Die vorliegende Arbeit führt in eines der zentralen Konzepte des Werks von Pierre Bourdieu ein, seinem Begriff des Habitus. Es unterteilt sich in folgende Kapitel:
Geschichte des Habitusbegriffs: Ursprünge in der Philosophie, Wiederentdeckung bei Durkheim und Weber, Arnold Gehlen, Peter Berger und Thomas Luckmann, der Habitusbegriff bei Norbert Elias.
Der Habitusbegriff bei Pierre Bourdieu: Entstehen des Bourdieu'schen Habituskonzepts, Funktionsweisen des Habitus, Beispiel: Männliche Herrschaft, Kritik.
Inhaltsverzeichnis
VORWORT
EINLEITUNG
GESCHICHTE DES BEGRIFFS
URSPRÜNGE IN DER PHILOSOPHIE
WIEDERENTDECKUNG BEI DURKHEIM UND WEBER
ARNOLD GEHLEN
PETER BERGER UND THOMAS LUCKMANN
DER HABITUSBEGRIFF BEI NORBERT ELIAS
DER HABITUSBEGRIFF BEI BOURDIEU
ENTSTEHUNG DES BOUDIEU’SCHEN HABITUSKONZEPTS
FUNKTIONSWEISE DES HABITUS
BEISPIEL: MÄNNLICHE HERRSCHAFT (DOMINATION MASCULINE)
KRITIK
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Habitus-Konzept von Pierre Bourdieu, um die Brücke zwischen dem Individuum und der Gesellschaft zu schlagen. Die zentrale Forschungsfrage ist dabei, wie soziale Strukturen im Individuum verankert sind und in praktischem Handeln reproduziert werden, ohne dabei in mechanischen Determinismus zu verfallen.
- Wissenschaftsgeschichtliche Herleitung des Habitus-Begriffs von der Antike bis zur Soziologie.
- Analyse der Bourdieu’schen Theorie als Antwort auf den Gegensatz von Objektivismus und Subjektivismus.
- Erklärung des Modells des sozialen Raums, Lebensstilen und dem praktischen Sinn.
- Kritische Diskussion der Theorie im Hinblick auf Handlungsfreiheit und sozialen Wandel.
- Anwendung des Habitus-Konzepts auf die Theorie der männlichen Herrschaft.
Auszug aus dem Buch
Entstehung des Boudieu’schen Habituskonzepts
Bei seinen Feldforschungen Anfang der 1960er Jahre in Algerien galt das Interesse Bourdieus überwiegend den verschiedenen Wirtschaftsformen Westeuropas und Nordafrikas, insbesondere den Auswirkungen auf das traditionelle Wirtschaftsdenken bei der Einführung und Durchsetzung des westlichen kapitalistischen Wirtschaftsmodells.
„Mit der französischen Kolonisation erlebt Algerien, bis dahin geprägt durch eine vorkapitalistische Wirtschaftsweise und –ethik, eine dramatische Umgestaltung: brutale Durchsetzung zutiefst fremder ökonomischer Prinzipien, rapider Verfall der traditionellen landwirtschaftlichen Produktionsweise, Entstehung eines neuen Subproletariats, ökonomische Präkarisierung und gesellschaftliche Entwurzelung als Los breiter Bevölkerungsschichten.“
In der vorkapitalistischen Wirtschaft verbietet die Logik der einfachen Reproduktion und die damit einhergehende zyklische Zeitperspektive jegliche Antizipation der Zukunft soweit sie nicht den bereits im Gegebenen eingeschriebenen objektiven Möglichkeiten gehorcht. Tauschprozesse wurden bis dahin durch die Strategien der Ehre geregelt und folgten der Logik von Gabe und Gegengabe. In der kapitalistischen Wirtschaft dagegen beruht die Wirtschaftsstruktur und –haltung auf Voraussehbarkeit und Berechenbarkeit und erfordert eine berechnende und vorausschauende Verhaltensdisposition.
Zusammenfassung der Kapitel
VORWORT: Diese Einführung erläutert die zentrale Bedeutung des Habitus-Begriffs innerhalb des vielseitigen Gesamtwerks von Pierre Bourdieu.
EINLEITUNG: Es wird die Entstehung der Soziologie als Wissenschaft im Kontext der Aufklärung und das Streben nach einer Lösung des Paradoxons von objektivem Sinn ohne subjektive Absicht beschrieben.
GESCHICHTE DES BEGRIFFS: Dieser Abschnitt zeichnet die philosophischen Wurzeln des Habitusbegriffs nach und zeigt seine Rezeption in der Evolutionsbiologie sowie bei Klassikern wie Durkheim, Weber und Elias auf.
DER HABITUSBEGRIFF BEI BOURDIEU: Der Hauptteil erläutert die Genese des Konzepts aus empirischen Feldforschungen und erklärt die Funktionsweise innerhalb des sozialen Raums.
BEISPIEL: MÄNNLICHE HERRSCHAFT (DOMINATION MASCULINE): Dieser Teil veranschaulicht anhand der Geschlechterverhältnisse, wie der Habitus soziale Machtstrukturen inkorporiert und reproduziert.
KRITIK: Abschließend werden Einwände gegen die Habitustheorie diskutiert, insbesondere hinsichtlich der Handlungsfreiheit und des sozialen Wandels.
Schlüsselwörter
Habitus, Pierre Bourdieu, Sozialer Raum, Praxis, symbolische Gewalt, Geschmack, Distinktion, Lebensstile, Klassenlage, Struktur, Körper, Inkorporierung, Feldtheorie, Soziologie, Handlungsschemata.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundlegend?
Die Arbeit bietet eine Einführung in eines der zentralen Konzepte des Soziologen Pierre Bourdieu: den Habitus.
Welches sind die zentralen Themenfelder?
Die Themen umfassen die wissenschaftsgeschichtliche Entwicklung des Begriffs, seine Anwendung im Bourdieu’schen Modell des sozialen Raums und seine Relevanz für soziale Herrschaftsverhältnisse.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, das Habitus-Konzept verständlich zu machen und zu erläutern, wie es die Trennung zwischen objektiven gesellschaftlichen Strukturen und individuellem Handeln überbrückt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf der Analyse von Bourdieus Hauptwerken sowie einer fundierten Einordnung in die soziologische Theoriegeschichte basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Ausarbeitung des Habitus-Modells, seine Funktionsweise im sozialen Raum und eine konkrete Fallstudie zur männlichen Herrschaft.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich besonders gut durch Begriffe wie Habitus, Praxis, symbolische Gewalt und Distinktion beschreiben.
Inwiefern beeinflusst die "leibliche Hexis" das Handeln?
Bourdieu nutzt den Begriff der Hexis, um zu verdeutlichen, dass Körperhaltung, Sprache und Bewegung habituell geprägt sind – der Körper besitzt Wissen nicht, er ist es.
Wie reagiert Bourdieu auf den Vorwurf der Starrheit seiner Theorie?
Er argumentiert, dass der Habitus als System von Dispositionen zwar strukturiert, aber innerhalb bestimmter Grenzen Freiräume lässt und durch biographische Erfahrungen oder Selbstreflexion transformierbar bleibt.
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- Ingolf Erler (Author), 2003, Habitus - Geschichte des Begriffs und seine Verwendung in der Theorie von Pierre Bourdieu, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/157165