Entwicklung eines e-Learning gestützten Moduls Schneesport bezüglich der Carving-Technik


Examensarbeit, 2008

198 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

1 Einleitung

2 Die Entwicklung des Carving Skifahrens
2.1 Geschichte und Entstehung des alpinen Skilaufs
2.2 Begriff Carving
2.2.1 Definition Carving
2.2.2 Bedeutende Entwicklungsstufen
2.3 Materialkunde Carving-Ski
2.3.1 Klassischer Ski versus Carver
2.3.2 Carving-Ski Typen
2.3.3 Carving aus sportmedizinischer Sicht
2.3.4 Ursachen und Gründe für die Ablösung des klassischen Skis
2.4 Technik Ski Alpin
2.4.1 Grundfunktionen des alpinen Skifahrens
2.4.2 Biomechanische Aspekte des alpinen Skifahrens
2.4.3 Biomechanische Grundlagen beim Skifahren mit Carving-Ski
2.4.4 Bewegungen/Aktionen und Funktion als Grundsteine des alpinen Skifahrens
2.4.5 Carving als Fahrtechnik?

3 Wandel der Skimethodik im DVS
3.1 Der Begriff „Methodik
3.2 Historische Entwicklung der Lehrpläne des DVS
3.2.1 Zentrale Merkmale eines Vergleichs der Lehrpläne
3.2.2 DVS Ski-Lehrplan. Band 1: Elementarschule-Grundschule.(1981)
3.2.3 DVS Ski-Lehrplan Band 1: Ski Alpin.(1992)
3.2.4 DVS Ski-Lehrplan Carven.(1997)
3.2.5 DVS Ski-Lehrplan Basic.(2001)
3.2.6 DVS Ski-Lehrplan Praxis.(2006)
3.3 Vergleich Skimethodik des DVS und des ÖSV
3.4 SNOWSPORT AUSTRIA – Die österreichische Skischule. (2007)
3.5 Alternative Lehrwege auf dem Weg zum parallelen Kurvenfahren
3.5.1 Ein-Ski-Methode
3.5.2 Der Lernparcours
3.5.3 Big Foot
3.5.4 Inline Skating und Ski-Inline alpin
3.6 Aktuelle methodische Sichtweise (aktueller methodischer Weg)
3.6.1 Der Stellenwert des Pfluges und des Pflugbogens in der Elementarschule
3.6.2 Veränderungen im Bereich des Ski-Materials
3.6.3 Optimierung der Anfängerschule durch Short-Carver

4 E-Learning in der Schneesportausbildung
4.1 Lehren und Lernen mit Neuen Medien
4.2 Technische Erläuterungen zum E-Learning
4.3 Methodische und didaktische Überlegungen für den Einsatz von E-Learning
4.3.1 Selbst gesteuertes Lernen durch E-Learning
4.3.2 Einsatz von E-Learning an Hochschulen
4.3.3 E-Learning an der Universität Koblenz-Landau Campus Koblenz
4.3.4 E-Learning in der Sportwissenschaft
4.3.5 Zukunftsperspektiven E-Learning
4.4 Modul Schneesport in der Ausbildung von Ski- und Snowboardlehrern an Schulen
4.4.1 Ausbildungsinhalte des DVS - Allgemein

5 DVD - Technik und Methodik beim Skilaufen mit Carving-Ski
5.1 Ziele
5.2 Methodische und didaktische Konzeption
5.3 Inhalt
5.4 Einsatz der DVD
5.5 Nachhaltigkeit und weitere Verwendung der DVD

6 Schlussbetrachtung

Glossar

Literaturverzeichnis

Vorwort

Mit 5 Jahren begann ich mit dem alpinen Skifahren und verfolge diesen Sport seit 20 Jahren. Sieht man einmal die Entwicklung und die Geschichte des Schneesports allgemein, sind 20 Jahre ein eher geringer Zeitraum. Dennoch habe ich eine Entwicklung im alpinen Skilauf erlebt, die man zu meinen Anfängerzeiten wohl kaum vorausahnen konnte.

Ende der 90-er Jahre hatte ich einen Ski mit einer Länge von 203 cm. Etwa 10 Jahre später fahre ich Ski mit einer Länge von 160 cm. Diese Verkürzung um 40 cm und die damit verbundenen neuen Möglichkeiten des alpinen Skifahrens setzen ein "neues" Denken in den Bereichen Methodik, Didaktik und Technik des alpinen Skifahrens voraus und zeigen neue Dimensionen, gerade in der Lehre und Ausbildung, auf.

Zum ersten Mal wurde ich mit der Carvingtechnik 2004 im Rahmen der Schneesport-Exkursion der Universität Koblenz-Landau, Campus Koblenz, konfrontiert. Zuvor hatte ich keinerlei Erfahrungen mit dem neuen Skimaterial und der veränderten Technik gemacht. Es war eine neue Erfahrung und erforderte ein Umdenken im Bereich der Fahrtechnik. Ein mir unbekanntes, spezielles Fahrgefühl stellte sich ein, und die Vielzahl der daraus entstandenen Möglichkeiten und Bewegungsformen einen Hang zu befahren, machen das alpine Skifahren für mich noch erlebnisreicher und intensiver.

In den folgenden Jahren durfte ich als Schneesportlehrer für das sportwissenschaftliche Institut der Universität Koblenz-Landau, Campus Koblenz, an dieser Exkursion wiederholt teilnehmen. Hierbei wurde immer wieder deutlich, dass bei vielen Teilnehmern[1], im Bereich der Carvingtechnik wenig oder keinerlei Erfahrungen vorausgehen. Bei den Sportstudenten, die eine Schneesportlehrer-Lizenz erwerben möchten, sind teilweise große Mängel in der eigenen Demonstrationsfähigkeit und weiterhin im methodischen Bereich vorhanden.

Ein weiterer Aspekt, der mich dazu bewegt, hat mich mit diesem Thema auseinanderzusetzen, ist die Problematik und Schnelllebigkeit der Lehrpläne mit ihren unterschiedlichen Lehrwegen im Anfängerbereich in den letzten 10 Jahren.

1 Einleitung

Fragestellung und Zielsetzung

Der alpine Skilauf hat sich in den letzten 15 Jahren grundlegend verändert. „Das Skifahren ist tot! Es lebe das Carven“ (Kemmler, 2002, S. 7)! Der klassische alpine Ski wurde komplett von den Carving-Modellen aus den Regalen der Sportgeschäfte und Skiverleihe gedrängt. Wie Dingerkus und Mang (2001, S. 213) schreiben, kam die neue Entwicklung der Carving-Ski für die vielfach in den roten Zahlen stehende Skiindustrie gerade zur rechten Zeit. Ebenso sieht Roschinsky (2003a, S. 11) die Entwicklung: „Ein Trend ist zum Standard geworden. Wer heute Skier kauft, kauft Carver. Lange und gerade Skier sind out und gehören der Vergangenheit an. Eine neue Epoche des alpinen Skifahrens hat begonnen: das Carven“.

Das neue Material veränderte nicht nur die Form der Skier, sondern bringt auch eine neue Fahrweise mit sich. Dieser Wandel spiegelt sich ebenso deutlich in der Schnelllebigkeit der Lehrpläne wider.

Roschinsky (2003a, S. 11) beschreibt, dass Anfänger und auch der fortgeschrittene Urlaubsskifahrer sehr schnell in den Genuss des parallelen Schwingens kommen und dass sich im Vergleich zum klassischen Ski eine deutliche Verkürzung der Lernzeit feststellen lässt.

Zielsetzung dieser Arbeit ist es, die Entwicklungen im alpinen Skisport näher zu betrachten und Gründe für einen Wandel der Technik und der Methodik zu analysieren. Daraus resultierend soll die Möglichkeit aufgezeigt werden, mit einem E-Learning Modell eine Lernplattform zu schaffen, die auf dem aktuellsten Stand der Technik und Methodik ist, und eine sinnvolle Alternative und Ergänzung in der Schneesportlehrer-Ausbildung bietet.

Die Arbeit gliedert sich zum einen in den Bereich „Carving“ und die daraus resultierenden technischen und methodischen Veränderungen sowie in einen Vergleich der letzten Lehrpläne des DVS (Deutscher Verband für das Skilehrwesen e.V.) und des österreichischen Lehrplanes. Im zweiten Kapitel wird auf die Entwicklung der Carving-Technik aufmerksam gemacht. Beginnend mit einem kurzen Abriss der Geschichte und Entstehung des alpinen Skilaufs, angefangen vor etwa 5000 Jahren bis zur Geburt des alpinen Skilaufs durch Matias Zdarsky. Es folgt der Bereich Carving mit besonderen Merkmalen der Carving-Technik, markanten Entwicklungsstufen und Erläuterung der Carving-Technik.

In Kapitel 3 werden die Veränderungen in der Skimethodik beschrieben. Es werden verschiedene Lehrpläne aus unterschiedlichen Jahren gegenübergestellt und in Kapitel 3.3 mit dem österreichischen Skilehrplan verglichen.

Es schließen sich alternative Methoden für das Erlernen des parallelen Kurvenfahrens an und Merkmale und Begründungen für den Methodikwandel.

In Kapitel 4 wird die Möglichkeit einer E-Learning basierten Schneesportausbildung aufgezeigt. In Kapitel 5 wird die erstellte DVD „Technik und Methodik beim Skilaufen mit Carving-Ski“ und deren Ziele und Aufbau im methodischen und didaktischen Bereich gesehen.

Des Weiteren wird analysiert, wie die Möglichkeiten eines E-Learning gestützten Moduls Schneesport in der Schneesportlehrer-Ausbildung sinnvoll genutzt und eingesetzt werden können, um die aktuelle Technik und Methodik mediendidaktisch optimal darzustellen und zu vermitteln und in der Zukunft, auf mögliche Veränderungen in der Skitechnik und Methodik zu reagieren. Eine entsprechende Plattform soll den kompletten Inhalt der Schneesportlehrer-Ausbildung abdecken und von ihrem Aufbau her sehr schnell aktualisiert, ergänzt und erweitert werden können.

