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Staat, Verfassung und Politik aus der Sicht der Evangelikalen Bewegung innerhalb des deutschen Protestantismus

Titre: Staat, Verfassung und Politik aus der Sicht der Evangelikalen Bewegung innerhalb des deutschen Protestantismus

Thèse de Doctorat , 1999 , 248 Pages , Note: magna cum laude

Autor:in: Michael Hausin (Auteur)

Politique - Autres sujets
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Die vorliegende Dissertation untersucht die Einstellungen, die sich in der Evangelikalen Bewegung in Deutschland zu Staat, Verfassung und Politik finden.
Bei der Untersuchung ist es hilfreich, sich an den Leitfragen der politischen Philosophie zu orientieren. Zunächst geht es um die Frage nach dem Menschenbild: Welche Voraussetzungen bringt der Mensch für ein politisches Dasein mit? Welche politischen Ordnungen sind seiner Natur angemessen und können mit Aussicht auf Erfolg und Stetigkeit verfolgt werden? Die politische Anthropologie bestimmt den Stellenwert des Individuums und regelt das Verhältnis der Individuen untereinander, sowie des Einzelnen zum Ganzen und ist die Grundlage der politischen Ethik. Weiter geht es um die Frage nach der Legitimation politischer Herrschaft, damit zusammen hängend, um die Auseinandersetzung um die zweifelsfrei beste Form des Staates. Gibt es – aus der Sicht der Evangelikalen- zur parlamentarischen Demokratie eine diskussionswürdige Alternative? Wann endet die Loyalität der Unterordnung unter die verfassten, positiven Gesetze? Gibt es in der theoretischen Diskussion ein Widerstandsrecht und wenn es befürwortet wird, wann gilt es in welcher Form Widerstand zu leisten?
Sodann ist die Frage nach dem Umfang und den Grenzen staatlichen Handelns zu thematisieren. Wer darf in wessen Namen mit welchem Recht handeln? Wie müssen staatliche Organe agieren? Wie weit reichen die Kompetenzen des Staates gegenüber nichtpolitischen Räumen, gerade der Familien, der Religionsgemeinschaften und der Wirtschaft? Gibt es Bereiche, die von ‚Natur‘ aus unpolitisch sind und nicht der öffentlichen Regelung bedürfen?
Auch nach den Zielen des politischen Handelns ist zu fragen: Liegen die Ziele deduktiv definiert, geradezu als ‚vollkommen‘ vor jeder Handlung oder ergeben sie sich durch das vor Augen liegende Mögliche? Schließlich geht es um die Durchsetzung politischer Ziele: Die Mittelwahl und damit die Rolle der Gewalt im politischen Prozess, so wie ihrer Anwendung bzw. Rechtfertigung zur Durchsetzung politischer Ansichten.
Auch die klassischen, immerwährenden Fragen des politischen Denkens werden zu beachten sein: Das Zueinander von Freiheit, Gleichheit und Solidarität. Welchen Stellenwert genießen diese Tugenden? In welchem Verhältnis stehen sie zueinander und inwieweit obliegt ihre Verwirklichung dem politischen Prozess? Hierhin gehört auch die Frage nach dem Zusammenhang zwischen öffentlichem Handeln und persönlichem Glück.

