Die Methodik der Inhaltsanalyse und ihre einzelnen Phasen


Hausarbeit, 2010

22 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhalt

1. Methoden der empirischen Sozialforschung

2. Gütekriterien der empirischen Sozialforschung

3. Die Inhaltsanalyse als Methode der Kommunikationswissenschaft

4. Phasen der Inhaltsanalyse I: Planung

5. Phasen der Inhaltsanalyse II: Entwicklung

6. Phasen der Inhaltsanalyse III: Test

7. Phasen der Inhaltsanalyse IV: Codierung

8. Phasen der Inhaltsanalyse V: Auswertung

9. Quellenverzeichnis

10. Literaturverzeichnis

11. Anhang

1. Methoden der empirischen Sozialforschung

In der Sozialwissenschaft existieren eine Vielzahl von Techniken zur Erhebung und Auswertung von Daten. Andreas Diekmann beschreibt es in seinem Buch Empirische Sozialforschung so: „Die Gesamtheit dieser Methoden stellt das Inventar der <Werkzeugkiste> der empirischen Sozialforschung dar. […] Genau wie mit einem Hammer oder einem anderen Werkzeug bei unsachgemäßen Umgang Schaden angerichtet werden kann, gilt dies auch für die Werkzeuge der Sozialforschung“.[1]

Eine der bekanntesten Methoden der Datenerhebung stellt zweifellos die Befragung dar. Sie wird oft auch als Königsweg der Sozialforschung bezeichnet (nach Rene König, 1972). Die Befragung ist ein „planmäßiges Vorgehen mit wissenschaftlicher Zielsetzung, bei dem die befragte Person durch eine Reihe gezielter Fragen oder mitgeteilter Stimuli zu verbalen [oder schriftlichen] Informationen veranlasst werden soll.“[2] Arten der Befragung sind 1. das persönliche `face-to-face´ Interview, 2. das telefonische Interview (wobei beide Arten auch durch die Bezeichnung mündliche Befragung zusammengefasst werden können), 3. die schriftliche bzw. postalische Befragung und 4. die Online-Befragung. Eine Befragungssituation ist immer eine künstliche Situation deren Sinn von instrumentellem Charakter ist. Allerdings hat die Befragung ein hohes Fehlerpotential da es zu Antwortverzerrungen kommen kann. Ursachen dafür können sein: Antwortverweigerung (non-item-response), Meinungslosigkeit (`weiß-nicht-Antworten´), keine Meinung (non-attitude) aber trotzdem substantielle Antwort, soziale Erwünschtheit, Reihenfolgeeffekte, Zustimmungstendenzen (Aquieszens) u.v.m. Die Art der Fragestellungen sollte bestimmten Richtlinien entsprechen um Fehler zu vermeiden. So sollten sie keine Fremdwörter enthalten, kurz und neutral formuliert sein, keine bestimmte Antwort provozieren und nie Bezug auf nur einen Sachverhalt nehmen. Die Fragen können offen (d.h. ohne feste Antwortkategorien) oder geschlossen gestellt werden.

Bei der mündlichen Befragung ist noch einmal zu unterscheiden zwischen a) wenig strukturierter Interviewsituation (= ohne Fragebogen, Spontanität in der Gesprächsführung, Interviewer eher als Stichwortgeber), b) teilstrukturierter Interviewsituation (= vorbereitete Fragen als grober Leitfaden, aber Abfolge der Fragen offen) und c) stark/ vollstrukturierter Interviewsituation (= exaktes Vorgehen mittels standardisierten Fragebogens, keinerlei Spontanität). Stark strukturierte Interviews werden oft auch als quantitative Befragungen bezeichnet, dagegen zählen wenig strukturierte Interviews zu den qualitativen Methoden der Befragung. Spezielle Arten der Befragung sind Tandeminterviews, in denen es zwei Interviewer und zwei Befragte gibt und Gruppendiskussionen, also ein Interviewer und mehrere Befragte. Jede Befragungsart hat seine eigenen Vor- und Nachteile (Abb. I).

