Gewalt und Gewaltüberwindung im Alten Testament

Das vierte Gottesknechtslied (Jes 52,13-53,12)


Examensarbeit, 2008
90 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Definition von Gewalt - Ein Problemfall
1.1 Die Frage nach der Gewaltüberwindung
1.2 Religion als Ursache von Gewalt
1.3 Die Position der katholischen Kirche zur Gewalt
1.4 Das Alte Testament weist den Weg

2. Das vierte Lied vom Gottesknecht
2.1 Deuterojesaja und die Gottesknechtslieder
2.1.1 Geschichtlicher Zusammenhang und Einordnung
2.1.2 Die Identität des Gottesknechts
2.2 Jes 52,12-53,12: Übersetzung ins Deutsche

3. Aufbau, Gattungsfragen, Analyse
3.1 Der Prolog Gottes (52,13-52,15)
3.1.1 Der erhabene Knecht - Seine Gestalt entfernt von den Adamskindern
3.1.2 Wichtige Funktionen des JHWH-Orakels
3.2 Der missachtete Gottesknecht (53,1-53,3)
3.2.1 Der Unglaube der „Wir";
3.2.2 Das Bild vom „Schössling"; und der „Wurzel in dürrem Erdreich";
3.2.3 Gestalt-Hoheit-Ansehen: Die Grundlage menschenwürdigen Lebens
3.2.4 Voraussetzungen für die Gewalt am Gottesknecht
3. 3 Strafe zu unserem Heil? (53,4-53,6)
3.3.1 Sündenbock und Stellvertretung
3.3.2 Der Stellvertretungsgedanke im vierten Gottesknechtslied
3.3.3 Der Tun-Ergehen-Zusammenhang
3.3.4 Die Erkenntnis
3.3.5 Frieden und Heil durch Tragen von Schuld
3.3.6 Das Bild der „Schafe";
3.4 Menschliche Gewalt am Gerechten (53,7-53,9)
3.4.1 Die Verbindung zu den „Schafen";: Das „Mutterschaf";
3.4.2 Der Tod des Gottesknechts
3.4.3 Die Bestattung des Knechts
3.5 Die Zuwendung Gottes (53,10)
3.5.1 Der Opfergedanke - Das neue Opfer
3.5.2 Die Nachkommen des Knechts - JHWHs Versprechen
3.5.3 Prophetische Vorausdeutung auf den Sohn Gottes?
3.6. Der Epilog Gottes (53,11-53,12)
3.6.1 Sättigung in der Erkenntnis
3.6.2 Der Knecht macht die „Vielen"; gerecht
3.6.3 Wer sind die Bekenner aus Jes53, 1-6?
3.6.4 Das Heil und die Erlösung
3.6.5 Gewalt und Gewaltüberwindung

4. Die Spirale der Gewalt
4.1 Umgang mit Gewalt heute - Bezug zum Alten Testament
4.2 Eine psychologische Studie und die innere Autorität
4.2.1 Gewalt und Autorität - Das Milgram-Experiment
4.2.2 Recht und Gerechtigkeit im Alten Testament
4.2.3 Die Sonderstellung des vierten Gottesknechtsliedes

5. Getrenntes zusammenführen - Das neue Opfer
5.1 Das vierte Gottesknechtslied in der Karfreitagsliturgie
5.2 Überwindung der Gewalt - Das Kreuz als Siegeszeichen

Literatur

1. Definition von Gewalt – Ein Problemfall

Das Erleben und die Erfahrung von psychischer und physischer Gewalt zwischen einzelnen Menschen, aber auch zwischen verschiedenen Gruppen von Menschen bis hin zu gewalttätigen Auseinandersetzungen und Kriegen unter verschiedenen Völkern, ziehen sich wie ein roter Faden durch die gesamte Geschichte der Menschheit. Gleichwohl scheint der Begriff „Gewalt"; vielschichtig und vieldeutig, wenn er aus wissenschaftlicher Perspektive betrachtet wird. Der Soziologe Siegfried Lamnek stellt die Schwierigkeit, den Gewaltbegriff klar zu definieren, folgendermaßen dar:

„Die sprachliche Determination allen Erkennens in den Sozialwissenschaften zeigt sich besonders im Begriff der Gewalt, der extrem heterogen, unscharf und deshalb gelegentlich auch ideologisch besetzt gebracht wird. Je nach Reichweite der Definition des Gewaltbegriffes ergeben sich unterschiedliche Gewaltszenarien, die Gewalt einmal als marginale Größe, andernfalls jedoch als alles durchdringendes und bedrohendes Interaktionsmuster erscheinen lassen. Aus interaktionistischer Perspektive bildet Gewalt daher auch keine unmittelbar gegebene Realität, sondern wird als Sachverhalt erst definiert, weshalb (gerade auch) für Wissenschaftler das Risiko existiert, zu Definierern, nicht jedoch zu Analytikern von Gewalt zu werden.";1

Es ist also nicht einfach, aus wissenschaftlicher Perspektive von Gewalt zu sprechen. Umso schwieriger erweist sich deshalb die Aufgabe, Gewalt und ihre Auswirkungen zu analysieren. Die Unterschiedlichkeit der Gewalttypologien erfordert vor allem eine genaue Betrachtung der Wurzel von Gewalt. Indem die geschehenen Gewalttaten bis zu ihrem Ursprung zurückverfolgt werden, ist es für die heutige Forschung, insbesondere der Psychologie und der Sozialpädagogik, ansatzweise möglich, Gewalt zumindest theoretisch in ihrem Entstehungsvorgang zu begrenzen und einzudämmen. Personen und Gruppen von Menschen, die in diesen wissenschaftlichen Bereichen geschult sind, werden oft eingesetzt, um Gewalt im zwischenmenschlichen Bereich einzuschränken und mit Hilfe sozialer Arbeit gewalttätige Konflikte zu beenden.2