In den letzten 10 Jahren wurden zahlreiche Lehrpläne und methodische Überlegungen im Bereich Ski alpin veröffentlicht. Die teilweise konträren und unterschiedlichen Lehrwege und Lehrweisen im Anfängerbereich und bei den Fortgeschrittenen, sowie ein durchaus unterschiedliches Technikverständnis, spiegeln sich in der Schnelllebigkeit der Lehrpläne wider.

Die Überlegung war es, eine Plattform zu schaffen, welche die Inhalte der Schneesportlehrer-Ausbildung so kompakt und so anschaulich und effektiv wie möglich widergeben kann. Das Seminar „Theorie, Didaktik und Methodik Schneesport“ unter der Leitung von Dr. Reiner Theis wird im Wintersemester 2007/2008 als E-Learning-Kurs auf der Lernplattform Blackboard Learning System CE 6 des VCRP angeboten. Die vorliegende Arbeit und die dazu gehörende multimediale DVD „Technik und Methodik beim Skilaufen mit Carving-Ski“ sollen den Studenten als methodische und didaktische Unterstützung dienen und den Anforderungen der Schneesportexkursion und den darin enthaltenen technischen Voraussetzungen entsprechen.

Die eigens erstellte multimediale DVD „Technik und Methodik beim Skilaufen mit Carving-Ski“ soll als Beispiel einer zukünftigen effizienten Schneesportlehrer-Ausbildung dienen und kann als Ergänzung zu einem E-Learning Seminar verwendet werden, um den Sportstudenten und/oder künftigen Skilehrern, die eine Schneesportlehrer-Lizenz erwerben möchten, eine multimediale Unterstützung zum vorhandenen Skilehrplan zu bieten.

2 Die Entwicklung des Carving Skifahrens

2.1 Geschichte und Entstehung des alpinen Skilaufs

Um die Entstehung und Entwicklung des Carving Skifahrens deutlich zu machen, ist es notwendig mit der eigentlichen Entstehung des alpinen Skilaufs von seinen Anfängen her zu beginnen.

Kein anderes Sportgerät hat einen solchen beispiellosen Aufstieg vom Behelf armer Steinzeitjäger zur modernen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Weltmacht mitgemacht wie der Schneeschuh, kein anderes hat einen solchen Siegeszug aufzuweisen, von einem Teil Europas aus über die ganze zivilisierte Welt, …“ (Mehl, 1964, S. 7). Nach wie vor geht vom Skisport eine ungebrochene Faszination aus, die bereits über 100 Jahre anhält (vgl. Wallner, 2004, S. 12). Es gibt zwei unterschiedliche Entwicklungen für den Skilauf.

Die nordische Entwicklung beginnt mit den Moorfunden und Felszeichnungen aus der ausgehenden Steinzeit (um 2500 v. Chr.). Der Schneeschuh diente zu dieser Zeit als Jagdgerät und erst später um 1860 sollte ein Sportgerät daraus werden. Die Vorgänger des Skis waren Trittlinge oder schneereifenartige Geräte, mit denen sich die Menschen gegen das Einsinken in den Schnee halfen. Ziel war eine Vergrößerung der Sohle durch bspw. leicht angefüllte Säcke, Reisigbündel, Brettchen und Reifengeflecht. Die kreisrunden oder länglich-runden Platten, „Trittlinge“ (Abb. 1) leiten immer mehr zum Gleiten hin und am Ende dieser Entwicklung steht der Ski (vgl. Mehl, 1964, S. 15).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Der runde Trittling (Trittbrett), das einfachste Gerät für das Gehen auf dem Schnee (für Mensch und Pferde) (Mehl, 1964, S. 15).

Mittelpunkt dieser Entwicklung war Christiania, früherer Name für die heutige Hauptstadt Norwegens Oslo, wo jedoch zunächst nur Langlauf und Springen, auf Grund der Geländeform im Gebiet um Oslo herum populär waren. Bis heute sind diese beiden Disziplinen Bestandteile der nordischen Kombination (vgl. Mehl, 1964, S. 11).

Die alpine Entwicklung ging ohne Zweifel auf das von Fridtjof Nansen verfasste Buch „Auf Schneeschuhen durch Grönland“ zurück. Während in Norwegen dieses Buch wenig Auswirkung auf das Skilaufen hatte, begann in Mitteleuropa eine solche Begeisterung, dass sich zahlreiche Menschen solche Bretter bestellten. Entscheidend war zu dieser Zeit, dass im Gegensatz zu den norwegischen Gegebenheiten nun die Mittel- und Hochgebirge, aufgrund von Schneemangel im Flach- und Hügelland, Schauplatz für den Skilauf sein sollten (vgl. Mehl, 1964, S. 11).

Nach Falkner (2007, S. 16) gibt es seit mindestens 8000 Jahren den Skilauf. Erste Skifragmente wurden an der russischen Eismeerküste gefunden. Somit lag der Ursprung des Skilaufs in Innerasien. Im 7.-10. Jahrhundert fand man in China erste konkrete Schriften über den Skilauf bei innerasiatischen Völkern (Falkner, 2007, S. 28). Erst mit den Indogermanen gelangte der Ski nach Skandinavien. „Das norwegische Wort Ski hat seinen Ursprung in dem altnordischen >>skidh<< = Scheit. In der Urzeit wurden die Ski aus einem geeigneten Baumstamm herausgespalten“ (Roschinsky, 2002, S. 8).

Ein Zeichen für die große Freude der Nordgermanen am Skifahren, besonders am Gebirgsfahren, „sind die Eddastellen über die beiden Skigötter Ull und Skadi, die beide jagend auf ihren Bretteln über die nordischen Gebirge ziehen“ (vgl. Mehl, 1964, S. 80). Ull (Abb. 2) soll ein Gegenstück zum hellenischen Apollon sein und ist der nordische Jagd- und Kriegsgott. Mehl (1964, S. 81) schreibt weiter: „Niemand konnte es mit ihm im Schifahren aufnehmen“. Diese Feststellung ist ein deutlicher Hinweis auf schon damals stattfindende Wettkämpfe.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Nordischer Jagd- und Kriegsgott Ull.[2]

Die Partnerin von Ull war die „Skigöttin“ Skadi (Abb. 3). Eine Beziehung zwischen beiden bestand aber nicht. Skadi war die Tochter des Riesen Tjazi. Sie lebte auf der Bergburg Thyrmheim, wo sie mit ihren Schneeschuhen auf die Jagd zog (vgl. Mehl, 1964, S. 80).

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Abb. 3: „Skigöttin“ Skadi, die Partnerin von Ull.[3]

Weitere Felszeichnungen im Norden Skandinaviens (Abb. 4) und Russlands, sowie Moorfunde von Skier lassen sich auf ca. 5000 Jahre zurückdatieren (vgl. Falkner 2007, S. 16).

Auf anderen Kontinenten blieb die Entwicklung stehen. Laut Polednik kannten die Völker Amerikas „zwar auch primitive Stapf-, Geh- und sogar Gleitgeräte; diese können jedoch nur als Vorstufen des eigentlichen Skis angesehen werden“ (Polednik, 1969, S. 12).

Am Beginn der Skigeschichte stehen norwegische und russische Felszeichnungen, die ein eindrucksvolles Denkmal des steinzeitlichen Skifahrens und ganz besonders der Skijagd sind. Auf der Insel „Rödöy“ fand man im Jahr 1929 auf einer Felsplatte unter einer schützenden Torfschicht zwei sehr gut erhaltene Zeichnungen von Skifahrern. Die wohl Bekannteste ist die des „Schihaserl“ (Abb. 4). Der Fahrer hatte eine Höhe von 15,5 cm und die Skier eine Länge von 35,5 cm. Dies entspräche bei einer Körpergröße von 175 cm einer Skilänge von 4 m. Ebenso trug der Skifahrer eine Hasenkopfmaske, die auf einen Jagdzauber zurückzuführen ist, der den Träger in ein übermenschliches Wesen verwandeln soll. In der Hand hält er einen Krummstock, einen sogenannten Lagobolon oder „Hasenwerfer“, wie es die Hellenen nannten, um die im Schnee einsinkenden Hasen zu erschlagen oder um damit zu werfen (vgl. Mehl, 1964, S. 45 ff.).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 4:1929 fand man auf der Insel Rödöy („Rote Insel“, am Polarkreis) die älteste bisher bekannte Abbildung eines Skifahrers. Alter zwischen 2000 und 3000 Jahren (Polednik, 1969, S. 13).

Wie Falkner berichtet, kam erst im Mittelalter der Skilauf nach Mitteleuropa (vgl. Falkner 2007, S. 16).

„Die ältesten schriftlichen Quellen reichen bis ins 8. Jahrhundert zurück und basieren auf mündlichen Überlieferungen aus dem 4./ 5. Jahrhundert“ (Falkner, 2007, S. 16). Im 16.-18. Jahrhundert fand der Skilauf in Mitteleuropa, aufgrund von Reisebeschreibungen und vereinzelten Skier in Museen, seinen Platz. In Skandinavien, im Baltikum und in Russland gab es schon Skisoldaten, die skiläuferisch und militärisch ausgebildet wurden. Sie führten Wettkämpfe durch und kamen durchaus in kriegerischen Auseinandersetzungen zum Einsatz.

In Deutschland empfiehlt beispielsweise Johann Christoph Friedrich Gutsmuths, bedeutender Vertreter des Philanthropismus und Begründer der neuzeitlichen Körpererziehung in Deutschland, nach 1793 in seinem berühmten Werk „Gymnastik für die Jugend“ (2. Auflage 1804) Skilauf als nützliche Körperübung (vgl. Falkner 2007, S. 28). Ebenso sieht Huitfeld (1907, S. 7 f.) den Sport als sehr volkstümlich an, der … „nahezu von allen getrieben wird, von jung und alt, von Frauen und Männern, als eine Leibesübung, die mehr als irgend eine andere einen gesunden Geist in einem gesunden Körper zu verschaffen mag. Wohl in der ganzen weiten Welt gibt es keinen Sport, der, wie dieser, die Entwicklung von Lebenskraft und Mut begünstigt“ (Huitfeld, 1907, S. 7 f.).