Eine weitere Methode zur Erhebung von Daten ist die Beobachtung. „Unter Beobachtung verstehen wir das systematische Erfassen, Festhalten und Deuten sinnlich wahrnehmbaren Verhaltens zum Zeitpunkt seines Geschehens.“[3] Die Beobachtung zum Zwecke der wissenschaftlichen Arbeit ist von der naiven bzw. alltäglichen Beobachtung abzugrenzen. Ziel der wissenschaftlichen Beobachtung ist das Beschreiben bzw. die Rekonstruktion sozialer Wirklichkeit vor dem Hintergrund einer forschungsleitenden Frage.[4] Abhängig von dieser forschungsleitenden Frage und dem Untersuchungsgegenstand, gibt es verschiedene Klassifikationen von Beobachtungen zwischen den man unterschieden muss:

a) Teilnehmende oder nicht teilnehmende Beobachtung

Die Beobachtungsprotokolle werden im Anschluss oder im Verlauf der Beobachtung erstellt.

a. Offene oder verdeckte Beobachtung (aktiv/passiv)

Ein verdeckt teilnehmender Beobachter befindet sich zwar zwischen den Untersuchungsgegenständen, gibt sich aber nicht als Beobachter zu erkennen. Bei einer verdeckt nicht teilnehmenden Beobachtung versucht der Beobachter gänzlich unentdeckt von seinen untersuchten Personen zu bleiben.

b) Feldbeobachtung oder Beobachtung im Labor

Beobachtung in natürlichen sozialen Situationen mit hoher externer Validität oder unter Laborbedingungen.

c) Unstrukturierte oder strukturierte Beobachtung

Der Beobachter versucht ohne feste Vorgaben alle Vorkommnisse zu erfassen oder er selegiert, klassifiziert und kodiert Handlungsabläufe bzw. Elemente von Handlungen entsprechend den Anweisungen des vorgegebenen Beobachtungsrasters oder.

d) Fremd- oder Selbstbeobachtung

Werden fremde Verhaltensweisen beobachtet oder kommt es zu einer Introspektion, d.h. der Beobachter beobachtet sich selbst.[5]

Wie bei jeder Datenerhebung, können auch bei der Beobachtung methodische Fehler seitesn des Beobachters auftreten z.B. Fehlerbeurteilung (zu milde), Abfolgeeffekt (feste Beurteilung aufgrund erster Eindrücke), Halo-Effekt (Urteilsverzerrung aufgrund eines besonderen Merkmals einer Person), Tendenzen u.v.m.

Das Experiment als eine der Methode der empirischen Sozialforschung ist keine besondere Erhebungsart, sondern streng genommen eine Versuchs- oder Untersuchungsanordnung und wird als „wiederholbare Beobachtung“ definiert.[6] Ein Experiment zeichnet sich, als strengste Form der Hypothesenüberprüfung durch ein Höchstmaß an Kontrolle aus. Vorteile bieten seine künstlich geschaffenen Untersuchungssituationen in denen Extremsituationen konstruiert und Variablen manipuliert bzw. variiert werden können. Zudem dient das Experiment der Herstellung von Kausalbeziehungen (Ursache-Wirkung-Zusammenhang) zwischen sozialen Phänomenen.[7] Durch die experimentelle Methode werden nur die neuen Erkenntnisse gewonnen, nach denen in den vorrausgegangenen Hypothesen der experimentellen Designs gefragt worden ist. Man unterscheidet auch hier zwischen Feld- und Laborexperiment, also einer im Labor durchgeführten Messung unter vordefinierten Bedingungen oder einem Experiment im natürlichen Umfeld. Allerdings bringt die Nutzung eines Experiments auch eine gewisse Schwierigkeit mit sich. Da es sich um einen selektiven Prozess handelt, bei dem man nur bezüglich einer ausgewählten Fragestellung forscht, ist eine Verallgemeinerbarkeit auf nicht-experimentelle Gegebenheiten („externe Validität“) oft problematisch.

Bei der Nutzung von Experimenten kann man weiterhin zwischen simultanen und sukzessiven Experimenten, projektiven Experimenten und ex-poste-facto-Verfahren oder Simulation und Planspiel unterscheiden, auf die jetzt allerdings nicht weiter eingegangen werden soll.

