Chlothar I. bei Gregor von Tours


Seminararbeit, 2006
14 Seiten, Note: 3,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Chlothar I. bei Gregor von Tours

3 Das Werk Gregor von Tours

4 Zusammenfassung

5 Literaturverzeichnis

6 Quellenverzeichnis

1 Einleitung

Chlothar I. wurde 498 bzw. 500 als jüngster Sohn von Chlodwig I. und Chrodechilde geboren. Er regierte das Frankenreich zunächst nach dem Tod seines Vaters 511 zusammen mit seinen drei Brüdern. Nach dem Tod aller seiner Brüder und Neffen 558 wurde er zum Alleinherrscher. Chlothar einte das Frankenreich und vergrößerte es um Burgund, Provence, Sachsen und Thüringen. In den Auseinandersetzungen mit seinen Brüdern, Neffen und eigenen aufständischen Söhnen, zeigte Chlothar die ganze Zügellosigkeit und Gewaltbereitschaft, die bis heute als kennzeichnend für die Merowinger gelten.[1]

Gregor von Tours[2], einer der bedeutendsten Geschichtsschreiber aus dem Frühmittelalter, berichtet uns von der Zeit der Frankenherrschaft in seinem Werk „Zehn Bücher Geschichte“. In dieser Abhandlung soll speziell Chlothars Geschichte aus der Sicht Gregors beschrieben werden und wie diese Sicht zu bewerten ist. Wichtig hierbei ist der heutige Forschungsarbeit und dessen Beurteilung Gregors, welche in die Abhandlung mit eingearbeitet ist.

Zunächst werden die wichtigsten Quellenstellen über Chlothar I. herausgefiltert und interpretiert. Danach soll Gregors Werk etwas genauer betrachtet werden, wodurch die Argumentationsstruktur unterstrichen und erklärt werden soll, sowie die Interpretationsansätze. Abschließend wird genau auf die Argumentation eingegangen und die Abhandlung in ihren Kernpunkten zusammengefasst.

2 Chlothar I. bei Gregor von Tours

Gregor von Tours verfasst im dritten und vierten Buch seiner „Decem libri historiarum“ einen historischen Abriss des gallischen Raumes, sowie dessen Bewohner und Herrscher. Am Ende des dritten und Anfang des vierten Buches berichtet er über die Regierungszeit Chlothars I. und dessen drei Brüder nach dem Tode des Vaters Chlodwigs I[3]. Da Gregor von Tours in der Tradition der Kirche und der Hagiographie schreibt, legt er auch in den „Zehn Büchern Geschichte“ viel Wert auf die Wundertaten Heiliger und deren Auswirkungen auf die Frankenkönige. Bei den wichtigen Quellenstellen über Chlothar I. ist dies ebenso der Fall. Hier werden besonders die religiösen Beweggründe Chlothars Handeln erläutert und die Einsichten, die er durch den von ihm und seiner Mutter angebeteten Schutzherrn Martin von Tours erfuhr.

Zunächst beschreibt Gregor sachlich die Aufteilung des Reiches Chlodwigs I. im Buch drei, erstes Kapitel. Es wurde zu gleichen Teilen unter seinen Söhnen Theuderich, Chlodomer, Childebert und Chlothar aufgeteilt. Weiter berichtet Gregor über das Vorhaben der Söhne die Expansionspolitik ihres Vaters weiter zuführen. So erweiterten sie das Reich um Burgund, Thüringen und Sachsen. Besonders wichtig für Gregor schienen hierbei die Bruderkriege zu sein, da er diesem Ereignis einen großen Abschnitt widmet. Er berichtet hier von den Ursachen des Streites der Brüder, die sich gemeinsam gegen Chlothar verbündeten, und deren Wiedervereinigung durch die Hilfe der Mutter Chrodechilde, die zum Heiligen Martin von Tours betete. Das Ereignis der Wiedervereinigung wird bei Gregor mit folgenden Worten wie ein Wunder Martin von Tours dargestellt :

