Leseprobe
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. MythosZombie
2.1 Etymologischer Zugang
2.2 Ethnologischer Ursprung
3. Die filmhistorische Entwicklung des Zombies
3.1 Erste Werke
3.2 Romeros Revolution und Trilogie
3.3 Italienische Zombie-Exploitation
3.4 Wiederauferstehung und Modernisierung
4. Interpretationsgedanken zum Zombiefilm
4.1 „L’art pour L’art“
4.2 Gesellschaftliche Parabeln
4.3 Philosophische Ansätze
5. Fazit
Anhang
1. Einleitung
In der Geschichte des Horrorfilms bildete sich schon früh das Subgenre des Zombiefilms heraus. Dennoch ist der Zombie im Vergleich zu anderen Wesen des Horrors noch eine jüngere Figur dieses Felds. Die US-amerikanische Filmindustrie entdeckte Anfang der 1930er Jahre den Zombie für sich, womit das Phänomen international überhaupt erst Beachtung fand.
Es folgten unzählige Filme, insbesondere im Bereich der sogenannten B- Produktionen. Schließlich hält der Zombie seit den letzten Jahren Einzug in das Mainstream-Kino. Er durchlief, von den Anfängen bis heute, eine ständige stilistische Evolution.
Ziel dieser Seminararbeit soll deshalb sein, das Monster Zombie vorzustellen, Veränderungen seines Äußeren und Charakters im Laufe der Filmgeschichte sowie mögliche Intentionen hinter Zombiefilmen aufzuzeigen bzw. zu erläutern. Dazu orientiert sich der Text an folgenden Fragen:
- Woher stammt der Mythos des Zombies?
- Wie wurde der Zombie in den Horrorfilm eingebettet?
- Wie entwickelten sich die Zombies im Film?
- Warum fanden die Entwicklungen statt?
- Welche Moral kann man aus dieser Art des Horrors ziehen?
Nach dieser Einleitung wird im ersten Teil der Arbeit erklärt, wo der Ursprung der Zombiefigur liegt. Der zweite Teil stellt einen historischen Aufriss des Zombiefilms dar. Im letzten Teil werden Interpretationen zum Zombiefilm thematisiert. Abschließend erfolgt ein Fazit.
2. Mythos Zombie
Das folgende Kapitel beschreibt den Wortursprung von Zombie, die kulturelle Herkunft des Mythos und die darum kreisenden Praktiken.
2.1 Etymologischer Zugang
Laut Auffarth, Bernard und Mohr basiere das Wort Zombie auf afrikanischen Bantusprachen. Dort bedeutet „zombi(e)“ oder „zumbi“ versklavter Geist. Damit sei zweierlei gemeint. Zum einen die Seele selber, welche vom Körper entfernt wurde, zum anderen der Körper ohne jeglichen Geist bzw. auch der lebende Leichnam (2000, S. 725).
Die Unterscheidung zwischen dem Körper ohne Seele und dem wieder zum Leben erweckten Leichnam wird für die weiteren Ausführungen noch von Bedeutung sein.
Eine andere Theorie vertreten Jung, Seeßlen und Weil. Sie vermuten, dass der Begriff von Jean Zombi, einem im Voodoo heiligen Propheten, abgeleitet wurde (1977, S. 458).
Mittlerweile wird „Zombie“ sogar als umgangssprachliches Sinnbild verwendet. Menschen werden dadurch, beispielsweise aufgrund ihres Alters oder Aussehens, negativ konnotiert.
