Literarische Darstellung eines Erziehungskonzepts von Joachim Heinrich Campe im Roman "Robinson der Jüngere"


Hausarbeit, 2007

15 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Aufklärungspädagogik von Joachim Heinrich Campe

1. Campe als Volksaufklärer

2. Das „pädagogische Jahrhundert“

Roman „Robinson der Jüngere“

3. Campe’s ostentative Darstellung der Erziehung
3.1 Eintracht
3.2 Arbeitsamkeit
3.3 Frömmigkeit

4. Literarische Implikationen der robinson’schen Lebensphilosophie
4.1 Herrschaftsprinzip
4.2 Rassenideologie
4.3 Kriegswesen

Zusammenfassung

Quellen-und Literaturverzeichnis

Einleitung

Zu allen Zeiten gab es Menschen, welche die Welt verbessern wollten. Schon die größten antiken Denker bemühten sich darum, die gesellschaftliche Ordnung zu entwerfen und damit zum Wohl ihres Volkes beizutragen. In seinem bekannten Werk „Politeia“ behauptete der griechische Philosoph Platon[1], der Staat wäre eine „ Erziehungsanstalt der menschlichen Gesellschaft“[2] und somit der Garant sozialer Ordnung.

Die Theorie eines idealen Staates verliert nicht im Geringsten ihre Attraktivität auch später. Ganz im Gegenteil sie begeht eine große Zeitreise über das Mittelalter und Renaissance hinaus und landet in die Aufklärungsphilosophie des 18. Jahrhunderts, um ihre Wiedergeburt zu feiern. Die Zeit der revolutionären Veränderungen und der großen Erwartungen begehrt diese utopische Idee der ‚ erziehbaren ’ Gesellschaft, welche die „wirklichen Staatsbürger hervorbringt.“[3] Der Erziehungskonzept wird vom Nationalstaat legitimiert: „Das öffentliche Wohl und die Ehre der Nation verlangen, dass jede heranwachsende Generation darauf vorbereitet wird, die verschiedenen im Staate notwendigen Berufe auszuführen.“[4] Die Idee der ‚ vernünftigen ’ Pädagogik weckt die edlen Affekte des europäischen Bürgertums.

Auf diesem fruchtbaren Grund eines ‚ neupädagogischen ’ Gedankenguts entwickelt sich der Philanthropismus[5], eine Lehre von der Erziehung zur Natürlichkeit, Vernunft und Menschenfreundschaft. Johann Bernhard Basedow gründete 1774 in Dessau die erste Erziehungs- und Unterrichtsanstalt, die nach den Grundsätzen der Philanthropie eingerichtet wurde. Joachim Heinrich Campe schließt sich 1774 der philanthropischen Richtung an und gelangt mit dem pädagogischen Konzept zu Anerkennung. Der Grundgedanke der Schule war die Förderung der körperlichen und der geistlichen Entwicklung der Kinder durch Veranschaulichung im Unterricht. 1779 erobert Campe junge Herzen vollkommen, als er seinen Roman „Robinson der Jüngere“ veröffentlichen lässt.

Im Rahmen dieser Arbeit wird ein Versuch vorgenommen, das literarische Werk von Campe von der pädagogischen Perspektive her zu analysieren und festzustellen, welche Erziehungsideen durch einen freien erzählenden und unterhaltsamen Stil des Romans repräsentiert wurden. Unter Berücksichtigung, dass der Roman für junge Leser konzipiert wurde, wird der Fokus dieser Arbeit auf die stilistische und gestaltbildende Schreibweise des Autors gerichtet.

Im ersten Kapitel wird der Kurzportrait des Pädagogen Campe dargestellt und sein Wirken im Kontext der Epoche der Aufklärung verfolgt. Nach dem historischen und biographischen Ausblick wird der Roman „Robinson der Jüngere“ analysiert. In diesem praktischen Teil der Arbeit wird der beabsichtigte Erziehungskonzept von Joachim Heinrich Campe und die literarischen Implikationen seiner Robinsonade aufgearbeitet und dargelegt. Zum Schluss werden die Ergebnisse der Analyse präsentiert.