Ein Verfahren der empirischen Sozialforschung das nicht menschliches Verhalten selber, sondern das Produkt dieses Handelns erforscht, ist die Inhaltsanalyse (Abb. II). Auf sie wird in den folgenden Kapiteln noch detailliert eingegangen.

2. Gütekriterien der empirischen Sozialforschung

Gütekriterien sind Kriterien an denen sich Messungen orientieren und nach deren Betrachtung sich beispielsweise Aussagen über Gültigkeit und Zuverlässigkeit treffen lassen. Eine Anforderung an die empirische Sozialforschung ist das Messvorgänge möglichst exakte und fehlerfreie Werte erheben. Man unterteilt zunächst in Gütekriterien qualitativer und Gütekriterien quantitativer Forschung. Zu den qualitativen Kriterien gehören zum Beispiel Intersubjektive Nachvollziehbarkeit, Gegenstandsangemessenheit oder Empirische Verankerung. Wichtiger sind allerdings die quantitativen Kriterien: Objektivität, Reliabilität und Validität.

„Der Grad der Objektivität eines Messinstruments bringt zum Ausdruck, in welchem Ausmaß die Ergebnisse unabhängig sind von der jeweiligen Person, die das Messinstrument anwendet.“[8] Eine differenziertere Sichtweise durch Teilung in Durchführungsobjektivität und Auswertungsobjektivität ist ebenfalls möglich. Dabei gilt bei der Inhaltsanalyse die Objektivität der Durchführung als notwendige, aber nicht hinreichende Bedingung für die Reliabilität der Messung und die Reliabilität der Messung als notwendige, aber nicht hinreichende Bedingung für die Validität der gesamten Analyse.

„Unter Reliabilität versteht man [dabei] das Ausmaß, in dem die Anwendung einer Erhebungsinstrumentes bei wiederholten Datenerhebungen unter gleichen Bedingungen und bei selben Probanden das gleiche Ergebnis erzielt“[9] Reliabilität sagt es also etwas über die Zuverlässigkeit aus. Von Zuverlässigkeit kann also gesprochen werden wenn, bei mehrfacher Anwendung desselben Instruments, dasselbe Ergebnis erzielt wird (intertemporal); wenn verschiedene Personen mit dem gleichen Instrument zum gleichen Ergebnis kommen (intersubjektiv) und wenn man durch verschiedene Instrumente zu vergleichbaren Ergebnissen kommt (interinstrumentell).

Zur Untersuchung der Reliabilität gibt es in der Sozialforschung verschiedene Tests z.B.

a) Tstrumentenreplikation: zur Überprüfung der Intersubjektivität, indem meest-Retest-Design: zur Überprüfung der zeitlichen Stabilität der Messung mittels Wiederholung der empirischen Methode.
b) Inhrere Forscher das gleiche Messinstrument nutzen.
c) Paralleltestmethode: u.a. zur Messung interner Konsistenz, indem im gleichen Zeitraum zwei vergleichbare Messungen an der gleichen Person vorgenommen werden.
d) Split-Half-Methode: ist die Aufspaltung der Items in zwei Testhälften, aus dessen Korrelation man mittels der Spearman-Brown-Formal Reliabilität schätzen kann.

„Unter Validität (Gültigkeit) eines Messinstrumentes versteht man das Ausmaß, in dem das Messinstrument tatsächlich das misst, was es messen sollte.“[10]

Wiederholte Messungen können zwar ein gleiches Resultat bringen und damit reliabel sein, dies sagt allerdings noch nichts über ihre Validität aus. Genauso kann ein Fragebogen der bei wiederholter Messung nicht zum gleichen Ergebnis führt nicht valide sein. Ein Instrument ist also umso reliabler, je weniger zufällige Fehler die Messung beeinflussen und umso valider je weniger systematische Fehler sie beeinflussen.