Bevor jedoch das neuzeitliche Skilaufen begann, drohte es in seinem Mutterland Norwegen fast auszusterben. Grund dafür war das Auflösen der dortigen Skitruppen. Nur noch wenige Bauern, Jäger und Postboten aus entlegenen Landesteilen benutzen jetzt noch die schon überalterten Bretter. Neue Impulse kamen etwa um 1800 aus der Region Telemarken. Die Bewohner der Region Telemarken waren aufgrund ihres Gebirgslandes im Winter auf die Skier angewiesen, im Gegensatz zu den restlichen Landesteilen, wo der Skilauf fast in Vergessenheit geriet (vgl. Polednik, 1969, S. 22). „Sie waren es, die eine ihrem Gelände angepaßte eigene Form des Skis entwickelten, ja darüber hinaus ihre Fertigkeit im Skifahren zu besonderer Meisterschaft brachten“ (Polednik, 1969, S. 22).

Falkner (2007, S. 28) beschreibt, dass sich das Skilaufen in relativ kurzer Zeit über ganz Norwegen ausbreitete und neben der Körperübung durchaus dem Vergnügen diente. Ebenso wurden die ersten Wettkämpfe ausgetragen, und die ersten Skivereine wurden gegründet. 1868 erfand Sondre Norheim den taillierten Telemarkski und die entsprechende Telemarktechnik (vgl. Roschinsky, 2004, S. 17), wobei man in anderen Teilen Norwegens noch kantenparallele Skier verwendete (vgl. Kuchler, 2002a, S. 135). Wie Polednik (1969, S. 25) und Falkner (2007, S. 28) in ihren Beschreibungen ausführen, kam im Jahre 1868 der Telemärker erstmals nach Christiania, um dort den Städtern seine Skier zu verkaufen und die Kunst des Skilaufens zu lehren. Die Christiania entwickelten nach und nach ihre eigene Technik: die Christianiatechnik. Nach den Ausführungen von Polednik (1969, S. 31) wurde der Christiania-Skiclub 1877 gegründet. Weiter heißt es, dass „er nicht der erste in der Welt war. So geht die Gründung des >>Trysil Skytter og Skilöberforenigung<< auf das Jahr 1861 zurück, jenes Jahr, das auch das Gründungsjahr des australischen Kiandra-Pioneer-Skiklubs ist“ (Polednik, 1969, S. 31).

Etwa um 1870 brachten Norweger, die aus beruflichen Gründen oder des Studiums wegen nach Mitteleuropa gelangten, den Skilauf dorthin (vgl. Falkner, 2007, S. 28).

Ein bedeutendes Ereignis fand im Jahre 1888 statt, als der Norweger Fridtjof Nansen (Abb. 5) mit Skiern Grönland durchquerte. Sein Reisebericht „Auf Schneeschuhen durch Grönland“ wurde zu einem der bekanntesten und meistgelesenen Bücher seiner Zeit. Nansen berichtet nicht nur über die Grönland-Durchquerung, sondern beschreibt auch mit begeisternden Worten den Skilauf an sich. Auf Grund dieses Buches erfuhren andere, außerhalb von Skandinavien lebende Völker, vom Skilauf (vgl. Polednik, 1969, S. 37). „Er wurde dadurch zum geistigen Vater des Skilaufs in Mitteleuropa“ (Polednik, 1969, S. 37). Von diesem Ereignis inspiriert, entstand 1890 in München der erste deutsche und zugleich erste mitteleuropäische Skiclub (vgl. Falkner, 2007, S. 29).

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Abb. 5: Der Nationalheld Norwegens. Fridtjof Nansen (Polednik, 1969, S. 37).

Die Geburt des alpinen Skilaufs

Die Entwicklung des alpinen Skilaufs begann ohne Zweifel mit Mathias Zdarsky (Abb.6). Er wurde von Nansen inspiriert und begann als Autodidakt das Skilaufen (vgl. Falkner, 2007, S. 29).

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Abb. 6: Mathias Zdarsky (1856-1940) (Polednik, 1969, S. 71).

Zdarsky war ausgebildeter Lehrer, Maler und Bildhauer sowie ein gut trainierter Turner. Wie andere auch, ließ er sich seine Ski aus Norwegen schicken. Diese Skier waren 2,94m lang, wogen 2,75 kg und waren mit einer backenlosen Rohrbügelbindung versehen. Er erkannte, dass diese Modelle wenig für das alpine Gelände geeignet waren und entwickelte eine spezielle Skibindung. Es entstand die „Lilienfelder Bindung“ (Abb. 7). Diese hatte eine Metallsohlenplatte und war um eine Pufferfeder beweglich. Zum ersten Mal war ein Lenken der Skier durch den seitlichen Halt der seitenstabilen Bindung möglich. Es folgten in der Entwicklung der Alpenski, der zu seiner Zeit nur noch 180 cm maß und eine Rille besaß und die „Alpenlanze“ (Abb. 6), die ihm als Steuerungs- und Bremshilfe diente (vgl. Bachmann, 2007, S. 389).

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Abb. 7: Die „Lilienfelder Bindung“ (Bachmann, 2007, S. 389).

Zdarsky entwickelte neben dem neuen Material auch eine neue Skilauftechnik. In dem 1896 veröffentlichten Buch „Alpine Lilienfelder Skifahr-Technik“ mit dem Untertitel „Eine Anleitung für Jedermann, den Ski in kurzer Zeit vollkommen zu beherrschen“ war er überzeugt, dass auch andere seine entwickelte Technik selbst erlernen können (Bachmann, 2007, S. 389).

Bachmann (2007, S. 389) erläutert: „Anstelle des Telemarks fuhr er einen Stemmbogen mit talseitigem Anstemmen und Innenlage. ’Die Alpenlanze’ wurde bergseitig geführt. Beim talseitigen Anstemmen lehnte sich der Skifahrer nach innen auf den Stock und entlastete so den bogeninneren Ski, der beigedreht werden konnte“. Zdarskys Weg wurde schnell anerkannt und sogar das Reichskriegsministerium gab Zdarsky den Auftrag im Winter 1897/98 die österreichisch-ungarische Armee im Skilauf auszubilden.

Schon im Jahr 1897 wurde über einen „geschnittenen Schwung“ gesprochen. Zdarsky beschreibt (1897, S. 331) die Kantenform und die „bogige Richtung der Fahrbahn“. Obwohl Zdarsky im Jahr 1897 nicht im Geringsten daran dachte, wie die Entwicklung mehr als 100 Jahre später aussehen würde, war ihm damals schon die Bedeutung der Taillierung und des Radius der Ski bekannt.

Mehl (1964, S. 12) schreibt: „Die gesamte neuere Lehrweise seit den 90-er Jahren [Anm.: 19. Jahrhundert] wurde in den Alpen entwickelt. Von den Alpen (und nicht vom Norden) aus trat der Schneeschuh seinen Siegeszug durch die ganze Welt an. Man kann also mit Recht von einer ’alpinen’ Entwicklung sprechen und sie der ’Nordischen’ – ihrer Mutter – zur Seite stellen“.

Die weitere Entwicklung wurde letztlich auch durch den sich immer stärker verbreitenden Tourismus gefördert. Ende der 60-er Jahre des 20. Jahrhunderts wurde nach und nach der gesamte Alpenraum für das alpine Skifahren erschlossen. Von dieser Entwicklung wollten nun auch die Skiproduzenten profitieren ,und es entstanden verschiedene Modelle mit den unterschiedlichsten Materialien. „Seit Beginn der 90er Jahre bringt der Carvingski neues Leben in die Skiszene …Heute gilt er als Standardski, klassische Skitypen werden so gut wie nicht mehr produziert“ (Roschinsky, 2003a, S. 16).

2.2 Begriff Carving

Der Begriff Carving stammt vom englischen Wort „to carve“ und heißt „stemmen, meißeln, schneiden“. Im englischen Sprachgebrauch wird ein Bildhauer beispielsweise „carver“ genannt. Die Begriffe im Bereich des Wintersports kamen über das Snowboarden in das Deutsche. Beim Snowboarden versteht man unter Carven eine Fahrweise, bei der das Brett eine scharfe Spur in den Schnee „schneidet“ (vgl. Kuchler, 1997, S. 14).

Laut Roschinsky (2003a, S. 11) „handelt es sich um eine Form des Skifahrens, bei der man möglichst lange auf der Kante des Skis fährt und somit die Möglichkeit hat, Schwünge mit hohem Tempo und kleinen Radien zu fahren“.

Im alpinen Skisport ist Carven nicht neu. „’Carving turns’ ist ursprünglich die englische Bezeichnung für ‚Schneidendes Fahren’ “ (Kassat, 2004, S. 9).

2.2.1 Definition Carving

Kuchler (1998, S. 14) behauptet: „Carving ist die Fahrweise, bei der man vom Schwunganfang bis zum Schwungende auf der Kante fährt und durch die Kurve gleitet … auf der Kante entlang der Taillierung …“ Ebenso bezeichnet Grüneklee (1998, S. 16) das Carven als „Fahren auf der Kante unter Ausnutzung der Skitaillierung.“ Bei der Umsetzung in der Praxis erscheint dies jedoch problematisch, denn nach Kassat (2004, S. 10) werden gecarvte Schwünge bisher immer nur behauptet und nicht nachgewiesen. Denn die anfängliche Irritation, Carving ausschließlich „schneidend“ zu interpretieren, ist längst überwunden. Die Definition „Fahren auf der Kante“ umfasst alle Facetten vom Driften bis zum Schneiden (vgl. Kober und Held, 1997, S. 122). „Der Übergang vom Carven zum Gleiten ist verwischt. Deshalb spricht man meistens auch beim Kurvenfahren ohne Rutschkomponente von Carven …“ (Wallner, 2004, S. 107). Nach Kober und Held (1997, S. 123) ist das Carven je nach Radius und Tempo „bedingt durch die situativen Faktoren Gelände, Schnee, Sicht, Können und Pistenfrequentierung ... eher driftend bzw. schneidend“.

2.2.2 Bedeutende Entwicklungsstufen

Die Idee eines Carving-Skis ist bei weitem nicht neu. Bereits vor 130 Jahren baute der Norweger Sondre Norheim aus der Landgemeinde Morgedal einen taillierten Kiefernholzski, der als Prototyp des heutigen Carvingskis gilt. Dieser Ski hatte anstelle der 3 m langen skandinavischen Skier nur eine Länge von 2,40 m (vgl. Roschinsky, 2003a, S. 16). Dieser sogenannte Telemarkski von 1860 war vorne breiter als hinten und dort wiederum breiter als in der Mitte. Man musste die Ski nur auf die Kante stellen und sie strebten von selbst in die Kurve (vgl. Kuchler, 1997, S. 22).

