Reichsstädte im Alten Reich


Hausarbeit (Hauptseminar), 2009

13 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Allgemeine Einführung in die Thematik der Reichsstädte und der modernen Staatlichkeit
1.1 Vorbetrachtungen der Rahmenbedingungen der Reichsstädten und der modernen Staatlichkeit
1.2 Die Reichsstädte im Alten Reich

2. Die Stadtgewalt der Reichstädte
2.1 Der Kaiser als Herrschergewalt der Reichsstädte
2.2 Der Stadtrat als die zentrale Gewalt über die Reichsstädte

3. Die Bevölkerung und das Gebiet der Reichsstädte
3.1 Die Bürger der Reichsstädte
3.2 Das Gebiet der Reichsstädte

4. Das Alte Reich, Reichsstädte und ihre Staatlichkeit

Resümee

Literaturverzeichnis

Internetquellen

Einleitung

Das Heilige Römische Reich Deutscher Nation, oder kurz Altes Reich, existierte von 1495 bis 1806. Das Alte Reich bestand aus vielen Reichsständen, wie zum Beispiel die Reichsstädte, um die es hier im Besonderen gehen soll. Die Reichsstädte unterstanden im Unterschied zu den Territorialstädten, dem Kaiser und dem Reich. Sie erhielten vom Kaiser ein hohes Maß an Autonomie, was durch eine eigene Stadtverwaltung mit dem Recht Steuern zu erheben, zum Ausdruck kommt.

Im Folgenden soll es nun mit Hilfe des Staatsbegriffes von Georg Jellinek darum gehen, nachzuweisen, ob die Reichsstädte im Alten Reich eine moderne Staatlichkeit besaßen oder nicht. Georg Jellinek definiert den Staat dabei als etwas, dass eine autonome Staatsgewalt, ein klar gekennzeichnetes Staatsgebiet und ein homogenes Staatsvolk besitzt. Da die Reichsstädte eine eigene Verwaltung, ein klar definiertes Gebiet und eine eigene Bevölkerung besitzen, bietet sich an dieser Stelle besonders die jellineksche Definition vom modernen Staat an. Es ist nun die Frage, ob die Reichsstädte den klar gefassten Kriterien von Jellinek entsprechen oder ob, hier von keiner modernen Staatlichkeit die Rede sein kann, wie es in der Forschung über das Alte Reich stets vertreten wurde.

Im ersten Kapitel wende ich mich einer kurzen Einführung in die Thematik der Reichsstädte des Alten Reiches zu und versuche ihre Besonderheiten gegenüber den Territorialstädten herauszuarbeiten. Danach beschäftige ich mich mit der Herrschergewalt in den Reichsstädten und versuche diese entweder am Kaiser oder an den Stadträten, nach dem Kriterium von Jellinek, nachzuweisen. Im nächsten Schritt sollen dann die Reichsstädte auf ihre Bevölkerung und das Gebiet einer Reichsstadt untersucht werden. Das Ziel dieser dreiteiligen Untersuchung von Herrschergewalt, Bevölkerung und Gebiet besteht darin, die drei Kriterien Jellineks an den Reichsstädten im Alten Reich nachzuweißen.

1. Allgemeine Einführung in die Thematik der Reichsstädte und der modernen Staatlichkeit

1.1 Vorbetrachtungen der Rahmenbedingungen der Reichsstädten und der modernen Staatlichkeit

Im Folgenden soll es um eine allgemeine Einführung in den Aufbau und den Aufgabenbereich der Reichsstädte im Heiligen Römischen Reich deutscher Nation[1] (1495-1806) gehen.[2] Ziel dieser Einführung soll es sein, Verbindungen der Reichsstädte zur modernen Staatlichkeit aufzuzeigen, falls diese vorhanden sind. Dabei soll primär die Staatsdefinition von Georg Jellinek zugrunde gelegt werden. Georg Jellineks Definition vom Staat umfasst eine Drei-Elementen-Lehre. Diese gliedert sich in ein Staatsgebiet, dass lineare Grenzen besitzt, ein Staatsvolk, dass als eine homogene Einheit verstanden wird und eine Staatsgewalt, die den Staat souverän führt.[3] Am Rande der Ausführungen soll neben dieser sehr eng gefassten Staatsdefinition von Jellinek noch auf die Mehrebenen-staatlichkeit von Arthur Benz eingegangen werden.[4]

