In den vergangenen Jahren kam es in den Medien regelmäßig zu Berichterstattungen über das Thema Politikberatung. Besonderer Fokus lag dabei auf der Rolle von Unternehmensberatern wie Roland Berger oder McKinsey. Magazine wie Der Spiegel oder Wochenzeitungen wie Die Zeit berichteten in ihren Themenausgaben über die Vergabepraxis von öffentlichen Aufträgen durch die Bundesregierung sowie über finanzielle Volumina solcher Aufträge. So wurden angeblich 11,7 Millionen Euro für die Beratung des Bundesverteidigungsministeriums und der Bundeswehr während der Rot-Grünen Regierungszeit an Unternehmensberater gezahlt (vgl. Weiland 2003). Durch eine derartige Berichterstattung erzeugten diese Medien ein Bild, welches der Öffentlichkeit suggerierte, dass nicht nur eine Art Vetternwirtschaft zwischen Regierungen und Beratern bestehen würde, sondern auch der Einfluss der viel umschriebenen Unternehmensberater enorm gestiegen sei. Doch gibt es tatsächlich einen gestiegenen Einfluss der in Deutschland operierenden Unternehmensberater auf die Politik?
Um diese Frage zu beantworten, werden in den folgenden Kapiteln zunächst zentrale Begrifflichkeiten definiert. Im zweiten Kapitel erfolgt eine Definition des Begriffes der Politikberatung, wobei aufgrund der Vielfältigkeit der existierenden Definitionen zwischen externer und interner Politikberatung, Politiker- und Politikberatung sowie zwischen Politikberatung im weiteren und engeren Sinn unterschieden wird. Im daran anschließenden dritten Kapitel werden kurz Akteure der Politikberatung erläutert. Da der Schwerpunkt dieser Arbeit auf Unternehmensberatern in der Politikberatung liegt, soll im vierten und fünften Kapitel erklärt werden, was unter einem Unternehmensberater verstanden wird und welche Tätigkeitsfelder von solchen Beratungsunternehmen wahrgenommen werden. Die Kapitel sechs und sieben werden dann empirisch zum einen den Weg der Unternehmensberater in die Politikberatung nachzeichnen und zum anderen die Kernfrage dieser Arbeit beantworten. Hierfür wird zunächst eine quantitative Analyse des Marktes für Unternehmensberater im öffentlichen Sektor durchgeführt. Anschließend daran, sollen zwei kleine Anfragen von 1977 und 2004 miteinander verglichen werden, um festzustellen, ob der Einfluss von Unternehmensberatern tatsächlich gestiegenen ist. In der abschließenden Konklusion werden die Ergebnisse dieser Arbeit zusammengefasst und es soll ein Fazit gezogen werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Begriff der Politikberatung
2.1 Die Politikberatung im weiteren Sinn
2.2 Die Politikberatung im engeren Sinn
3. Die Akteure der Politikberatung
4. Der Begriff des Unternehmensberaters
5. Die Tätigkeitsfelder von Unternehmensberatern
6. Die Entwicklung ab 1990 und der Weg in die Politikberatung
7. Gibt es einen gestiegenen Einfluss der Unternehmensberater?
7.1 Die Anzahl der Unternehmensberater
7.2 Das finanzielle Volumen von Beratungstätigkeiten
7.2.1 Der Vergleich der beiden kleinen Anfragen von 1977 und 2004
8. Konklusion
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht kritisch, ob der in den Medien oft konstatierte gestiegene Einfluss von Unternehmensberatern auf die Politik in Deutschland tatsächlich empirisch belegbar ist oder ob es sich primär um eine Wahrnehmungsverschiebung handelt.
- Definition und Systematisierung des Begriffs Politikberatung
- Klassifizierung der Akteure auf dem Politikberatungsmarkt
- Analyse der Tätigkeitsfelder von Unternehmensberatern in der Politik
- Quantitative und qualitative Untersuchung der Entwicklung seit 1990
- Vergleich der staatlichen Ausgaben für externe Beratung anhand parlamentarischer Anfragen
Auszug aus dem Buch
2. Der Begriff der Politikberatung
Grundsätzlich lässt sich zunächst festhalten, dass es sich bei dem Begriff der Politikberatung um einen „Untersuchungsgegenstand mit beträchtlicher Variationsbreite“ (Falk/Rehfeld/Römmele/Thunert 2006: 13) handelt. Demnach wird der Begriff häufig missverständlich sowie allumfassend und besonders durch die Medien verwendet. Über Jahrhunderte hinweg wurde unter Politikberatung „das Einflüstern in die Ohren der Mächtigen“ (Falk/Rehfeld/Römmele/Thunert 2006: 13) verstanden. Diese Beratung der führenden Elite geschah vornehmlich durch Höflinge, Hofnarren, Einzelberater sowie Stabsmitarbeiter (vgl. Falk/Rehfeld/Römmele/Thunert 2006: 13). Ab der zweiten Hälfte des 20. Jahrhundert wurde jedoch unter dem Begriff der Politikberatung „das institutionalisierte Liefern wissenschaftlicher Informationen an politisch Handelnde“ (Falk/Rehfeld/Römmele/Thunert 2006: 13) verstanden. Bevor der zentrale Begriff dieser Arbeit weiter konkretisiert und definiert wird, soll auf den zweiten Teil des Wortes näher eingegangen werden.
