ist ein Begriff wieder in Mode geraten, für den es nach Ende des britischen Weltreiches und des russisches Zarenreiches keine Verwendung mehr zu geben schien, der Begriff des Imperiums.

Daher soll es im Folgenden darum gehen, herauszufinden ob dieser Begriff auf die heutige USA angewendet werden kann. Bevor dies jedoch geschehen kann, muss erst einmal geklärt werden was genau unter einem Imperium zu verstehen und welche Charakteristika es ausmachen.

In der bisherigen Politik- und Geschichtswissenschaft ist es bis heute häufig versäumt worden einen einheitlichen und universal anwendbaren Merkmalskatalog aufzustellen. Einige Autoren wie z.B. Jürgen Wagner („Das ewige Imperium“) oder Benjamin R. Barber („Imperium der Angst“) verwenden den Begriff in ihren Werken ohne vorherige Erläuterung.

Einer der wenigen bekannten Autoren, der sich an einer Definition versucht, ist Herfried Münkler mit seinem Buch „Imperien, die Logik der Weltherrschaft.“ Demzufolge sollen die von ihm entwickelten Merkmale in dieser Arbeit als Grundlage zur Klärung der Frage dienen, ob die heutige USA als Imperium zu bezeichnen sind.

Zu diesem Zweck ist es unabdingbar, die von Münkler ausgearbeiteten Merkmale herauszustellen und ausführlich darzustellen, bevor mit der eigentlichen Analyse begonnen werden kann.

Davon, dass diese Hausarbeit einen uneingeschränkten Anspruch auf Richtigkeit und Allgemeingültigkeit hat, kann nicht ausgegangen werden, da sie lediglich eine eingeschränkte und begrenzte Einzelsicht auf wenigen Seiten darstellen kann, was beim Betrachten der dargelegten Positionen nicht außer Acht gelassen werden sollte.

2. Das Imperium – Eine Definition

Bei der Merkmalsbeschreibung eines Imperiums lässt sich diese anschaulich mit einem Vergleich von anderen Staats- bzw. Herrschaftsformen durchführen. Daher soll zuerst eine Abgrenzung des Begriffs zu einem institutionellen Flächenstaat erfolgen und anschließend noch eine Gegenüberstellung mit einer Hegemonialmacht dargelegt werden.

Darüberhinaus soll versucht werden, wiederkehrende Muster bezüglich der Logik imperialer Handlungen zu erkennen und anschließend zu erläutern.

Das vermutlich augenscheinlichste Merkmal, welches ein Imperium von einem ordinären Flächenstaat unterscheidet, ist dass es in seiner beherrschten Welt keine weiteren gleichstarken Akteure akzeptiert[2] und deshalb für gewöhnlich darauf bedacht ist, die Einflusssphäre potentieller Konkurrenten möglichst einzudämmen. Demzufolge sind Interventionen im wirtschaftlichen, politischen oder militärischen Bereich gängige Praxis in der Handlungslogik von Imperien, wohingegen diese keine Eingriffe Dritter in ihre Angelegenheiten zu befürchten haben. Hierbei muss jedoch darauf verwiesen werden, dass die „beherrschte Welt“ lediglich den möglichen Einflussbereich eines Imperiums darstellt. So bestanden in der Gesichte schon des Öfteren mehrere Imperien zu ein und derselben Zeit, was durch die Tatsache möglich gemacht wurde, dass sich ihre Machtsphären nicht berührten und sie daher parallel zueinander existieren konnten. Als Beispiel hierfür lässt sich das gleichzeitige Bestehen des britischen Weltreiches und des russischen Zarenreiches nennen.[3]

Der Umstand, dass Imperien die führende Stellung in den genannten Bereich einnehmen müssen, nimmt sie jedoch auch in die Pflicht ihre Führungsposition ständig zu verteidigen. Als Beispiel lässt sich hierbei das Wettrennen der USA und der Sowjetunion während der Zeit des kalten Krieges um das Gelingen der ersten Mondlandung nennen, welche zwar eher einen symbolischen Akt darstellte, aber dennoch mit einem erheblichen Prestigewert verbunden war und das Machtpotential der Supermächte aufzeigen sollte.

Da der Einflussbereich eines Imperiums, wie erwähnt, oftmals weit über seine eigentlichen Grenzen hinausgeht, sind diese nicht als sonderlich deutlich und klar erkennbar zu bezeichnen und lassen sich besser als stufenförmig charakterisieren, was sie deutlich flexibler als die Grenzen eines gewöhnlichen Flächenstaates macht.[4]

Demzufolge fällt bei der Betrachtung der Durchlässigkeit von Imperiumsgrenzen auf, dass diese lediglich in eine Richtung möglich ist. Dieses Phänomen lässt sich darüber hinaus noch bei einem anderen Aspekt beobachten. Während das Gelangen in den imperialen Herrschaftsraum nicht ohne Weiteres möglich ist und daher an bestimmte Bedingungen geknüpft ist, können die Bewohner, die das Imperium verlassen möchten, dies zu wesentlich einfacheren Bedingungen tun.[5]

Die Bevölkerung eines Flächenstaates genießt in der Regel gleiche Rechte und Pflichten. Dahingegen ist dies bei einem Imperium nicht der Fall. Hier wird die Integration der Einwohner vom Kernbereich zur Peripherie hin zunehmend geringer[6], was sich u.a. auf ihre politischen Rechte, wie z.B. dem Wahlrecht auswirken kann.