In den 70-er Jahren experimentierte der Niederrösterreicher Reinhard Fischer mit Skiern, die kürzer und stärker tailliert waren als herkömmliche Modelle. 1977 entwickelte er in einer Kleinserie ein Modell Namens „Snowrider“, welches im Vergleich zu herkömmlichen Skiern wesentlich breiter, stärker tailliert und kürzer war. Der Carving-Ski war geboren. Jedoch ignorierte die Skiindustrie zunächst diese revolutionären Innovationen (vgl. Wallner, 2004, 17). Als jedoch die Verkaufszahlen im Wintersportbereich einbrachen und die Skiindustrie in den roten Zahlen steckte, musste eine neue Entwicklung auf dem Skisektor die Trendwende bringen (vgl. Dingerkus und Mang, 2001, S. 213). Es mussten neue Ideen und Produkte auf den Markt.

Eine weitere Entwicklung auf dem Weg zum heutigen Carving-Ski kam Ende der 80-er Jahre aus dem Riesentorlauf der Weltklasseläufer, in dem die Taillierungen der Rennskier noch radikaler wurden. Bis zu diesem Zeitpunkt spielten im Skibau nur die Auswahl der Materialien, die Längselastizität (Biegelinie), Torsionssteifigkeit (Verwindungs- und Verdrehsteifigkeit) sowie Dämpfungseigenschaften und Normalverteilung eine entscheidende Rolle, wenn es um die Verbesserung der Fahreigenschaften von Skiern ging (vgl. Wallner, 2004, S. 17).

1984 gewann Ingemar Stenmark erstmals auf einem Ski, der eine stärkere Taillierung als alle bisherigen Skier hatte, auf Anhieb einen Parallelslalom (vgl. Kuchler, 1997, S. 20).

1991/92 war die Firma Kneissl (Österreich) der erste Großproduzent von einem Carver-Fun-Ski. Aufgrund der schlechten Ausrichtung auf eine bestimmte Zielgruppe blieb der erwünschte Erfolg jedoch aus. 1992 konnte Elan (Slowenien) mit dem stark taillierten „Parabolic“ und Kneissl mit dem „Ergo“ erstmals einen Carving-Ski auf den Markt bringen. 1994/95 kam der Durchbruch der Carving-Ski auch in den USA. Die Produkte bekamen den Namen „sharped“ oder „parabolic skis“ (vgl. Wallner, 2004, S. 17).

Die Pionierarbeit für die Entwicklung des Carving-Skis hat der Rennsport geleistet. Nach Wörndle (1997, S. 118) kam der Durchbruch für das Carving im Freizeitbereich aus Nordamerika. Aufgrund der dort moderneren Pistenpflege als in Mitteleuropa, mit Schneekanonen und neuartigen Pistengeräten, die ohne Zweifel kompaktere und härtere Pisten mit glatten Oberflächen entstehen lassen, wurde die Pistenbeschaffenheit mehr und mehr an Rennverhältnisse angepasst. Somit benötigte auch der Freizeitbereich Skier, die auf einer glatten und harten Piste ein schneidendes und exaktes Fahren auch in engen Kurven zuließen.

„Inzwischen benutzen ca. 80% aller Skifahrer Carving-Ski. Im Handel und Ski-Verleih wird der Normal-Ski nahezu nicht mehr angeboten“ (Hörterer, 2004, S. 221).

2.3 Materialkunde Carving-Ski

Das Skimaterial, das sich in den letzten Jahren durch die bereits zuvor genannten Gründe sehr stark verändert hat, spielt beim Carven eine bedeutende Rolle. Wie bereits erwähnt, sind die Erkenntnisse des Carvens nicht neu und finden sich in Ansätzen schon im Telemark Ski von 1860 wieder.

„Wichtige geometrische Einflußgrößen am Ski sind Längen und Breiten, die Höhe des durch die Vorspannung gegebenen Bogens und die Seitenform (Taillierung). Der Verlauf von Biege- und Verdrehsteifigkeit über die Skilänge kennzeichnet die Skielastizität“ (Vogel, 1997, S. 197 f.).

2.3.1 Klassischer Ski versus Carver

Unterschiede zwischen dem Carving-Ski (Abb. 8) und dem klassischen bzw. konventionellen Ski (Abb. 9) lassen sich auf den ersten Blick erkennen. Nach Wallner (2004, S. 18) sind Carving-Ski, Skier mit einer „extremen Geometrie“. Sie besitzen im Vergleich zum klassischen Ski eine stärkere Taillierung (Seitenform) und teilweise eine geringere Trapezform als konventionelle Skier. Ebenfalls sind Carving-Ski kürzer gebaut als konventionelle Skier.

„Während beim „herkömmlichen“ Ski durch die vorgegebene Taillierung Schwungradien zwischen 35-50 m entstehen, ermöglichen Carver Radien, die teilweise weniger als 15 m betragen“ (Wallner, 2007, S. 18).

Ein konventioneller Ski war bisher vorne etwa 90 mm breit, hinten etwa 80 mm. Carving-Ski sind im Schaufelbereich durchschnittlich zwischen 95 und 100 mm breit und am Skiende knapp 90 mm breit (vgl. Deutscher Verband für das Skilehrwesen e.V., 2004, S. 6). Aktuelle Modelle der Saison 2007/2008 haben im Schaufelbereich Breiten von bis zu 121 mm und am Skiende von bis zu 106 mm.

Ein ebenso wichtiger Unterschied zwischen dem Carving-Ski und dem konventionellen Ski liegt in der Bindung und der damit verbundenen Standerhöhung, der sog. Bindungsplatte oder Carvingplatte. Sie soll helfen die Konstruktionsmerkmale der Carving-Ski (Taillierung und Länge) optimal auszunutzen.

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Abb. 8: Aktueller Carving-Ski.[4] Abb. 9: Konventioneller Ski.[5]

Die genauen Unterschiede und Merkmale der Carving-Ski sollen näher untersucht werden.

Die „Neue - Alte“ Form

Klien (2002, S. 35) beschreibt das angeblich neue Material so: „So Manches verschwindet in der Versenkung, gerät in Vergessenheit, um dann als große Entdeckung wieder zu erscheinen. Grundlegendes wird nur einmal erfunden“. Weiter wird erläutert, dass die „bogige Form des Skis“ auch Zdarsky bekannt war. 1897 schreibt Zdarsky (1897, S.331): „ Die Skikante ist also ein Theil einer kreisförmigen gearteten Kurve. Durch den Druck, dem der Ski ausgesetzt ist, gewinnt diese Kurve noch mehr Kreisähnlichkeit. Aus dieser Kantenform ergibt sich schon die bogige Richtung der Fahrbahn“. In derAbb. 10macht C.J. Luther 1914 „Die Bogenlaufende Wirkung des gekanteten Schneeschuhs“ deutlich und verweist somit schon sehr früh auf einen taillierten Ski und dessen Auswirkungen auf die Kurve (Kuchler, 1997, S. 98).

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Abb. 10: „Bogenlaufende Wirkung des gekanteten Schneeschuhs“ nach Carl J. Luther 1914 (Klien, 2002, S. 35).

Dies machen auch Gattermann, Janda und Rostock (1996, S. 365) deutlich: „Sowohl die taillierte Form der Skier als auch die Möglichkeit, die Skier sozusagen durch Aufkanten und Druckaufbau quasi aus eigener Kraft eine Kurve fahren zu lassen, sind seit langem bekannt“.

2.3.2 Carving-Ski Typen

Die Sportartikelindustrie hat auf den Wandel im alpinen Skisport reagiert. Die Entwicklungen der Skiindustrie haben Einfluss auf das Material und die Modellvielfalt genommen. „Das Spektrum der Erlebnismöglichkeiten auf Schnee ist breiter geworden. Noch nie war es so einfach, seine persönlichen Neigungen auf zwei Brettern auf so vielfältige Art und Weise auszuleben“ (Wallner, 2004, S. 12).

Die einzelnen Zielgruppen haben sich in den letzten Jahren enorm vergrößert (Abb. 11) und es sind Neue entstanden. Der Sportfachhandel bietet Easy-Carver, Allround-Carver, Freeride-Carver, Lady-Carver, Allmountain-Ski, Cross-Carver, Freestyle-Carver, Fun-Carver, Twin-Tip-Ski und Short-Carver an (Abb. 12).

Eine aktuelle Einteilung nach König und Wiedeck (2007, S. 273) sieht wie folgt aus:

- Moderater Allround-Carver
- Klassischer Allround-Carver
- Allmountain-Ski
- Skier-Cross-Ski
- Race-Carver (SL und RS)
- Freeride-Ski
- Park and Pipe-Ski
- Shorties

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Abb. 11: Übersicht über die DIN-Zielgruppen und Längenempfehlungen (König, A. und Wiedeck, S., 2007, S. 273).

Allround-Carver

Ein sehr breites Anwendungsspektrum. Vom Carving-Einsteiger (moderates Tempo) bis hin zum tempoorientierten Fahrer. Zu dieser Kategorie kann man auch den Allmountain-Ski zählen. Weniger stark tailliert und eine etwas breitere Skimitte. Radius: 15-21 m.

Race-Carver

Die Gruppe der Rennskier (Carver), als auch die sportlichen Modelle (Carver). Für Könner und rennlauforientierte Fahrer.

RS (Riesenslalom):

- hohe Geschwindigkeitsbereiche
- Radius: 21-25 m
SL (Slalom):
- kurze Radien
- Ersetzt den Fun-Carver
- Radius: 10-14 m

Freeride-Ski

Sie haben eine Skimittenbreite von mindestens 90 mm. Bestens geeignet für Tiefschnee, durch die größere Auflagefläche. Radius: 25-29 m.

Park and Pipe-Ski

Bei den Twin- oder Semitwintip-Konstruktionen sind die Skienden ebenfalls leicht nach oben geformt. Durch den weicheren Aufbau und die breitere Skimitte ideal für Funparks und New School.

