In der Literatur wird der demografische Wandel häufig benutzt, wobei sich dessen Bedeutung auf eine tiefgreifende und nachhaltige Entwicklung der Bevölkerungsstruktur bezieht. Das Alter und Älterwerden sind dabei wichtige Zukunftsthemen bzgl. des Einflusses auf politische, ökonomische und soziale Folgen. Demnach führen demographische, epidemiologische und soziokulturelle Entwicklungen dazu, dass in naher Zukunft Psychotherapeuten vermehrt mit älteren Patienten arbeiten werden. Ziel dieser Studie ist es, zu untersuchen, welchen Einfluss das Alter eines Patienten mit Todeswunsch auf die Therapieentscheidung von angehenden Verhaltenstherapeuten hat.
Methode: Um dieser Frage nachzugehen, antworten angehende Verhaltenstherapeuten (N = 114) auf Fragen, welche sich auf eine naturalistischen Fallvignette bezieht. Bei der naturalistischen Fallvignette handelt es sich um einen Patienten mit Lebensüberdruss und einer Depressionssymptomatik. Das Alter der Patienten wird experimentell manipuliert (52 Jahre vs. 86 Jahre).
Ergebnisse: Die Studienergebnisse weisen nicht darauf hin, dass angehende Verhaltenstherapeuten ältere Patienten im Gegensatz zu jüngeren Patienten weniger krank einschätzen. Dennoch ergibt die Studie, dass ältere Patienten eher negative Gefühle bei angehenden Verhaltenstherapeuten erzeugen. Weiterhin verweisen die Ergebnisse darauf, dass angehende Verhaltenstherapeuten eine geringe Behandlungsbereitschaft gegenüber älteren Patienten haben, sich weniger kompetent fühlen diese zu behandeln und weniger vom Therapieerfolg eines älteren Patienten überzeugt sind.
Konklusion: Das Alter eines Patienten und die dadurch unbewusst ausgelösten Altersstereotype seitens der Therapeuten, stellen ein bedeutsames Problem im therapeutischen Kontext dar. Die Notwendigkeit besteht darin, angehenden Therapeuten bereits in der Ausbildung umfangreiches gerontologisches Wissen zu vermitteln und ihre Reflektionskompetenz zu schulen, um ein differenziertes Gespür für Altersstereotype zu entwickeln und diese kritisch zu überdenken. Weiterhin müssen spezifische Kompetenzen im gerontologischen Bereich gefördert werden, sodass ältere Patienten gerechter im therapeutischen Kontext behandelt werden und künftig optimale Therapien erfahren.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretischer Hintergrund und Forschungsstand
2.1 Altersstereotype: Definition und Entstehung
2.2 Altersstereotype: Aktivierung, Funktion und Inhalte
2.3 Altersstereotype: Wirkungsweise im therapeutischem Kontext
3. Forschungsfrage und Hypothesen
4. Methode
4.1 Studiendesign
4.2 Stichprobe
4.3 Untersuchungsmaterial
4.3.1 Fallvignette
4.3.2 Erhebungsinstrumente
4.4 Studienablauf
4.5 Statistische Auswertung
5. Ergebnisse
5.1 Datenqualität der Variabeln
5.2 Hypothese 1
5.3 Hypothese 2
5.4 Hypothese 3
5.4 Hypothese 4
5.6 Hypothese 5
6. Interpretation und Diskussion
7. Limitation und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit ist es, zu untersuchen, welchen Einfluss das Alter eines Patienten mit Todeswunsch auf die Therapieentscheidungen angehender Verhaltenstherapeuten hat und inwiefern Altersstereotype diesen Prozess beeinflussen.
- Einfluss des Patientenalters auf die therapeutische Haltung
- Untersuchung von Altersstereotypen bei angehenden Therapeuten
- Behandlungsbereitschaft und Kompetenzeinschätzung bei älteren Patienten
- Praxisrelevante Bedeutung des demografischen Wandels für die Psychotherapie
Auszug aus dem Buch
2.3 Altersstereotype: Wirkungsweise im therapeutischen Kontext
Egal in welcher Weise Altersstereotype den Menschen in seinem Denken und Handeln beeinflussen, so stellen diese ein potenzielles Problem im psychotherapeutischen Kontext dar, welches beispielsweise dazu führt, dass bei älteren Patienten eher eine bloße Symptombehandlung durchgeführt wird anstatt aufwendigere Heilmethoden. Diese Tatsache wird mit einer geringen Erfolgsaussicht begründet wird (Gatz & Pearson, 1988). Wie bereits einleitend erwähnt, sind ältere Mensch hinsichtlich der psychotherapeutischen Versorgung in Deutschland stark unterrepräsentiert (Zank, Peters, & Wilz, 2010) und es besteht die Tatsache, dass Menschen im höheren Lebensalter mit psychischen Erkrankungen seltener als jüngere Altersgruppen eine Psychotherapie erhalten bzw. diese in Anspruch nehmen (Hautzinger & Welz, 2004; Karel & Hinrichsen, 2000; Pinquart, Duberstein, & Lyness, 2007).
