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Die bürgerliche politische Führungsgruppe in Bamberg zu Beginn der Frühen Neuzeit

Ein Beitrag zur Erforschung vormoderner Eliten

Título: Die bürgerliche politische Führungsgruppe in Bamberg zu Beginn der Frühen Neuzeit

Tesis de Maestría , 2007 , 96 Páginas , Calificación: 1,0

Autor:in: Marco Eckerlein (Autor)

Historia de Europa - Edad Media, Edad Moderna
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Die wichtigste bürgerliche Institution der Verfassung stellte der Rat der Stadt dar. Die dortige Mitgliedschaft war für das Bekleiden vieler Ämter grundlegend oder zumindest förderlich. Er war kein exklusives Gremium einer kleinen Gruppe, sondern stand einer relativ breiten Masse an Bürgern offen, die allerdings oft nur kurze Zeit darin verblieben. Auch das Bürgermeisteramt konnte von einem großen Kreis von Räten zumindest für wenige Amtsperioden bekleidet werden. Allerdings war es nur eine eher kleine Gruppe, die als Rat und Bürgermeister über längere Zeit fungierten und außerdem weitere wichtige und prestigeträchtige Ämter der Stadt übernahmen. Um diese zeitaufwendigen Tätigkeiten verrichten zu könne, waren sie häufig reich oder besaßen einen gewissen Mindestwohlstand. Die Mitglieder der politischen Führungsgruppe besaßen zum Teil soziale Beziehungen zu hohen fürstbischöflichen Beamten, zu Mitgliedern von Führungsgruppen anderer Städte und teilweise zum niederen Adel. Die Familien der Gruppe waren zum Teil durch eine Vielzahl von sozialen Kontakten untereinander verbunden. Diese bestanden teilweise nicht nur zu gerade politisch aktiven Familien, sondern auch zu denen, die früher einmal bzw. in der Folgezeit mit einem Mitglied in wichtigen Ämtern vertreten waren. Obwohl die meisten Inhaber wichtiger Posten aus Familien stammten, die in ihrer Familientradition mehrere, häufig ebenfalls tragende Stadträte vorzuweisen hatten, war der Aufstieg in die Führungsgruppe möglich. Dieser konnte beispielsweise durch Heirat, Studium oder durch Bewährung in Ämtern vollzogen werden. Weiterhin gab es Zuzug aus Führungsgruppen anderer Städte, sowie Wegzug von Bamberger Mitgliedern. Die politische Führungsgruppe des Mittelalters, die aus der gesellschaftlichen Gruppe der Genannten bestand, scheint in den allermeisten Fällen keine Kontinuität bis ins 16. Jahrhundert aufzuweisen, sondern ist wohl teils ausgewandert und teils ausgestorben. Der Bauernaufstand und die Markgrafenfehde bewirkten im Wesentlichen keine dauerhafte Änderung in der Zusammensetzung der politischen Führungsgruppe. Die Säuberung des Rates von Protestanten und vor allem die Hexenverfolgungen und der Dreißigjährige Krieg führten zwar zu einem großen Verlust von Mitgliedern der Gruppe, stellten aber letztlich, da ab Mitte des 17. Jahrhunderts wieder viele Personen aus den vorher politisch tragenden Familien in hohen Posten nachweisbar sind, keinen wirklichen Bruch in der Führungsgruppe der Stadt dar.