Shorties

Als Lern- und Spaßski geeignet, aber auch als Fun-Ski zu verwenden. Länge zwischen 70 und 130 cm. Radius: < 10 m.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Race-Carver Allmountain-Ski Park and Pipe-Ski Freeride-Ski Shorties

(SL)

Abb. 12: Verschiedene Carving-Ski[6]

2.3.3 Carving aus sportmedizinischer Sicht

Zu Beginn der Einführung des Carving-Skis waren die Meinungen der Mediziner zu diesem neuen Sportgerät nicht gerade positiv. Es wurde angenommen, dass bei dieser Materialentwicklung mit einem neuen unbekannten Belastungs- und Verletzungsmuster gerechnet werden muss. „Es wird vermutet, daß das Unfallrisiko durch häufigeres „Verschneiden“ und Knieverletzungen durch besonders hohe Belastungen im Kniegelenk zunehmen können“ (Burtscher und Nachbauer, 1999, S. 107).

Sicherheit und Verletzungsrisiko im alpinen Skisport

Die Verletzungsrisiken und die typischen Sportverletzungen sind bei jeder Sportart verschieden und richten sich nach dem Anforderungsprofil der jeweiligen Sportart. So lassen sich für den alpinen Skilauf vor allem Verletzungsschwerpunkte im Bereich der unteren Extremitäten vorweisen. Im Bereich der oberen Extremitäten treten Verletzungen der Schulter-Arm-Region auf und auch Schädel-Hirn-Verletzungen, ebenso Verletzungen der Wirbelsäule und des Bauchraumes (vgl. Ruther, 2007, S. 199).

Die Sicherheit spielt gerade im alpinen Skisport, ebenso auch beim Snowboarden, eine wichtige und nicht zu vernachlässigende Rolle. Seuckert weist bereits im Jahr 1983 (S. 409) auf einen interessanten Aspekt hin, der gerade das Fahren mit Carving-Ski für den Skifahrer zu einem Erlebnis macht. „In Zukunft sollte der Ausbau überbreiter Pisten vermieden werden und natürliche Geländeformen möglichst erhalten bleiben, denn lange übersichtliche Abfahrtsstrecken verleiten den Skifahrer zu Schußfahrten mit hohen Geschwindigkeiten. Die Folge ist, dass die Skifahrer die Übersicht verlieren und die Kollisionsunfälle zunehmen“.

Belastungen beim Carving und ihre Auswirkungen auf den menschlichen Bewegungsapparat

Mögliche Belastungen des Bewegungsapparates beim Carving entstehen insbesondere am Kniegelenk, hervorgerufen durch die starke Taillierung und die Plattensysteme auf dem Ski (vgl. Köhne, Kusche, Schaller und Gutsfeld, S. 63). Durch das extremere Kurvenfahren mit kleinerem Radius beim Carving entstehen Fliehkräfte (Abb. 13), die größer sind als bei normalen Skier und mit dem Quadrat der Geschwindigkeit zunehmen. Somit steigt die muskuläre Belastung des Skifahrers durch die auftretenden Zentrifugalkräfte an (vgl. Dingerkus und Mang, 2001, S. 214). Der Skifahrer muss durch richtiges technisches Verhalten beim Kurvenfahren Gegenkräfte (Zentripetalkräfte) aufbauen, um auf der vorgegebenen Bahn zu bleiben. Es ist also festzuhalten, dass mit steigender Geschwindigkeit die Belastungen für den menschlichen Bewegungsapparat steigen. In einer Studie von Dingerkus und Mang (2001, S. 217), von 412 Carvern aus der Saison 1998/1999, gaben 4,4% der Befragten – überwiegend Männer – an, Fehl- oder Überbelastung des Bewegungs- und Stützapparates durch das Carven zu haben. „61% aller Überbelastungen betrafen – überwiegend beidseitig – das Kniegelenk, gefolgt von der Wirbelsäule (11%), der Hüfte und dem Fuß (je 6%). Im Vordergrund standen dabei Muskel- und Sehnenreizungen (39%) sowie Knorpelprobleme (33%)“ (Dingerkus und Mang, 2001, S. 217).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 13: Fliehkräfte beim Kurvenfahren (Köhne et al. 2007, S. 64).

Kuchler (2004, S. 96 f.) wirkt dieser Ansicht entgegen und verweist auf die positive Selbstführung der Skier. Des Weiteren stellt Kuchler (2004, S. 96 f.) fest, dass jeder Skifahrer seine Kraft voll auf den Ski und somit in den Schnee übertragen kann: „Anstrengend wird natürlich jede Technik, wenn es um hohe Geschwindigkeiten oder exzessive Fahrformen geht … Carven ist im Prinzip schonender für die Gelenke: Die hohen Drücke, die bei hohen Kurvengeschwindigkeiten auftreten, sind ohne weiteres für die Gelenke verkraftbar, da sie Knie- und Sprunggelenke in physiologischen Stellungen und Bewegungen beanspruchen. Die hohen Kurvendrücke sind ein reines Kraftproblem!“.

Maver (2000, S. 90) sieht das Carven ebenso wie Kuchler als eine schonende Fahrweise für die Gelenke: „Für eine gemütliche – aber genauso für eine sportliche Fahrt – ist eine Neigung mit dem Körper in den Schwung hinein die allereinfachste, die sicherste und die am wenigsten ermüdende und für die Gelenke unschädlichste Art des Kanteinsatzes“.

Mögliche Verletzungen und Verletzungsursachen beim Carving

Nimmt man noch einmal die Studie von Dingerkus und Mang (2001, S. 217) als Grundlage, dann liegen bei Carvern mit 62% gegenüber 49%, Skiunfälle aus dem Jahr 1997, bei herkömmlichen Skifahrern öfter Verletzungen der unteren Extremitäten vor. Jeder vierzehnte Carver war bereits mindestens einmal am Kniegelenk verletzt, und eine Reihe von Carvern hat eine isolierte Kreuzbandverletzung erlitten.

Sieht man einmal auf die Verletzungsursachen, so nahmen Dingerkus und Mang (2001, S. 213) an, dass mit einem Anstieg von Kollisionen zu rechnen ist, „da Snowboarder und Carver erfahrungsgemäß mehr Platz für ihre Schwünge benötigen, die sie bei hoher Geschwindigkeit sogar ’bergauf’ ziehen können.“ Ebenso wird vermutet, dass ein „Verschneiden“ mit stark taillierten Carving-Ski Knieverletzungen begünstigt (Hörterer, 2004, S. 222).

Diese möglichen Unfallursachen untersuchte Köhne et al. (2007, S. 64) und kam zu folgenden Ergebnissen: In 86,3% der Fälle war ein Einzelsturz ohne Fremdeinwirkung und in 13,7% der Fälle ein Kollisionsunfall Unfallursache bei den Carvingskifahrern. Die Normalskifahrer verletzten sich zu 88,7% im Rahmen eines Einzelunfalls. 11,3% der Normalskifahrer waren in einen Kollisionsunfall verwickelt. Ein Verkanten und ein daraus resultierender Sturz als Verletzungsursache gaben 19,9% der Carvingskifahrer an und lediglich 7,2% der Normalskifahrer.

Hat sich das Verletzungsbild seit der Einführung der Carving-Ski verändert?

In den letzten Jahren wurden zahlreiche Studien und Befragungen zu diesem Thema durchgeführt. Zu Beginn war eine Auswertung aufgrund der noch „neuen“ Entwicklung des Carving-Ski sehr schwer, da im Jahr 1996/1997 erst wenige Skifahrer einen Carving-Ski fuhren. „Inzwischen fahren etwa 90% einen Carvingski“ (Köhne et al., 2007, S. 63).

Bereits Hörterer (2004, S. 223) beruft sich auf die Auswertung der Skiunfälle aus der Saison 2002/2003, durch die Auswertungsstelle für Skiunfälle der ARAG-Sportversicherung (ASU-Ski), die keinen signifikanten Anstieg des Verletzungsrisikos erkennen lässt und sagt, dass „man inzwischen definitiv feststellen kann, dass die Einführung der Carving-Ski nicht zu einem Anstieg der Unfallzahlen im alpinen Ski-Sport geführt hat“.

Köhne et al. (2007, S. 64. f) legt seiner Untersuchung Daten aus der Wintersaison 1999/2000 bis 2005/2006 zugrunde und stellt fest, dass bei Carvern mit 50,8% die unteren Extremitäten seltener betroffen waren als bei den Normalskifahrern (56,9%). Das Kniegelenk stellt nach wie vor die am häufigsten betroffene Körperregion dar. Carver (37,6%) verletzten sich aber seltener am Kniegelenk als Normalskifahrer (41,8%). Ein Grund dafür könnte sein, dass der Trend in den letzten Jahren wieder zum breiteren und etwas längeren Carver geht (Köhne et al. 2007, S. 63). Verletzungen am Rumpf traten häufiger bei Carvern (19,7%) auf als bei Normalskifahrern (15,4%). Ein deutlicher Unterschied ist auch bei den Verletzungen an der Schulter zu erkennen, hier traten bei den Carvern (14,5%) deutlich mehr Verletzungen auf als bei den Normalskifahrern (10,0%), oftmals durch extremes Carven mit hohen Kurvengeschwindigkeiten und extremen Kurvenlagen, in Verbindung mit einer härteren Präparation der Piste durch Kunstschnee, hervorgerufen.

„Nach den Auswertungen (2004/2005) der ARAG-Sportversicherung (ASU-Ski) ergibt sich ein Rückgang des Verletzungsrisikos (Verletzungen pro 1000 Skifahrer) um 7% in den letzten 8 Jahren“ (Köhne et al., 2007, S. 65).

Es ist demnach festzustellen, dass der Trend zum Carvingski keinen sichtbaren Effekt der Verletzungsentwicklung in den letzten 10 Jahren ausgelöst hat (vgl. Senner, 2005, S. 121).

Ebenso positiv ist auch die Entwicklung im Bereich der Helme und Rückenprotektoren zu sehen, die durchaus eine prophylaktische Maßnahme zur Verhütung von Verletzungen ist. In Italien besteht bereits seit 2005 eine Helmpflicht für Kinder unter 14 Jahren.

