Inwiefern hat Arnold Schönberg, als Komponist, Maler und Theoretiker die künstlerische Moderne Wiens beeinflusst? Diese Frage möchte ich als Kernfrage über die folgenden Ausführungen stellen.
Der 1874 in Wien geborene Schönberg war ein vielseitiges Genie und dabei in allen Bereichen seiner schöpferischen Aktivität Autodidakt. Neben Gustav Mahler gilt er als die bedeutendste Persönlichkeit im Musikleben der Wiener Moderne. Darüber hinaus zählt er aber auch als Lehrer und Theoretiker zu den einflußreichsten Komponisten des 20. Jahrhunderts. Besonders interessant ist Schönberg vor dem Hintergrund der Wiener Moderne gerade deshalb, weil er mit der Vielseitigkeit seines schöpferischen Werkes prototypisch für eine Zeit steht, der die akademische und künstlerische Spezialisierung in unserem heutigen Sinn noch weitestgehend fremd war. Was war kennzeichnend für das künstlerische und damit auch musikalische Leben Wiens um 1900? Die Arbeit zahlreicher künstlerischer Vereine wie dem „Verein der schaffenden Tonkünstler“, dessen Mitbegründer Schönberg war, steht neben Isolation und Vereinsamung einzelner Künstler. Bahnbrechende Einzelleistungen wie die von Schönberg entwickelte Zwölftontechnik stehen neben interessanten schöpferischen Beziehungen wie der Schönbergs zu dem Architekten und Stiltheoretiker Loos. Der Begriff der Wiener Moderne, der meist als Epochendefinition benutzt wird, umfaßt eine große Anzahl verschiedener, oft sogar widersprüchlicher Tendenzen. Ältere, eher traditionalistisch orientierte Denk- und Kunstelemente standen neben Konzeptionen und Denkweisen, die wir heute als avantgardistisch bezeichnen. Bei der zeitlichen Festlegung des Begriffs der Wiener Moderne möchte ich die Datierung Wunbergs aufgreifen, die auch Dagmar Lorenz ihren Ausführungen zur Wiener Moderne zugrundegelegt hat. Demnach umfaßt die Wiener Moderne die Jahre zwischen 1890 und 1910.1
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das musikalische Leben Wiens um 1900
2.1 Der „Verein schaffender Tonkünstler“
2.2 Musikkritik
3. Schönbergs neue musikalische Wege
4. Adolf Loos als Weggefährte
5. Schönberg und Karl Kraus
6. Der Maler Schönberg
6.1 Schönberg und „Der Blaue Reiter“
6.2 Die Freundschaft zu Kandinsky
7. Schlußbetrachtung
8. Literaturverzeichnis
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung Arnold Schönbergs als Komponist, Maler und Theoretiker für die künstlerische Moderne Wiens. Dabei steht die zentrale Forschungsfrage im Mittelpunkt, inwiefern sein vielseitiges Wirken und seine schöpferischen Interaktionen mit anderen bedeutenden Künstlern dieser Epoche den kulturellen Wandel in Wien beeinflusst haben.
- Die musikalische Atmosphäre im konservativen Wien um 1900.
- Die Entwicklung von der traditionellen Tonalität zur Zwölftontechnik.
- Die schöpferischen Wechselbeziehungen zu Adolf Loos und Karl Kraus.
- Schönbergs künstlerisches Wirken als Maler und dessen zeitgeschichtliche Einordnung.
- Die Freundschaft zu Wassily Kandinsky und die Gemeinsamkeiten im abstrakten Denken.
Auszug aus dem Buch
3. Schönbergs neue musikalische Wege
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts gewann die zunehmende Disoziierung der Tonsprache, die sich aus der Entwicklung der Harmonik ergab immer stärker an Bedeutung. Die lange herrschende Hierarchie der Dur-Moll-Tonalität schien erschöpft zu sein. Die Regeln der Funktionsharmonik mit ihren beiden Tongeschlechtern Dur und Moll verloren nach und nach ihre verbindliche Gültigkeit. Damit öffnete sich den Komponisten des frühen 20. Jahrhunderts eine ganze Welt neuer Klänge, deren Verbindung keinen vorgegebenen Regeln mehr unterlag.
Im Mittelpunkt des Interesses bei diesem Prozeß stand die immer ausgiebigere Verwendung von Dissonanzen und schließlich die Emanzipation der Dissonanz. Damit wurde der Weg frei für eine Musik, die nun sogar auf die Bindung ihrer Klänge an ein gemeinsames tonales Zentrum verzichtete, die damit atonal, quasi frei im Klangraum schwebte.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung formuliert die Kernfrage nach dem Einfluss Schönbergs auf die künstlerische Moderne Wiens und umreißt den zeitlichen Rahmen der Studie.