Neben der Abgrenzung zum institutionellen Flächenstaat gibt es eine weitere Unterscheidungsmöglichkeit mit der sich die Charakteristika eines Imperiums gut beschreiben lassen: Der Vergleich mit einer Hegemonialmacht:

Herfried Münkler gibt hierzu folgende Definition: „Hegemonie ist danach Vorherrschaft innerhalb einer Gruppe formal gleichberechtigter politischer Akteure; Imperialität löst diese – zumindest formale – Gleichheit auf und reduziert die Unterlegenen auf den Status von Klientelstaaten oder Satelliten.“[7]

Demnach ist der wohl gravierendste Unterschied zwischen einer Hegemonie und einem Imperium bei der Art und Weise ihres Umgangs mit anderen Nationen zu sehen. Die formale Gleichheit der Hegemonie zu seinen Bündnisländern steht im absolutem Widerspruch zu der imperialen Handlungslogik, da ihre Form der Herrschaft im Wesentlichen darin besteht zu verhindern, dass anderen Staaten gleiche Rechte wie ihnen selbst zugesprochen werden. Anschaulich beschreiben lässt sich dieser Sachverhalt an den Verhältnissen in den beiden verfeindeten Lagern während des kalten Krieges. Während die USA lediglich die Vorherrschaft innerhalb einer Gruppe formal gleichberechtigter Partner in der Nato innehatten, verzichtete die Sowjetunion zu keinem Zeitpunkt darauf ihren Führungsanspruch innerhalb des Warschauer Paktes zu demonstrieren und reduzierte die anderen Mitgliedsländer so auf bloße Klientelstaaten, welches auch durch die Tatsache belegt wird, dass Länder, wie z.B. die DDR große Mengen ihrer erwirtschafteten Güter an die UdSSR abführen mussten und hierbei wenig Möglichkeiten hatten sich dieser Vorgehensweise zu widersetzen.

Wie bereits erwähnt nimmt die Integration innerhalb eines Imperiums vom Zentrum zur Peripherie hin stetig ab, bis sie, wie in einer fließenden Bewegung, letztendlich vollständig aufhört. Dieses Phänomen lässt sich bei einer Hegemonie nicht beobachten. Eine „Peripherie“ ist nicht erkennbar. Vielmehr handelt es sich hierbei um Beziehungen verschiedener Zentren zueinander, wovon eines eine herausgehobene Stellung genießt.[8]

Somit sind auch die Partner des Hegemons an bestimmte Regeln und Pflichten gebunden um das Bündnis am Leben zu halten. Wichtige Entscheidungen werden für gewöhnlich untereinander besprochen und dann mehrheitlich beschlossen. Ein Imperium entscheidet dagegen vollkommen eigenständig und ohne Mitspracherecht anderer Staaten, da dieses wohlmöglich als Schwäche des Imperiums ausgelegt werden könnte und so seinem Herrschaftsanspruch schaden würde.

[...]


[1] Jochen Hippler, Die neue Weltordnung, 1. Auflage, Hamburg 1991, S.86.

[2] Herfried Münkler, Imperien – Die Logik der Weltherrschaft, Lizenzausgabe für die BpB, Bonn 2005, S. 17.

[3] Münkler, Imperien – Die Logik der Weltherrschaft, S. 27.

[4] Münkler, Imperien – Die Logik der Weltherrschaft, S. 17.

[5] Münkler, Imperien – Die Logik der Weltherrschaft, S. 16.

[6] Münkler, Imperien – Die Logik der Weltherrschaft, S. 17.

[7] Münkler, Imperien – Die Logik der Weltherrschaft, S. 18.

[8] Münkler, Imperien – Die Logik der Weltherrschaft, S. 75.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Die USA - Ein Imperium
Untertitel
Sind die USA als Imperium zu bezeichnen?
Hochschule
Universität Rostock
Veranstaltung
Imperien und Weltreiche
Note
1,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
22
Katalognummer
V156081
ISBN (eBook)
9783640685264
ISBN (Buch)
9783640685554
Dateigröße
557 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
USA, Amerika, Imperium, Weltreich, amerikanische Wirtschaft, amerikanisches Militär, amerikanische Kultur, amerikanische Politik, amerikanische Außenpolitik, Weltherrschaft, Nato, UN, Herfried Münkler, Michael Mann, Ebenen der Macht
Arbeit zitieren
Martin Lau (Autor), 2010, Die USA - Ein Imperium, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/156081

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