Eine weitere Möglichkeit bereits präventiv zu handeln, ist eine gute Vorbereitung auf den Skiwinter. Es ist also sinnvoll, aufgrund dieser Erkenntnisse bereits früh mit einer konditionellen Vorbereitung, d.h. mit einem Kraftaufbau der Rumpf- und Beinmuskulatur sowie propriozeptivem Training für die unteren Extremitäten zu beginnen (vgl. Schlegel, 1998, S. 81).

Belastungs-/Anforderungsprofil an das Carven

Die Einführung der Carving-Ski hat das sportmotorische Anforderungsprofil des alpinen Skilaufs in den letzten Jahren beeinflusst. Spitzenpfeil (2007, S. 183) stellt fest, dass je nach Fahrtempo und Schwungradius enorme Kräfte auftreten, die sowohl in der Bein- als auch in der Rumpfmuskulatur kompensiert werden müssen. Somit sind in erster Linie Maximal- und Schnellkraft sowie eine über mehrere Stunden andauernde Ausdauerleistungsfähigkeit wichtig.

Hörterer (2004, S. 223) sieht in der Tatsache, dass innere Schwungradien auf Grund der Taillierung rein auf der Kante gesteuert werden können, eine deutlich erhöhte Kraftanforderung, um den Ski auf der Kante zu fixieren. Die gesamte Körpermuskulatur ist betroffen und es sind in hohem Maße exzentrische, konzentrische und statische Muskelarbeit erforderlich.

Roschinsky (2003b, S. 17) weist im Weiteren auf eine möglichst gut ausgebildete Beweglichkeit, speziell im Bereich der Knie- und Hüftgelenke, hin. Neben den konditionellen Anforderungen an das Skifahren mit Carving-Ski sind auch die koordinativen Fähigkeiten wie Gleichgewichtsfähigkeit, Reaktionsfähigkeit (ganz besonders bei hoher Geschwindigkeit), Orientierungsfähigkeit, Rhythmisierungsfähigkeit und Differenzierungsfähigkeit für ein gutes und sicheres Skifahren von Bedeutung (vgl. Roschinsky, 2003b, S. 18).

Die kürzeren Skier erfordern eine ständige Regulation des Gleichgewichtes und eine neutrale Lage des Körperschwerpunktes über der Skimitte, und die breitere Skistellung verlangt eine exakte Körperschwerpunktlage zwischen den beiden Skiern (vgl. Hörterer, 2004, S. 223).

Carving-Ski und Pistensicherheit

Der Carving-Ski bringt Gefahren für den Skifahrer selbst und auch für andere Skifahrer mit sich. Durch das Carven entfällt weitestgehend der Bremseffekt des Driftens, was eine höhere Geschwindigkeit zur Folge hat. Durch die Taillierung können größere Kurvengeschwindigkeiten gefahren und die Breite einer Piste komplett ausgenutzt werden. Die Kurven werden auch teilweise den Hang hinauf gezogen, somit besteht die Gefahr einer Kollision mit anderen Fahrern, deren Spur man dadurch kreuzt. Eine solche Kollision kann durch einen Blick bergwärts „Carverblick“ und vorausschauendes Fahren vermieden werden (Roschinsky, 2003, S. 29).

Die Stiftung Sicherheit im Schneesport (SIS) hat die gültigen FIS-Regeln in dem Punkt 5 abgeändert. Diese lautet nun: „Jeder Skifahrer und Snowboardfahrer, der in eine Skiabfahrt einfahren, nach einem Halt wieder anfahren oder hangaufwärts schwingen oder fahren will, muss sich nach oben und unten vergewissern, dass er dies ohne Gefahr für sich und andere tun kann“ (Senner, 2005, S. 123).

2.3.4 Ursachen und Gründe für die Ablösung des klassischen Skis

Der Carving-Ski hat Ende der 90er Jahre den Skisport revolutioniert (Roschinsky, 2003a, S. 9). Die Weiterentwicklung der Rennskier und der Technologie aus dem Spitzensport wurden somit für den Freizeitsport zugänglich gemacht. Ein weiterer Grund für die Ablösung des klassischen Skis waren die noch zu Beginn der 90er Jahre stark sinkenden Verkaufszahlen der Skiindustrie und die rückläufigen Zahlen der Skigebiete. Diese Neuerung wurde von den Skifirmen direkt aufgegriffen und belebt den alpinen Skisport bis heute. Mit dieser Innovation auf dem Materialsektor im Bereich des Freizeitsports und auch durch die logische Weiterentwicklung im Spitzensport hat die Skiindustrie seit einigen Jahren wieder steigende Zahlen, und der klassische Ski gehört nun endgültig der Vergangenheit an.

2.4 Technik Ski Alpin

Seit der Entstehung des alpinen Skilaufs in der Region Telemark gab es zahlreiche verschiedene Techniken und Bewegungsformen. Angefangen vom Telemark- und Kristianiaschwung über den Stemmbogen und Stemmkristiania hin zu Rotationstechnik, Beinspieltechnik, Blocktechnik und Diagonaltechnik in der jüngeren Vergangenheit. Hinzu kommen noch zahlreiche weitere Techniken aus dem Bereich des Rennsports und von anderen nationalen Skiverbänden.

Unter dem Begriff Technik versteht man „eine spezifische Abfolge von Bewegungen oder Teilbewegungen beim Lösen von Bewegungsaufgaben in Sportsituationen“ (Sportwissenschaftliches Lexikon, 1992, S. 504). Ebenso soll aber auf individuelle Eigenheiten bei der Ausführung geachtet werden und eine Bewegungsökonomie, d.h. möglichst zweckmäßige und ökonomische Bewegungen, erreicht werden.

Dem Skifahren liegt das Prinzip des offenen Bewegungskonzeptes zugrunde. Der Skifahrer kann jede Abfahrt und jeden Berg so befahren, wie es ihm möglich ist und wie er möchte. Skifahren ist eine offene Sportart, „bei der die Bewegungsbedingungen ständig variieren“ (Deutscher Skilehrerverband e.V., 2003, S. 22).

Kemmler (2002, S. 25) beschreibt den Skisport als Natursport und als dieser unterliegt er natürlich zahlreichen externen Einflüssen, wie z. B. Wetter, ständig wechselnden Geländeformen, unterschiedlichen Schnee- und Pistenverhältnissen und den individuellen Möglichkeiten eines jeden Skifahrers. Und mit diesen unterschiedlichen und ständig wechselnden Einflüssen wird vom Skifahrer eine variable und individuelle Technik verlangt.

Der DVS fordert eine „universelle Skitechnik“ (Deutscher Verband für das Skilehrwesen, 1992, S. 15), die für weitere und vielfältige Möglichkeiten offen ist. „Die universelle Skitechnik ist Voraussetzung für eine persönliche Skitechnik: Aus dem großen Stoffangebot wählt jeder Skifahrer gemäß seinen Neigungen und persönlichen Stärken aus“ (Deutscher Verband für das Skilehrwesen, 1992, S. 15).

Es kann festgehalten werden, dass die Skitechnik variiert und vom Skifahrer in unterschiedlichen Situationen entsprechend angewendet wird. „Die Skitechnik als Strategie zur optimalen Lösung der jeweilig vorhandenen Fahrsituation“ (Deutscher Verband für das Skilehrwesen e.V., 2006, S. 8).

Um die Technik jedoch situationsbedingt und variabel einsetzen zu können, bedarf es der Kenntnis einiger biomechanischer Prinzipien.

2.4.1 Grundfunktionen des alpinen Skifahrens

Im alpinen Skifahren helfen die Grundfunktionen Kanten, Drehen und Belasten dem Skifahrer, sich am Berg situationsgerecht und zielgerichtet zu verhalten und um einen Richtungswechsel einzuleiten und durchzuführen (vgl. Deutscher Verband für das Skilehrwesen e.V., 2003, S. 20). „Ohne sie <<funktioniert>> das Skifahren nicht und deshalb sprechen wir von den Grundfunktionen“ (Deutscher Verband für das Skilehrwesen e.V., 2003, S. 20).

2.4.2 Biomechanische Aspekte des alpinen Skifahrens

Bedeutende Einflussgrößen des alpinen Skifahrens

Im alpinen Skilauf wirken auf jeden Skifahrer innere und äußere Kräfte. Die Kräfte, die von Außen auf den Skifahrer einwirken, werden als äußere Kräfte bezeichnet. Hierzu zählen die Schwerkraft, Krafteinwirkung der Ski, Luftwiderstand und die Reibung (Haft-, Gleit-, Rollreibung) (vgl. Spitzenpfeil, Huber und Waibel, 2007, 166). Weiterhin zählen zu den äußeren Kräften die Normalkraft und die Hangabtriebskraft. Eine Beschleunigung des Skifahrers kann demnach nur durch die genannten äußeren Kräfte erfolgen (Kaufmann, 1989, 350). Beim Kurvenfahren treten zusätzlich noch die Zentrifugal- und die Zentripetalkraft auf.

Die inneren Kräfte (Muskelkräfte) sind gerade beim Kurvenfahren statische und dynamische (konzentrische und exzentrische) Kräfte (vgl. Spitzenpfeil et al., 2007, 166).

Kräfte während der Schussfahrt

Der Skiläufer wird in der Schussfahrt und bei dem Fahren in der Falllinie (Abb. 14) durch die Hangabtriebskraft (FH) beschleunigt. Die Gewichtskraft (FG) wirkt parallel zur Hangneigung und ist eine Teilkraft der Gewichtskraft (FG). Die Normalkraft FN ist die zweite Teilkraft und wirkt normal im rechten Winkel zur Unterstützungsfläche. Die Größe beider Kräfte steht in direktem Zusammenhang mit der Hangneigung (Neigungswinkel α) (vgl. Fetz und Müller, 1991, S. 5).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 14: Das Kräftesystem während der Schussfahrt (Fetz und Müller, 1991, S.7).

Einer ungebremsten Fortbewegung stellen sich Reibungskräfte entgegen, so etwa der Luftwiderstand FL oder die Gleitreibungskraft FR (Abb. 15).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 15: Bremskräfte während der Schussfahrt (Fetz und Müller, 1991, S.7).