Extrait


Inhaltsverzeichnis

A. EINLEITUNG

I. Die Evangelikale Bewegung

1. Begriffsbestimmung

2. Evangelikale und Fundamentalisten

3. Evangelikale Charakteristik

a) Individuelle Bekehrung und Wiedergeburt

b) Autorität der Bibel

c) Gemeinschaft

d) Persönliche Lebensführung und Mission

e) Herkunftsverständnis

4. Evangelikale Typologie

4.1. Die Evangelikale Fraktion

4.2. Vorstellung der Gruppen

a) Pietisten

b) Allianzevangelikale

c) Bekenntnisevangelikale

d) Charismatiker

e) Fundamentalisten

5. Evangelikale und Kirche

II. Hintergrund der Untersuchung

1. Die christliche Bedingtheit des modernen Verfassungsstaates

2. Die religiöse Situation in Deutschland

2.1. Der Wandel in der religiösen Landschaft

2.2. Religion und Politik

3. Die politische Lage

4. Zusammenfassung und Methodik

III. Historisch-theologischer Rahmen

1. Protestantische Staatslehre im 20. Jahrhundert

1.1. Grundlage: Die Reformatoren

1.2. Die Entwicklung bis zur Barmer Synode 1934

1.3. Die Entwicklung von 1934 bis 1998

2. Zusammenfassung

3. Die politischen Entwürfe der historischen Vorläufer der Evangelikalen

3.1. Der klassische Pietismus im 18. Jahrhundert

a) Distanziert-ablehnend

b) Distanziert-gleichgültig

c) Aktivistisch

3.2. Die Erweckungsbewegung im 19. Jahrhundert

3.3. In Demokratie und Totalitarismus

4. Zusammenfassung

B. HAUPTTEIL

I. Zwischen Quietismus und Aktivismus

1. Die quietistische Versuchung

2. Die aktivistische Haltung

2.1. Die Forderungen der evangelikalen Wortführer

2.2. Gründe für die politische Mobilisierung

a) Die Reformphase der BRD

b) Die Initialzündung: Lausanne 1974

c) Unmittelbare Gegenwart

2.3. Aktionsforen

a) Die christlichen Kleinparteien

b) Die ‘Aktion: Die Wende’

c) Kommunitäten

d) Themenbezogene Gruppen

e) Bündnissuche

3. Zusammenfassung

II. Die politischen Axiome einer evangelikalen Sozialethik

1. Politische Anthropologie

1.1. Der pessimistische Grundtenor

1.2. Der optimistische Aspekt

1.3. Menschenbild und Politik

1.4. Überblick: Menschenbild

2. Die transzendente Stiftung der politischen Ordnung

3. Verhältnisbestimmungen der Zwei-Reiche-Lehre

3.1. Staat und Religion

3.2. Staat und Kirche

4. Die Souveränität Gottes

5. Zusammenfassung

III. Evangelikale Variationen in der Bestimmung von Staat und Politik

1. Kennzeichnungen

1.1. Begriffsbestimmungen

1.2. Schematische Übersicht:

2. Ordo- Evangelikalismus

2.1. Leitmotiv: Adiaphora

2.1.1. Die bedingte Geltung der Gebote Gottes

2.1.2. Staatstheoretische Indifferenz

2.1.3. Politik im Zeichen der Vernunft

2.1.4. Widerspruch und Widerstand

2.1.5. Die Eigenschaften ‘rechter Obrigkeit’

2. 2. Leitmotiv: Das ganze Gesetz Gottes: Theonomie

2.2.1. Die unbedingte Geltung der Gebote Gottes

2.2.2. Biblische Staatsformenlehre

2.2.3. Politik im Zeichen der Gesetze Gottes

2.2.4. Biblisches Widerstandsrecht

2.3. Ordo-Betonung und Normenstrenge

2.3.1. Ordo-Vorstellungen

a) Macht, Autorität und der starke Staat

b) Meta-Normen

c) Das Votum für die Demokratie

d) Parteinahme für die normsetzenden Ansprüche des Grundgesetzes

e) Die Bewahrung der Schöpfung

2.3.2. Gefährdungen der Ordnung

a) Das Anomiepotential der Moderne und der Wertewandel

b) Nation und Multikulturelle Gesellschaft

c) Demokratisierung und ausgedehnte Staatstätigkeit

d) Die Negierung des Allgemeinwohls

e) Politikwandel und der Verlust des Primats der Politik

2.3.3. (Wieder)herstellung der Ordnung

a) Erweckung und ‘geistig-moralische Wende’

