Die Unterdrückung der Frauen in Deutschland

Überwindung durch „Gender-Konzepte"


Hausarbeit, 2009
16 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Definition von Unterdrückung

3. Zwei unterschiedliche Formen der Unterdrückung – wirtschaftliche Ausbeutung und sprachliche Marginalisierung
3.1. Sexuelle Unterdrückung in der deutschen Sprache
3.2. Empirische Befunde der wirtschaftlichen Unterdrückung von Frauen in Deutschland

4. Erklärungsansätze für die Entstehung der Unterschiede zwischen den Geschlechtern
4.1. Biologistische Theorien
4.2. Soziologische Theorien: Sex und Gender

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Die Freiheit, der Status, Macht und Wohlstand und die Selbstverwirklichung von Männern ist nur möglich, weil Frauen für sie arbeiten“ (vgl. Young, Iris Marion. Fünf Formen der Unterdrückung. In: Politische Theorie. Differenz und Lebensqualität. Hrsg. von Nagl-Docekal, Herta und Pauer-Studer, Herlinde. Frankfurt am Main. S. 115).

Seit dem 19. Jahrhundert kämpfen Frauen um Gleichberechtigung in allen Bereichen des öffentlichen und alltäglichen Lebens, wie der Politik, der Teilhabe an der Gesellschaft, der Arbeitswelt u.v.m. und trotz dieses langen Kampfes gibt es weiterhin Bereiche in denen Frauen von Männern unterdrückt werden. Auch in einem wirtschaftlich und gesellschaftlich weit entwickelten Nationalstaat wie der Bundesrepublik Deutschland findet im 21. Jahrhundert alltäglich Unterdrückung von Frauen statt. Diese Unterdrückung manifestiert sich auf unterschiedlichen Ebenen und ist nicht mehr so offensichtlich wie sie es noch vor 200 Jahren war – Frauen haben mittlerweile Wahlrecht erlangt, können schulische Bildung und berufliche Ausbildung genießen – dennoch ist ihr Handlungsspielraum, besonders bei der beruflichen Entwicklung, eingeschränkt.

Ziel dieser Hausarbeit ist es aufzuzeigen, dass es in der Bundesrepublik Deutschland weiterhin Bereiche gibt in denen Frauen unterdrückt werden. Um welche Formen der Unterdrückung es sich handelt, in welchen Bereichen sich diese auf welche Art und Weise ausdrücken, möchte ich an empirischen Belegen aufzeigen und begründen. Das zweite Ziel ist es, darzustellen, wie die Unterschiede, die eine Unterdrückung „legitimieren“, zwischen den Geschlechtern entstehen und theoretisch begründet werden.

Zu Beginn werde ich den Begriff Unterdrückung definieren und die beiden Formen der Unterdrückung, die ich darauf empirisch belegen möchte, erläutern. Ich werde diese beiden Formen, die Ausbeutung und die Marginalisierung, in zwei Bereichen des alltäglichen Lebens, dem Arbeits- bzw. Wirtschaftssystem der Bundesrepublik Deutschland und der deutschen Sprache aufzeigen. Wie diese Unterdrückung entsteht, bzw. die Unterschiede zwischen den Geschlechtern theoretisch begründet werden, die zu der Unterdrückung der Frauen führt, möchte ich im letzten Teil zusammenfassend darstellen. Dabei werde ich zu erst den weit verbreiteten Biologismus beschreiben und ihm die soziologische Annahme von Geschlechterdifferenzen und Identitäten entgegenstellen, um aufzuzeigen, dass die Annahme von zwei Geschlechtern generell zu einer Polarisierung und Hierarchisierung führt, die wiederum zu einer begründeten Unterdrückung führen kann.

2. Definition von Unterdrückung

Unterdrückung ist ein Zustand von sozialen Gruppen[1], der mit dem Gefühl des Unrechts spezifiziert wird. Unterdrückte Menschen oder Gruppen werden daran gehindert, ihre Fähig- und Fertigkeiten frei zu entwickeln ebenso wie ihre Belange auszudrücken und auszuleben. (vgl. Young, Iris Marion. Fünf Formen der Unterdrückung. In: Politische Theorie. Differenz und Lebensqualität. Hrsg. von Nagl-Docekal, Herta und Pauer-Studer, Herlinde. Frankfurt am Main. S. 100-101). Unterdrückung kann sich auf unterschiedlichen Ebenen manifestieren und so bestehen nach Youngs Ansicht fünf verschiedene Formen von Unterdrückung: die Ausbeutung, die Marginalisierung, die Machtlosigkeit, der Kulturimperialismus und die Gewalt.

Ich werde im Folgenden die Ausbeutung und die Marginalisierung näher definieren, da diese beiden Formen der Unterdrückung meiner Meinung nach am besten auf die hiesige Unterdrückung der Frauen zutreffen. Damit möchte ich jedoch nicht ausschließen, dass Frauen in Deutschland nicht ebenso Opfer von Machtlosigkeit und Gewalt sind.