Das Wort „Beratung“ kommt von „Rat geben“. Bei Beratungen handelt es sich um kommunikative Tätigkeiten, die bis in die Antike zurückverfolgt werden können. Um 800 nach Christus werden dann die Verben „raten“ und „beraten“ im Althochdeutschen geläufig. Schon zur damaligen Zeit bedeuteten diese Begriffe, dass jemandem etwas empfohlen wird beziehungsweise, dass „das Richtige durch Überlegen herauszufinden“ (Müller 2006: 88) sei. Weiterhin ist mit dem Begriff „Rat“ das Wort „Tat“ eng verbunden. Werden beide Begrifflichkeiten zusammengefügt, so entsteht die Formel „mit Rat und Tat helfen“ (Müller 2006: 88), was sowohl materielle als auch immaterielle Güter, die zur Hilfe dienen, meint.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung der medialen Debatte um den Einfluss von Unternehmensberatern und Darlegung der zentralen Forschungsfrage.
2. Der Begriff der Politikberatung: Systematisierung des Begriffs in unterschiedliche Dimensionen und Abgrenzung verschiedener Beratungsformen.
3. Die Akteure der Politikberatung: Einteilung der Anbieter in verschiedene Kategorien von Vollerwerbs- bis zu Nebenerwerbsbetrieben.
4. Der Begriff des Unternehmensberaters: Definition von Kriterien, die einen Akteur als Unternehmensberater im Kontext der Arbeit kennzeichnen.
5. Die Tätigkeitsfelder von Unternehmensberatern: Darstellung der verschiedenen Rollen von der Expertenkommission bis zur Projektarbeit.
6. Die Entwicklung ab 1990 und der Weg in die Politikberatung: Historische Herleitung des Einstiegs von Unternehmensberatern in den öffentlichen Sektor.
7. Gibt es einen gestiegenen Einfluss der Unternehmensberater?: Empirische Überprüfung des Einflusses mittels Marktanalyse und dem Vergleich parlamentarischer Anfragen.
8. Konklusion: Zusammenfassung der Ergebnisse und Fazit zur tatsächlichen Machtstellung von Beratern in der Politik.
Schlüsselwörter
Politikberatung, Unternehmensberater, Policy-Beratung, Politics-Beratung, öffentliche Verwaltung, Politikfeld, Expertise, Mandatsvergabe, Beratungshonorar, Kompetenz, Privatisierung, Reformen, Interdependenz, Entscheidungsfindung, Strategie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert kritisch den in der Öffentlichkeit diskutierten wachsenden Einfluss von Unternehmensberatern auf die deutsche Bundespolitik.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themen umfassen die Definition von Politikberatung, die Typologie der beratenden Akteure und die empirische Untersuchung der Auftragsvergabe und Beratungskosten.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es festzustellen, ob Unternehmensberater tatsächlich einen messbar gestiegenen Einfluss auf politische Entscheidungsprozesse in Deutschland ausüben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es erfolgt eine theoretische Einordnung mittels Fachliteratur sowie eine empirische Analyse durch den Vergleich offizieller parlamentarischer Anfragen aus den Jahren 1977 und 2004.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Begriffsbestimmung, eine Akteursanalyse, die Darstellung spezifischer Tätigkeitsfelder und eine empirische Prüfung der Marktentwicklung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich vor allem durch Begriffe wie Politikberatung, Unternehmensberater, Policy-Beratung, öffentliche Verwaltung und Entscheidungsfindung charakterisieren.
Warum gibt es laut Autor keine "Kostenexplosion" durch den Einfluss von Unternehmensberatern?
Der Anstieg der finanziellen Volumina ist primär auf die Verlagerung hin zur kostenintensiven Politics-Beratung zurückzuführen, während die absolute Anzahl der vergebenen Aufträge sogar gesunken ist.
Welche Rolle spielen persönliche Kontakte bei der Auftragsvergabe?
Persönliche Beziehungen zwischen Spitzenpolitikern und bekannten Beratern führen oft zu einer Bevorzugung bestimmter großer Beratungsfirmen gegenüber kleineren Anbietern.
- Quote paper
- Mathias Kunz (Author), 2010, Der gestiegene Einfluss von Unternehmensberatern in der Politikberatung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/156713