Aufklärungspädagogik von Joachim Heinrich Campe

1. Campe als Volksaufklärer

Joachim Heinrich Campe wurde am 29. Juni 1746 in Deensen bei Braunschweig geboren. Er war der einzige Sohn in der drei-Mann-Familie. Sein Vater war der Besitzer eines kleinen Landgutes und seine Mutter – eine Tochter des Zollinspektors. Die Kindheit- und Jugendjahren verbrachte Campe in Armut. Er besuchte die Klosterschule in Holzminden, wo er sich „der ersehnten Fortbildung widmen“ konnte.[6] Hier zeigte sich Campe als ein fleißiger und strebsamer Schüler, wovon auch der Rektor angetan wurde. Dank seiner Protektion bekommt Campe eine Freistelle in Helmstedt und studiert Theologie. Hier erlebt der junge Campe auch die studentische Armut. Mit 20 Jahren wird Joachim Heinrich Campe ein Mitglied der „Herzoglichen deutschen Gesellschaft […], die sich der Pflege der deutschen Sprache widmet.“[7] Kurz darauf wurde Campe als Erzieher nach Berlin berufen und im Jahre 1773 als ein Feldprediger. Im selben Jahr erscheint die religionspädagogische Schrift „ Philosophische Gespräche über die unmittelbare Bekanntmachung der Religion “. Um diese Zeit heiratet Campe Maria Hiller. Ende 1774 beginnt Campes Arbeit in der philanthropischen Schule in Dessau. Zwei Jahre später tritt der Philanthrop in Amt des „Educationsrathes“ ein und vertritt mit seinem Namen die ‚reine’ Aufklärungspädagogik in guter Tradition von J.J. Rousseau. Noch 1777 verfassen Basedow und Campe „ Pädagogischen Unterhandlungen “ zusammen. Auf der Höhe seiner pädagogischen Karriere sollte Campe einen seelischen Zusammenbruch erleiden, denn er flieht „zu Pferd nach Hamburg .[8]

Campe lebt in Hamburg als Schriftsteller und Pädagoge: er unterrichtet privat und schreibt viel, u. a. „ Sittenbüchlein “, „ Betrachtungen über Empfindsamkeit und Empfindelei “, „ Kinderbibliothek “, „ Die Entdekkung von Amerika “ und vor allem „ Robinson der Jüngere “ (1779/80), der ihm den eigentlichen Ruhm bringt. Campe kommt so zu einem Wohlstand und reist viel durch Deutschland und Schweiz (1785). Der Autor der Robinsonade ist bei den Kindern beliebt und begehrt. Campe genießt es, „einer so allgemeinen Liebe rühmen“ zu dürfen.[9]

[...]


[1] Platon (428/427 – 348/347 v. Chr.) war ein griechischer Philosoph und der Verfasser von Politeia („Staat“, „Staatswesen“) um etwa 370 v. Chr.

[2] Vorländer, Karl § 25 Das platonische Staatsideal in: Geschichte der Philosophie www.textlog.de [ der letzte Abruf 27.09.07/ 15:24].

[3] Hazard, Paul: Die Herrschaft der Vernunft. Das europaische Denken im 18. Jahrhundert. Hamburg 1994, S. 283.

[4] Ebd. S. 284.

[5] Philanthropismus (v. griech. φιλος = Freund und ανθροπος = Mensch).

[6] Campe, Joachim Heinrich: Über die früheste Bildung jünger Kinderseelen. Hg. u. mit e. Essay von Brigitte H. E. Niestroj. Frankfurt 1985, S.53.

[7] Ebd., S. 53.

[8] Ebd., S. 54 .

[9] Campe, Joachim Heinrich: Über die früheste Bildung jünger Kinderseelen. Hg.. u. mit e. Essay H. E. Niestroj. Frankfurt 1985, S.55.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Literarische Darstellung eines Erziehungskonzepts von Joachim Heinrich Campe im Roman "Robinson der Jüngere"
Hochschule
Universität Osnabrück
Veranstaltung
Seminar: Pädagogische Diskurse zu Erziehung und Geschlecht
Note
1,7
Autor
Jahr
2007
Seiten
15
Katalognummer
V156974
ISBN (eBook)
9783640689781
ISBN (Buch)
9783640689859
Dateigröße
1115 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Joachim Heinrich Campe, Aufklärungspädagogik
Arbeit zitieren
Maria Syromolotova (Autor), 2007, Literarische Darstellung eines Erziehungskonzepts von Joachim Heinrich Campe im Roman "Robinson der Jüngere", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/156974

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