Der beschleunigende Anteil der Hangabtriebskraft ist umso höher, je steiler das Gelände ist. Dem Skifahrer bleiben zwei Möglichkeiten, um die Geschwindigkeit zu kontrollieren. Zum einen kann man den Luftwiderstand erhöhen, dies geschieht mit dem Aufrichten des Oberkörpers oder dem Ausstrecken der Arme. Die zweite Möglichkeit die Geschwindigkeit zu verändern ist, „die Neigung entlang der Fahrspur durch Schrägfahren (geradeaus aber nicht in der Falllinie) oder durch Kurvenfahren“ (Spitzenpfeil et al., 2007, S. 166) zu regulieren.

Paralleles Kurvenfahren als Kernelement der alpinen Skitechnik

Die Schneesportarten sind im Bereich der offenen Sportarten anzusiedeln. „Bewegungsmöglichkeiten und Bewegungsmuster können nur in großer Variationsbreite angewendet werden“ (Brunner, 2005, S. 34). Jede Kurve ist verschieden, weil Schnee, Gelände, Radius und Tempo dauernd wechseln und der Skifahrer seine Technik ständig situativ anpassen muss. Aus dieser Erkenntnis stellt Brunner (2005, S. 34) fest, „dass … Schwungformen und ihre aktionale sowie funktionale Beschreibung nicht mehr in der methodischen Literatur“ erwähnt werden.

Vielmehr wird in diesem Zusammenhang von „Fahrphilosophie gesprochen, bei der es um optimales Kurvenfahren geht und bei dem die Anwendung der Grundfunktionen und Schaffung einer breiten Variabilität der Bewegungsmöglichkeiten im Vordergrund stehen“ (Brunner, 2005, S. 34).

Seit Beginn des alpinen Skilaufs ist das Ziel eines jeden Skifahrers: „Jederzeit in sicherem Gleichgewichtszustand die Fortbewegungsrichtung durch Kurvenfahren gezielt ändern zu können“ (Zehetmayer, 2002, S. 145). Um dieses Ziel zu erreichen, gibt es unzählige Techniken und die unterschiedlichsten Schwungformen.

Die Kurven können parallel oder in gewinkelter Stellung (Pflugstellung) gefahren werden oder schrittweise, als Bogentreten, vollzogen werden (vgl. Deutscher Verband für das Skilehrwesen e.V., 2006, S. 9).

„Die Grundtechnik des Skifahrens ist das parallele Kurvenfahren. Dabei werden die Ski durchgängig in paralleler Stellung geführt“ (Deutscher Verband für das Skilehrwesen e.V., 2007, S. 11).

Skitechnische Merkmale des Kurvenfahrens

„Ein wesentlicher Unterschied zwischen Carving- und Parallelschwung ist, dass beim Carven der Schwung ohne Rotationsmoment um die Körperlängsachse eingeleitet wird. Der Ski wird quasi aus dem Bein heraus „auf die Kante gestellt“… ohne seitliche Rutschkomponente…“ (Tutz, 2003, S. 6).

Die hier genannten und aufgeführten skitechnischen Merkmale des Kurvenfahrens sind die aktuelle Lehr- und Fahrweise des DSV (Deutscher Skiverband e.V.) und des DSLV (Deutscher Skilehrerverband e.V.) und sind ebenso im aktuellen Skilehrplan Praxis aufgeführt.

Eine Kurve wird durch den Radius zwischen dem Mittelpunkt und der Bahn des Außenskis bestimmt. Der Radius variiert je nach Fahrweise, Geländewahl oder ändert sich während der Kurvenfahrt. Die Kurvenform kann sich verändern. Bleibt der Radius gleich, dann ist sie kreisrund oder sie wird im Kurvenverlauf enger oder weiter. Man spricht dann von einer „zugemachten“ bzw. „geöffneten“ Kurve (vgl. Abb. 16). Die Größe der Richtungsänderung wird durch den Kurvenwinkel bestimmt. Der Kurvenwinkel ist das Maß „zwischen Kurvenanfang (Wechsel der Drehrichtung) und Kurvenende (erneuter Wechsel)“ (Deutscher Verband für das Skilehrwesen e.V., 2006, S. 123).

Zunächst lässt sich, wie inAbb. 16skizziert, die Kurvenfahrt räumlich und funktionell unterteilen. Zum einen in den Bereich des Kurvenwechsels und zum anderen in den Bereich der Kurvensteuerung. Nachbauer und Rauch (1991, S. 58) beschreiben diese beiden Phasen auch als „schwungvorbereitende Phase und Schwungphase“. „Haupttätigkeiten der schwungvorbereitenden Phase sind Belastungswechsel auf den zukünftigen Außenski, Entlastung der Skier sowie Umkanten des zukünftigen Außenskis. Beim Kurvenwechsel erfolgt ein Kantwechsel, über einen so früh wie möglichen Druckaufbau über die Innenkante des neuen Außenskis“ (Nachbauer und Rauch, 1991, S. 58). Der deutsche Verband für das Skilehrerwesen (2006, S. 10) beschreibt den Kurvenwechsel als Bereich, in dem die Drehrichtung der Ski geändert wird. Es erfolgt gleichzeitig bei paralleler Skistellung (Skispitzen befinden sich auf gleicher Höhe) ein Umkanten der Ski und ein Wechsel der Kurvenlage. Der Körperschwerpunkt verlagert sich nach vorne. Der Körper bewegt sich von der bisherigen Kurveninnenseite auf die neue Kurveninnenseite (Abb. 17). Das gleichzeitige Umkanten der Skier im Bereich des Kurvenwechsels erfolgt „im Gegensatz zum traditionellen Parallelschwung durch eine annähernd gleichmäßige Belastung von Außen- und Innenski“ (Raschner, Schiefermüller, Zallinger, Müller, 2001, S. 94). Die Belastung von Außenski zu Außenski wird von Kurve zu Kurve gewechselt. Raschner et al. (2001, S. 94) stellten fest, dass „entgegen mancher Spekulation in der Schwungauslösephase auch beim Carvingschwung eine deutliche Entlastung der Skier zu beobachten ist“.

Durch die Kurvenlage und dem damit verbundenen Höhenunterschied der Beine wird eine situativ angepasste Schrittstellung eingenommen, bei der sich der Innenski leicht nach vorne schiebt. Mit zunehmenden Höhenunterschied, also mit Veränderung der Kurvenlage, verschieben sich die Skier um so mehr. Ein Carvingschwung zeichnet sich durch „extreme Kippbewegungen des Skiläufers … in den maximal eingenommenen Kurveninnenlagen“ aus. Beim traditionellen Parallelschwung sind dies 40°-45° und beim Carvingschwung 50°-55° (vgl. Raschner et al., 2001, S. 94).

In dem Bereich der Kurvensteuerung werden die Skier in die neue Richtung gebracht. „Die Knie und das Becken werden seitwärts in Richtung Kurvenmitte ohne Verwindung bewegt“ (Deutscher Skilehrerverband, 2006, S. 7). Der Körperschwerpunkt (Abb. 17; rote Spur) befindet sich auf der Kurveninnenseite (Kurvenlage) und die Ski werden auf den Kanten geführt, um den notwendigen Schneewiderstand für die Richtungsänderung zu erreichen“ (Deutscher Verband für das Skilehrwesen e.V., 2006, S. 10). Ebenso skizzieren Nachbauer und Rauch (1991, S. 58), dass richtungsablenkende Schneewiderstandskräfte die Richtungsänderung bewirken. „Haupttätigkeiten dieser Phase sind Aufkanten …, Einnehmen von Kurveninnenlage sowie Regulieren des Kurvenradius über den Kantwinkel“ (Nachbauer und Rauch, 1991, S. 58).

„Je mehr die Ski durch größere Kantwinkel und Kräfte belastet werden, desto größer ist der Schneewiderstand“ (Deutscher Verband für das Skilehrwesen e.V., 2006, S. 10).

Während der Kurvensteuerung ist der Skifahrer in einer taloffenen Position. Diese ergibt sich aus der Schrittstellung der Skier während der Kurve und achsenparalleler Ausrichtung von Becken und Oberkörper zu den Skier (Deutscher Verband für das Skilehrwesen e.V., 2006, S. 123).

Die Bahn des Körperschwerpunktes verläuft bei der Kurvenfahrt näher am Kurvenmittelpunkt als die Bahn der Skier. Grund hierfür ist die Kurvenlage. Im Bereich des Kurvenwechsels schneidet die Bahn des Körperschwerpunktes die Bahn der Skier (Abb. 17).

Als weitere Grundsätze des Kurvenfahrens lassen sich festhalten (vgl. Deutscher Skilehrerverband, 2006, S. 7): Die Bewegungen sind rhythmisch und dem Kurvenverlauf angepasst, und die Fahrweise ist sportlich, dynamisch und fließend. Um eine gecarvte Kurve zu fahren, ist es wichtig, dass die Skienden der Bahn der Skispitzen folgen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 16: Merkmale des Kurvenfahrens (Deutscher Skilehrerverband, 2006, S.6).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 17: Skibahn und Körperschwerpunktbahn (Deutscher Skilehrerverband, 2006, S.11).

2.4.3 Biomechanische Grundlagen beim Skifahren mit Carving-Ski

Biomechanik ist eine Teildisziplin der Biophysik. Im Sport hat die Biomechanik die Aufgabe, die sportlichen Bewegungen des Menschen und die mechanischen Bedingungen dieser Bewegungen zu untersuchen. Ziel der Biomechanik ist es, die sportliche Leistung durch Erkenntnisse über die wesentlichen Komponenten der jeweiligen Sportart zu verbessern. Merkmale der Sportarten werden gemessen und unter Anwendung mechanischer Gesetzmäßigkeiten untersucht (vgl. Ballreich, 1996, S. 1 ff).

Biomechanische Faktoren spielen beim Fahren mit Carving-Ski eine wesentliche Rolle. Die geometrischen Merkmale der Carving-Ski haben Auswirkungen auf das Fahrverhalten.