1.1 Die Frage nach der Gewaltüberwindung

Die Ursprünge des Versuches Gewalt zu beseitigen oder gar zu überwinden sind nicht erst bei den Theorien der Psychologen Karl Wundt oder Sigmund Freud anzusetzen. Schon seit Menschengedenken beschäftigen sich vor allem Religionen mit dem Problem der zwischenmenschlichen Gewalt. Unter diesem Aspekt kann auch das vierte Gottesknechtslied in Jes 52,13-53,12 gelesen werden. Das Alte Testament ist bei weitem nicht gewaltfrei, doch sucht es in seinen Rechtsvorschriften immer nach einer Möglichkeit, die Eskalation von Gewalt zu vermeiden.3 Das vierte Gottesknechtslied sprengt schließlich alle bisher im Alten Testament beschriebenen Gesetzmäßigkeiten, welche die Eindämmung und Überwindung von gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen den Menschen zum Thema haben. Das Denken, welches in diesem Text ein völlig neues Licht auf das Handeln Gottes, auf die Gewalt und auf menschliches Leid wirft, soll in der folgenden Arbeit ausführlich behandelt werden. Dabei ist es notwendig, textimmanente Metaphern in die moderne sozialwissenschaftliche, geisteswissenschaftliche und theologische Forschung mit einzubringen. Erst durch interdisziplinäres Herangehen an dieses Lied ist es möglich, ein deutlicheres Bild vom gewaltlosen Sieg des Gottesknechtes über die Gewalt zu erhalten.

1.2 Religion als Ursache von Gewalt

Die Aspekte allgemeingesellschaftlicher Gewalt, welche sämtliche Wissenschaften beschäftigen,4 finden mögliche Ursachen auch in Religionen und Ideologien.5 Die Kreuzzüge der Christenheit, Religionskriege, Selbstmordattentate und viele andere gewaltsame Auseinandersetzungen zeichnen eine blutige Spur durch die Geschichte der Religionen. Der Kampf um den rechten Glauben wird bis heute mit fürchterlichen Waffen geführt. Gerade deshalb sind Religionsgemeinschaften in besonderem Maße verpflichtet, gewalttätige Auseinandersetzungen zwischen den einzelnen Menschen, und damit auch Anfeindungen und Kriege, die aus religiösen Gründen geführt werden, zu verantworten. Nicht wenige Wissenschaftler, darunter Jan Assmann, der emeritierte Universitäts-Professor für Ägyptologie in Heidelberg, werfen besonders den monotheistischen Religionen ein erhebliches Gewaltpotential vor. Grundlage dieses Vorwurfes ist Assmanns Theorie des „exklusiven Monotheismus";,6 der neben dem einen Gott keine anderen Götter duldet und deshalb Gewalt gegenüber anderen Religionen und anders denkenden Gemeinschaften provoziert. Assmann kritisiert hauptsächlich die sprachliche Darstellung von Gewalt und die gewaltsame Durchsetzung des Monotheismus in der hebräischen Bibel.7 Diese Kritik Assmanns an der jüdischen Tora und damit auch am christlichen Alten Testament ist hochbrisant, denn die drei großen monotheistischen Religionen8 sind allesamt davon betroffen. Der Islam befindet sich ebenfalls in einer engen Beziehung zum Alten Testament.

„Ganz ähnlich wie die biblischen Weisheitsbücher enthält der Koran Reflexionen und Meditationen zu früheren Offenbarungen und zur Geschichte der Propheten. Sie rufen den Leser zur Annahme des wahren und ursprünglichen Glaubens an den einzigen Gott auf, der Religion Abrahams, der zuvor schon Adam angehangen habe: d.h. zum Monotheismus der ‚natürlichen Religion' (der Fitra), zu der sich jeder ‚vernünftige und gute' Mensch bekennen muss und zu der jeder eine von Gott geschaffene ‚Anlage' in sich trägt.";9

Die Texte des Alten Testaments sind den Moslems also nicht unbekannt. Dennoch verbreiten gerade in der heutigen Zeit fundamentalistische Extremisten innerhalb des Islams Angst und Schrecken unter Moslems und andersgläubigen Menschen. Die Kritik Assmanns an den monotheistischen Religionen ist also nicht nur hochbrisant, sondern auch aktuell. Seit dem Einzug des religiösen Terrorismus in das Realitätsbewusstsein der Weltöffentlichkeit, seit dem 11. September 2001, scheint Assmanns Theorie bestätigt, denn viele Terroranschläge finden ihre Täter in religiös motivierten radikal monotheistischen Fundamentalisten vornehmlich aus extremistischen Kreisen des Islam. Der Kommentar des portugiesischen Nobelpreisträgers José Saramago in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zu den Anschlägen am 11. September klingt hart:

„Es ist bekannt, dass ausnahmslos alle Religionen nie dazu dienten, die Menschen einander näher zu bringen und den Frieden zu mehren. Religionen waren und sind der Grund für unendliches Leid, für Massenmorde und ungeheuerliche physische und psychische Gewalt, die zu den dunkelsten Kapiteln der elenden Geschichte der Menschheit gehören.";10

Saramago zeigt mit dieser provozierenden Aussage die Symptome von religiöser Gewalt auf, dringt aber nicht zur Quelle der Gewalt vor. Es ist nicht die Religion selbst, die Menschen zu Gewalttätern macht, sondern die Art und Weise, wie der Mensch seine Vorstellungen und Wünsche durchzusetzen versucht. So macht es jeden im Glauben verwurzelten religiösen Menschen zutiefst traurig, wenn er sehen muss, wie religiöse Fanatiker bis hin zum Selbstmord alles versuchen, um Ungläubige oder Andersgläubige entweder vom Glauben zu überzeugen oder, wenn das nicht gelingen kann, zu unterdrücken oder zu vernichten. Saramago verkennt, dass Gewalt nicht nur innerhalb von Religion existiert, sondern in vielen zwischenmenschlichen Bereichen, in denen eine Person ihren Willen gegenüber einer anderen Person durchsetzen möchte. Gewalt spielt in sehr vielen menschlichen Lebenssituationen eine mehr oder minder große Rolle. Menschen haben die Möglichkeit, Gewalt bei Unstimmigkeiten immer einzusetzen oder eben auf diese zu verzichten. Dadurch ist psychische und physische Gewalt jederzeit möglich und von der religiösen Einstellung erst einmal unabhängig. Es ist also nicht allein die Religion, der Saramagos Kampfansage gelten sollte, sondern ganz konkret dem religiösem Extremismus, der in die Gewalt mündet, der Gewalt und den Gewalttätigen selbst.

