Der politische Werdegang des Evo Morales

Schwerpunkt Südamerika: Bolivien


Hausarbeit (Hauptseminar), 2010
19 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhalt

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Bolivien
2.1. Geschichte und indigene Stämme
2.2. Kokaanbau
2.3. Überblick über das politische System

3. Evo Morales
3.1. Kindheit/Jugend
3.2. Kokabauer/Gewerkschafter
3.3. Präsident
3.4. Überblick: Nationale Entwicklungspolitik unter Evo Morales

4. MAS
4.1. Entstehung aus Kokabauerngewerkschaft
4.2. Von der sozialen Bewegung zur Partei

5. Resümee: Die vier Elemente des politischen Bewusstseins von Evo Morales

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Deckblatt: Fahne Boliviens. http://en.wikipedia.org/wiki/Flag_of_Bolivia

Abbildung 1 Überblick Verbreitung der indigenen Stämme Boliviens

Abbildung 2 Ergebnis der Wahlen im Juli 2006

Abbildung 3 Morales als Präsidentschaftskandidat mit der traditionellen Wipala im Jahr 2002

1. Einleitung

“I don't mind being a permanent nightmare for the United States.”[1]

Ein Ausspruch Evo Morales’ vor einer lebhaften Menge von Aymara Indígena, Kokabauern in einem ländlichen Gebiet Boliviens. Ein Ausspruch, der beinahe seine Präsidentschaft zusammenfasst.

Juan Evo Morales Ayma ist, beeinflusst durch die Geschichte seines Landes, seiner eigenen Indígena-Kultur, seiner Vergangenheit als Gewerkschafter und Kokabauer ganz anders mit den Menschen verbunden und bietet völlig andere Konzepte als seine (diktatorischen) Vorgänger.

Seine Erdrutschwahlsiege kamen daher weit weniger überraschend, als man vielleicht denken mag.

Diese Arbeit beschäftigt sich mit dem Hintergrund des Landes, der internationalen Kontroverse des Kokaanbaus und mit dem Hinterfragen von Morales‘ Strategien und seinen Motivationen und Ambitionen als erster indigener Staatspräsident Boliviens.

2. Bolivien

2.1. Geschichte und indigene Stämme

Um 200 vor Christus entstand die älteste belegte Kultur Boliviens. Im 6. Jahrhundert nach Christus wurde diese von den Aymará abgelöst. Später, im 15. Jahrhundert wurde Boliviens Hochland von den Inkas besiedelt, die die Hochlandgebiete von Bolivien und Peru etwa 100 Jahre lang beherrschten. Das Ende ihrer Vorherrschaft kam 1538, als die Spanier das damalige Hochperu eroberten. Aber auch Deutsch und Italiener, denen es an eigenen Kolonien mangelte, siedelten sich im Land an. Nur kurze Zeit später, im Jahr 1545, startete der Abbau des riesigen Silbervorkommens im Land. Damit begann die leidvolle Geschichte der Ausbeutung des kolonisierten Landes und seiner indianischen Bevölkerung. Im 17. Jahrhundert war die 4.000m hochgelegene Silbermetropole, die ÅPforte zur Hölle“, die reichste aber auch gewalttätigste Stadt der Welt. Der von den europäischen Besetzern geförderte Edelmetallabbau kostete hundertausenden Arbeitern das Leben. Die Indios versuchten den Aufstand 1780, wurden aber von den Kolonialherren blutig niedergeschlagen. Die Nachfahren der spanischen Eroberer begannen ihrerseits jedoch bald darauf selbst, sich gegen das spanische Mutterland aufzulehnen und ihre Freiheit und die Freiheit des besetzten Landes zu fordern. Erst 1825 wurde die Unabhängigkeit des Landes ausgerufen. Die neue Republik wurde nach ihrem ersten Präsidente Simón Bolívar benannt. Die langersehnte Unabhängigkeit von Spanien brachte dem ausgebeuteten Land jedoch weder Wohlstand noch politischen oder sozialen Frieden. Diese unsicheren Umstände resultierten in etwa 200 versuchten oder gelungenen Putschen, in rascher Folge lösten sich Machthaber und Militärdiktaturen ab. Zudem verlor das ehemals doppelt so große Land seinen einzigen Meereszugang an Chile und fruchtbare Amazonasgebiete an Brasilien.[2]