Ausbeutung ist die Antwort auf die Frage, wie Klassenunterschiede in einer klassenfreien Gesellschaft, wie der des Kapitalismus dennoch entstehen können und reproduziert werden. Die Ausbeutung beschreibt hauptsächlich einen wirtschaftlichen bzw. arbeitspolitischen Prozess der Unterdrückung. Sie entsteht nach Marx durch die Aneignung des Profits durch den Kapitalist. Der Profit ist die Differenz zwischen dem Wert der Arbeitskraft und dem Wert der Arbeit die der Kapitalist erhält. Damit wird der Wert einer Ware höher als der Wert der Arbeit, die in dieser Ware steckt. Arbeitnehmer werden in diesem Sinne von ihrem Arbeitgeber ausgebeutet.

Neuere Theorien zur Ausbeutung, z.B. von Macpherson, beschreiben diese als einen Prozess der Machtübertragung von einer Gruppe Menschen auf eine andere Gruppe Menschen, dabei wird die Macht der einen Gruppe verringert und die der anderen Gruppe vergrößert. Durch den Prozess der Macht- oder auch Arbeitsübertragung werden Unterdrückungsverhältnisse geschaffen und reproduziert, es entsteht Ungerechtigkeit. Die Macht der Arbeitenden wird verringert und die der Besitzenden wird stetig erhöht und vermehrt. Eine Definition zur Unterdrückung liefert John Roemer, sie lautet: „Eine handelnde Person wird ausgebeutet, wenn das Maß an Arbeit, das in irgendeinem Güterbündel enthalten ist, das sie in einer möglichen Verteilung des Nettoprodukts einer Gesellschaft erhalten könnte, geringer ist als die Arbeit, die sie dafür aufgewendet hat“ (zit. nach Young, Iris Marion. Fünf Formen der Unterdrückung. In: Politische Theorie. Differenz und Lebensqualität. Hrsg. von Nagl-Docekal, Herta und Pauer-Studer, Herlinde. Frankfurt am Main. S. 118).

Eine Ausbeutung findet demnach nicht nur innerhalb von Arbeitnehmer- Arbeitgeberverhältnissen statt, es finden auch Ausbeutungen zwischen den Geschlechtern und zwischen den Rassen statt. So findet zum Beispiel innerhalb von Familien eine geschlechtsspezifische Ausbeutung statt, wie sich diese darstellt, werde ich in Punkt 3.2 genauer darstellen (vgl. Young, Iris Marion. Fünf Formen der Unterdrückung. In: Politische Theorie. Differenz und Lebensqualität. Hrsg. von Nagl-Docekal, Herta und Pauer-Studer, Herlinde. Frankfurt am Main. S. 112-115).

Die Marginalisierung wird von Young als die wohl schwerwiegendste und gefährlichste Form der Unterdrückung betitelt. Bei der Marginalisierung werden Menschen aus der Gesellschaft ausgeschlossen, sie nehmen nicht am Arbeitssystem teil und werden vor allem deswegen von der restlichen Gesellschaft als nutzlos deklariert. Interessant erscheint die Rolle des Wohlfahrtsstaates, der die Marginalisierung scheinbar reproduziert anstatt ihr entgegen zu wirken. Durch die sozialen Zuwendungen, die marginalisierte Personen erhalten, wird es diesen Personen erschwert bzw. verweigert sich in einer Gesellschaft zu partizipieren. Gleichzeitig machen diese sozialen Zuwendungen die marginalisierten Personen abhängig vom Wohlfahrtsstaat und ihnen werden häufig bestimmter Rechte und Freiheiten[2] beraubt

[...]


[1] Soziale Gruppen werden durch gemeinsame Attribute (Aggregationsmodell) oder Assoziationen (Assoziationsmodell) definiert. Bei dem ersten Modell werden Menschen zu einer Gruppe zusammen gefasst auf Grund von außen bestimmten Merkmalen, die allen Mitgliedern dieser Gruppe eigen sind. Das zweite Modell geht von einer inneren Definition von Gruppe aus. Eine Definition und Einteilung findet ausgehend von den Individuen statt, die diese Gruppe bilden. Unterdrückung findet statt, wenn eine privilegierte Gruppe, die unterdrückende, eine unterprivilegierte Gruppe unterdrückt im Sinne einer der fünf Formen der Unterdrückung.

[2] In Deutschland bedeutet der Bezug von Hartz IV auch, dass einem z.B. die maximale Größe der Wohnung die man bewohnen darf, vorgeschrieben wird

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Die Unterdrückung der Frauen in Deutschland
Untertitel
Überwindung durch „Gender-Konzepte"
Hochschule
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover  (Institut für politische Wissenschaft)
Veranstaltung
Feminismus im Kontext von Recht und Politik
Note
2,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
16
Katalognummer
V156466
ISBN (eBook)
9783640690435
ISBN (Buch)
9783640690930
Dateigröße
491 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Unterdrückung, Frauen, Deutschland
Arbeit zitieren
Katharina Rahmer (Autor), 2009, Die Unterdrückung der Frauen in Deutschland , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/156466

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