Wie bei der Reliabilität gibt es auch bei der Validität verschiedene Methoden die Gültigkeit festzustellen. Arten der Validierung sind:

a) Inhaltsvalidität: bezieht sich darauf, dass möglichst alle Aspekte der Dimensionen, die gemessen werden sollten, berücksichtigt wurden und beruht auf Plausibilität.
b) Konstruktvalidität: beruht auf theoretischer Infragestellung bei der, die zu testenden Hypothesen mit vorhandenem Wissen konfrontiert werden. Die logische Konsistenz der Untersuchung ist zu prüfen und es muss reflektiert werden in wie weit die Ergebnisse den Erwartungen entsprechen. Voraussetzung ist ein gesichertes Wissen um das Konstrukt.
c) Kriteriumsbezogene Validität: beruht auf empirischer Konfrontation mit anderen Variablen, die in Zusammenhang stehen. Untersuchungsergebnisse werden anderen verwandten Kriterien gegenüber gestellt und auf Zusammenhänge geprüft.
d) Inferenzvalidität: Zu deren Beurteilung sind meist externe Erhebungen mit einem anderen methodischen Zugriff erforderlich, um die Gültigkeit weiter gehender Schlussfolgerungen aufgrund der Inhaltsanalyse zu belegen

3. Die Inhaltsanalyse als Methode der Kommunikationswissenschaft

Wie schon erwähnt ist auch die Inhaltsanalyse Teil der Methoden der Sozialforschung. Im Gegensatz zu anderen Methoden sind hier nicht Personen, sondern Medienprodukte (z.B. Musik, Werbung, Filme, Texte aus allen möglichen Presseprodukten) Untersuchungsgegenstand. Werner Früh definiert die Inhaltsanalyse als „eine empirische Methode zur systematischen, intersubjektiv nachvollziehbaren Beschreibung inhaltlicher und formaler Merkmale von Mitteilungen, meist mit dem Ziel einer darauf gestützten interpretativen Inferenz auf mitteilungsexterne Sachverhalte“[11] und stützt sich dabei auf die klassische Definition von Berelson aus dem Jahr 1952. Die Inhaltsanalyse ist also keine reine Erhebungsmethode sondern schließt Aspekte der Auswertung und Analyse von Dateien mit ein. Durch die Aufnahme „formaler Merkmale“ in seine Definition, weist Früh darauf hin, dass dem Namen Inhaltsanalyse widersprechend, auch oft formale Merkmale untersucht werden. Man unterscheidet zwischen qualitativer und quantitativer Inhaltsanalyse. Bei der Qualitativen werden vor allem schriftliche Protokolle alltagsweltlicher, sprachlicher Kommunikation ausgewertet – eben alles was inhaltliche Rückschlüsse ziehen lässt. Bei der quantitativen Inhaltsanalyse stehen eher formale Gesichtspunkte im Vordergrund beispielsweise die Länge eines Textes, die Häufigkeit bestimmter Wortarten usw.

[...]


[1] Vgl. Diekmann 2009: 18

[2] Vgl. Diekmann 2009: 439

[3] Atteslander (2006): 79

[4] Vgl. Atteslander (2006): 79

[5] Vgl. Diekmann (2009): 564 ff.

[6] Klammer (2005): 274

[7] Vgl. Atteslander (2006): 196 ff.

[8] Diekmann (2009): 249

[9] Atteslander (2000): 316

[10] Esser et al (2008): 154

[11] Früh (2007): 27

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Die Methodik der Inhaltsanalyse und ihre einzelnen Phasen
Hochschule
Universität Passau
Note
1,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
22
Katalognummer
V156399
ISBN (eBook)
9783640686179
ISBN (Buch)
9783640685981
Dateigröße
472 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Empirie, Empirische Sozialforschung, Inhaltsanalyse, Gütekriterien, Sozialforschung, Reliabilität, Pretest, Validität, Frequenzanalyse, Kontingenzanalyse;, Valenzanalyse, Analyseeinheiten, Kategorienschema, Kodiereinheit, Variable, Codebuch, Reliabilitätstest, Codierfehler
Arbeit zitieren
Stefanie Groß (Autor), 2010, Die Methodik der Inhaltsanalyse und ihre einzelnen Phasen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/156399

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