Der gestiegene Einfluss von Unternehmensberatern in der Politikberatung


Seminararbeit, 2010

21 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Begriff der Politikberatung
2.1 Die Politikberatung im weiteren Sinn
2.2 Die Politikberatung im engeren Sinn

3. Die Akteure der Politikberatung

4. Der Begriff des Unternehmensberaters

5. Die Tatigkeitsfelder von Unternehmensberatern

6. Die Entwicklung ab 1990 und der Weg in die Politikberatung

7. Gibt es einen gestiegenen Einfluss der Unternehmensberater?
7.1 Die Anzahl der Unternehmensberater
7.2 Das finanzielle Volumen von Beratungstatigkeiten
7.2.1 Der Vergleich der beiden kleinen Anfragen von 1977 und 2004

8. Konklusion

Literaturverzeichnis

„Ein Ruin kann drei Ursachen haben: Frauen, Wetten oder die Befragung von Fachleuten “

Georges Pompidou

1. Einleitung

In den vergangenen Jahren kam es in den Medien regelmaBig zu Berichterstattungen uber das Thema Politikberatung. Besonderer Fokus lag dabei auf der Rolle von Unternehmensberatern wie Roland Berger oder McKinsey. Magazine wie Der Spiegel oder Wochenzeitungen wie Die Zeit berichteten in ihren Themenausgaben uber die Vergabepraxis von offentlichen Auftragen durch die Bundesregierung sowie uber finanzielle Volumina solcher Auftrage. So wurden angeblich 11,7 Millionen Euro fur die Beratung des Bundesverteidigungsministeriums und der Bundeswehr wahrend der Rot-Grunen Regierungszeit an Unternehmensberater gezahlt (vgl. Weiland 2003). Durch eine derartige Berichterstattung erzeugten diese Medien ein Bild, welches der Offentlichkeit suggerierte, dass nicht nur eine Art Vetternwirtschaft zwischen Regierungen und Beratern bestehen wurde, sondern auch der Einfluss der viel umschriebenen Unternehmensberater enorm gestiegen sei. Doch gibt es tatsachlich einen gestiegenen Einfluss der in Deutschland operierenden Unternehmensberater auf die Politik?

Um diese Frage zu beantworten, werden in den folgenden Kapiteln zunachst zentrale Begrifflichkeiten definiert. Im zweiten Kapitel erfolgt eine Definition des Begriffes der Politikberatung, wobei aufgrund der Vielfaltigkeit der existierenden Definitionen zwischen externer und interner Politikberatung, Politiker- und Politikberatung sowie zwischen Politikberatung im weiteren und engeren Sinn unterschieden wird. Es sei jedoch darauf hingewiesen, dass auch diese Arbeit keine allgemein gultige Definition finden kann. Es werden lediglich bereits bestehende Erklarungsansatze zusammengefuhrt. Im daran anschlieBenden dritten Kapitel werden kurz Akteure der Politikberatung erlautert. Da der Schwerpunkt dieser Arbeit auf Unternehmensberatern in der Politikberatung liegt, soll im vierten und funften Kapitel erklart werden, was unter einem Unternehmensberater verstanden wird und welche Tatigkeitsfelder von solchen Beratungsunternehmen wahrgenommen werden. Die Kapitel sechs und sieben werden dann empirisch zum einen den Weg der Unternehmensberater in die Politikberatung nachzeichnen und zum anderen die Kernfrage dieser Arbeit beantworten. Hierfur wird zunachst eine quantitative Analyse des Marktes fur Unternehmensberater im offentlichen Sektor durchgefuhrt. AnschlieBend daran, sollen zwei kleine Anfragen von 1977 und 2004 miteinander verglichen werden, um festzustellen, ob der Einfluss von Unternehmensberatern tatsachlich gestiegenen ist. In der abschlieBenden Konklusion werden die Ergebnisse dieser Arbeit zusammengefasst und es soll ein Fazit gezogen werden.