1.3 Die Position der katholischen Kirche zur Gewalt

Gleichwohl räumen die Religionen der Gewalt unterschiedliche Positionen ein. Einige Religionen gelten als gewaltlos, wieder andere wie der Zoroastrismus, die Mithrasreligion und der Islam11 sehen in Kampf und Gewalt ein legitimes Mittel zur Durchsetzung des göttlichen Willens.12 Das Christentum, und insbesondere die katholische Kirche, setzen jedoch grundsätzlich auf Gewaltlosigkeit. Eine Ausnahme bildet die Situation der Notwehr:

„Wer auf gewaltsame blutige Handlungen verzichtet und zur Wahrung und Verteidigung der Menschenrechte Mittel einsetzt, die auch den Schwächsten zur Verfügung stehen, legt Zeugnis ab für die Liebe des Evangeliums, sofern nicht die Rechte und Pflichten der anderen Menschen und der Gesellschaft verletzt werden. Er bezeugt zu Recht, welch schwerwiegende physische und moralische Gefahren der Einsatz gewaltsamer Mittel mit sich bringt, der immer Zerstörung und Tote hinterläßt.";13 Diese Position der katholischen Kirche leitet sich aus dem Leben, Sterben und der Auferstehung Jesu Christi ab.14

1.4 Das Alte Testament weist den Weg

Das Leben Jesu, sein Leiden, sein Sterben und seine Auferstehung haben ihre Wurzeln im Alten Testament der Bibel.15 Das Alte Testament hat ein überaus differenziertes Verhältnis zur Gewalt.16 Liest man die Texte, die von der Bestrafung von Gewalttätern handeln und ihre Verwurzelung in Theorien wie dem Tun-Ergehen- Zusammenhang17 oder dem Ius Talionis,18 so nimmt man die außergewöhnliche Stellung des vierten Gottesknechtsliedes wahr. Es verkehrt bisherige Gesetzmäßigkeiten ins Gegenteil. Der totgesagte Verlierer wird zum Sieger und diejenigen, welche sich selbst zu den Gerechten gezählt haben, zu den bekennenden Verlierern. Doch selbst diese gelangen durch den Totgesagten zu ihrem Heil. Damit gipfeln die unterschiedlichen Rechtstheorien gegenüber der Gewalt im Alten Testament in diesem einem Text: in Jes 52,13-53,12.

Im vierten Gottesknechtlied, aber auch schon in den Liedern eins bis drei finden sich nicht nur eschatologische Vorausdeutungen zum Geschehen im Evangelium, sondern auch eine besondere und bemerkenswerte Definition19 des Gottesknechtes, d.h. des Menschen, der den Willen Gottes erfüllt. Diese Definition wird am Ende des vierten Gottesknechtsliedes in ihrer Bestimmung klar. Erst in Verbindung mit den Geschehnissen, die im Evangelium Christi verkündet werden, kann diese geglaubt und verstanden werden.

2. Das vierte Lied vom Gottesknecht

In der Diskussion um Assmanns These vom Gewaltpotential des Monotheismus weist Erich Zenger darauf hin:

„Das ‚politische' Konzept des Gewaltverzichts könnte und müsste nun durch den Blick auf die sog. Gottesknechtslieder des Jesajabuches weiter präzisiert werden. Insbesondere das vierte Gottesknechtslied Jes 52,13-53,12 präsentiert eine Auseinandersetzung mit dem Thema Gewalt, die darin kulminiert, dass durch die freiwillige Hinnahme von Gewalt durch den ‚Knecht' (als Individualgestalt, aber auch als Gemeinschaft) der tödliche Kreislauf von Gewalt und Gegengewalt aufgebrochen wird.";20

Diese These klingt provozierend, denn wer möchte schon auf Verteidigung verzichten? Dennoch ist es eine These, die nicht nur durchdacht, sondern auch weitergedacht werden muss. Insbesondere in unserer Zeit, in der die Gewalt in Form des religiösen Terrorismus ihr höchstes Ausmaß erreicht hat, wird das vierte Gottesknechtslied plötzlich aktuell. Es stellt für einen Christen21 gleichsam die Wende von einer gewalttätigen zu einer friedensstiftenden Religion dar und beweist ein zutiefst pazifistisches und gewaltloses Verhalten, welches das Wüten der Gewalttäter bis „zum Tod am Kreuz";,22 in Gehorsam Gott gegenüber auszuhalten vermag. Die These Jan Assmanns ist deshalb fragwürdig, weil er das Gewaltpotential aller monotheistischen Religionen gleichsetzt, indem er die Theologie des Judentums, des Christentums und des Islams in Bezug auf Gewalt nicht ausdifferenziert. Sein Hauptargument sind Gebote, wie: „Du sollst keine anderen Götter neben dir haben.";23 Im Alten Testament, das für Juden und Christen nahezu die gleiche Gültigkeit besitzt, sind gerade Texte, wie das vierte Gottesknechtslied theologisch entscheidend, um von dem Gedanken Abschied zu nehmen, Gewalt könne durch Gewalt besiegt werden. In diesem Lied ist die Offenbarung der Relativität von Orthodoxie geradezu bemerkenswert, da das Leiden des Gottesknechts, der den Erlöser verkörpert, eben nicht dem im Alten Testament bis dahin gültigen Tun-Ergehen-Zusammenhang folgt. Es kann demnach nicht richtig sein, die Gewalt, die im praktischen Leben von Juden und Christen verübt wird, auf die Religion bzw. auf die Heilige Schrift zurückzuführen. Zielgerichteter wäre die Kritik an fehlerhafter, eigensinniger und machtorientierter Auslegung der biblischen Texte durch die jeweiligen Religionsführer, welche Gewaltanwendung gepredigt und durch Religion legitimiert haben und bis heute immer wieder legitimieren.24 Besonders deutlich ist diese Kritik an den widerstreitenden Konfessionen in Nordirland anzubringen, denn sie schrecken bisweilen vor Gewalttaten nicht zurück. Aber auch gläubige Muslime müssen darauf hingewiesen werden, sich für eine gewaltfreie Ausübung ihres Glaubens einzusetzen, damit radikal extremistische Prediger des Islam diese in sich friedliche Religion nicht für ihre Zwecke und für ihren persönlichen Hass gegen Andersgläubige oder Ungläubige benutzen. Religiöser Extremismus jeglicher Art neigt zu Gewaltanwendung. Durch die vielen Toten, die aufgrund von Auseinandersetzungen zwischen den Religionen zu beklagen sind, müssen sich Geistliche jeder Konfession und jeden Glaubens aufrütteln lassen. Deshalb soll der Apostel Paulus nicht zuletzt, sondern gerade zur Einführung in die Exegese des vierten Gottesknechtsliedes mit einem zentralen Schriftwort, das gerade heute an Aktualität gewinnt, zu Wort kommen: „Denn das Wort vom Kreuz ist denen, die verloren gehen, Torheit; uns aber, die gerettet werden, ist es Gottes Kraft.";25

