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Die Entwicklung und Vermittlung von Spielvereinbarungen im Kindertheater

Untersucht am Beispiel der Inszenierung "Das bucklige Pferdchen" von Ania Michaelis, Theaterhaus Frankfurt

Title: Die Entwicklung und Vermittlung von Spielvereinbarungen im Kindertheater

Diploma Thesis , 2008 , 85 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Nadja Blickle (Author)

Theater Studies, Dance
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Summary Excerpt Details

In dieser Arbeit wird die Entwicklung und Vermittlung von Spielvereinbarungen im Kindertheater untersucht.
Die grundsätzliche Verabredung, dass im Theater die Rollen in Spielende und Zuschauende unterteilt sind, gilt als Grundvoraussetzung für das Medium. Die jeweilige Beziehung zwischen diesen beiden Gruppen wird in hohem Maße durch die herrschenden Theaterkonventionen bestimmt.
Während erwachsene Theaterzuschauer mit diesen Konventionen zumeist vertraut sind, verhält sich dies bei Kindern anders, da diese ihre Rolle als Zuschauer im Theater erst noch lernen müssen.
Deshalb kommt es im Kindertheater besonders auf die konkrete Verabredung des Stücks an, die es mit den ästhetischen Mitteln der Inszenierung im spielerischen Prozess zu vermitteln gilt.
Die erste Begegnung zwischen Schauspielern und Zuschauern ist entscheidend, um die Regeln eines Stücks als Spielvereinbarung mit den Kindern zu etablieren. Wenn ein Spielprinzip erst einmal eingeführt und akzeptiert wurde, führt es zu Irritationen, wenn es gebrochen wird.
Beispielhaft wird in dieser Arbeit die Entwicklung und Vermittlung von Spielvereinbarungen im Kindertheater an dem Stück „Das bucklige Pferdchen“ in der Inszenierung von Ania Michaelis am Theaterhaus Frankfurt untersucht.
Die These dieser Arbeit lautet: Bei der Inszenierung eines Stückes sollte die Folgerichtigkeit der Spielvereinbarung im Blick behalten werden. Dies gilt für die dem Zuschauer zugewiesene Rolle genauso wie für die ‚Als-ob-Behauptung’. Nur, wenn die Vereinbarung, die am Anfang getroffen wurde, auch bis zum Ende des Stücks durchgehalten wird und mit der Spielweise übereinstimmt, wird den jungen Zuschauern Sicherheit in ihrer Rezeption gegeben, damit sie sich auf das Wechselspiel mit der Bühne einlassen können.
Folgende Fragen werden im Mittelpunkt stehen werden:

• Welche Verabredung wird am Anfang des Stücks mit dem Zuschauer getroffen?
• Auf welchen (Spiel-) Ebenen findet die Kommunikation statt?
• Welche Rolle wird dem Zuschauer dabei zugewiesen?
• Wie verändert sich seine Rolle durch den Wechsel der Spielebenen?
• Wann ist er Spielpartner, Komplize oder Voyeur?
• Mit welchen Mitteln wird das Verhältnis zum Zuschauer jeweils konstituiert?
• Wird das am Anfang etablierte Spielprinzip durchgehalten oder wird die Vereinbarung an
bestimmten Stellen unklar oder gebrochen?