Obwohl in den letzten Jahren die Behandlungszahlen der 60- bis 70-jährigen Patienten auf einen leichten Anstieg verwiesen, stellen über 70-jährige Patienten in psychotherapeutischen Praxen immer noch eine Seltenheit dar. Der Anteil der älteren Patienten in psychotherapeutischen Praxen beläuft sich hierbei auf 1,1 Prozent (Imai, Telger, Wolter & Heuft, 2008). Im Vergleich zu jüngeren Patienten erfahren ältere Patienten meist eine sehr differenzierte psychotherapeutische Versorgung, welche auf potenzielle Probleme wie einer Fehlinterpretation der beschriebenen psychischen Symptome, der allgemeinen Behandlungsbereitschaft, ausgelösten Gefühle durch Altersstereotype, Behandlungskompetenz sowie der Meinung über den Therapieerfolg, seitens der Psychotherapeuten zurückzuführen ist (James & Haley, 1995; Bouman et al., 2001; Helmes & Gee, 2003; Barnow et al., 2004; Peters, Jeschke & Peters, 2013; Kessler & Bowen, 2015).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die historische und gesellschaftliche Relevanz der Psychotherapie im Alter unter Berücksichtigung des demografischen Wandels und stellt die Forschungsfrage.
2. Theoretischer Hintergrund und Forschungsstand: Dieses Kapitel definiert Altersstereotype, ihre Entstehung und Aktivierung sowie deren spezifische Bedeutung und Wirkungsweise im Kontext der psychotherapeutischen Versorgung.
3. Forschungsfrage und Hypothesen: Hier werden die Forschungsfrage sowie fünf gerichtete Hypothesen zur Untersuchung der Auswirkungen des Alters eines Patienten auf Therapeuten in Ausbildung formuliert.
4. Methode: Das Kapitel beschreibt das experimentelle Studiendesign, die Stichprobenzusammensetzung (N=114), das Untersuchungsmaterial (Fallvignette) und die statistischen Auswertungsverfahren.
5. Ergebnisse: Die Ergebnisse der inferenzstatistischen Analysen werden dargestellt, wobei die fünf aufgestellten Hypothesen hinsichtlich der Behandlungsbereitschaft, Kompetenzwahrnehmung und Erfolgserwartung geprüft werden.
6. Interpretation und Diskussion: Die Befunde werden interpretiert, mit der bestehenden Literatur diskutiert und methodische Aspekte der Studie kritisch reflektiert.
7. Limitation und Ausblick: Der Abschnitt identifiziert Grenzen der Untersuchung, insbesondere bezüglich der Stichprobengröße und -zusammensetzung, und leitet Empfehlungen für die zukünftige Forschung ab.
Schlüsselwörter
Altersstereotype, Altern, Ältere Menschen, demographischer Wandel, angehende Verhaltenstherapeuten, Psychotherapie, Therapieentscheidung, Todeswunsch, Behandlungsbereitschaft, Behandlungskompetenz, Gerontopsychosomatik, Depression, Psychotherapeutische Versorgung, Fallvignette, Suizidalität.
Häufig gestellte Fragen
Was ist das grundlegende Thema dieser Bachelorarbeit?
Die Arbeit untersucht den Einfluss des Alters eines Patienten mit Todeswunsch auf die Therapieentscheidungen und die Haltung angehender Verhaltenstherapeuten.
Welche zentralen Themenfelder behandelt die Autorin?
Die zentralen Felder umfassen Altersstereotype, deren psychologische Funktionsweise, die psychotherapeutische Versorgung älterer Menschen sowie die berufliche Einstellung angehender Therapeuten.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es herauszufinden, ob angehende Therapeuten unbewusst von Altersstereotypen beeinflusst werden, wenn sie eine Behandlungsentscheidung bei einem Patienten mit Todeswunsch treffen müssen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wurde ein experimentelles Studiendesign mit einer Matched-Stimuli-Technique und einer standardisierten Fallvignette verwendet, wobei das Patientenalter (52 vs. 86 Jahre) experimentell manipuliert wurde.
Was wird im Hauptteil der Untersuchung detailliert behandelt?
Der Hauptteil analysiert theoretisch die Entstehung von Altersstereotypen und führt empirisch die Datenauswertung zu Behandlungsbereitschaft, Kompetenzeinschätzung und Erfolgsaussichten durch.
Welche Schlagworte charakterisieren diese Arbeit?
Wichtige Keywords sind Altersstereotype, demographischer Wandel, Behandlungskompetenz, Behandlungsbereitschaft und angehende Verhaltenstherapeuten.
Bestätigen die Ergebnisse die Annahme, dass ältere Patienten als weniger krank wahrgenommen werden?
Nein, der statistische Vergleich zeigte hier keinen signifikanten Unterschied zwischen den Altersgruppen, weshalb diese Hypothese nicht bestätigt werden konnte.
Wie bewerten die Teilnehmer die Behandlung älterer Patienten im Vergleich zu jüngeren?
Die Studie ergab, dass angehende Therapeuten älteren Patienten gegenüber eine geringere Behandlungsbereitschaft zeigen, sich weniger kompetent für deren Behandlung fühlen und weniger vom Erfolg überzeugt sind.
- Citar trabajo
- Christin Blachetta (Autor), 2018, Der Einfluss des Alters eines Patienten mit Todeswunsch auf die Therapieentscheidung von Therapeuten in Ausbildung, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1561494