2.1 Deuterojesaja und die Gottesknechtslieder

Eine Besonderheit des Jesajabuches ist bereits im Aufbau feststellbar. In den Kapiteln eins bis 39 spricht der zwischen (740?)734-701 v. Chr. wirkende Prophet Jesaja selbst. Das ist wissenschaftlich unstrittig. Die Probleme und Unklarheiten über die Autorschaft beginnen im Jesajabuch ab Kapitel 40. Mit wenigen Ausnahmen26 ist jedoch ein anderer Prophet mit dem Namen Deuterojesaja als Autor der Kapitel 40 bis 55 allgemein anerkannt. Umstritten ist die seit 1892 von Duhm vertretene These, dass ab Kapitel 56 nicht Jesaja, sondern wieder ein anderer Prophet, Tritojesaja, rede.27

2.1.1 Geschichtlicher Zusammenhang und Einordnung

Die Forschung geht davon aus, dass Deuterojesaja und einige andere Texte aus dem Jesajabuch zwischen 520-515 v. Chr. verfasst wurden.28 In den Texten selbst fehlen die für eine historisch kritische Exegese so wichtigen Informationen wie gliedernde Überschriften und Situationsangaben. So muss die Exegese zum einen die Art der Einheiten des Textes bestimmen, zum anderen diesen Einheiten eventuelle Gliederungsprinzipien entnehmen. Schließlich sollte geprüft werden, ob eine kompositorisch-redaktionelle Arbeit in Deuterojesaja wahrscheinlich ist.29 Historisch gesehen ist die Hörerschaft in dieser Zeit eine völlig andere als zu Zeiten Protojesajas.30 Der Jerusalemer Tempel wurde 589 v. Chr. zerstört und das Volk Israel in das Exil nach Babylon geführt. Leid und Unterdrückung in babylonischer Gefangenschaft lösten bei den Israeliten Resignation und Verzweiflung aus. Gleichzeitig kamen diese Israeliten immer intensiver mit der Religion, Kultur und Zivilisation Babylons in Kontakt und fanden sich nicht nur mit dem Neuen und Unbekannten ab, sondern sie drohten gar der Faszination dessen zu erliegen und die Treue zu JHWH zu brechen. Es liegt auf der Hand, dass eine Reaktion seitens der Theologie notwendig erschien.

„Das Wort in 40-55 versucht einerseits mit dem Aufgebot aller zur Verfügung stehenden Mittel der traditionellen Theologie und religiösen Rhetorik, andererseits mit dem Einsatz schöpferischer Kraft zur Formung ganz neuer, ungehörter theologischer Sätze den Glauben an JHWH, den einen Gott, den Schöpfer und Retter, attraktiv zu machen. Kyrus eröffnete die Möglichkeit der Rückkehr nach Jerusalem wahrzunehmen. Theologisch ist der Auszug aus Babylon ein Auszug, der den aus Ägypten überbietet.";31

Diese hier sehr kurze und grob umrissene Momentaufnahme aus der Geschichte Israels versucht die Intention Deuterojesajas etwas zu verdeutlichen. Die nach Babylon verschleppten Israeliten sollten wieder Hoffnung schöpfen und sich ihrem Gott JHWH erneut zuwenden. Aufbauend auf diesen Hintergrund und in dieser Intention sind auch die Gottesknechtslieder zu lesen. Trotzdem sind sowohl die literarische Einheitlichkeit der Gottesknechtslieder, als auch ihre theologische Einordnung in die Prophetie Deuterojesajas, die Verfasserfrage und die Identifizierung des Gottesknechts exegetisch umstritten.32 Erst seit B. Duhm werden die Gottesknechtslieder33 als eigene Textgruppe verstanden. Dies liegt wohl an dem eigenen und besonderen Stil der Lieder, welcher durch die ruhige und getragene Sprache sowie das „Ebenmaß der Stichen und Strophen";34 auffällt. Folgt man der Meinung der Exegeten, die sich Duhm angeschlossen haben, so können die Gottesknechtslieder auch aus Deuterojesaja entfernt werden, ohne dass eine auffallende Lücke im Text entstehen würde. Schließlich haben sie keine besondere und für den Textzusammenhang wichtige Beziehung zu ihrer Umgebung.

