Der Diminutiv in der italienischen Sprache


Seminararbeit, 2003

11 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Die Häufigkeit des Diminutivs im Italienischen

2. Diminutivbildung
2.1. Bildung der Alteration mit Suffixen
2.2. Restriktionen bei der Bildung
2.3. Infixe
2.4. Modifikantenakkumulation

3. Erklärungen für die häufige Verwendung des Diminutivs
3.1. Verniedlichung
3.2. Besondere Stellung des Diminutivs in der italienischen Wortbildung
3.3. Erklärungen für die Modifikantenakkumulation

4. Verweis auf diatopische, diastratische und diaphasische Untersuchungen

5. Literaturverzeichnis

1. Die Häufigkeit des Diminutivs im Italienischen

Die Diminutivbildung ist ein Verfahren der Wortbildung, bei dem mittels Suffigierung eine Basis in ihrer Bedeutung nicht substantiell, sondern quantitativ und teilweise auch qualitativ verändert wird. Die Wortklasse verändert sich dabei nicht. Dieses Ableitungsverfahren läßt sich daher unter den Begriff „Alteration“ einordnen.[1]

Die Besonderheit des Diminutivs im Italienischen liegt in seiner auffallend häufigen Verwendung. Für die Alteration , zu der auch die Bildung von Augmentativa und Pejorativa gehört, stehen im Italienischen mehr als 45 modifizierende Suffixe zur Verfügung, wovon „auch umfangreich Gebrauch gemacht wird, das gilt besonders für die Suffixe zur Bildung von Verkleinerungsformen (Diminutiva).“[2]

Denn neben der Diminutiva bei Substantiven existieren diese, anders als im Deutschen, auch bei Adjektiven ( „ lontanino, ’nicht sehr weit’ “[3] ), Verben („mangiucchiare, ‚wenig, ohne Appetit essen’ “[4] ) und Adverben ( benino, prestino, tardino, tarduccio[5] ) und können sogar aus mehreren Suffixen zusam-mengesetzt sein. Ausgehend von einer näheren Betrachtung der Diminutivbildung im Italienischen, deren Regeln und Restriktionen, möchte ich versuchen, das häufige Auftreten der Diminutiva zu erklären.

2. Diminutivbildung

2.1. Bildung der Alteration mit Suffixen

Aus dem großen Angebot an Diminutivsuffixen, das sich vor allem wegen der dialektalen Unterschiede ergibt, sind sicherlich die Modifikanten -in-, -ett- und -ell- die wichtigsten. Ausgehend von einer diachronen Untersuchung über die Häufigkeit dieser drei Suffixe stellt Ettinger fest, daß das Suffix -ell- immer mehr zu Gunsten von -ett- und -in- verdrängt wird[6]. In Hinblick auf die Konnotationen lassen sich zwischen den drei Suffixen gewisse Unterschiede feststellen. Seewald schreibt, daß die Suffixe -in- und -ett- neben der Verkleinerung zusätzlich eine „emotive Qualität“[7] ausdrücken, die von Fall zu Fall mehr oder weniger in den Vordergrund rückt. Dardano differenziert noch genauer, er schreibt, -ett- sei weniger emotiv, also neutraler, als –in-[8].

Ein wichtiges Diminutivsuffix mit pejorativer Konnotation ist –ucci-. „So kann ein Derivat der Form ‚Nominalstamm plus – ucci- ’ besagen, daß der Referent des Nominalstamms schmächtig, schwach, kümmerlich oder dürftig ist“[9].

Ob das Suffix -ott- zu den Diminutivmodifikanten gehört, ist umstritten. „Das Suffix - ott- verbindet sich in erster Linie mit Basen, die Tierbezeichnungen sind, und bezeichnet dann die jeweiligen Jungtiere [...]. Semantisch davon abgeleitet sind Derivate zur Bezeichnung von Menschen, wobei - ott- ihnen meistens die Bewertung ‚kräftig, gesund, stattlich verleiht“[10]. Seewald[11] und Rainer[12] zählen es zu den Diminutivsuffixen, bei Ettinger[13] gehört -ott- zu den Augmentativbild-nern.

Das Suffix -icci- stellt einen Sonderfall dar. Es tritt als Diminutivbildner nur bei Adjektiven auf und findet sich vor allem bei Farbbezeichnungen[14].

Neben den angeführten, am häufigsten vertretenen Diminutivsuffixen existieren zahlreiche Varianten, die vor allem dialektal bedingt sind. Sie können zum Beispiel in der Grammatik von Rohlfs nachgelesen werden[15].

Wird eine Basis mit einem Diminutivsuffix modifiziert, so bleibt bei den Substantiven im Allgemeinen das Genus erhalten. In Fällen, in denen sich das Genus durch eine Alteration ändert, handelt es sich meist um lexikalisierte Formen (z.B. vetro – vetrina)[16].