Die indigenen Stämme Boliviens heute das Land großflächig verteilt und sind auch unter einander weit verstreut. Eine Volkszählung aus dem Jahr 2001 ergab 8.274.325 Einwohner. Dazu identifizieren sich 62% der Bevölkerung, die älter als 15 Jahre ist mit einer indigenen Volksgruppe. Von indigenen Minderheiten zu sprechen ist bei dieser Zahl also mehr als unangebracht.[3]

Die ursprünglichen Völker teilen sich in die andinen Völker und die Völker des östli- chen Flachlandes, wo die ethnischen Gruppen, je tiefer sie im Wald leben auch weni- ger groß sind.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 Überblick Verbreitung der indigenen Stämme Boliviens

Im frühen 20. Jahrhundert lösten politische Konflikte am Balkan Immigrationsströme aus, auch nach Bolivien. So kamen Kroaten, Ungarn, Türken und auch Palästinenser in das Land. Später fanden auch japanische Siedler Gefallen am bolivianischen Siedlungsgebiet. Den Afrobolivianern gebührt besondere Erwähnung. Kongolesen und Angolaner kamen schon mit den ersten Spaniern als Sklaven nach Bolivien. Sie haben in der Kultur des Landes deutliche Spuren hinterlassen.[4]

Von den 9 Mio. Einwohnern leben etwa 30 % am Land und schlagen sich als Bauern durch, was auf den überbeanspruchten Böden schwierig ist. Die Regierung unter Evo Morales bemüht sich verstärkt um Agrarreformen, dazu jedoch später mehr.

2.2. Kokaanbau

Wie in einigen anderen Ländern Südamerikas wurde auch in Bolivien die Koka- pflanze seit Jahrhunderten kultiviert. Ihr Anbau, Nutzung, Transport, Vermarktung und Export 1988 durch ein drakonisches Gesetz des Kokaregimes und der kontrol- lierten Substanzen neu geregelt. Dieses Gesetz stellte den Hintergrund für die Demonstrationen und Proteste der Kokaorganisationen dar.[5]

Spontane oder zweckmäßig gelenkte Agrarkolonisation scheint der Ursprung der Ausbreitung von überschüssiger Fläche, die dann bei steigender Nachfrage für ille- gale Zwecke genutzt wird, zu sein. Eine Reduzierung von Gebieten wie diesen wird jährlich in Agrarprogrammen geplant. Sie begann mit 5.000 ha im Jahr, bis hin zu einem Ziel von 8.000 ha im Jahr. Internationale Zusammenarbeit soll die Erreichung dieser Ziele sichern. Das Gesetz sagt außerdem aus, dass nur derjenige Bauer, der ein persönlich sein eigenes Feld bearbeitet und bepflanzt, welcher Subsistenzwirtschaft betreibt und als Hauptmerkmal ein auf den Kokaanbau ausgerichtetes Einkommen hat, ein legaler Coca-Kleinbauer ist. Ein großes Problem für die Landlosen ist, dass der Kokaanbau auf gepachtetem oder Vertragsland verboten ist, wie auch irgendein Vertrag zu Vermarktung und Nutzen.[6]

2.3. Überblick über das politische System

Zwischen 2004 und 2006 fanden in Bolivien maßgebliche innenpolitische Entwick- lungen statt. Mit den Wahlprozessen 05 und 06 begannen im Land bedeutende poli- tische Reformen, ausgelöst durch die Mehrheitsregierung und Einberufung der ver- fassungsgebenden Versammlung und einer Volksbefragung in Sachen regionale Au- tonomie.[7]