Dies hat auch Folgen für die Person des Gottesknechts in Deuterojesaja und in Abgrenzung dazu für die Person des Knechts in den Gottesknechtsliedern. Zwar spricht der Prophet sowohl in den Liedern wie auch in den anderen Jesajatexten immer wieder vom Gottesknecht, doch sind die Zusammenhänge anders:

„Bei ihm35 ist Israel, so wie es ist, der Knecht Jahves, von Jahve erwählt, geschützt und für eine herrliche Zukunft bestimmt, aber gegenwärtig blind und taub, gefangen und geplündert, ein Wurm, verachtet von den Heiden, voller Sünden. Dagegen ist der Held dieser Dichtungen dem Volk gegenübergestellt, unschuldig, Jahves Jünger und von ihm täglich erleuchtet, berufen zur Mission am Volk und an den Heiden und seinem Berufe in aller Stille nachgehend; […]";36

Der Vollständigkeit halber ist zu erwähnen, dass es eine beachtliche Anzahl von Exegeten gibt, die Duhms Auffassung nicht folgen. Während Budde Jesaja die Möglichkeit einräumt, nicht immer dasselbe über sein Volk Israel sagen zu müssen und damit die Existenz Deuterojesajas relativiert, erkennt Giesebrecht die Sonderstellung der Gottesknechtslieder innerhalb Deuterojesajas an und schließt damit die Möglichkeit der Autorschaft eines anderen, nämlich Deuterojesajas, nicht aus.37 Die Meinungen der Exegeten gehen also bereits in der Verfasserfrage weit auseinander. Infolgedessen ist es nicht verwunderlich, dass in der Forschung über tiefergehende theologische Fragen, wie über die Identität des Gottesknechts selbst, noch weit mehr Unsicherheit herrscht.

2.1.2 Die Identität des Gottesknechts

Giesebrecht gibt zu bedenken, dass die Übereinstimmungen der Gottesknechtslieder mit dem Kontext sehr groß seien. Deshalb müsse Israel auch in den Liedern als der Gottesknecht identifiziert werden.38 Die Hauptschwierigkeit für die Exegese der Gottesknechtslieder liegt also in der Auslegung bzw. der Interpretation und der damit verbundenen Frage: Wer ist mit dem Gottesknecht tatsächlich gemeint? Die Ursache der Deutungsvielfalt in dieser Frage ist größtenteils auch eine Frage der Zuordnung der Gottesknechtslieder zu Deuterojesaja oder zu einem anderen Autor. Der Gottesknecht steht nach verschiedenen Exegeten einmal für das Denkmodell „empirisches Israel - ideales Israel";39 und einmal für den als Prophet gedachten Erzeuger und Repräsentant des Volkes Israel.40 Ein andermal wird der Knecht für das in die Verbannung geführte Israel gehalten, dessen Leiden im Zusammenhang mit dem des ausbleibenden Befreiungsedikts von Kyros steht. Diese recht grundsätzliche Frage nach der Identität des Knechtes ist also heftig umstritten und nicht eindeutig zu beantworten. Trotzdem finden im Neuen Testament bereits die ersten Christen zum besseren Verständnis des Leidens und Sterbens Jesu Christi wertvolle Hilfe im vierten Gottesknechtslied.41 Dies darf nicht übersehen werden. Der äthiopische Kämmerer stellt in der Apostelgeschichte die Frage, welche Person mit dem Gottesknecht identifiziert werden könne, als er Jes 52,13-53,12 liest. Philippus legt ihm daraufhin auf der Grundlage dieses Schriftwortes das Evangelium von Jesus Christus aus.42 Laut dieser Bibelstelle „begann Philippus zu reden und ausgehend von diesem Schriftwort verkündete er ihm das Evangelium von Jesus.";43 Es geht aus diesem Text nicht eindeutig hervor, dass mit dem Gottesknecht zwingend Jesus selbst gemeint ist, doch wird die Autorität des vierten Gottesknechtsliedes schon in der Apostelgeschichte als wertvoll eingeschätzt. So konnte aufgrund dieses Textes das Evangelium verkündet werden. Für einen Christen stellt der Gottesknecht im vierten Gottesknechtslied eine Vorausdeutung auf die tatsächlichen Geschehnisse um Jesus Christus im Neuen Testament dar. So zentral ist dieses Lied, dass es Notger Füglister ohne Bedenken als die „abschließende Krönung der vier sog. ‚Gottesknechtslieder' Jes 42,1-4; 49,1-6; 50,4-9; 52,13-53,12.";44 bezeichnet.

Die Thematik dieses Liedes geht in zwei verschiedene Richtungen, die abschließend zusammengeführt werden. Zum einen in die Richtung der Beschreibung und Entlarvung von zwischenmenschlicher Gewalt in verschiedenen Formen, zum anderen in die Richtung der Gewaltüberwindung in Form der Gerechtmachung. Dies hat einen eschatologischen Stellenwert, der unbedingt berücksichtigt werden muss. So bildet der Text gleichsam die Grundlage für die Befreiung der Menschen aus ihrer Gewalttätigkeit und ihrer Schuld. Ihre Befreiung leisten die Menschen nicht selbst, sondern die schon im ersten Gottesknechtslied, Jes 42,1-4, eingeführte Hauptperson: der Gottesknecht. Dies ist beim erstmaligen Lesen des Textes zu erkennen, wie folgende Übersetzung aus dem Hebräischen zeigt:

2.2 Jes 53,12-53,12: Übersetzung ins Deutsche

52,13Siehe Glück haben wird45 mein Knecht.

Er wird sich erheben, er wird empor getragen werden und er wird sehr erhaben sein.

52,14Wie viele entsetzten sich über dich,

so entstellt, entfernt vom Menschen war sein Aussehen und seine Gestalt entfernt von den Adamskindern.

52,15So versetzt er viele Völker in Staunen. Seinetwegen werden Könige ihren Mund verschließen. Denn das, was ihnen nicht verkündet wurde,

das haben sie gesehen, und was sie nicht hörten, haben sie vernommen.

53,1Wer hat unserer Kunde geglaubt?

Der Arm JHWH's - wem wurde er offenbar?

53,2Und er stieg auf wie der Schössling vor seinen Augen

und wie die Wurzel aus der Dürre der Erde.

Keine Gestalt hatte er und keine Hoheit, dass wir ihn angesehen hätten, und kein Ansehen, so dass wir ihn begehrt hätten.

53,3Er war verachtet und von den Menschen verlassen, ein Mann der Schmerzen,

mit Krankheit bekannt gemacht,

und wie jemand vor dem man das Gesicht verhüllt. Er war geschmäht und wir achteten ihn nicht.

53,4Dennoch: Unsere Krankheiten, ja er hat sie getragen, und unsere Schmerzen hat er auf sich geladen.

Wir hingegen, wir hielten ihn für einen Gezeichneten, einen von Gott Geschlagenen und Niedergebeugten.

53,5Und er war durchbohrt von unseren Missetaten, zerschlagen von unseren Verfehlungen.

