Wert(e)orientierter Führungskräftekodex - empfehlenswert auch für Hochschulabsolventen?


Seminararbeit, 2009

25 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Tabellen- und Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Theoretische Grundlagen
2.1 Begriffsabgrenzung: Fuhrungsethik
2.2 Das Drei-Ebenen-Modell
2.3 Die Kantschen Imperative
2.4 Individualethik und Institutionalethik

3 Fuhrung als Profession
3.1 Rationale fur „Fuhrung als Profession"
3.2 Fuhrungsbegriff und Fuhrungsfunktionen
3.3 Elemente von Professionskulturen und heutiger Stand
3.4 Anforderungen an professionelle Fuhrung und Fuhrungskulturen

4 Theorie des Fuhrungskraftekodex
4.1 Der Fuhrungskraftekodex
4.2 Determinanten von Handlungen
4.2.1 Rahmenbedingungen des Handelns
4.2.2 Sozialisation
4.3 Funktionen
4.4 Implementierung
4.5 Vorgeschlagener Fuhrungskraftekodex

5 Wert(e) orientierter Fuhrungskraftekodex - empfehlenswert auch fur Hochschulabsolventen?

6 Anhang

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Im Jahr 2008, nach vorangegangenen Bilanzskandalen und der momentanen Finanzmarktkrise, wird der Ruf nach moralischem Handeln fur die Fuhrungskrafte von Unternehmen immer lauter.

In der Offentlichkeit gibt es „allgemein die Vorstellung, dass man zwischen einem „guten“ und einem „ha&lichen“ Unternehmer bzw. Manager unterscheiden konne."1 Bei dieser Betrachtung wird „die Figur des Unternehmers per se wohl eher der „haB- lichen“ denn der „guten“ Kategorie“2 zugeordnet, da die Ziele des Managers zu gro- Ben Teilen auf die Gewinnmaximierung, die Steigerung der Effizienz und der Er- schlieBung neuer Markte abgestellt sind. Das Gemeinwohl gerat im Rahmen dieser Betrachtung vollig aus dem Blickwinkel der Unternehmensfuhrung. Den Hohepunkt erreicht diese Ansicht „in dem Vorwurf gegenuber dem „ha&lichen“ Manager, der seine Zielfunktion nur darin sehe, den Shareholder value zu maximieren. Der „gute“ Unternehmer hat demgegenuber nicht (nur) die betriebswirtschaftlichen Erfordernis- se des Unternehmens im Auge, sondern richtet sein Handeln auch an den Belangen des sozialen Umfeldes - der Arbeitnehmer, Kunden, Lieferanten, Kapitalgeber, des Staates usw., also der Stakeholder aus.“3

Ist es in unserer Gesellschaft moglich moralisches Handeln von Fuhrungskraften durch die Einfuhrung von Kodizes anzuregen, wie dies bei dem Beruf des Arztes z. B. durch den hippokratischen Eid gewahrleistet wird und auf diesem Wege eine Vielzahl von „ha&lichen“ Managern zu „guten“ Managern zu machen?

Zur Losung dieser Frage befasst sich die vorliegende Arbeit unter anderem damit, darzustellen, was Fuhrungsethik ist und ob die Tatigkeit „Fuhrung“ als Profession angesehen werden kann. Des Weiteren soll ein Einblick in die Theorie von Fuh- rungskraftekodizes gegeben werden.

Weiteres Ziel ist es, herauszufinden, inwieweit es moglich und sinnvoll ware, einen Fuhrungskraftekodex generell auch fur Absolventen von Hochschulen und Universi- taten einzufuhren - auf freiwilliger Basis.

2 Theoretische Grundlagen

2.1 Begriffsabgrenzung: Fuhrungsethik

Die Betriebswirtschaftslehre lasst sich im ethischen Kontext in drei Bereiche unter- gliedern die Wirtschaftethik, die Unternehmensethik und die Fuhrungsethik. Die vor- liegende Arbeit wird sich schwerpunktmaBig mit der Fuhrungsethik befassen, was eine begriffliche Abgrenzung notwendig macht.