2. Der Begriff der Politikberatung

Grundsatzlich lasst sich zunachst festhalten, dass es sich bei dem Begriff der Politikberatung um einen „Untersuchungsgegenstand mit betrachtlicher Variationsbreite“ (Falk/Rehfeld/Rommele/Thunert 2006: 13) handelt. Demnach wird der Begriff haufig missverstandlich sowie allumfassend und besonders durch die Medien verwendet. Uber Jahrhunderte hinweg wurde unter Politikberatung „das Einflustern in die Ohren der Machtigen“ (Falk/Rehfeld/Rommele/Thunert 2006: 13) verstanden. Diese Beratung der fuhrenden Elite geschah vornehmlich durch Hoflinge, Hofnarren, Einzelberater sowie Stabsmitarbeiter (vgl. Falk/Rehfeld/Rommele/Thunert 2006: 13). Ab der zweiten Halfte des 20. Jahrhundert wurde jedoch unter dem Begriff der Politikberatung „das institutionalisierte Liefern wissenschaftlicher Informationen an politisch Handelnde“ (Falk/Rehfeld/Rommele/Thunert 2006: 13) verstanden. Bevor der zentrale Begriff dieser Arbeit weiter konkretisiert und definiert wird, soll auf den zweiten Teil des Wortes naher eingegangen werden.

Das Wort „Beratung“ kommt von „Rat geben“. Bei Beratungen handelt es sich um kommunikative Tatigkeiten, die bis in die Antike zuruckverfolgt werden konnen. Um 800 nach Christus werden dann die Verben „raten“ und „beraten“ im Althochdeutschen gelaufig. Schon zur damaligen Zeit bedeuteten diese Begriffe, dass jemandem etwas empfohlen wird beziehungsweise, dass „das Richtige durch Uberlegen herauszufinden“ (Muller 2006: 88) sei. Weiterhin ist mit dem Begriff „Rat“ das Wort „Tat“ eng verbunden. Werden beide Begrifflichkeiten zusammengefugt, so entsteht die Formel „mit Rat und Tat helfen“ (Muller 2006: 88), was sowohl materielle als auch immaterielle Guter, die zur Hilfe dienen, meint. Unter Rat konnen samtliche Dinge verstanden werden, die „dem leiblichen Leben diente[n]“ (Muller 2006: 88). So zum Beispiel der Hausrat, der Vorrat oder samtliche Gerate. Aus historischer Sicht sind demnach materielle sowie immaterielle Guter untrennbar miteinander gekoppelt (vgl. Muller 2006: 88). Wird Beratung aus einer anderen, moderneren Perspektive betrachtet, so ergibt sich eine weitere Definition. Demnach sind Beratungen „Kommunikationen, die eine gemeinsame Struktur aufweisen und sich dadurch von anderen Kommunikationsformen unterscheidbar machen“ (Schutzeichel 2008: 5). Es kann zwischen verschiedenen Beratungstypen - wie Lebensweltliche Beratung, kommerzielle Beratung massenmediale Beratung und auch Politikberatung - unterschieden werden. Wichtig fur diese Arbeit ist, dass es sich bei Beratungen um kommunikative Aktivitaten zwischen Akteuren handelt.

Wie bereits angedeutet, beinhaltet der heutige Politikberatungsbegriff mehr als nur eine kommunikative Tatigkeit. So wurde der Begriff nicht nur ausgeweitet und ausdifferenziert, sondern auch umgangssprachlich und in den Medien „hochst freizugig verwendet“ (Falk/Rehfeld/Rommele/Thunert 2006: 14). Durch eine allgegenwartige Nutzung des Begriffes verschwammen zunehmend die Trennlinien mit anderen Begrifflichkeiten wie Lobbying oder Public Affairs (vgl. Falk/Rehfeld/Rommele/Thunert 2006: 14). In den Medien gelten all jene Akteure als Politikberater, „die Parteien und Kandidaten bei Wahlen, Kampagnen oder der Werbung fur politische Programme sowie in der Regierungskommunikation und im politischen Marketing beraten“ (Falk/Rehfeld/Rommele/Thunert 2006: 14).