1.2 Die Reichsstädte im Alten Reich

„Eine Reichs=Statt ist eine Statt, welche keinen Reichs=Stand zum Landes=Herrn hat, sondern unmittelbar unter dem Kayser und Reich stehet, lediglich durch ihren Magistrat regiret wird, auch auf Reichs=Tagen Sitz und Stimme hat.“[5] Die Reichsstädte, oder auch liberae imperii civitates[6] genannt, sind demnach Stadtgemeinden, die nicht bestimmten Landesherren unterstellt waren, sondern direkt dem Kaiser und dem Reich.[7] Im Gegensatz zu den Territorialstädten, die einen Landesherren hatten, waren die Reichsstädte, was die Sicherheit der Stadt anbetraf, auf sich selbst angewiesen. Die Reichsstädte legten deshalb besonderen Wert auf ihre Verteidigungsanlagen.[8] Die Landeshoheit der Reichsstädte übte dabei der Stadtrat aus, indem er die Verwaltung, Gesetzgebung, Rechtsprechung und den Schutz des Gemeinwesens organisierte.[9] Seit dem Westfälischen Frieden 1648 kam den Reichsstädten auch das volle Stimmrecht ‚ votum decisivum ’ im Reichstag zu.[10] Die Reichsstädte wurden mit ihrer Vertretung und Stimme im Reichstag als ein vollwertiges Reichsmitglied des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation angesehen.

2. Die Stadtgewalt der Reichstädte

Um von einem modernen Staat sprechen zu können, müsste in einer Person oder Gruppe eine ungeteilte, alleinige ‚Staatsgewalt’ liegen. Im Fall der Reichsstädte bedeutete dies, dass die souveräne ‚Staatsgewalt’ entweder nur beim Kaiser des Alten Reiches oder bei den Stadträten der Reichsstädte sitzen darf, falls man hier von jellinekscher Staatlichkeit sprechen möchte.

2.1 Der Kaiser als Herrschergewalt der Reichsstädte

Die Reichsstädte zahlten ihre Reichsumlagen direkt an den Kaiser. Diese kamen aber schon im 16. Jahrhundert dem Kaiser nicht mehr alleine zu Gute. Weiterhin können die Reichsumlagen auch als ein Symbol für die Anerkennung des Kaisers und als eine enge Bindung zwischen Reichsstädten und Kaiser, der gleichsam die höchste Herrschergewalt im Reich war, angesehen werden.[11] Bei Streitigkeiten in den Reichsstädten konnte der Kaiser über „legitimierte und instruierte Kommissionen oder Exekutionsausschüsse“[12], ohne persönlich in den Reichsstädten in Erscheinung zu treten, tätig werden. Der Kaiser konnte mit Hilfe seiner Reichsgerichte, Kreisorganisationen und kaiserlichen Kommissionen in die Souveränität der Reichsstädte eingreifen.[13] Karl V. nutze seine Herrschaftsgewalt über die Reichsstädte, indem er in etwa fünfundzwanzig evangelischen Reichsstädten die Stadträte durch seine eigens instruierten patrizischen Räte[14] ersetzte, um dadurch seinen religiösen Glauben in den Reichsstädten zu festigen.[15] Dass der Kaiser in die Angelegenheiten der Reichsstädte interveniert hatte, ist aber so nicht charakteristisch für die gesamte Frühe Neuzeit zu übernehmen. Im Allgemeinen konnte man die Aufgaben des Kaiser über die Reichsstädte eher darin sehen, dass er den Städten ihre „‚Selbstständigkeit’ und relative Unabhängigkeit gegenüber den Territorialherren“[16] sicherte und den Reichsstädten landesherrliche Rechte im Bereich der Steuern, Verwaltung, Wehrhoheit, Bündnisrecht und Gesetzgebungsrecht einräumte.[17]

[...]