“Cumque hi venientes cum exercitibus suis eum obsederunt, tractantes illum die sequenti interficere, mane facto, in loco, quo erant congregati, orta tempestas tendoria dissicit, res diripit et cuncta subvertit; inmixtaque fulgora cum tonitruis ac lapidibus super eos discendunt. Ipse quoque super infectam grandine humum in facie proruunt et a lapidibus decedentibus graviter verberantur – nullum enim eis tegumen remanserat nisi parmae tantum - , / hoc maxime metuentes, ne ab ignibus caelestibus cremarentur. […] Super Chlothacharium vero neque una quidem pluviae gutta decidit aut aliquis sonitus tonitrui est auditus, sed nec anilitum ullius venti in illo loco sinserunt. Hi quoque mittentes nuntius ad eum, pacem et concordiam petierunt. Qua data, ad propria sunt regressi. Quod nullus ambigat, hanc per obtentum reginae beati Martini fuisse virtutem”

(„Jene [Childebert und Theudebert] aber mit ihren Heeren kommend belagerten diesen [Chlothar], plündernd, um jenen am folgenden Tag zu töten, als morgens an dem Ort , wo sie sich versammelt hatten, ein Sturm die aufgestellten Zelte zerstörte[...]. Aber auch über Chlothar fiel gewiss kein Regentropfen zu Boden oder irgend ein Schall des Donnerschlags wurde gehört, auch hörten sie an diesem Ort nicht irgend einen Hauch eines Windes. Auch diese an ihn einen Boten schickend, strebten nun Frieden und Einklang an.[...] Darum zweifelt keiner, dass der heilige Martin das Wunder vollbrachte, welches von der Königin erbeten wurde.“)[4]

Hier ist es Gregor wichtig herauszustellen, dass Chlothar durch Martin und Gott beschützt wurde, da sein Bruder und Neffe ihn töten, also sündigen wollten, im Sinne von Kain und Abel. Chrodechilde übernimmt hierbei die Rolle der Bußfertigen und rettet so ihre Söhne und besonders Chlothar, der ja von Childebert und Theudebert angegriffen wurde. So wird Chlothar zum unschuldigen gottesfürchtigen Teil der Familie erklärt. Sein Bruder und sein Neffe lernen allerdings aus der Situation und wollen Frieden. Gregor erreicht so eine Stilisierung der Frankenkönige und Martin von Tours gleichzeitig zu gottesfürchtigen Franken. Die Frankenkönige sind auf dem rechten Weg durch Martin zu Gott zu finden.

Damit waren die Bruderkriege beendet und Theudebert, Chlothar und Chlidebert zogen zusammen gegen Burgund. Danach wurde das Frankenreich wieder neu aufgeteilt, wobei Chlothar den Süden des Reichs erhielt bis zur Durance mit Valence[5] und Embrum.[6] Durch diese Isolierung des Gebietes Chlothars und dessen niedrigere Stellung unter den Königen wurde er oft als der schwächste der Brüder bezeichnet.[7] Als Chlothar allerdings im Jahre 555 das Ostreich übernahm, welches zuvor seinen Neffen Theudebert und Theudewald[8] unterstand, wurde seine Macht größer und konnte nun den Aufstand seines Bruders Childebert in Eintracht mit seinem Sohn Chramn abwehren. Weiter konnte er die aufständischen Sachsen und Thüringer (555/556), sowie die Bretonen (560) unterwerfen. Gregor von Tours beschreibt dies folgendermaßen:

[...]


[1] Peter Classen, Chlothar I., in: Neue Deutsche Biographie 3. (1957) S. 209.

[2] die Stadt Tours liegt an der Loire im heutigen Touraine

[3] erster großer Frankenkönig (482-511), der ohne Einfluss Roms regierte

[4] Vgl. Gregor von Tours, Zehn Bücher Geschichte, Buch 3, 28, S. 124 – 125.

[5] Valence, Embrum und der Fluss Durance liegen im Südwesten, in den fr. Alpen von dem heutigen Dauphiné bis in die Provence.

[6] H. Grahn-Hoek, Chlothar I., in: Lexikon des Mittelalters 2 (1980) S. 1870

[7] ebd.

[8] Söhne Teuderichs, Bruder von Chlothar

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Chlothar I. bei Gregor von Tours
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena  (Historisches Institut)
Veranstaltung
Proseminar: Mittelalter – Zwischen Rombezug und Barbarentum – Chlodwig I
Note
3,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
14
Katalognummer
V156437
ISBN (eBook)
9783640694167
ISBN (Buch)
9783640695232
Dateigröße
364 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Chlothar, Gregor, Tours
Arbeit zitieren
Doreen Bärwolf (Autor), 2006, Chlothar I. bei Gregor von Tours, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/156437

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