„Aus einer Analyse des Konzernabschlusses der Babcock Borsig AG gehe hervor, dass der Maschinen- und Anlagenbauer sein Eigenkapital offenbar massiv "schön gerechnet" hat. Aus einem Minus von mindestens 45 Millionen Mark wurde dank geschickter Bilanzpolitik ein Plus von 201 Millionen Mark. Nach den internationalen Rechnungsstandards IFRS und US-GAAP wäre ein negatives Eigenkapital von minus 289 Millionen Mark herausgekommen.“
Was genau verbirgt sich hinter dem Begriff Bilanzpolitik? Welche formalen und materiellen Gestaltungsmöglichkeiten stehen im Rahmen der Erstellung des Jahresabschlusses zur Verfügung? Wie können bilanzpolitische Maßnahmen empirisch überprüft werden? Das vorliegende Referat soll Aufschluss über wesentliche bilanzpolitische Grundlagen geben.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretische Grundlagen
2.1 Bilanzpolitische Maßnahmen
2.2 Ziele der Bilanzpolitik
2.3 Wirkung und Grenzen von Bilanzpolitik
3. Empirische Grundlagen
3.1 Methoden und Modelle
3.2 Empirische Belege
4. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die theoretischen Grundlagen der Bilanzpolitik und deren empirische Überprüfbarkeit. Ziel ist es, das Wesen bilanzpolitischer Maßnahmen sowie deren Einfluss auf die Darstellung der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage eines Unternehmens zu erläutern und wissenschaftliche Methoden zu deren Identifikation aufzuzeigen.
- Definition und Begriffsbestimmung der Bilanzpolitik
- Formelle und materielle bilanzpolitische Gestaltungsmöglichkeiten
- Empirische Untersuchungsmethoden und Modellansätze
- Relevanz von Schwellenwerten und Ergebnisglättung
Auszug aus dem Buch
2. Theoretische Grundlagen
Die Unternehmensführung ist für gewöhnlich daran interessiert, ihr Unternehmen in der Öffentlichkeit möglichst positiv zu präsentieren. Um die vorgegebenen Ziele erreichen zu können, werden die verschiedenen Anspruchsgruppen häufig bewusst und zweckorientiert beeinflusst. Als Bestandteil der Unternehmenspolitik soll auch die Bilanzpolitik, oft auch Creative Accounting oder Earnings Management bezeichnet, einen Beitrag hierzu leisten.ii Hinter dem Begriff verbergen sich üblicherweise alle legalen Maßnahmen, die ein Bilanzierender im Rahmen der Erstellung des Jahresabschlusses ergreifen kann, um Informationen über Vermögens-, Finanz- und Ertragslage des Unternehmens inhaltlich und formal so zu gestalten, dass bei verschiedenen Adressaten bestimmte Reaktionen hervorgerufen oder aber vermieden werden.iii Bilanzpolitik ist immer abhängig von den Zielen eines Unternehmens und greift auf Gestaltungsspielräume der Rechnungslegung zurück.iv Letztlich spiegelt die Bilanzpolitik eines Unternehmens die generelle Ausrichtung des Bilanzierenden bei der Nutzung so genannter Ausweis-, Gliederungs- und Erläuterungswahlrechten, auch als formale Bilanzpolitik bezeichnet, sowie im Weiteren die Anwendung von Bewertungswahlrechten, Ermessensspielräumen und Sachverhaltsgestaltungen wider.v Zu den wesentlichen Aufgaben von Finanzanalysten und Wirtschaftsprüfern gehört es daher, bilanzpolitische Manipulationen zu erkennen und die tatsächlichen wirtschaftlichen Verhältnisse eines Unternehmens offen zu legen.vi
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Thematik ein, verdeutlicht die Relevanz durch ein praktisches Beispiel und definiert die Forschungsfragen der Arbeit.
2. Theoretische Grundlagen: Hier werden das Wesen der Bilanzpolitik, die verschiedenen Instrumente (Sachverhaltsgestaltung und -abbildung) sowie die Ziele und Grenzen dieses Instruments erörtert.
3. Empirische Grundlagen: Dieses Kapitel widmet sich den Methoden zur Identifikation bilanzpolitischer Eingriffe und führt empirische Belege für deren Anwendung an.
4. Zusammenfassung: Der letzte Abschnitt fasst die wesentlichen Erkenntnisse zusammen und weist auf die Datenlage im deutschsprachigen Raum hin.
Schlüsselwörter
Bilanzpolitik, Jahresabschluss, Creative Accounting, Earnings Management, Sachverhaltsgestaltung, Sachverhaltsabbildung, Wahlrechte, Ermessensspielräume, Periodenabgrenzung, Ergebnisglättung, Bilanzanalyse, Wirtschaftsprüfung, Unternehmensziele, Publizitätspolitik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit primär?
Die Arbeit behandelt die Grundlagen der Bilanzpolitik, insbesondere wie Unternehmen legal ihre Bilanz beeinflussen können, um ihre wirtschaftliche Lage gegenüber externen Adressaten gezielt darzustellen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Felder umfassen die theoretische Einordnung (materielle/formelle Bilanzpolitik), die methodische empirische Erfassung mittels Modellen sowie die Analyse von Anreizstrukturen für das Management.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, ein tieferes Verständnis dafür zu entwickeln, wie Bilanzpolitik funktioniert, welche Instrumente dabei genutzt werden und wie diese wissenschaftlich nachgewiesen werden können.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse und stellt verschiedene ökonomische Modelle zur Identifikation von bilanzpolitischen Maßnahmen vor, wie beispielsweise das Jones-Modell.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die theoretischen Grundlagen und Instrumente dargelegt, gefolgt von einer empirischen Untersuchung, die aufzeigt, wie mittels Periodenabgrenzungen Bilanzpolitik identifiziert werden kann.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Publikation?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie "Creative Accounting", "Earnings Management", "Ermessensspielräume" und "Ergebnisglättung" definiert.
Was unterscheidet die reale von der buchmäßigen Bilanzpolitik?
Die reale Bilanzpolitik (Sachverhaltsgestaltung) beeinflusst wirtschaftliche Vorgänge vor dem Bilanzstichtag, während die buchmäßige Bilanzpolitik (Sachverhaltsabbildung) die Darstellung bereits vollzogener Vorgänge im Jahresabschluss betrifft.
Warum ist das Ergebnis der empirischen Studien laut Autor oft nur begrenzt aussagekräftig?
Der Autor merkt an, dass die meisten empirischen Studien stark auf den US-amerikanischen Markt fokussiert sind und für den deutschsprachigen Raum derzeit noch ein Mangel an geeigneten Daten für fundierte Erkenntnisse besteht.
Welche Bedeutung haben Schwellenwerte für das Management?
Schwellenwerte wie das Erreichen des Vorjahresgewinns oder Analystenprognosen besitzen eine starke Signalwirkung; das Management nutzt bilanzpolitische Mittel, um diese Werte zu erreichen und so das Unternehmensimage positiv zu beeinflussen.
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- Dipl.-Ing. (FH) Theo Tino Grötschel (Autor), 2009, Bilanzpolitik, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/156780