Auf ihm war Strafe für unseren Frieden, und in seiner Verwundung war uns Heilung.

53,6Alle von uns hatten sich verirrt wie das Schaf, ein jeder hatte sich seinem eigenen Weg zugewandt.

Und JHWH, er ließ ihn treffen die Schuld von uns allen.

53,7Er wurde misshandelt, und er, er demütigte sich und er öffnete nicht seinen Mund,

wie das Schaf, das zur Schlachtbank geführt wird,

und wie das Mutterschaf, das vor dem Angesicht ihres Scherenden verstummt, so öffnete er nicht seinen Mund.

53,8Aus der Drangsal und aus dem Strafgericht wurde er genommen, und bei seinem Geschlecht,

wer bedenkt, dass er aus dem Lande der Lebenden herausgerissen war? Wegen der Abtrünnigkeit meines Volkes war ihm Schaden.

53,9Und man gab ihm sein Grab bei den Übeltätern und bei einem Reichen seine Todesruhe,

obgleich er nicht Unrecht getan hat, und nicht Betrug in seinem Munde war.

53,10Und JHWH, er wollte sein Zerschlagen, er machte ihn leiden. Wenn er seine Seele als Schuldopfer hingibt,

wird er Nachkommen sehen, er wird die Tage lang machen. Und das Wollen JHWHs: Durch seine Hand wird es gelingen.

53,11Frei von der Mühsal seiner Seele wird er sehen. Er wird satt werden in seiner Erkenntnis.

Der Gerechte, mein Knecht, wird die Vielen gerecht machen, und ihre Verfehlungen wird er selbst tragen.

53,12Darum werde ich ihm an den Vielen Anteil geben, und er wird mit den Mächtigen Beute teilen

dafür, dass er seine Seele zum Tode hin gegossen hat und zu den Abtrünnigen gezählt wurde.

Und er trug die Sünde der Vielen, und er trat für die Abtrünnigen ein.

3. Aufbau, Gattungsfragen, Analyse

Nach Otto Kaiser ist das vierte Gottesknechtslied in drei große Abschnitte aufzuteilen. Die Verse 13 bis 15 und 7 bis 12 rechnet er zur JHWH-Rede und begründet dies mit der Bezeichnung „mein Knecht";,46 dem Begriff „mein Volk";,47 und den in Vers 11 und 12 auftauchenden Wendungen „mein Knecht"; und „ich gebe ihm teil.";48 Auch andere Exegeten, wie beispielsweise H.-J. Hermisson, folgen im Wesentlichen der von Otto Kaiser vertretenen Einteilung des Liedes in drei Grobteile.49

„Achtet man darauf, wer in diesem Text jeweils redet, so zeigt sich ein klarer Aufbau: 52,13-15 ist Jahwerede, ebenso 53,11b (von »rv› an) bis 12; dazwischen steht in 53,1-11 (oder zumindest 53,1-6) die Rede in einer Mehrzahl in 1. Person Plural. Der Mittelteil gliedert sich in V.1-6 und V.8-11.";50

In der vorliegenden Arbeit wird diese Gliederung übernommen und etwas genauer ausdifferenziert. Nicht nur die Redeanteile sind für die Einteilung entscheidend, sondern auch der gesamte Gesprächs- bzw. Erzählverlauf.51 So wird das Gottesknechtslied hier in sechs Abschnitte unterteilt. Die Verse 52,13 bis 53,15 eröffnen das Gottesknechtslied und könnten als JHWH-Orakel bezeichnet werden.52

„Dem leidenden Knecht wird für seine Zukunft seine Erhöhung versprochen und zugleich der Sinn seines Leidens enthüllt.";53 Die folgenden drei Verse 53,1 bis 53,3 zählen zum Gesamtkomplex des Mittelteils 53,1 bis 53,11, der Merkmale eines Klageliedes,54 eines Leichenliedes55 und eines Dankliedes aufweist, jedoch nicht eindeutig zu einer dieser Gattungen gezählt werden kann. „Faßte man den Mittelteil als Klagelied des Einzelnen, so könnte ihm kein Jahweorakel vorangehen, fasste man ihn als Danklied, so könnte ein Orakel nicht folgen; […]";56

Die drei Verse 53,1 bis 53,3 sind grundlegende Handlungsträger, denn sie erzählen das Werden des Gottesknechtes und sein Wirken auf die Gruppe der „Wir";.57 Die nächste Versgruppe 53,4 bis 53,6 beschreibt eine besondere Wendung. Die „Wir"; erkennen ihre eigene Schuld am Leiden des Gottesknechts. Es folgt eine weitere Steigerung in den Versen 53,7 bis 53,9. Diese beschreiben das unsägliche Leiden des Knechts, welches bis zu seinem schmählichen Tod und seiner unwürdigen Bestattung fortdauert. Vers 10 verdient eine gesonderte Betrachtung, da hier JHWH als derjenige erscheint, der das Leiden des Gottesknechtes will und in seinen Plan integriert hat. Die beiden letzten Versgruppen 53,11f bieten eine eschatologische Vorausdeutung und bilden den Abschluss des vierten Gottesknechtsliedes. Dabei hat JHWH das letzte Wort. Dem Prolog Gottes aus 52,13 bis 52-15 folgt also der große Mittelteil 53,1 bis 10. Das Lied schließt mit dem Epilog Gottes in den Versen 53,11f. Damit ergibt sich eine Rahmung, in der das Walten Gottes gleichsam den Beginn und das Ende des Leidensweges des Knechtes umschließt.

Diese Einteilung des Aufbaus mag auf den ersten Blick etwas untypisch erscheinen. Zwar stützt sie sich ganz bewusst auf die Grobgliederung des Textes von Kaiser, Steck und Hermisson, aber sie stimmt nicht vollständig mit ihr überein. Die hier etwas ausführlichere Gliederung dient der besonderen Herausarbeitung des Phänomens der Gewalt und der Gewaltüberwindung, die letztlich in einen eschatologischen Vorgang mündet. Im Folgenden werden die sechs einzelnen Gliederungsabschnitte genauer betrachtet und systematisch aus der Sicht der Gewaltüberwindung durchleuchtet.