2.2 Ethnologischer Ursprung
Auffarth, Bernard und Mohr beschreiben, dass schwarzafrikanische Sklaven Haitis, aber auch anderer karibischer Inseln und Brasiliens, im Zuge der dort verbreiteten Voodoo-Religion die Vorstellung der magischen Menschen- und Totenbeschwörung entwickelt hätten. Deren Subjekte könnten zu willenlosen Dienern eines Herrn werden. Diese Magie fundiere auf dem aus Westafrika stammenden Glauben, dass Menschen zwei Seelen besitzen würden. Neben der „Vitalseele“, die den Körper während des aktiven Lebens bestimme, verfügten sie über eine sogenannte „Schattenseele“, die den Leib während des Schlafs und nach dem Tod verließe. Danach führe die Schattenseele als „zombie“ ein rastloses Leben auf der Welt. Ein Magier versuche sie schließlich einzufangen und für seine Zwecke zu nutzen (2000, S. 725f). Totenbeschwörung bedeutet hier jedoch nicht, dass tatsächlich Tote als Zombies wieder zum Leben erweckt werden.
Der Zauberer soll […], um jemanden zu zombifizieren, dem Betreffenden einen Gifttrank verabreichen, so dass dieser in Totenstarre verfällt. Innerhalb von 24 Stunden muß [!] der Mensch […] begraben werden. Während der Nacht gräbt der Zauberer den Toten aus und tropft eine magische Flüssigkeit auf das Grab; der Tote soll sich daraufhin aus der Erde erheben. Jetzt ist er ein willenloser Zombie, […], der seinem Herrn und Zauberer in allem folgen muß [!] (ebd., S. 726f).
Die originalen Zombies des real praktizierten Voodoos sind somit mehr ein Synonym für Sklaverei als ein wirklicher Vorgang.
Zombies könnten ver- und gekauft werden und stellten auch heute noch, trotz juristischem Verbot, eine übliche Strafe geheimer Gesellschaften auf Haiti dar (vgl. ebd., S.727).
3. Filmhistorische Entwicklung des Zombies
Dieses Kapitel beinhaltet die Geschichte des Zombies im Film, angefangen bei den ersten Werken der 1930er und 1940er, über die späten 1960er Jahre mit dem ab dato wichtigsten Regisseur des Genres George A. Romero, fortgesetzt mit den 1980ern und ihren italienischen Zombiefilmen, hin zu den neueren Filmen zum Beginn des 21. Jahrhunderts.
Neben der Vorstellung der verschiedenen Filme und ihrer kinematographischen und narrativen Motive, soll dabei vor allem die psychische und physische Veränderung der Zombies beschrieben und erklärt werden.
3.1 Erste Werke
Der frühe Zombiefilm beruft sich noch auf den traditionellen Voodoo-Mythos. Die Filme spielen in der Karibik, zeigen im Westlichen unzivilisierte Eingeborene und Menschen die durch Magie in den Bann eines Herrschers gezwungen wurden.
Mit dem seinem Meister Dr. Caligari willenlos ergebenen und für ihn mordenden Somnambulen Cesare in DAS CABINET DES DR. CALIGARI (Deutschland 1919, Robert Wiene), erscheint eine zombieähnliche Figur schon in einem frühen Werk des Films überhaupt. Abgesehen vom Schema Herr und Knecht, hat der Film allerdings keinen Bezug zum Voodoo und wird deshalb nur als Vorreiter des Zombiefilms rezitiert. Der Somnambule unter dem Willen eines Meisters sei durch andere Horrorgestalten wie Mumie oder Golem austauschbar und nicht als Zombie definierbar, wenn er nicht deutlich in ein karibisches Umfeld eingebunden werde (vgl. Meteling, 2006, S. 113).
So ist auch der Charakter des Cesare letztendlich ein Schlafwandler, kein Scheintoter, und Dr. Caligari sein Hypnotiseur. Der expressionistische Film habe seine Wurzeln auch viel mehr im ehemaligen Pariser Splatter-Theater „Grand Guignol“ (vgl. Harzheim, 2004, S. 30).
Dies deutete bereits die Richtung späterer Horrorfilme im Stil des Splatters an, in dem sich speziell der Zombiefilm hervortun sollte. Ebenso das Cesare am Ende ein Eigenleben entwickelt und die Befehle seines Meisters verweigert, sind Motive, die in den Folgefilmen Beachtung finden.