Grundsätzlich besteht eine frei Verwendbarkeit der Diminutivsuffixe. Es gibt jedoch einige Restriktionen, die auf Grund der Phonetik bestimmte Kombinationen ausschließen. Diese Restriktionen möchte ich im Folgendem näher erläutern.

2.2. Restriktionen bei der Bildung

Stefan Ettinger hat 1974 eine umfassende synchrone Untersuchung der romanischen Diminutiv- und Augmentativbildung vorgelegt[17]. Aus ca. 25 Romanen und Dramen zog er alle vorkommenden Alterationen und klassifizierte sie anschließend. Dabei entdeckte er unter anderem für das Italienische gewisse Regeln, denen die Modifikation gehorcht. Im Folgendem beziehe ich mich auf seine Ergebnisse.

Die erste Regel für die Diminutivbildung im Italienischen lautet: „Bei den Modifikationen mit auslautendem –L, -T und in geringerem Maße auch bei –N gilt für die Verwendung der Modifikanten, daß der Auslautkonsonant des Stammes nicht wieder im Modifikanten wiederholt werden darf “[18]. So ist die Verkleinerung von letto nicht lettetto, sondern lettino, ebenso wie für vino nicht vinino, sondern nur vinetto erlaubt ist . Eine ähnliche Einschränkung besteht für die betonten Auslautvokale der Basis, die im Suffix nicht wiederholt werden dürfen[19]. So ist caffeetto nicht erlaubt, es existieren nur die Modifikationen caffeuccio, caffeino und caffeaccio. Die dritte Restriktion bei der Diminutivbildung betrifft die gesprochenen -i- oder -u- , die nach einem Konsonant und vor dem Auslautvokal stehen, und welche ebenfalls nicht mit dem Suffix wiederholt werden[20]. Zur Verdeutlichung dienen folgende Beispiele: Erlaubt sind arietta, scimmietta und specchietta, es existiert bei aria, scimmia und specchio jedoch keine Modifikation mit –in-. Oftmals wird in diesen Fällen anstatt –in- der Modifikant –ol- verwendet: bestiola. Bei acqua, lingua und statua existiert keine Diminutivbildung mit –ucci-, sehr wohl aber eine mit -acci- oder –ett- . Von diesen Bildungen sind die Basen mit betontem –oi-, bzw. –ai- deutlich abzugrenzen. Hier ist die Modifikation mit –in- ohne weiteres möglich : corridoino, cucchiaino,...[21].

[...]


[1] Vgl. Uta Seewald: Morphologie des Italienischen, Tübingen 1996, S.89.

[2] Ebd., S.89.

[3] Ebd., S.90.

[4] Ebd., S.93.

[5] Bsp. siehe Gerhard Rohlfs: Historische Grammatik der italienischen Sprache und ihrer Mundarten, Band 3, Bern 1954 , S.251.

[6] Stefan Ettinger: Form und Funktion in der Wortbildung, Tübingen 1974, S.118.

[7] Seewald: Morphologie, S.90.

[8] Maurizio Dardano: La formazione delle parole nell`italiano di oggi. Primi materiali e proposte, Rom 1978, S.101.

[9] Christoph Schwarze: Grammatik der italienischen Sprache, Tübingen 1988, S.451.

[10] Seewald: Morphologie, S.91.

[11] Ebd., S.91.

[12] Franz Rainer: I nomi di qualità nell`italiano contemporaneo, Wien 1989, S.342 .

[13] Stefan Ettinger: Diminutiv- und Augmentativbildung. Regeln und Restriktionen, Tübingen 1974, S.151.

[14] Ebd., S. 149f.

[15] Gerhard Rohlfs: Historische Grammatik der italienischen Sprache und ihrer Mundarten, Band 3, Bern 1954 .

[16] Seewald: Morphologie, S.90.

[17] Stefan Ettinger: Diminutiv- und Augmentativbildung. Regeln und Restriktionen, Tübingen 1974.

[18] Ebd., S.128.

[19] Ebd., S.131.

[20] Ebd., S.132.

[21] Ettinger: Diminutiv- und Augmentativbildung, S.133.

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Der Diminutiv in der italienischen Sprache
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Note
1,7
Autor
Jahr
2003
Seiten
11
Katalognummer
V157206
ISBN (eBook)
9783640701889
ISBN (Buch)
9783640702404
Dateigröße
517 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Italienisch, Romanistik, Diminutiv, Sprachwissenschaft
Arbeit zitieren
Franziska Knogl (Autor), 2003, Der Diminutiv in der italienischen Sprache, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/157206

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