Extracto


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

1. Fragestellung

2. Methode

3. Quellen

4. Literatur

5. Bamberg zu Beginn der Frühen Neuzeit

II. Die Verfassung der Stadt im Untersuchungszeitraum

1. Die Entwicklung der Verfassung

2. Die Stadtherrschaft

3. Die Bürgerschaft

4. Die Gerichte

5. Die Immunitäten

6. Zusammenfassung

III. Die bürgerliche politische Führungsgruppe

1. Politische Partizipation

2. Vermögen

3. Soziale Kontakte

4. Mobilität

5. Gab es in Bamberg ein Patriziat?

IV. Kontinuität und Brüche in der Führungsgruppe

1. Der Bauernkrieg

2. Die Markgrafenfehde

3. Reformation und Konfessionalisierung

4. Die Hexenverfolgungen

5. Zusammenfassung

V. Schluss

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die bürgerliche politische Führungsgruppe der Stadt Bamberg im Zeitraum von 1500 bis 1627. Das primäre Ziel besteht darin, die von dieser Gruppe dominierten Institutionen der Verfassung sowie das Ausmaß ihres politischen Einflusses zu analysieren und die Gruppe hinsichtlich ihrer sozialen Zusammensetzung, Vermögensverhältnisse und Interaktionsmuster näher zu bestimmen, um die Frage nach der Existenz eines Patriziats zu klären.

  • Verfassungsrechtliche Strukturen der fürstbischöflichen Residenzstadt Bamberg
  • Politische Partizipation und Einflussmöglichkeiten des Stadtrats
  • Soziale Verflechtungen und Netzwerke der Führungsgruppe (Verwandtschaft, Taufpatenschaften)
  • Vermögensstrukturen und soziale Mobilität der Ratsmitglieder
  • Kontinuität und Veränderung in Krisenzeiten (Bauernkrieg, Konfessionalisierung, Hexenverfolgung)

Auszug aus dem Buch

2. METHODE

Zu Beginn der methodischen Ausführung soll zunächst kurz erklärt werden, was überhaupt unter dem Begriff Führungsgruppe verstanden werden soll. Hierbei ist es sinnvoll, mit dem Begriffspaar Oberschicht und Führungsgruppe zu arbeiten. Als städtische Oberschicht sollen diejenigen Personen und Familien bezeichnet werden, die in erster Linie durch Reichtum, aber auch durch Bildung, Prestige und Einfluss „an der Spitze der gesellschaftlichen Hierarchie stehen und dadurch auch politisch privilegiert sind. (...) Der Begriff Führungsgruppen dagegen umfaßt den Personenkreis, der formelle Positionen bzw. Ämter innehat und durch Wahrnehmung dieser Möglichkeiten bewusst politischen Einfluß ausübt.“ Die Mitglieder der Führungsgruppen sind dadurch zu Teilen personenidentisch mit dem Kern der Oberschicht. Wichtig ist, dass nicht nur politische Macht, Vermögen und Status für die Zugehörigkeit zu Führungsgruppen bestimmende Bedeutung haben, sondern vor allem auch die sozialen Beziehungssysteme zwischen den Mitgliedern. Demnach sind Führungsgruppen soziale Gebilde bestehend aus einem dichten Netzwerk interpersoneller Bindungen. Diese Bindungen können soziale Beziehungen verschiedenen Typs sein, für die Frühe Neuzeit vor allem wichtig waren Verwandtschaft, Landsmannschaft, Freundschaft und Patronage. Stellt man diese Beziehungen graphisch als Striche zwischen Punkten, die Personen der Führungsgruppe entsprechen sollen, dar, so entsteht der optische Eindruck eines Netzes, das zentralere und peripherere Punkte gemessen an der absoluten Anzahl der Verbindungen aufweist.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Die Einleitung legt die Fragestellung und den methodischen Ansatz zur Erforschung der Bamberger politischen Führungsgruppe zwischen 1500 und 1627 dar.

II. Die Verfassung der Stadt im Untersuchungszeitraum: Dieses Kapitel beschreibt die rechtlichen Rahmenbedingungen der Stadt, inklusive der Stadtherrschaft, der Bürgerschaft und der für die Stadt prägenden Immunitäten.

III. Die bürgerliche politische Führungsgruppe: Hier werden die Mitglieder der Führungsgruppe hinsichtlich ihrer politischen Partizipation, ihres Vermögens, ihrer sozialen Kontakte und ihrer Mobilität analysiert.