3.1 Der Prolog Gottes (52,13-52,15)

Das vierte Gottesknechtlied beginnt mit einem JHWH Orakel58 und dem wichtigen Wort »ı». So wird eine enge strukturelle und handlungsorientierte Verbindung zum ersten Gottesknechtlied hergestellt. Zum einen werden die vier Gottesknechtslieder durch „y»";59 im ersten und „»ı»";60 im vierten Lied gerahmt.61 Zum anderen findet in den unterschiedlichen Aussagen von Jes 42,1 und Jes 52,13 eine Weiterentwicklung der Handlung statt. Im ersten Lied wird der Knecht von Gott selbst vorgestellt62 und mit seiner geistigen Ausstattung63 und seinen sonstigen, insbesondere empathischen Eigenschaften64 beschrieben. Die Lieder zwei und drei handeln von der Berufung bzw. dem Lebens- und Leidenswegs des Knechts. Das vierte Lied hebt sich von den anderen drei Liedern vor allem durch die eschatologische Vorausdeutung JHWHs ab: „Siehe Glück haben wird mein Knecht. Er wird sich erheben, er wird empor getragen werden und er wird sehr erhaben sein.";65

[...]


1 LAMNEK, SIEGFRIED: Art. Gewalt. In: Reinhold, G. (Hg.): Soziologielexikon, München: Oldenbourg, 997, S.230.

2 Viele in pädagogischen und psychologischen Fächern ausgebildete Personen arbeiten als Sozialpädagogen in Schulen, aber auch in einschlägigen Stadtbezirken, in denen Gewalt zum Alltag gehört.

3 Vgl. Ex 20,12-17; Ex 21; 23-25 u. a. Genaueres darüber in Kap. 4.2.2.

4 Gemeint sind damit Theologie, Philosophie, Soziologie, Psychologie, aber auch die Geisteswissenschaft in ihrer Gesamtheit.

5 Vgl. LAMNEK, SIEGFRIED: Art. Gewalt, S.233.

6 ASSMANN, JAN: Monotheismus und die Sprache der Gewalt. In: Walter, Peter (Hg.): Das Gewaltpotential des Monotheismus und der dreieine Gott, Quaestiones Disputatae 216, Freiburg im Breisgau: Herder, 2005, S.18-38.

7 Vgl. ASSMANN, JAN: Monotheismus und die Sprache der Gewalt, S.19.

8 Das sind das Judentum, das Christentum und der Islam.

9 BORRMANS, MAURICE: Ein Buch oder viele Bücher Gottes? In: Welt und Umwelt der Bibel. Der Koran und die Bibel, Heft 15, 1.Quartal 2000, S.5.

10 SARAMAGO, JOSÉ, Im Namen Gottes ist das Schrecklichste erlaubt. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, Nr. 220, 21.09.2001, S.52.

11 Der Koran, Sure 2, S.190ff. u. a.

12 Vgl. SCHREY, HEINZ-HORST: Art. Gewalt/Gewaltlosigkeit. In: Theologische Realenzyklopädie Bd. XIII, Berlin/New York: Walter de Gruyter, 1984, S.168f.

13 KATECHISMUS DER KATHOLISCHEN KIRCHE, München: Oldenbourg, 1993, S.586, Abschn. 2306.

14 Vgl. die vier Evangelien im Neuen Testament.

15 Vgl. dazu DENZINGER, HEINRICH: Kompendium der Glaubensbekenntnisse und kirchlichen Lehrentscheidungen. Verbessert, erweitert, ins Deutsche übertragen und herausgegeben von Peter Hünermann, Freiburg i. Breisgau: Herder,40 2005, S.1251, Abs.4203f.

16 Vgl. MOSER, MANFRED: Art. Gewalt/Gewaltlosigkeit. In: Theologische Realenzyklopädie Bd. XIII, Berlin/New York: Walter de Gruyter, 1984, S.169.

17 SEDLMEIER, FRANZ : Art. Tun-Ergehen-Zusammenhang. I.Biblisch. In: Lexikon für Theologie und Kirche, Bd. 10, Freiburg im Breisgau: Herder,3 2001, Sp.304.

18 SCHWIENHORST-SCHÖNBERGER, LUDGER: Art. Ius Talionis. In: Lexikon für Theologie und Kirche, Bd. 5, Freiburg im Breisgau: Herder,3 1996, Sp.700f.

19 Gemeint ist hier das Werden des Gottesknechts, sein „Ja"; zu Gott, seine Persönlichkeit, seine Fähigkeit, das ihm auferlegte Leiden zu tragen und seine Erhöhung. Der Begriff „Definition"; wird hierbei verwendet, weil er letztlich treffend als Begriffsbestimmung für den Gottesknecht steht. Die Definition des Gottesknechtes wird schließlich in einer Person Realität: in Jesus Christus. Dies wird im weiteren Verlauf der Arbeit noch verständlicher.

20 ZENGER, ERICH: Der Mosaische Monotheismus im Spannungsfeld von Gewalttätigkeit und Gewaltverzicht. Eine Replik auf Jan Assmann. In: Walter, Peter (Hg.): Das Gewaltpotential des Monotheismus und der dreieine Gott, Quaestiones Disputatae 216, Freiburg im Breisgau: Herder, 2005, S.59.

21 Für die Juden dürfte dieses Lied ebenfalls zu einem pazifistischen Denken führen, auch wenn die tatsächliche Erlösergestalt, Jesus Christus, in ihrem Glauben nicht erkannt wurde.

22 Vgl. Phil 2,8.

23 Ex 20,3.

24 Vgl. dazu die Kreuzzüge, den Investiturstreit, den 30-jährigen Krieg, die Hassprediger der radikalen Moslems und viele andere geschichtliche Ereignisse, bei denen religiöse Gründe ein nicht wegzudenkender Bestandteil waren.

25 1 Kor 1,18.

26 Diese Ausnahmen sind Spadora und Payne. Vgl. dazu MICHEL, DIETHELM: Art. Deuterojesaja. In: Theologische Realenzyklopädie Bd. VIII, Berlin/New York: Walter de Gruyter, 1981, S.510.