Die Skilänge

Die Skilänge hat sich in den letzen Jahren enorm verändert. „Länge Läuft!“, so wie es Roschinsky (2003a, S. 24) ausdrückt, zählt schon lange nicht mehr. Ende der 80-er Jahre waren bspw. Abfahrtsski im Herrenbereich 2,20 m und länger. Diese Eigenschaft machte sie weniger drehfreudig. Mittlerweile sind Abfahrtsski 2,12 m bis 2,17 m lang und lassen sich bedeutend besser steuern und drehen. „Kurze Ski sind beim Schussfahren mit höherem Tempo nicht so richtungsstabil um die vertikale Achse (z-Achse), lassen sich jedoch leichter in Kurven drehen und weitersteuern. Diese Tatsache hängt mit der Massenträgheit der Ski mit den notwendigen Kraftmomenten zusammen, die für eine Drehung der Ski erforderlich sind“ (Wörndle, 2007, S. 124). Dieser Ansicht war bereits Oberleutnant Georg Bilgeri, österreichischer Skipionier, der in seinem 1911 erschienen Buch „Der Alpine Skilauf“ für die sommerlichen Gletscherskifahrten Folgendes festhielt: „… Schienen von 1,30 m bis 1,60 m Länge, hierbei ist zu bedenken, dass, je kürzer der Ski ist, er umso mehr aus der geraden Fahrrichtung abweicht, flattert; …Der kurze Tourenski hat als besondere Vorteile geringes Gewicht, leichte Lenkbarkeit ...“ (Bilgeri, 1911, S. 3 f.).

Für den Skifahrer ergeben sich aus dieser Tatsache neue Längenempfehlungen, die von unterschiedlichen Einflussgrößen abhängen. Nach Roschinsky (2003a, S. 25) sind entscheidende Faktoren für die Skilänge:

- Carvingmodell
- Körpergröße
- Körpergewicht
- Fahrkönnen
- Fahrstil
- Ambitionen/Wunschtechniken

Auch Hintermeister (1997, S. 137) empfiehlt, „Carvingski 10-15 cm kürzer als herkömmliche Ski wählen,“ … und „daß der Ski umso kürzer sein kann je ausgeprägter die Taillierung ist“.

Bedeutung der Taillierung

Carving-Ski sind an der Schaufel und am Ende des Skis breiter als in der Mitte. Diese Unterschiede sind für das Skifahren relevante Einflussgrößen. „Taillierung wird der geometrische Linienzug von der breitesten Stelle an der Schaufel über die Skimitte zur breitesten Stelle am Skiende genannt, sie beschreibt etwa die Form eines Kreisbogens. Der zum Bogen gehörige Radius gibt ungefähr den Schwungradius vor, den ein aufgekanteter Ski ohne zusätzliche Aktionen des Skifahrers durchfährt, wie dies bei geschnittenen Schwüngen ohne jeglichen Rutschanteil der Fall ist“ (Deutscher Verband für das Skilehrwesen e.V., 2004, S. 6).

Diese Aussage ist zwar theoretisch richtig, entspricht aber selten der Realität, „da beim Schwingen der Kantwinkel nicht konstant ist und ein erhöhter Kantwinkel eine stärkere Durchbiegung des Skis und somit einen kleineren Kurvenradius zur Folge hat und ebenso eine seitliche Flexibilität den Kurvenradius vergrößert“ (Roschinsky, 2003a, S. 23). InAbb. 18undAbb. 19wird die Geometrie des Alpinski verdeutlicht.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 18: Seitengeometrie von Alpinski (Wörndle, 2007, S. 124).

Von der breitesten Stelle des Skis bv an seiner Spitze, verjüngt sich der Ski bis zu seiner schmalsten Stelle im Bereich der Skimitte bm. Diese Verjüngung l2, auch Einzugswinkel genannt, bewirkt, dass die aufgekanteten Ski in eine Kurve lenken. Ebenso wirkt sich dieser Einzugswinkel β daraus aus, wie weit der Ski bei einer Schussfahrt aus der geraden Fortbewegungsrichtung gedreht und wieder zurückgedreht werden kann, ohne zu verkanten. Daraus folgt, dass tailliertere Skier mit einem größeren Einzugswinkel β toleranter sind als weniger taillierte Skier. Anzumerken ist aber, dass nach dem Verkanten mit einem stark taillierten Ski eine Korrektur zur Geradeausfahrt sehr schwer ist (vgl. Wörndle, 2007, S. 125 f.).

Am Skiende (Abb. 19) bilden sich bei der Geradeausfahrt wegen des Ausstellwinkels α des Skiendes Anströmkräfte. Der Schnee wird an die Seitenwangen gedrückt und reibt an diesen. Somit bilden sich an jedem Punkt zwischen bM bis bH (graue Fläche inAbb. 19) Anströmkräfte, die senkrecht zur Seitenwange und zur Kante des Skis wirken. Die Stabilisierungskraft FS ist zusammengefasst die Summe aller Anströmkräfte. Je nach Ausstellwinkel des Skiendes wirken diese stärker oder schwächer. „Das Produkt von FS mit dem Abstand zum Drehpunkt (=Länge l1) ergibt ein Stabilisierungsmoment, und dieses Stabilisierungsmoment hält den Ski in Geradeausfahrt“ (Wörndle, 2007, S. 125).

Somit haben der Ausstellwinkel des Skiendes (hintere Taillierung), die Skilänge und der Kompressionswiderstand des Schnees Einfluss auf das Stabilisierungsmoment eines Skis.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 19: Ausstellwinkel des Skiendes (Wörndle, 2007, S. 125).

Vereinfacht gesagt lässt sich Folgendes festhalten: Werden beide Skier in Fahrtrichtung nach links aufgekantet, leitet die Taillierung eine Kurvenfahrt nach links ein, bei Aufkanten nach rechts erfolgt eine Einlenkung in die entgegengesetzte Richtung, nach rechts. Bei gleicher Taillierung ziehen größere Aufkantwinkel engere Kurvenradien nach sich. „Die Verkleinerung des Schwungradius bedingt eine Erhöhung der auf den Skifahrer wirkenden Kräfte“ (Mössner, Nachbauer und Schindelwig, 1997, S. 140) (Abb. 13).

Radius

Der Radius hängt im Wesentlichen von der Taillierung, der Kontaktlänge der verwendeten Skier und dem Aufkantwinkel ab. Mit einem stärker taillierten Ski werden bei gleichem Aufkantwinkel deutlich kleinere (engere) Schwungradien erreicht (vgl. Schwarzer, Spitzenpfeil, Seifriz und Mester, 1999, S. 215).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Diese Gleichung wird auch durch Wörndle (2007, S. 127) bestätigt: „Skitaillierung und Aufkantwinkel der Skier beeinflussen den gefahrenen Kurvenradius in geschnittenen Kurven. Zusätzlich zum konstruierten Skiradius unterstützt auch die Durchbiegung der Skier („Flex“, Biegeelastizität) das Kurvenfahren, mehr ’Flex’ bedeutet engeren Fahrradius“.

Bindungsplatte - Carvingplatte

Eine entscheidende Einflussgröße für die Gestaltung des Kurvenradius und die Ausnutzung der Taillierung der Carving-Ski ist die Bindungsplatte (Abb. 20), auch Carvingplatte genannt. Diese Standerhöhung wird zwischen Bindung und Ski montiert.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 20: Bindungsplatte und Standerhöhung.[7]

Wallner (2004, S. 20) nennt drei Vorteile für die Verwendung von Carvingplatten:

Standerhöhung: Da Skischuhe im Vorderfuß-Bereich fast doppelt so breit sind wie die Skier, kann mit einer Standerhöhung erreicht werden, dass der bergseitige Skischuh keinen Schneekontakt bekommt und bei extremeren Kurvenlagen nicht wegrutschen kann. Ein sog. „Boot-out-Effekt“ (Roschinsky, 2003a, S. 26) nennt man ein solches Weggrutschen auf dem Skischuh. Siehe auchAbb. 21rechts.

Erleichtertes Aufkanten der Ski: Eine Standerhöhung bietet einen besseren Hebelarm (Unterschenkel plus Ausrüstung). Die Kraft zum Aufkanten nimmt im umgekehrten Verhältnis der Hebelarme ab. Fährt der Skifahrer mit einer erhöhten Standposition dieselbe Kurve mit der gleichen Geschwindigkeit, genügt ein geringerer Aufkantwinkel θ als bei niedriger Standposition.

Als Kantwinkel wird der Winkel zwischen Schneeoberfläche und Ski bezeichnet“ (Spitzenpfeil et al., 2007, 169). InAbb. 21ist der Kantwinkel θ = 60°.

Dämpfung: Entstehende Schwingungen sollen durch die Carvingplatte absorbiert werden. Dies wirkt sich auf die Laufruhe des Skis aus.

Das aktuelle Reglement der FIS sieht Erhöhungen im Weltcup von bis zu 55 mm vor.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 21: Aufgekanteter Ski mit Platte (links) und aufgekanteter Ski ohne Platte (rechts) (Wallner, 2004, S. 20).

Neben den positiven Aspekten der Bindungsplatten gibt es laut Roschinsky (2003a, S. 27) auch einige Nachteile. Durch die erhöhte Position des Skifahrers erhöht sich die Gefahr des Verschneidens gerade beim Geradeausfahren (Stelzeneffekt). Ebenso wird die Belastung der Gelenke, besonders der Kniegelenke, erhöht

[...]


[1]In der Arbeit werden beide Geschlechter gleich behandelt. Der Einfachheit halber wird die männliche Form bei entsprechenden Begriffen gewählt.

[2]http://www.jok-design.de/rk/mytologie/gott/asen/ull.jpg

[3]http://www.lokis-mythologie.de/bilder/bilder%20g%F6tter/Skadi7.jpg

[4]HEAD International AG, Kennelbach.

[5]Eigene Aufnahme.

[6]HEAD International AG, Kennelbach.

[7]HEAD International AG, Kennelbach.

Ende der Leseprobe aus 198 Seiten

Details

Titel
Entwicklung eines e-Learning gestützten Moduls Schneesport bezüglich der Carving-Technik
Hochschule
Universität Koblenz-Landau  (Institut für Sportwissenschaften)
Note
1,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
198
Katalognummer
V156522
ISBN (eBook)
9783640697380
ISBN (Buch)
9783640697564
Dateigröße
13416 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Entwicklung, Moduls, Schneesport, Carving-Technik
Arbeit zitieren
Christian Bely (Autor), 2008, Entwicklung eines e-Learning gestützten Moduls Schneesport bezüglich der Carving-Technik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/156522

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