Die Fuhrungsethik als Lehre von der normativen Fuhrung befasst sich mit der Frage nach sittlichem, gutem oder auch rechtem Fuhrungsverhalten. In diesem Bereich der Betriebswirtschaftslehre „(...) reichen Fachwissen und soziale Kompetenz nicht aus (,..)“4. Eine Fuhrungskraft benotigt daruber hinaus Verantwortungsbewusstsein und ethisches Wissen, um Handlungen im Rahmen eines von Normen gepragten Systems moglich zu machen.

2.2 Das Drei-Ebenen-Modell

Um den Begriff der Fuhrungsethik systemtheoretisch einzuordnen, wurde das Drei- Ebenen-Modell entwickelt. Hier werden in „‘Abhangigkeit vom Aggregationszustand der Handlungssubjekte‘“5 die Begriffe Wirtschaftsethik, Unternehmensethik und Fuh- rungsethik eingeordnet.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Drei-Ebenen-Modell der Unternehmensethik (Quelle: Brink, Alexander; Tiberius, Victor A.; 2005, Seite 14.)

Auf der Makroebene werden die Handlungen der Gesellschaft bzw. einer groBeren Anzahl von Personen betrachtet. Die Mesoebene hingegen beschaftigt sich mit den Handlungen von Personen innerhalb eines geschlossenen Systems, wie z. B. einer Unternehmung. Makro- und Mesoebene befassen sich also mit institutionenethi schen Kodizes, wie z. B. Gesetzen (vgl. Punkt 2.4). Fur die Auseinandersetzung mit dem Fuhrungskraftekodex ist allerdings die Mikroebene von besonderer Bedeutung, da hier die Person im Rahmen der Fuhrungsethik als Individuum betrachtet wird. Auf dieser Ebene steht somit die individualethische Betrachtung im Vordergrund (vgl. Punkt 2.4).

2.3 Die Kantschen Imperative

Jedes System verlangt sowohl fachliche, personale als auch normative Fuhrung. Diese drei Ebenen gehen aus der Dreiteilung des Handelns nach Immanuel Kant hervor. Die nachfolgende Tabelle soll zunachst einen groben Uberblick uber diese Theorie liefern:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 2: Dimensionen des Handelns (Quelle: Vgl. Krupinski, Guido; Seite 15, modifiziert.)

Nach Kant bezieht sich technisches Handeln auf den Umgang mit z. B. Material, Kapital oder ahnlichem. Der GutemaBstab fur den Umgang mit derartigen Gegen- standen ist somit die Geschicklichkeit. Pragmatisches Handeln wiederum bezieht sich auf das Zusammenleben von Menschen in einem sozialen System und wird nach Kant an der Klugheit gemessen. Fur diese Arbeit ist allerdings das moralische Handeln von besonderer Bedeutung - es bezieht sich auf die Sittlichkeit des einzel- nen Menschen und seine Verantwortung fur sich selber und fur ein soziales System. Diese Form des Handelns kann am GutemaBstab Weisheit bemessen werden.

Diese Hierarchie soll - als Ganzes gesehen - eine Anleitung zu gutem, d. h. geschicktem, klugem und weisem Handeln geben. Aus diesem Grund ordnet Kant den Dimensionen Imperative zu. Er unterscheidet hierbei den hypothetischen Imperativ auf den beiden Stufen Geschicklichkeit und Klugheit und den kategori- schen Imperativ auf der Stufe der Weisheit. Der hypothetische Imperativ setzt hier- bei im Gegensatz zum kategorischen ein Ziel des Handelns voraus.