IV. Kontinuität und Brüche in der Führungsgruppe: Dieses Kapitel untersucht die Auswirkungen politischer Ereignisse wie den Bauernkrieg, die Markgrafenfehde, die Konfessionalisierung und die Hexenverfolgungen auf die Stabilität der Führungsgruppe.

V. Schluss: Der Schlussteil fasst die zentralen Ergebnisse zusammen und reflektiert die politische Machtstruktur sowie die Zusammensetzung der bürgerlichen Elite in Bamberg.

Schlüsselwörter

Bamberg, politische Führungsgruppe, Stadtrat, Frühe Neuzeit, Patriziat, Verfassung, Immunitäten, soziale Netzwerke, Konfessionalisierung, Hexenverfolgung, soziale Mobilität, Ratsherren, Sozialgeschichte, städtische Oberschicht, Steuerlisten.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert die städtische politische Führungsgruppe in Bamberg zu Beginn der Frühen Neuzeit und untersucht deren Struktur, Machtbasis und soziale Verflechtungen.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die Untersuchung konzentriert sich auf die politische Verfassung Bambergs, die politische Teilhabe der Bürger sowie die soziale Dynamik und wirtschaftliche Basis der Führungsschicht.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?

Das Hauptziel ist die Untersuchung der politischen Einflussnahme der Führungsgruppe und die Klärung der Frage, ob es in Bamberg zu dieser Zeit ein definiertes Patriziat gab.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?

Der Autor verwendet einen prosopographischen Ansatz, um Daten über Ratsmitglieder zu sammeln, ergänzt durch eine Analyse sozialer Netzwerke, basierend auf Quellen wie Steuerlisten und Kirchenbüchern.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil behandelt die verfassungsrechtlichen Rahmenbedingungen, die Partizipation am Stadtrat, die Vermögensverhältnisse sowie die Auswirkungen von Großereignissen wie der Reformation und den Hexenprozessen auf die politische Elite.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die wichtigsten Begriffe sind Bamberg, politische Führungsgruppe, Stadtrat, Frühe Neuzeit, Patriziat, Konfessionalisierung, Hexenverfolgung und soziale Netzwerke.

Wie wirkten sich die Hexenverfolgungen auf die Führungsgruppe aus?

Die Verfolgungen führten zu einer Zäsur durch den Tod zahlreicher Ratsmitglieder und Familienangehöriger, bewirkten jedoch keinen langfristigen personellen Umbruch in der politischen Struktur.

Welche Rolle spielten die sogenannten Immunitäten für die Stadtpolitik?

Die Immunitäten bildeten geistliche Sonderbezirke innerhalb der Stadt, die durch eigene Rechte und eine Abhängigkeit vom Domkapitel die politische Autonomie der Bürgerstadt einschränkten.

Wie konsequent wurde die Konfessionalisierung umgesetzt?

Unter den Fürstbischöfen Ende des 16. Jahrhunderts wurde ein strikter konfessioneller Kurs eingeschlagen, der protestantische Räte zur Konversion oder zum Rücktritt aus ihren Ämtern zwang.

Final del extracto de 96 páginas  - subir

Detalles

Título
Die bürgerliche politische Führungsgruppe in Bamberg zu Beginn der Frühen Neuzeit
Subtítulo
Ein Beitrag zur Erforschung vormoderner Eliten
Universidad
University of Bamberg
Calificación
1,0
Autor
Marco Eckerlein (Autor)
Año de publicación
2007
Páginas
96
No. de catálogo
V156199
ISBN (Ebook)
9783640687787
ISBN (Libro)
9783640687923
Idioma
Alemán
Etiqueta
Bamberg Führungsgruppe Patriziat Elite Stadtrat Bamberg soziale Mobilität
Seguridad del producto
GRIN Publishing Ltd.
Citar trabajo
Marco Eckerlein (Autor), 2007, Die bürgerliche politische Führungsgruppe in Bamberg zu Beginn der Frühen Neuzeit , Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/156199
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