Progressive pro-poor Strategien werden durch makro-strukturellen und mikro- institutionellen Bedingungen herausgefordert, die die Armutsbekämpfung untergra- ben. Die politischen Parteien Boliviens sind aber immer noch nicht in der Lage Re- formen erfolgreich voranzubringen, weil ihnen oftmals die dazu nötigen Kapazitäten fehlen. Daher werden auch subnationale Strukturen, die den engsten Zugang zu den Bedürfnissen der Bürger haben, von der offiziellen Politik marginalisiert. Der be- ständige Kreislauf aus scheiternder Wirtschaft und Umverteilung bietet ständige Grundlage für den öffentlichen Zynismus, der wiederum ultimativ im Selbstausschluss vom politischen Prozess führt. In ähnlicher Weise hat die regionale Polarisierung auf Ressourcenausbeutung und -verteilung die Konsensbildung und innerparteilichen Verhandlungen nur noch verschlechtert. Trotz dieser Herausforderungen im politischen System Boliviens wird nachhaltige Armutsbekämpfung die konstruktive Mitarbeit aller Parteien erfordern.

Die politischen Parteien kontrollieren beinahe alle Ebenen der Staatsbehörden und werden das auch in Zukunft, trotz struktureller Umbrüche, weiterhin tun. Zudem sind die Parteien als Koordinatoren der Wahlvorgänge für öffentliche Ämter direkt im Entscheidungsprozess über jeden gewählten Vertreter involviert.

Als die einzige nicht-staatliche Verbindung zwischen allen Regierungsebenen sind die Parteien auch eine der wenigen innerstaatlichen Mechanismen, die fähig sind, geregelte Politikgestaltung aufrecht zu erhalten. Dass die Wirtschaftsreformen in Bo- livien ein effektiveres politisches Management erfordern, ist offensichtlich. Offen- kundig sind aber auch die Möglichkeiten zur Reformierung durch die Mehrheitsre- gierung und den Prozess der verfassungsgebenden Versammlung. Dieser Prozess sieht ein formales Instrument zur Thematisierung von strukturellen Problemen und Förderung der breiten politischen Übereinstimmung zur Armutsbekämpfung vor.

Inzwischen sind es auch die politischen Parteien, die die bedeutendste Stellung im Entwicklungsprozess von Reformen einnehmen.

Folgende Themen und Maßnahmen sind für die Parteien und die pro-poor Reform relevant:

- Konstruktive Konkurrenz unter den politischen Akteuren wäre ein Anreiz für demokratische Entscheidungsprozesse und progressive Formulierungen der Richtlinien.
- Eine Vertiefung der Kommunikation innerhalb der Parteien würde zu einer Verbesserung führen, hinsichtlich sowohl der strategischen und systemati- schen Instrumente zur Identifizierung und Priorisierung verfassungsgebender Bedürfnisse als auch der Eindämmung des öffentlichen Zynismus.

[...]


[1] Evo Morales zitiert in McDonnell (2005)

[2] Vgl. WorldVision (2005), S.1f

[3] Vgl. Evo Morales Profil - ÅLand“

[4] Vgl. Evo Morales Profil - ÅLand“

[5] Vgl. Evo Morales Profil - ÅCoca“

[6] Vgl. Evo Morales Profil - ÅCoca“

[7] Vgl. National Democratic Institute, S. 12f

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Der politische Werdegang des Evo Morales
Untertitel
Schwerpunkt Südamerika: Bolivien
Hochschule
Johannes Kepler Universität Linz  (Abteilung für Politik- und Entwicklungsforschung )
Note
1,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
19
Katalognummer
V157244
ISBN (eBook)
9783640698646
ISBN (Buch)
9783640698776
Dateigröße
800 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
Evo Morales, Bolivien, Politik, Soziologie, Politische Soziologie, Südamerika, Demokratie, Gewerkschaft, Soziale Bewegung
Arbeit zitieren
Melanie Buchmayr (Autor), 2010, Der politische Werdegang des Evo Morales, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/157244

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