Hinsichtlich der Absicht des Ziels unterscheidet Kant den hypothetischen Imperativ noch in den problematisch-praktischen Imperativ fur geschicktes Handeln und den assertorisch-praktischen Imperativ fur kluges Handeln. Ersterer fordert zu Handlun- gen auf, deren Ziel bereits bestimmt ist. Eine Handlung ist somit gut, wenn man da- mit das Ziel erreicht. Eine Bewertung, ob das erreichte Ziel moralisch gut oder schlecht ist, entfallt in diesem Fall. Beim assertorisch-praktischen Imperativ soll eine Anleitung zu klugem Handeln gegeben werden. Die Zielerreichung ist in dem Fall dadurch gekennzeichnet, dass Kant unterstellt, jeder Mensch wurde mit der Absicht auf Gluckseligkeit handeln. „Diese Absicht sieht Kant als naturgegebene, als wirkli- che Absicht (als wirklichen Zweck) des Menschen an."6 Es obliegt also jedem Indivi- duum selbst zu beurteilen, ob das erreichte Ziel zur personlichen Gluckseligkeit bei- tragt oder nicht. Der kategorische Imperativ auf der obersten Stufe in Kants Hierar- chie soll eine Anleitung zu weisem Handeln geben. Im Gegensatz zum hypotheti­schen Imperativ setzt dieser kein Ziel voraus. „Vielmehr ist der einzelne aufgerufen, sich seine Ziele selbst zu suchen bzw. uber ihm vorgegebene Ziele selbststandig zu reflektieren."7 Bei der Bewertung des erreichten Ziels sollte sich das Individuum al- lerdings „(...) an solchen Grundsatzen [(Normen)] (...) orientieren, die nach eigenem Willen als „allgemeines Gesetz" gelten konnen."8

Aus den drei Dimensionen der Fuhrung lassen sich wiederum Anforderungen an Fuhrungskrafte ableiten. Zum einen wird Fachwissen gefordert, welches befahigen soll Informationen zu verarbeiten, Kapital einzusetzen, usw. Auf der anderen Seite benotigen Fuhrungskrafte auch soziale Kompetenz um im Hintergrund des asserto­risch-praktischen Imperatives z. B. Mitarbeiter lenken zu konnen und Kunden zu uberzeugen. Besonders wichtig fur diese Arbeit ist jedoch das Verantwortungsbe- wusstsein, welches Fuhrungskrafte ausweisen sollten. Sie „(...) sollten erkennen, dass es eine moralische Dimension der Lebenswelt gibt, die das Handeln aller Men­schen bestimmend pragt."9 Damit verbunden ist, dass Manager in der Lage sein sollten, sowohl die eigene Werthaltung zu erkennen und zu beurteilen als auch die anderer Menschen. In diesem Zuge sollte uber das schlichte Eigeninteresse hinaus auch fur die Unternehmung bzw. die Gesellschaft als Ganzes gehandelt werden.

2.4 Individualethik und Institutionalethik

Im Gebiet der Ethik ist die Unterscheidung zwischen den zwei Bereichen Individual­ethik und Institutionalethik sehr haufig.

Die Individualethik beschaftigt sich hauptsachlich mit der Verantwortung eines jeden einzelnen. „Der Einzelne solle aus innerer Uberzeugung, nicht aus au&eren Zwan- gen, verantwortungsvoll handeln."10 In Bezug auf Fuhrungskrafte spiegelt sich das vor allem in der Verantwortung gegenuber den Stakeholdern der Unternehmung wieder. Hier waren z. B. Mitarbeiter, Kunden, Lieferanten usw. zu nennen. Die mit- unter enge Verbindung der Vorteile einer Gruppe mit den Nachteilen einer anderen Gruppe fuhrt zwangslaufig zu Zielkonflikten. Der Manager hat nun die Aufgabe, die- se Zielkonflikte verantwortlich zu losen. Dieses kann unter anderem durch den Markt selber geschehen, durch Regelwerke oder aber auch Gebote und Verbote11. Es gibt aber auch Zielkonflikte, die sich durch die aufgezahlten Ma&nahmen nicht bewaltigen lassen; diese unterliegen dann weitgehend der Verantwortung der Fuh- rungskraft selber. Hier ist es notwendig, in jedem Einzelfall erneut abzuwagen und zu entscheiden. Hilfreich konnen hier Leitideen sein, wie z. B. ein Fuhrungskrafte- kodex. Die Fuhrungskraft steht bei diesem Entscheidungsprozess ebenfalls in ei- nem Spannungsverhaltnis, dass es in vielen Fallen nicht genugt, die getroffene Ent- scheidung vor sich selbst zu verantworten - oft muss eine Entscheidung auch of- fentlich verantwortet werden. Der Entscheidungstrager ist somit versucht, einen moglichen Imageverlust durch eine offentlich als falsch bewertete Entscheidung oder daraus resultierende rechtliche und wirtschaftliche Konsequenzen zu vermei- den.12