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I Einleitung

II Theaterästhetische Traditionslinien

1 Aufführungsgeschichte des Stücks „Das bucklige Pferdchen“

1.1 Tjus, St. Petersburg (Brjanzew)

1.2 Theater der Freundschaft, Berlin (Hawemann)

2 Ästhetische Vorbilder

2.1 Commedia dell’arte (Balagan)

2.2 Wsevolod Meyerhold

2.3 Bertolt Brecht

2.4 Erzähltheater

III Methode und Arbeitsweise bei der Entwicklung der Inszenierung

1 Ensemblespiel

2 Kollektive Kreativität – Improvisationstechniken nach Horst Hawemann

3 Spielprinzip – Haltungsänderung und Wechsel der Spielebenen

4 Kommunikationsebenen nach Manfred Pfister

IV Entwicklung und Vermittlung von Spielvereinbarungen in der Inszenierung

1 Der Raum als Bedingung für die Spielvereinbarung

1.1 Arrangement von Zuschauerraum und Bühne

1.2 Das Bühnenbild

2 Der Beginn des Stückes – Aufbau der Spielvereinbarung

3 Bühneninterne Kommunikation

3.1 Das Verhältnis des Schauspielers zu seiner Rolle

3.1.1. Die Beziehung des Spielers zur Figur

3.1.2. Besonderheiten des Puppentheaters

3.1.3. Erzählerhaltung

3.1.4. Spielerhaltung

3.2 Ebenenübergreifendes Ensemblespiel

4 Externe Kommunikation mit dem Publikum

4.1 Direkte Kontaktaufnahme mit dem Publikum

4.2 Spiegelung der Zuschauerposition durch die Spieler

5 Brechung der Spielvereinbarung

6 Der Schluss – Auflösung der Spielvereinbarung

V Fazit

Zielsetzung & Themen

Diese Diplomarbeit untersucht die Entwicklung und Vermittlung von "Spielvereinbarungen" im Kindertheater am Beispiel der Inszenierung „Das bucklige Pferdchen“ am Theaterhaus Frankfurt. Das Hauptziel besteht darin zu analysieren, wie durch die bewusste Gestaltung der Kommunikationsebene zwischen Schauspielern und jungen Zuschauern eine sichere Rezeptionssituation geschaffen werden kann, die sowohl den Spieltrieb der Kinder einbindet als auch die ästhetische Distanz des Theaters wahrt.

  • Entwicklung und Wandel von Spielvereinbarungen in der Theatergeschichte
  • Theoretische Grundlagen des Erzähltheaters und epischen Theaters
  • Methodik des kollektiven Ensemblespiels und Improvisationstechniken
  • Analyse von Bühnenraum und Kommunikationsmodellen im Kindertheater
  • Untersuchung von Rollendistanz und Spielerhaltung als Mittel zur Transparenz

Auszug aus dem Buch

3.1.2. Besonderheiten des Puppentheaters

Betrachtet man das Verhältnis des Spielers zu seiner Rolle, dürfen die Besonderheit des Puppentheaters in der Inszenierung nicht außer Acht gelassen werden. Wie bereits erwähnt wird die Figur des BUCKLIGEN PFERDCHENS von einer Puppenspielerin dargestellt. Die Puppe besteht aus einem rosafarbenen Pferdekopf, der am rechten Ärmel einer Jacke befestigt ist. Wenn die Spielerin diese Jacke anzieht, kann sie durch den Ärmel in den Kopf der Puppe greifen um das Maul zu bewegen. Über ihrem Arm hängen lange Fransen herab, die die Mähne des PFERDCHENS darstellen. Kopf und Körper der Figurenspielerin sind darüber hinaus sichtbar.

Es war von Anfang an vorgesehen, dass die Spielerin die Puppe nicht versteckt hinter einer Spielleiste animieren, sondern als Puppenführerin sichtbar bleiben sollte. Das Verhältnis der Spielerin zur Figur wurde daher im Probenprozess immer wieder zum Thema.

Die ersten Versuche gingen in die Richtung den Körper der Spielerin zusammen mit der Puppe in eine Einheit zu bringen, so dass der Zuschauer das ‚Ensemble’ als eine einzige Figur wahrnehmen konnte. Dies war nur möglich, indem die Spielerin ihren eigenen Kopf hinter der Puppe verbarg und so ihr Körper als der des PFERDCHENS erschien. Dadurch wurden die Spielmöglichkeiten jedoch stark eingeschränkt, weswegen dieses Prinzip wieder verworfen wurde.

Zusammenfassung der Kapitel

I Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der Spielvereinbarung im Kindertheater ein und stellt die zentrale Forschungsfrage sowie die Zielsetzung der Arbeit dar.

II Theaterästhetische Traditionslinien: Das Kapitel zeichnet die historische Entwicklung des Stücks „Das bucklige Pferdchen“ nach und beleuchtet ästhetische Vorbilder wie die Commedia dell’arte, Meyerhold, Brecht und das Erzähltheater.

III Methode und Arbeitsweise bei der Entwicklung der Inszenierung: Hier werden die prozessorientierten Arbeitsweisen, insbesondere das Ensemblespiel, Improvisationstechniken nach Hawemann und die Nutzung von Kommunikationsmodellen, beschrieben.

IV Entwicklung und Vermittlung von Spielvereinbarungen in der Inszenierung: Der Hauptteil analysiert detailliert die Gestaltung des Raumes, die Anfangssituation, die bühneninterne sowie externe Kommunikation und die bewusste Brechung der Spielregeln.

V Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und unterstreicht die Notwendigkeit, Spielvereinbarungen transparent zu gestalten, um trotz der besonderen Nähe im Kindertheater den ästhetischen Rahmen zu wahren.

Schlüsselwörter

Spielvereinbarung, Kindertheater, Erzähltheater, Ensemblespiel, Rollendistanz, Bühnenraum, Publikumsinteraktion, Theaterästhetik, Inszenierung, Figurentheater, Kommunikationsmodell, Theaterhaus Frankfurt, Das bucklige Pferdchen, Spielprinzip, Theaterkonvention.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht, wie Schauspieler im Kindertheater "Spielvereinbarungen" – also die expliziten oder impliziten Regeln der Kommunikation zwischen Bühne und Publikum – entwickeln, vermitteln und anwenden, damit Kinder das Theatergeschehen verstehen und genießen können.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Felder sind die Theaterästhetik im historischen Kontext, die produktionsorientierte Methodik der Stückentwicklung sowie die Untersuchung der verschiedenen Ebenen der Zuschauer-Schauspieler-Interaktion.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es zu zeigen, dass die Folgerichtigkeit der Spielvereinbarung entscheidend dafür ist, jungen Zuschauern Sicherheit bei der Rezeption zu geben, damit sie sich aktiv auf das Wechselspiel mit der Bühne einlassen können.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine produktionsästhetische und geisteswissenschaftliche Herangehensweise gewählt. Die Basis bilden eigene Probenprotokolle, Videoanalysen von Aufführungen sowie theaterwissenschaftliche Theorien, etwa von Volker Klotz oder Erika Fischer-Lichte.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert den gesamten Prozess: von der räumlichen Gestaltung und der Eingangssituation bis hin zu konkreten Techniken wie der Spiegelung der Zuschauerposition durch die Spieler und der gezielten Brechung der Spielvereinbarung an "Zauberstellen".

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Schlüsselwörter wie Spielvereinbarung, Erzähltheater, Ensemblespiel, Rollendistanz und Transparenz bilden den Kern des wissenschaftlichen Diskurses der Arbeit.

Warum wird das "Vormärchen" in der untersuchten Inszenierung gestrichen?

Die Streichung erfolgte, um die Anfangssituation zu verändern: Statt einer rituellen Begrüßung durch Erzähler sollen alle Schauspieler als Ensemble auf gleicher Ebene mit dem Publikum interagieren, um die Theatersituation von Beginn an als "Spiel unter Gleichen" zu markieren.

Welche Bedeutung hat der "intime Raum" für die Inszenierung?

Der intime Raum reduziert das Statusgefälle zwischen erwachsenen Darstellern und kindlichen Zuschauern. Er schafft eine Nähe, die eine direkte Kommunikation ermöglicht, ohne die notwendige ästhetische Distanz des Theaters komplett aufzuheben.

Was bewirkt die "Spiegelung der Zuschauerposition" durch die Spieler?

Durch das Agieren der Schauspieler im hinteren Bühnenbereich als "zuschauende Spieler" entsteht ein "Spiel im Spiel". Dies hilft den realen Zuschauern, ihre Rolle als Beobachter besser zu verstehen und verstärkt gleichzeitig die Theatralität des Ereignisses.

Wie wird mit der "Brechung der Spielvereinbarung" umgegangen?

Brechungen, etwa durch den Einsatz von Beamern für Spezialeffekte, werden bewusst in Kauf genommen, um "magische" Momente zu erzeugen. Die Arbeit argumentiert, dass solche Brüche nur funktionieren, wenn sie kalkuliert sind und die Kinder die Abweichung vom Regelwerk als solche wahrnehmen können.

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Details

Title
Die Entwicklung und Vermittlung von Spielvereinbarungen im Kindertheater
Subtitle
Untersucht am Beispiel der Inszenierung "Das bucklige Pferdchen" von Ania Michaelis, Theaterhaus Frankfurt
College
University of Hildesheim  (Theaterwissenschaften)
Grade
1,3
Author
Nadja Blickle (Author)
Publication Year
2008
Pages
85
Catalog Number
V157100
ISBN (eBook)
9783640711383
ISBN (Book)
9783640711635
Language
German
Tags
Kindertheater Theaterpädagogik Spielvereinbarung
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Nadja Blickle (Author), 2008, Die Entwicklung und Vermittlung von Spielvereinbarungen im Kindertheater, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/157100
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