[1] In der Forschung wird das Heilige Römische Reich deutscher Nation mit der Bezeichnung Altes Reich abgekürzt. Vgl. Gotthard, Axel: Das Alte Reich 1495-1806, 3. Auflage, Darmstadt 2006, S. 1.

[2] Vgl. Schmidt, Georg: Geschichte des Alten Reiches. Staat und Nation in der Frühen Neuzeit 1495-1806, München 1999, S. 33.

[3] Vgl. Möllers, Christoph: Staat, In: Evangelisches Staatslexikon, Werner Heun (Hrsg.), Stuttgart 2006, S. 2274.

[4] Vgl. Benz, Arthur: Der moderne Staat. Grundlagen der politologischen Analyse, 2. Auflage, München 2008.

[5] Zitiert bei Moser, In: Krischer, André: Reichsstädte in der Fürstengesellschaft. Politischer Zeichengebrauch in der Frühen Neuzeit, Darmstadt 2006, S. 44.

[6] Vgl. Gerteis, Klaus: Die Deutschen Städte in der Frühen Neuzeit. Zur Vorgeschichte der ‚bürgerlichen Welt’, Darmstadt 1986, S. 65.

[7] Vgl. Gotthard, Axel: Das Alte Reich 1495-1806, S. 18.

[8] Vgl. Müller, Rainer A.: Mauer und Militär , In: Reichsstädte in Franken. Katalog zur Ausstellung, Rainer A. Müller (Hrsg.), München 1987, S. 37.

[9] Vgl. Buberl, Brigitte: Ratsherrschaft und Verwaltung , In: Reichsstädte in Franken. Katalog zur Ausstellung, Rainer A. Müller (Hrsg.), S. 206f.

[10] Vgl. Schilling, Heinz: Die Stadt in der Frühen Neuzeit, 2. Auflage, München 2004, S. 39.

[11] Vgl. Schmidt, Georg: Der Städtetag in der Reichsverfassung. Eine Untersuchung zur korporativen Politik der Freien und Reichsstädte in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts, Stuttgart 1984, S. 185.

[12] Grundmann, Herbert (Hrsg.): Gebhardt. Handbuch der Deutschen Geschichte, 2. Band, 9. Auflage, Stuttgart 1981, S. 427.

[13] Gerteis, Klaus: Die Deutschen Städte in der Frühen Neuzeit, S. 65.

[14] Mit der Bezeichnung patrizische Räte sind die Angehörigen der Oberschicht gemeint, die sich durch Reichtum und adlige Herkunft kennzeichneten. Der Begriff der Patrizier geht dabei auf die Tradition des Römischen Reiches zurück. Vgl. Müller, Rainer A. (Hrsg.): Reichsstädte in Franken, S. 109.

[15] Vgl. Grundmann, Herbert (Hrsg.): Gebhardt. Handbuch der Deutschen Geschichte, S. 427

[16] Schmidt, Georg: Der Städtetag in der Reichsverfassung, S. 185.

[17] Vgl. Gerteis, Klaus: Die Deutschen Städte in der Frühen Neuzeit, S. 66.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Reichsstädte im Alten Reich
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena  (Historisches Institut)
Veranstaltung
Das Alte Reich und der moderne Staat
Note
2,3
Autor
Jahr
2009
Seiten
13
Katalognummer
V156432
ISBN (eBook)
9783640691395
ISBN (Buch)
9783640691579
Dateigröße
549 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Reichsstädte, Alten, Reich
Arbeit zitieren
Benedikt Bärwolf (Autor), 2009, Reichsstädte im Alten Reich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/156432

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