Um nun diesen offensichtlich breit gefacherten Begriff Politikberatung etwas klarer zu strukturieren, bietet es sich an, in einem ersten Schritt zwischen interner und externer Beratung zu unterscheiden. Interne Beratung meint nichts anderes als die Beratung von politischen Entscheidungstragern durch die „verwaltungseigenen Dienststellen und Fachleuten“ (Wollmann 2007: 413). Demzufolge findet externe Beratung dann statt, wenn nicht die eigene Verwaltung beratend tatig wird, sondern Dienstleistungsanbieter wie zum Beispiel wissenschaftliche Organisationen und Unternehmensberater (siehe Kapitel 3).

In einem zweiten Schritt kann zwischen Politik- und Politikerberatung unterschieden werden. Erstere ist im Allgemeinen offentlichkeitsbezogen und tragt zur Aufklarung des Burgers bei. Im Gegensatz dazu muss Politikerberatung die Eigeninteressen des Politikers berucksichtigen. Diese Form der Beratung ist somit nicht an die Offentlichkeit gerichtet und orientiert sich auch nicht an der Aufklarung des Burgers. Viel mehr geht es dem Politiker darum, Wahlen zu gewinnen, wieder gewahlt zu werden, Macht zu erhalten und diese zu sichern (vgl. Jens 2006: 126). Demnach ware Politikerberatung eine auf einen speziellen Politiker gerichtete Beratertatigkeit, die hauptsachlich dessen Interessen und Absichten berucksichtigt. Fur den weiteren Verlauf dieser Arbeit wird diese Form der Beratung allerdings keine groBe Rolle spielen.

2.1 Die Politikberatung im weiteren Sinn

Um den Begriff der Politikberatung nicht nur von anderen Begrifflichkeiten abzugrenzen, sondern auch zu systematisieren, bietet es sich an, Tatigkeiten von Politikberatern an den drei Dimensionen des Politikbegriffes zu verdeutlichen.

So kann von Polity-Beratung gesprochen werden, wenn die Beratung gezielt auf eine „Verbesserung von Ablaufen und Strukturen“ (Bogomil/Jann 2009: 182) der offentlichen Verwaltung abzielt. Ziel dieser Beratungsform ist die Effizienz- und Effektivitatssteigerung von Organisationen. Diese organisatorische und institutionelle Beratung ist eine „Domane der Betriebswirtschaft sowie kommerzieller Managementberater und Beratungsfirmen“ (Bogomil/Jann 2009: 182). An dieser Stelle konnte auch von Verwaltungsberatung gesprochen werden. Im Gegensatz zur Politikberatung richtet sich Verwaltungsberatung nicht an „politische Entscheidungstrager, wenn diese Rat bei der Vorbereitung politischer Entscheidungen suchen“ (Raffel 2006: 4). Somit setzt Verwaltungsberatung erst dort an, wo bereits MaBnahmen, welche moglichst effizient und effektiv umgesetzt werden sollten, beschlossen wurden (vgl. Raffel 2006: 4). Verwaltungsberatung lasst sich allerdings nicht von Politikberatung trennen, weshalb hier die Verwaltungsberatung als Synonym fur die Polity- Beratung angesehen wird.

Eine zweite Moglichkeit der Politikberatung erfolgt auf der Dimension von Politics, weshalb von Politics-Beratung gesprochen werden kann. Hierbei geht es um strategische und taktische Beratung, welche zum Ziel hat, die Chancen eines Kandidaten - zum Beispiel im Wahlkampf - zu erhohen (vgl. Bogomil/Jann 2009: 183). Betrifft diese Beratungsform lediglich einen Politiker, so konnte Politikerberatung mit Politics-Beratung gleichgesetzt werden. Beratungen auf dieser Ebene richten sich jedoch nicht ausschlieBlich an einzelne Politiker, sondern auch zum Beispiel an ganze Parteien. Deshalb ware es nicht richtig, Politikerberatung als Synonym fur Politcs-Beratung zu verwenden.