Jahre später erscheint mit WHITE ZOMBIE (USA 1932, Victor Halperin) zum ersten Mal ein Film mit Zombiefiguren des Voodoos. Der Magier und Herr der Zombies ist jedoch kein Eingeborener der Karibik, wo der Film spielt, sondern der dort lebende Weiße namens Murder Legendre. Nach der traditionellen Voodoo-Methode zur Zombifizierung von Menschen, macht er seine Opfer per Gift scheintot, beerdigt und gräbt sie wieder aus, um sie unter sein Kommando zu stellen. Auch Madeline, die von dem Plantagenbesitzer Beaumont verehrt wird, jedoch jemand anderen heiraten will, wird von Legendre im Auftrag von Beaumont zombifiziert.
Darin erkenne man die Grundthemen des frühen Zombiefilms: Psychische Gewalt über Menschen aus wirtschaftlichen und über Frauen aus sexuellen Gründen (vgl. Wacker, 1990, S. 1).
Auch einige äußerliche Merkmale der Zombies, wie unmotorische Bewegungen, bleiche Haut und fast pupillenlose Augen, etablierten sich. WHITE ZOMBIE reihte den Zombie in den Horrorfilm ein, da Anlehnungen an den Ursprung des Horrors, der Gothic-Novelle des 19. Jahrhunderts, zu finden seien. Dekor, Atmosphäre und eine lebendig begrabene Protagonistin seien Elemente, die an Edgar Allen Poe erinnerten (vgl. Harzheim, S. 102f).
Meteling hebt I WALKED WITH A ZOMBIE (USA 1943, Jacques Tourneur) als weiteren wichtigen Film des Subgenres hervor, da er im Zuge der großen klassischen Erfolge des Horrorfilms wie Dracula oder Frankenstein gedreht wurde (2006, S. 111).
Wieder wird sich dicht am Voodoo orientiert und wieder wird dieser allerdings nur an Verhältnissen weißer Protagonisten untereinander thematisiert. Die schwarze einheimische Bevölkerung befindet sich in den frühen Zombiefilmen in der Rolle von Handlangern. Tourneur hätte trotzdem bewusst die Exotik des Voodoos als Leitfaden gewählt. Er verstehe seine Filme als übersinnliche Phantasien, in denen die Menschen das was sie bedroht nicht verstehen könnten (vgl. Grob, 2004, S. 123).
Die gescheit]erten Beziehungen der Menschen in I WALKED WITH A ZOMBIE sind ein Motiv, das der Film seinen Nachfolgern hinterließ. Das menschliche Versagen erzeuge den Schrecken und ließe sich nur noch durch die Projektion auf einen Horror-Mythos darstellen (vgl. Jung/Seeßlen/Weil, 1977, S. 460). Das Voodoo-Motiv als Verkörperung des exotisch Anderen blieb bis Ende der 1960er Jahre im Zombiefilm bestehen. Es eignete sich für das amerikanische Horrorkino, da der westliche Mensch dem unchristlichen Voodoo angstvoll begegnete (vgl. Mihm, 2004, S. 174).
3.2 Romeros Revolution und Trilogie
1968 veränderte der junge Independent-Regisseur George A. Romero den Zombiefilm in fast allen Belangen grundlegend. Mit minimalem Budget, Laiendarstellern und Hilfe von Studienfreunden verwirklichte er, in Anlehnung an den Roman „I am Legend“ von Richard Matheson, NIGHT OF THE LIVING DEAD (USA 1968, George A. Romero) (vgl. Mihm, 2004, S. 174). Der Film war Auftakt zu seiner bedeutenden Zombie-Trilogie. Romero entwarf darin den Weltuntergang durch Zombies, die die Sterblichkeit des Menschen personifizierten (vgl. Meteling, 2006, S. 127).
Romero wendete sich jedoch vom Expressionismus und Voodoo der bisherigen Zombiefilme ab und schuf ein dokumentarisches, realistisches Szenario (vgl. Haas, 2004).
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