Im Rahmen der Institutionalethik liegt der Focus der Betrachtung auf dem Eigeninte- resse und der Gestaltung von Mechanismen, um das individuelle oder kollektive Eigeninteresse fur die Gesellschaft als Ganzes zu nutzen. Die Institutionalethik knupft da an, wo die individualethische Verantwortung an ihre Grenzen sto&t. Diese Grenzen konnen sich dadurch au&ern, dass es den Menschen schon von seiner Natur her uberfordern wurde, bei jeder Handlung gleich an die gesamte Gesellschaft zu denken. Zum anderen sind die Folgen individuellen und kollektiven Handelns fur den einzelnen oft nicht uberschaubar und einige oder viele Mitglieder der Gesell­schaft bringen von vornherein gewisse moralische Defizite mit, die sich auf die Ver antwortungsfahigkeit negativ auswirken konnen.13 Die Aufgabe von moralischen Institutionen ist somit die Entlastung bzw. Kompensation von individuellen morali­schen Defiziten und somit die Steigerung des Gemeinwohls. Als Beispiel fur derarti- ge Institutionen seien der Markt, Regelwerke und Gebote bzw. Verbote genannt. Der Markt und Regelwerke setzen beim Eigeninteresse an, welches fur das Ge- meinwohl genutzt werden soll. Die geschaffenen individuellen Entfaltungsmoglich- keiten konnen so durch die Mitglieder einer Gesellschaft wahrgenommen werden.14 Tendenziell ist so eine Steigerung des Gemeinwohls moglich. „Gebote und Verbote hingegen gehen vom Gemeinwohl aus. Beeintrachtigungen des Gemeinwohls sollen per Gesetz vermieden werden."15 Den Mitgliedern einer Gesellschaft werden so kollektive Beschrankungen auferlegt, die eingehalten werden sollten, um evtl. Sank- tionen vorzubeugen. Durch diese MaBnahmen wird das Gemeinwohl jedoch kaum gesteigert, sondern nur vor Beeintrachtigung geschutzt.

[...]


1 Sackmann, Sonja A.; 2008, Seite 257.

2 Sackmann, Sonja A.; 2008, Seite 257.

3 Sackmann, Sonja A.; 2008, Seite 257.

4 Krupinski, Guido, 1993, Seite 21.

5 Brink, Alexander; Tiberius, Victor A.; 2005, Seite 13.

6 Krupinski, Guido; 1993, Seite 12.

7 Krupinski, Guido; 1993, Seite 13.

8 Krupinski, Guido; 1993, Seite 13.

9 Krupinski, Guido; 1993, Seite 16.

10 Krupinski, Guido; 1993, Seite 28.

11 Vgl. Krupinski, Guido; 1993, Seite 31.

12 Vgl. Krupinski; Guido, 1993, Seite 32.

13 Vgl. Krupinski; Guido, 1993, Seite 33.

14 Vgl. Krupinski; Guido, 1993, Seite 39.

15 Krupinski, Guido; 1993, Seite 39.

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Wert(e)orientierter Führungskräftekodex - empfehlenswert auch für Hochschulabsolventen?
Hochschule
Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden
Note
1,7
Autor
Jahr
2009
Seiten
25
Katalognummer
V156710
ISBN (eBook)
9783640703128
ISBN (Buch)
9783640703722
Dateigröße
1293 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Führungsethik, Kantsche Imperative, Individualethik, Institutionalethik, Führung, Ethik, Profession, Professionskulturen, Führungskulturen, Führungkräftekodex, Wirtschaftsethik, Unternehmensethik, Corporate Governance Kodex, Responsible Care, Global Compact, Code of Conduct, Code of Ethics, Sarbanes-Oxley Act
Arbeit zitieren
Sven Schulze (Autor), 2009, Wert(e)orientierter Führungskräftekodex - empfehlenswert auch für Hochschulabsolventen?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/156710

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