Auf inhaltlicher Ebene besteht die dritte Moglichkeit politikberatend tatig zu werden. Im Folgenden ist deshalb von Policy-Beratung die Rede. Diese Programmberatung beschaftigt sich mit der Ausarbeitung, Planung, Evaluierung und Bewertung politischer Programme. Auf dieser Ebene ist eine Beratung in samtlichen Politikfeldern denkbar. Sozial- und wirtschaftswissenschaftliche Policy-Forscher sind in der Politikfeldberatung (Policy- Beratung) vorherrschend. Allerdings hat die Vergangenheit gezeigt, dass auch zunehmend Interessengruppen und Unternehmensberater in diese Beratungsebene vorstoBen (vgl. Bogomil/Jann 2009: 183). Da diese drei Dimensionen ein sehr groBes und weites Spektrum an Politikberatertatigkeiten umfassen, wird hier von Politikberatung im weiteren Sinn gesprochen.

2.2 Die Politikberatung im engeren Sinn

Betrachtet man die semantische Bedeutung des Wortes Politikberatung, so ist mit dem Teilwort „Politik“ meist der Adressat gemeint. Nach diesem Verstandnis waren bei der Unternehmensberatung die Unternehmen und bei der Schuldnerberatung die Schuldner die Adressaten. Genauso ist es jedoch moglich, dass Politik zum Gegenstand der Beratung wird. Nach diesem Verstandnis wurden sich beispielsweise die Rechtsberatung mit Rechtsfragen und die Anlageberatung mit Fragen der Geldanlagen befassen. Betrachtet man nun die Tatigkeiten der Unternehmensberater in der Politikberatung, so wird deutlich, dass sich die Beratertatigkeit sowohl an die Politik richtet, als auch Politik als Beratungsgegenstand beinhaltet (vgl. Raffel 2006: 44). Aus diesem Grund eignen sich beide Betrachtungsweisen fur die weiterfuhrenden Ausfuhrungen. Anhand dieser eben aufgefuhrten Herangehensweise lassen sich vier Kriterien ableiten, an welchen der Begriff der Politikberatung getestet werden kann. Erfullt eine Beratertatigkeit diese Kriterien, so ist es wahrscheinlich, dass es sich tatsachlich um Politikberatung im engeren Sinn handelt.

Wie bereits angedeutet wurde, muss sich Politikberatung an einen bestimmten Abnehmer richten. Der Adressat ist somit die Politik. Wird dieses Kriterium nicht erfullt, so handelt es sich „schlicht um Expertenwissen auf Seiten eines potentiellen Beratungsakteurs“ (Raffel 2006: 45). Demnach ware eine wissenschaftliche Arbeit, die sich an die Fachwelt richtet, keine Politikberatung.

Das zweite Kriterium verlangt, dass eine Rezeption seitens der Politik erfolgen muss. Der Abnehmer, in diesem Fall die Politik oder die Verwaltung, muss die erbrachte Leistung rezipieren, was bedeutet, dass die Beratung zur Kenntnis genommen werden muss. Diese Leistungen mussen als nachstes in die eigenen Uberlegungen aufgenommen werden. Passiert keine Rezeption, so handelt es sich nicht um Beratung, sondern lediglich um Ratschlage (vgl. Raffel 2006: 45). Wissenschaftliche Arbeiten oder Expertisen werden oft nicht gelesen oder gehort, weil das langwierige Aufarbeiten von wissenschaftlichen Erkenntnissen „den zeitlichen und anderen Restriktionen des politischen Alltags nicht gerecht wird“ (Raffel 2006: 45). Es kann jedoch auch vorkommen, dass Leitartikel in Zeitschriften oder Prognosen von Forschungsinstituten von der Politik zur Kenntnis genommen werden und somit das zweite Kriterium erfullen.

[...]

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Details

Titel
Der gestiegene Einfluss von Unternehmensberatern in der Politikberatung
Hochschule
Universität Potsdam  (Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät)
Veranstaltung
Proseminar Verwaltung und Public Policy
Note
1,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
21
Katalognummer
V156713
ISBN (eBook)
9783640703135
ISBN (Buch)
9783640703739
Dateigröße
430 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Politikberatung, Unternehmensberater, Roland Berger, McKinsey, Politikberater, Unternehmensberatung, Mathias Kunz, Kunz
Arbeit zitieren
Mathias Kunz (Autor), 2010, Der gestiegene Einfluss von Unternehmensberatern in der Politikberatung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/156713

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