27 Vgl. dazu MICHEL, DIETHELM: Art. Deuterojesaja, S.510f.

28 Vgl. ZENGER, ERICH u. a.: Einleitung in das Alte Testament, Stuttgart: W. Kohlhammer,4 2001, S.398.

29 Vgl. MICHEL, DIETHELM, S.511.

30 734-701 v. Chr.

31 ZENGER, ERICH u. a.: Einleitung in das Alte Testament, S.400.

32 Vgl. HAAG, ERNST: Art. Knecht Gottes. In: Lexikon für Theologie und Kirche, Bd. 6. Freiburg im Breisgau: Herder,3 1997, Sp.155.

33 Das sind Jes 42,1-4; 49,1-6; 50,4-9 (10,11); 52,13-53,12.

34 MICHEL, DIETHELM, S.521.

35 Gemeint ist hier Deuterojesaja.

36 MICHEL, DIETHELM, S.521.

37 Vgl. ebd. S.522.

38 Vgl. ebd.

39 Vgl. MICHEL, DIETHELM, S.522.

40 Vgl. ebd.

41 Vgl. dazu besonders MICHEL, DIETHELM, S.526.

42 Vgl. dazu: Apg 8,26-40.

43 Apg 8,35.

44 FÜGLISTER, NOTKER: Karfreitag. Jes 52,13-53,12. In: Schulz Ehrenfried/Wahl Otto (Hg.): Unsere Hoffnung - Gottes Wort. Die alttestamentlichen Lesungen der Sonn- und Festtage. Auslegung und Verkündigung. Lesejahr B, Frankfurt am Main: Verlag Josef Knecht 1996, S.225.

45 Übersetzung nach STEURER, RITA MARIA [Übers.]: Das Alte Testament. Interlinearübersetzung Hebräisch-Deutsch und Transkription des hebräischen Grundtextes nach der Biblia Hebraica Stuttgartensia 1986. Band 3. Jesaja - Jeremia - Ezechiel, Neuhaussen - Stuttgart: Hänssler Verlag, 1996 und EDEL, REINER-FRIEDEMANN: Hebräisch-Deutsche Präparationen zu Jesaja, Marburg: Ökumenischer Verlag Dr. R. F. Edel,3 1964.

46 Vgl. Jes 52,13.

47 Vgl. Jes 53,8.

48 Vgl. KAISER, OTTO: Der königliche Knecht. Eine traditionsgeschichtlich-exegetische Studie über die Ebed - Jahwe - Lieder bei Deuterojesaja, Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht,2 1962, S.87.

49 Hermisson bezieht sich hauptsächlich auf Odil Johannes Steck, der wiederum in grober Übereinstimmung zu Otto Kaiser steht: Vgl. STECK, O. H.: Aspekte des Gottesknechts in Jes 52,13- 53,12, ZAW 97, 1985, S.38-45.

50 HERMISSON, HANS-JÜRGEN: Das vierte Gottesknechtslied im deuterojesajanischen Kontext. In:
Janowski, Bernd u. a. (Hg.): Der leidende Gottesknecht. Jesaja 53 und seine Wirkungsgeschichte, Tübingen: J. C. B. Mohr, 1996, S.10.

51 Vgl. dazu auch: JANOWSKI, BERND: Stellvertretung. Alttestamentliche Studien zu einem theologischen Grundbegriff, in: Merklein Helmut u. a. (Hg.): Stuttgarter Bibelstudien 165, Stuttgart: Katholisches Bibelwerk, 1997, S.78-81.

52 Vgl. HERMISSON, HANS-JÜRGEN: Das vierte Gottesknechtslied im deuterojesajanischen Kontext, S.11.

53 KAISER, OTTO: Der königliche Knecht, S.88.

54 Vgl. KAISER, OTTO, S.88.

55 Vgl. HERMISSON, HANS-JÜRGEN, S.11.

56 STECK, ODIL JOHANNES: Gottesknecht und Zion, in: Janowski Bernd (Hg.): Forschungen zum Alten Testament 4, Tübingen: J. C. B. Mohr, 1992, S.24f.

57 Die „Wir"; stellen im folgenden Textverlauf die Sprechergruppe dar, die in Vers 53,2 bis 53,6 das Bekenntnis ihres falschen Urteils über den Gottesknecht abgeben. Vgl. dazu ZAPF, BURKARD M.: Jesaja 40-55, Würzburg: Echter Verlag, 2001, S.325.

58 Vgl. HERMISSON, HANS-JÜRGEN, S.11.

59 KITTEL, RUDOLF (Hg.): Biblia Hebraica Stuttgartensia, Stuttgart: Deutsche Bibelgesellschaft,5 1997, Jes 42,1.

60 KITTEL, RUDOLF (Hg.): Biblia Hebraica Stuttgartensia, Jes 52,13.

61 Vgl. dazu ZAPF, BURKARD M.: Jesaja 40-55, Würzburg: Echter Verlag, 2001, S.324.

62 Vgl. Jes 42,1a.

63 Vgl. Jes 42,1b.

64 Vgl. Jes 42,2-4.

65 Jes 52,13.

Ende der Leseprobe aus 90 Seiten

Details

Titel
Gewalt und Gewaltüberwindung im Alten Testament
Untertitel
Das vierte Gottesknechtslied (Jes 52,13-53,12)
Hochschule
Universität Augsburg
Note
1,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
90
Katalognummer
V156160
ISBN (eBook)
9783640690589
ISBN (Buch)
9783640691036
Dateigröße
2133 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Sehr umfassende und bereichnde Arbeit für das Verhältnis der Religionen untereinander. Klärung von Missverständnissen gegenüber dem "grausamen" Gott des Alten Testaments
Schlagworte
AT, Altes Testament, Gewalt, Gewaltüberwindung, Jesaja, Gottesknecht, Krieg, Religionskrieg, Opfer, Jesus, Milgram, Milgramexperiment, Leid, Knecht, gerecht, Gott, Lied, Jes, Jes 52, 13-53, 12
Arbeit zitieren
Peter Kaimer (Autor), 2008, Gewalt und Gewaltüberwindung im Alten Testament, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/156160

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