b) Wahlempfehlungen

2.3.4. Wirtschaftsordnung

a) Soziale Marktwirtschaft

b) Arbeit

c) Eigentum

d) Der Sozialstaat

2.4. EXKURS: Günter Rohrmoser

a) Analyse der Moderne

b) Der Weg aus der Krise: Die Forderung nach einer geistigen Wende

3. Emanzipativer Evangelikalismus

3.1. Leitmotiv: Das Reich Gottes

3.2. Staatsaufgaben im Lichte des Reiches Gottes

3.3. Politik im Lichte des Reiches Gottes

a) Gegenwartsanalyse

b) Politikgestaltung

3.4. Widerstandsrecht

3.5. Wirtschaftsordnung

3.6. Demokratie und Reich Gottes

3.7. EXKURS: Die Vordenker des emanzipativen Evangelikalismus

4. Zusammenfassung

5. Übersicht: Evangelikales Staats- und Politikverständnis

C. SCHLUSSTEIL

1. Die Axiome evangelikaler Sozialethik

2. Die politische Heteronomität der Evangelikalen Bewegung

a) Das unterschiedliche Staatsverständnis

b) Das unterschiedliche Politikverständnis

c) Das unterschiedliche Demokratieverständnis

d) Politischer Mobilisierungsgrad

e) Parteibindung

3. Die Chancen der Evangelikalen

4. Was den Evangelikalen im Wege steht

Zielsetzung und Themen

Diese Arbeit verfolgt das Ziel, das politische Selbstverständnis sowie die Einstellungen der Evangelikalen Bewegung in Deutschland zu den Themen Staat, Gesellschaft, Verfassung und Politik systematisch zu untersuchen. Im Zentrum steht die Forschungsfrage, wie Evangelikale ihr Verhältnis zum demokratischen Rechtsstaat, zu Grundrechten und zum Parteiensystem definieren und inwieweit ihr Glaube ihr politisches Handeln determiniert.

  • Strukturanalyse der Evangelikalen Bewegung und ihre interne Typologie.
  • Analyse des historisch-theologischen Rahmens protestantischer Staatslehre.
  • Untersuchung des Spannungsfeldes zwischen religiösem Quietismus und politischem Aktivismus.
  • Darstellung politischer Axiome einer evangelikalen Sozialethik und deren Anwendung auf aktuelle gesellschaftliche Fragen.
  • Bewertung der politischen Chancen und Hindernisse für Evangelikale im modernen demokratischen System.

Auszug aus dem Buch

1. Begriffsbestimmung

Der Begriff evangelikal scheint sich einer genauen Definition zu entziehen. Er ist sowohl Selbstbezeichnung wie auch ein innerkirchlicher Kampfbegriff, der gerne abwertend benutzt wird. Die Sache gestaltet sich noch schwieriger, da viele Gruppen und Personen, die der Sache nach ‚evangelikal‘ gelten, für sich selbst andere Bezeichnungen wie ‚bibeltreu‘, ‚bekenntnisgebunden‘, ‚bekenntnistreu‘, ‚pietistisch‘ u. ä. vorziehen. Generell verstehen sich Evangelikale schlicht als ‚Protestanten‘, also glaubende, praktizierende evangelische Christen. Der Generalsekretär der Evangelischen Allianz, Hartmut Steeb, behauptet deshalb auch, „Evangelikal bedeutet nicht mehr und nicht weniger als radikal evangelisch: von der Wurzel her dem Evangelium von Jesus Christus verpflichtet.“ In der Eigenwahrnehmung sieht man sich als die rechtmäßigen, eigentlichen Erben und Verteidiger der Reformation. Eine Beurteilung der deutschen Situation muss im Auge behalten, dass zu den Evangelikalen auch eine Vielzahl einzelner Christen gehören, die nicht aktiv bei evangelikalen Organisationen mitarbeiten, auch nicht alle von dort kommenden Verlautbarungen unterstützen wollen oder können, aber den evangelikalen Anliegen zustimmen.

Man kann voraussetzen, dass es aufgrund der evangelikalen Schwerpunkte, dem Festhalten an den zentralen Aussagen des christlichen Glaubens, „eine breite Übereinstimmung zwischen vielen evangelischen Christen unterschiedlicher Herkunft und Prägung gibt.“

Zusammenfassung der Kapitel

A. EINLEITUNG: Die Einleitung verortet die Evangelikale Bewegung im deutschen Protestantismus und erläutert die Herausforderungen bei der Definition und statistischen Erfassung dieser heterogenen Gruppe.

II. Hintergrund der Untersuchung: Dieses Kapitel legt dar, wie christliche Ideen den modernen Verfassungsstaat bedingen und analysiert die sich wandelnde religiöse Szene in Deutschland.

