Der Zugang zu mittelalterlichen Werken ist bisweilen recht schwierig. Daher ist es wichtig, um einen Einstieg auch für ein interessiertes, aber nicht fachkundiges Publikum zu erleichtern, mittelalterliche Texte in einer leichter konsumierbaren Form anzubieten. Zu diesem Zweck ist es notwendig, nicht nur die Handschrift in eine für uns einfacher lesbare Form zu bringen, sondern auch das Geschriebene zu übersetzen, da es zwischen der mittelhochdeutschen und der neuhochdeutschen Sprache zum Teil erhebliche Unterschiede gibt.
Bevor das Minnelied des Burggrafen von Regensburg in den Mittelpunkt der Betrachtung rückt, wird einleitend der Sinn und Wert einer Edition sowohl in seiner ursprünglichen als auch in seiner heutigen Intention näher herausgestellt. Des Weiteren erfolgen eine kurze Darstellung der äußeren Merkmale des Codex Manesse sowie weitere Informationen über die Handschrift, den ausgewählten Autor und sein Werk. Daran schließt sich ein Kapitel über die verwendete Schrift und deren Besonderheiten an, deren Kenntnis ein Lesen erst ermöglicht. Im Hauptteil dieser Arbeit erfolgen am Beispiel des Textes des Burggrafen von
Regensburg sowohl die diplomatische als auch die normalisierte Transkription und eine textnahe Übersetzung. Daran schließt sich ein kurzer Kommentar an und abschließend werden die Ergebnisse mit einer Überlegung zur Zukunft der Editionswissenschaft zusammengefasst.
Inhaltsverzeichnis
- 1. Einleitung
- 2. Der Editionsbegriff
- 3. Die große Heidelberger Liederhandschrift
- 3.1 Der Burggraf von Regensburg und sein Minnelied
- 4. Die Schrift und ihre Besonderheiten
- 4.1 Graph-/Graphemanalyse und Sonderzeichen
- 5. Diplomatische und normalisierte Transkription mit Übersetzung des Textes Der Burggraf von Regensburg
- 5.1 Erste Strophe
- 5.2 Zweite Strophe
- 5.3 Dritte Strophe
- 5.4 Vierte Strophe
- 6. Kommentar
- 6.1 Materialität und Medialität
- 6.2 Inhalt der Strophen
- 7. Fazit
- 8. Literaturverzeichnis
- 9. Anhang
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, mittelalterliche Texte, insbesondere ein Minnelied des Burggrafen von Regensburg aus der Großen Heidelberger Liederhandschrift (Codex Manesse), durch Edition, Übersetzung und Kommentierung einem interessierten, aber nicht fachkundigen Publikum zugänglich zu machen und gleichzeitig die komplexen Arbeitsschritte der Editionswissenschaft zu beleuchten.
- Editionswissenschaftliche Grundlagen und Methoden
- Historische Textkritik und Editionskonzepte
- Analyse und Transkription mittelhochdeutscher Lyrik
- Übersetzung und Kommentierung von Minneliedern
- Materialität und Medialität historischer Handschriften
- Reflexion über die Zukunft digitaler Editionen
Auszug aus dem Buch
Der Editionsbegriff
darin, das Lesen und Verstehen eines Textes zu erleichtern bzw. zu ermöglichen. Die Anfänge der germanistisch-mediävistischen Editionswissenschaft gründen sich auf die Methoden Lachmanns, der als einer ihrer ,Väterʻ gilt. Dieser hatte das Ziel einen Text zu schaffen, der dem Original (, Archetypʻ) möglichst nahe kommen sollte. Für ihn hatten der Autor und der Urtext die oberste Priorität. Denn nach dem Altphilologen Lachmann waren die handschriftlichen Überlieferungen ,fehlerhaft“ und die Varianten allenfalls ein notwendiges Übel für die Rekonstruktion. Dabei übersah er, dass „mittelalterliche Literatur uns nur in Form einer Handschriftenkultur ex post zugänglich“ ist, das heißt, dass Autographen eher die Ausnahme darstellen, was bei einer vorwiegend mündlich orientierten Gesellschaft nicht verwundert. Lachmann versuchte also, aus mehreren Handschriften den Ursprung herauszufiltern. Dies erfolgt durch das kritische Sortieren, Gruppieren und Hierarchisieren der Textzeugen, woraus ein Stammbaum (Stemma) erschlossen wird. Allerdings war Lachmann der Auffassung, dass sein Vorgehen keine Interpretation sei – entgegen der heutigen Auffassung. Gegenwärtig ist das Editionskonzept von der Hagens – ein von Lachmann wenig geschätzter Zeitgenosse – dem unsrigen näher. Von der Hagen empfand den Wortlaut der Textzeugen wichtiger und fühlte sich den ästhetischen Prinzipien nicht so sehr verpflichtet. Er betrieb eine eher textorientiert Kritik, die sich allerdings an der ältesten Handschrift orientierte. Auch wenn die heutige Editionswissenschaft sich von Lachmann entfernt hat, sind die von ihm geprägten Begriffe ,strenge Sorgfalt“ und „Wahrhaftigkeit“, fest im Ethos der Wissenschaft verankert. Jedoch sind die Grundfragen der Editionswissenschaft strittig und diverse Fragen offen. Sollen oder besser können verlorene Originale rekonstruiert werden oder soll das überlieferte Material nur leserfreundlich transliteriert werden? Ist es sinnvoll die digitalen Möglichkeiten auch im Bereich der Editionswissenschaft zu nutzen? Ist die Buchform einer Edition nicht mehr zeitgemäß? Ist bzw. darf eine Edition interpretatorisch sein? Die letzte Frage muss mit Ja beantwortet werden. Denn bereits der Prozess der Auswahl der Texte, deren Übersetzung und Kommentierung kommt nicht ohne ein gewisses Maß an Interpretation aus.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel thematisiert die Herausforderungen beim Zugang zu mittelalterlichen Texten und stellt das Ziel vor, diese durch Edition, Übersetzung und Kommentierung zugänglicher zu machen, fokussiert auf das Minnelied des Burggrafen von Regensburg.