2. Das musikalische Leben Wiens um 1900: Dieses Kapitel beschreibt das konservative musikalische Klima, die Isolation innovativer Künstler und die Rolle des „Vereins schaffender Tonkünstler“.
2.1 Der „Verein schaffender Tonkünstler“: Fokus auf die Bemühungen zur Aufführung zeitgenössischer Werke und den Kontakt zum Publikum.
2.2 Musikkritik: Analyse von Schönbergs Aufsatz „Über Musikkritik“ und seiner Kritik an den konservativen Zuständen in Wien.
3. Schönbergs neue musikalische Wege: Erörterung des Übergangs von der Tonalität zur Atonalität und der Entstehung der Zwölftonmethode.
4. Adolf Loos als Weggefährte: Untersuchung der engen Freundschaft zu Loos und der gegenseitigen Inspiration durch die Kritik am Ornament.
5. Schönberg und Karl Kraus: Darstellung des Austauschs mit Kraus und der Übertragung des Ideals der Wahrhaftigkeit in der Sprache auf die Musik.
6. Der Maler Schönberg: Betrachtung von Schönbergs malerischem Schaffen und der Ablehnung durch die zeitgenössische Kritik.
6.1 Schönberg und „Der Blaue Reiter“: Analyse von Schönbergs Einfluss auf die Künstlervereinigung durch seine künstlerischen Anschauungen.
6.2 Die Freundschaft zu Kandinsky: Untersuchung der Parallelen in der künstlerischen Entwicklung und des geistigen Austauschs zwischen Schönberg und Kandinsky.
7. Schlußbetrachtung: Zusammenfassende Bewertung von Schönbergs Rolle als Erneuerer der Musik im Wien der Jahrhundertwende.
8. Literaturverzeichnis: Auflistung der herangezogenen Quellen und Sekundärliteratur.
Schlüsselwörter
Arnold Schönberg, Wiener Moderne, Atonalität, Zwölftonmethode, Emanzipation der Dissonanz, Adolf Loos, Karl Kraus, Wassily Kandinsky, Der Blaue Reiter, Musikkritik, Kunsttheorie, künstlerische Isolation, Wiener Musikleben, expressionistische Malerei, künstlerische Wahrhaftigkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Einfluss des Komponisten, Malers und Theoretikers Arnold Schönberg auf die kulturelle Entwicklung der Wiener Moderne um 1900.
Welche zentralen Themenfelder behandelt die Studie?
Im Zentrum stehen die musikalische Entwicklung zur Atonalität, Schönbergs Wirken als Maler sowie seine schöpferischen Interaktionen mit Weggefährten wie Adolf Loos, Karl Kraus und Wassily Kandinsky.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, Schönbergs Rolle als wegweisende Persönlichkeit vor dem Hintergrund der gesellschaftlichen und künstlerischen Konflikte des Wiener Umfelds zu beleuchten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine biografische und kulturhistorische Analyse, um die Wechselwirkungen zwischen Schönbergs Theorien, seinem kompositorischen und malerischen Werk sowie den Denkansätzen seiner Zeitgenossen aufzuzeigen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert neben dem musikalischen Umfeld Wiens die Entstehung der Zwölftontechnik, die Bedeutung von Künstlerfreundschaften und Schönbergs malerisches Werk in Beziehung zur Musik.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Begriffe wie Wiener Moderne, Atonalität, Zwölftonmethode, künstlerische Wahrhaftigkeit und die genannten Künstlerfreundschaften definieren den Kern der Arbeit.
Warum wurde die Malerei Schönbergs in die Untersuchung aufgenommen?
Sie illustriert Schönbergs Drang, sich auf verschiedenen künstlerischen Ebenen auszudrücken, und verdeutlicht seine Rolle als multidisziplinäres Genie, das sich der Arbeitsteilung seiner Zeit widersetzte.
Welche Rolle spielt die Freundschaft zu Kandinsky?
Sie ist ein Schlüsselaspekt, da sie die geistige Verwandtschaft zwischen der abstrakten Malerei und der atonalen Musik sowie das gemeinsame Bestreben, erstarrte Konventionen zu überwinden, unterstreicht.
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- M.A. Uta Ziegler (Author), 2001, Arnold Schönberg - sein Einfluss auf die künstlerische Moderne Wiens, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/15651