III. Historisch-theologischer Rahmen: Hier wird die Entwicklung der protestantischen Staatslehre von den Reformatoren bis zur heutigen Zeit sowie die Entstehung der evangelikalen Vorläufer analysiert.

B. HAUPTTEIL: Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des Spannungsfeldes zwischen quietistischer Weltabwendung und aktivistischer Einmischung, die Analyse politischer Axiome einer evangelikalen Sozialethik sowie eine differenzierte Betrachtung verschiedener evangelikaler Staats- und Politikverständnisse.

C. SCHLUSSTEIL: Der Schlussteil synthetisiert die Ergebnisse, indem er die Kernaxiome der evangelikalen Sozialethik zusammenfasst und die politischen Chancen sowie Hindernisse für die Bewegung im demokratischen Prozess bewertet.

Schlüsselwörter

Evangelikale Bewegung, Protestantismus, Staat, Verfassung, Politik, Sozialethik, Pietismus, Bekehrung, Bibelautorität, Demokratie, Rechtsstaat, Säkularisierung, Religionsfreiheit, Politische Anthropologie, Reich Gottes.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Dissertation untersucht das politische Selbstverständnis der Evangelikalen Bewegung in Deutschland und ihr Verhältnis zum demokratischen Staat.

Welche zentralen Themenfelder behandelt die Arbeit?

Zentrale Themen sind das evangelikale Staatsverständnis, die theologische Begründung politischer Positionen sowie das Spannungsverhältnis zwischen Glaubensüberzeugungen und demokratischer Politik.

Was ist die primäre Forschungsfrage?

Die Arbeit fragt danach, wie Evangelikale Staat, Gesellschaft und Politik aus ihrer religiösen Perspektive bewerten und ob sie politisch selbstbewusster und eigenständiger agieren.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Der Autor nutzt die qualitative Inhaltsanalyse und hermeneutische Ansätze, um evangelikale Zeitschriften, Bücher und Verlautbarungen zum Themengebiet Staat und Politik auszuwerten.

Was ist das Ziel der Untersuchung?

Es soll dargestellt werden, inwieweit evangelikale Überzeugungen eine eigene politische Konflikt- und Überzeugungspotentialität im demokratischen Staat entfalten können.

Welche Schlüsselbegriffe prägen die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind unter anderem Evangelikalismus, Zwei-Reiche-Lehre, theonomer Ansatz, Bekehrung und das christliche Menschenbild.

Wie unterscheiden sich 'Ordo-Evangelikale' und 'Emanzipative Evangelikale' in ihrer Staatsauffassung?

Ordo-Evangelikale sind primär an staatlicher Stabilität und Ordnung interessiert, während emanzipative Evangelikale den Staat stärker als Solidarverband für sozial Schwache definieren.

Welche Rolle spielt die 'Aktion: Die Wende' im Kontext der Untersuchung?

Sie dient als Beispiel für ein evangelikales Aktionsforum, das auf Basis der Sozialphilosophie Günter Rohrmosers eine geistig-kulturelle Erneuerung Deutschlands anstrebt.

Warum spielt die 'Abtreibungsdebatte' eine so zentrale Rolle für Evangelikale?

Sie gilt als Grenzsituation, die Evangelikale dazu trieb, sich als politisch aktive Kraft neben den verfassten Kirchen zu positionieren, da sie hier fundamentale christliche Werte gefährdet sehen.

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Résumé des informations

Titre
Staat, Verfassung und Politik aus der Sicht der Evangelikalen Bewegung innerhalb des deutschen Protestantismus
Université
University of Rostock  (Institut für Politik- und Verwaltungswissenschaften)
Note
magna cum laude
Auteur
Michael Hausin (Auteur)
Année de publication
1999
Pages
248
N° de catalogue
V157200
ISBN (ebook)
9783640709519
ISBN (Livre)
9783640709601
Langue
allemand
mots-clé
Evangelikale Fundamentalismus Politik und Religion Evangelikalismus Pietismus Staat und Religion
Sécurité des produits
GRIN Publishing GmbH
Citation du texte
Michael Hausin (Auteur), 1999, Staat, Verfassung und Politik aus der Sicht der Evangelikalen Bewegung innerhalb des deutschen Protestantismus, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/157200
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