2. Der Editionsbegriff: Hier wird der Prozess der Textsicherung und wissenschaftlichen Aufarbeitung erläutert, beginnend bei den historischen Methoden Lachmanns bis hin zu modernen Editionskonzepten und den damit verbundenen Grundfragen und Editionstypen.
3. Die große Heidelberger Liederhandschrift: Dieses Kapitel beschreibt den Codex Manesse als bedeutende Sammlung mittelhochdeutscher Lyrik, seine Entstehung und Geschichte sowie die Einordnung des Burggrafen von Regensburg innerhalb dieser Sammlung.
4. Die Schrift und ihre Besonderheiten: Es werden die Merkmale der gotischen Buchschrift (Textura) im Codex Manesse analysiert, die das Lesen erschweren können, und eine Graph-/Graphemanalyse zur Auflösung von Sonderzeichen vorgestellt.
5. Diplomatische und normalisierte Transkription mit Übersetzung des Textes Der Burggraf von Regensburg: Dieser Hauptteil präsentiert die vier Strophen des Minnelieds in einer diplomatischen und normalisierten Transkription sowie einer textnahen neuhochdeutschen Übersetzung, ergänzt durch eine Beschreibung der initialen Gestaltung.
6. Kommentar: Der Kommentar vertieft die Materialität und Medialität des Pergamentblattes mit der Miniatur des Burggrafen und analysiert detailliert den Inhalt der einzelnen Strophen, inklusive eines Vergleichs mit einer anderen Übersetzung.
7. Fazit: Das Fazit fasst die Bedeutung der Edition als Vermittlungsmedium zusammen, reflektiert über die Interpretationsmöglichkeiten und die Relevanz der Materialität des Textes, und erörtert die Potenziale digitaler sowie traditioneller Editionen für die Zukunft der Editionswissenschaft.
Schlüsselwörter
Edition, Minnelied, Mittelhochdeutsch, Codex Manesse, Burggraf von Regensburg, Transkription, Übersetzung, Kommentar, Editionswissenschaft, Philologie, Mittelalter, Handschrift, Textkritik, Lachmann, Rollengedicht
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Edition, Übersetzung und Kommentierung eines mittelhochdeutschen Minneliedes des Burggrafen von Regensburg aus dem Codex Manesse, um mittelalterliche Texte einem breiteren Publikum zugänglich zu machen und die Grundlagen der Editionswissenschaft zu beleuchten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themenfelder sind die Theorie und Praxis der Editionswissenschaft, die mediävistische Textforschung, die Analyse historischer Handschriften sowie die Übersetzung und Kommentierung mittelhochdeutscher Lyrik.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, ein mittelalterliches Minnelied umfassend zu edieren, zu übersetzen und zu kommentieren, um dessen Verständnis zu erleichtern, und dabei die Methoden und Herausforderungen der Editionswissenschaft zu reflektieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit verwendet die Methode der Editionskritik, die diplomatische und normalisierte Transkription, die textnahe Übersetzung und eine detaillierte Kommentierung, um einen repräsentativen mittelalterlichen Text aufzuarbeiten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil der Arbeit werden die vier Strophen des Minnelieds des Burggrafen von Regensburg sowohl in diplomatischer als auch in normalisierter Transkription dargestellt und ins Neuhochdeutsche übersetzt, ergänzt durch eine Beschreibung der Initialen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Charakterisierende Schlüsselwörter sind Edition, Minnelied, Mittelhochdeutsch, Codex Manesse, Burggraf von Regensburg, Transkription, Übersetzung, Kommentar, Editionswissenschaft, Philologie, Mittelalter, Handschrift, Textkritik, Lachmann, Rollengedicht.
Was ist das Besondere am Codex Manesse im Kontext dieser Arbeit?
Der Codex Manesse ist die große Heidelberger Liederhandschrift, eine der bedeutendsten deutschsprachigen Lyrik-Sammelhandschriften des Mittelalters, die durch ihre Pracht und die enthaltenen Miniaturen sowie die Vielfalt der gesammelten Minnelieder besticht und somit als Primärquelle für die Edition dient.
Wie wird die Übersetzung des mittelhochdeutschen Textes angegangen?
Die Übersetzung erfolgt textnah vom Mittelhochdeutschen ins Neuhochdeutsche, wobei sowohl eine diplomatische als auch eine normalisierte Transkription mit einer farblich unterschiedenen Übersetzung für einen direkten Vergleich synoptisch dargestellt werden.
Welche Unterschiede gibt es zwischen Lachmanns Editionskonzept und heutigen Ansätzen?
Lachmann strebte die Rekonstruktion eines idealen „Archetyps“ an und sah handschriftliche Überlieferungen als „fehlerhaft“, während moderne Ansätze, wie die von Von der Hagen, den Wortlaut der Textzeugen wichtiger nehmen und die interpretatorische Rolle des Editors anerkennen.
Warum ist die Materialität der Handschrift für die Edition wichtig?
Die Materialität der Handschrift, wie etwa die Beschaffenheit des Pergaments, die Gestaltung der Miniaturen und die Formatierungen, liefert wichtige kontextuelle Informationen, die das Verständnis des Textes beeinflussen und die editorische Arbeit prägen.
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- Karin Frank (Autor), 2018, "Der Burggraf von Regensburg". Edition, Übersetzung und Kommentar, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1561309