Der Übergang eines Schülers von der Grundschule auf eine weiterführende Schule stellt eine sehr wichtige Bildungsentscheidung für die Eltern dar. Die Entscheidung, das Kind auf eine Hauptschule, Realschule oder das Gymnasium zu schicken, stellt die Weichen für die weitere Schullaufbahn. Für den Schüler findet hier ein neuer Lebensabschnitt statt, in welchem er erstmals einer institutionellen Trennung ausgesetzt wird. Es wird sozusagen ausgesiebt, da eine Differenzierung der Leistungsniveaus stattfindet. Dies hat zur Folge, dass die meisten Eltern bestrebt sind, ihrem Kind die beste Ausbildung zu ermöglichen. Doch was verstehen die Eltern unter „bestmöglichster Ausbildung“? Bestimmt nicht vielmehr die soziale Herkunft über die Bildungsentscheidung? Hat ein Vater aus der Arbeiterschicht die gleichen Beweggründe und Voraussetzungen, sein Kind auf das Gymnasium zu schicken wie ein Vater aus der Oberschicht?
Im Folgenden werde ich auf die Frage eingehen, inwieweit elterliche Bildungsaspirationen und -entscheidungen durch Kosten-Nutzen Kalkulationen innerhalb der Familie erklärt werden können. Lassen sich Differenzen im Entscheidungsprozess zwischen Familien unterschiedlicher sozialer Herkunft nachweisen?
Anhand der „Rational-Choice Theorie“ wird versucht, die Abwägungen, die Eltern bei der Bildungsentscheidung vornehmen, deutlich zu machen. Desweiteren wird kritisch auf diese Theorie eingegangen und versucht, diese in die heutige Gesellschaft einzuordnen.
Inhaltsverzeichnis
1.Einleitung
2. Der Rational-Choice Ansatz zur Erklärung von Bildungsverhalten
2.1 Definition „Rational-Choice“
2.2 Die Anwendung der Rational-Choice Theorie im Kontext Schule
2.3 Kritik am Rational-Choice Ansatz
3. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, inwieweit der Rational-Choice-Ansatz geeignet ist, elterliche Bildungsentscheidungen und die damit verbundenen Kosten-Nutzen-Kalkulationen bei Kindern am Übergang von der Grundschule zu erklären und dabei soziale Ungleichheiten zu beleuchten.
- Rational-Choice-Theorie als Instrument der Bildungssoziologie
- Kosten-Nutzen-Abwägung bei Bildungsentscheidungen
- Einfluss sozialer Herkunft auf das Bildungsverhalten
- Kritische Reflexion der Anwendungsgrenzen des Modells
Auszug aus dem Buch
2.2 Die Anwendung der Rational-Choice Theorie im Kontext Schule
Bei dem Übergang von der Grundschule in eine weiterführende Schule sind Eltern aus den Mittel und Oberschichten bestrebt, dass deren Kinder den gleichen sozialen Status beibehalten oder einen höheren sozialen Status erreichen. Einen Statusabstieg wollen sie auf jeden Fall umgehen. Somit “sind Eltern aus den Mittel und Oberschichten bestrebt, den bereits erreichten Sozialstatus in der Generationenfolge zu erhalten und möglichst einen Statusabstieg zu vermeiden“ (vgl. Becker 2007, S.7, zit. nach Keller und Zavalloni 1964; Breen und Goldthorpe 1997; Esser 1999). Dadurch entsteht die Bereitschaft, in die Bildung der Kinder zu investieren. Diese Investition muss sich demnach auch lohnen und wird “so lange getätigt bis der Nutzen der Bildung die erwartenden Kosten übersteigt“ (Becker 2007, S.7).
Die elterliche Bildungsmotivation besteht also aus den Beträgen für Bildungsrenditen (Einkommen und Erhalt des Status), sowie die Erwartung, diese zu realisieren. Umso höher die Wahrscheinlichkeit eines Statusverlustes ist, desto stärker ist die Bildungsmotivation.
Das Investitionsrisiko ist die schulische Leistung des Kindes, die in Relation zu den erwarteten Bildungskosten steht (Becker 2007, S.8, zit. nach Esser). Je höher das Investitionsrisiko, desto unwahrscheinlicher ist der Bildungserfolg. Mit steigendem Status nimmt das Investitionsrisiko ab, da Eltern aus der Oberschicht viel in die Ausbildung ihrer Kinder investieren wollen und können. Ein gutes Einkommen der Eltern bewirkt, dass mehr Geld für Nachhilfe oder bessere Bildung ausgegeben wird, indem man sein Kind zum Beispiel auf die Privatschule schickt. Auch die Bildung der Eltern spielt eine wichtige Rolle. Bei höherer Bildung steigt auch die Erwartung, dass das Kind die Schule erfolgreich absolvieren wird. Durch die hohen Erfolgserwartungen sinkt auch das Investitionsrisiko (vgl. Szydlik, S.85).
Zusammenfassung der Kapitel
1.Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Thematik des Schulwechsels nach der Grundschule ein und stellt die zentrale Forschungsfrage nach der Relevanz sozialer Herkunft bei elterlichen Bildungsentscheidungen.
2. Der Rational-Choice Ansatz zur Erklärung von Bildungsverhalten: Hier werden die theoretischen Grundlagen der Rational-Choice-Theorie sowie ihre Übertragbarkeit auf schulische Entscheidungsprozesse dargelegt.
2.1 Definition „Rational-Choice“: Dieser Abschnitt definiert das Grundprinzip der Nutzenmaximierung sowie die mikro- und makrotheoretischen Ebenen des Handlungsmodells.
2.2 Die Anwendung der Rational-Choice Theorie im Kontext Schule: Hier wird analysiert, wie Investitionsrisiken und Bildungsmotivation in Abhängigkeit vom sozialen Status der Eltern Bildungsentscheidungen beeinflussen.
2.3 Kritik am Rational-Choice Ansatz: Dieser Teil beleuchtet die Grenzen des Modells, insbesondere hinsichtlich regionaler Unterschiede, dem Mitspracherecht der Kinder und nicht-rationaler Entscheidungsmuster.
3. Schluss: Das Fazit fasst die theoretischen Erkenntnisse zusammen und betont die Notwendigkeit einer erweiterten Sichtweise, die über die reine Kosten-Nutzen-Analyse hinausgeht.
Schlüsselwörter
Rational-Choice-Theorie, Bildungsentscheidung, Bildungsverhalten, Nutzenmaximierung, Kosten-Nutzen-Analyse, Bildungsungleichheit, Soziale Herkunft, Investitionsrisiko, Bildungsmotivation, Schullaufbahn, Statusabstieg, Bildungsrendite, Sozialer Kontext, Schulübergang, Bildungssystem
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das elterliche Entscheidungsverhalten bei der Wahl einer weiterführenden Schule für ihre Kinder unter Anwendung des Rational-Choice-Ansatzes.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind Bildungsgerechtigkeit, die ökonomische Logik von Bildungsentscheidungen in Abhängigkeit von der sozialen Schicht und die kritische Auseinandersetzung mit der Nutzenmaximierung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, inwieweit Bildungsaspirationen durch Kosten-Nutzen-Kalkulationen erklärt werden können und ob diese das Fortbestehen sozialer Ungleichheiten begründen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Analyse, die auf soziologischen Fachliteraturquellen basiert, um das Rational-Choice-Modell auf das reale Bildungsverhalten anzuwenden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung des Rational-Choice-Ansatzes, dessen konkrete Anwendung auf den Übergang von der Grundschule zur weiterführenden Schule und eine kritische Gegenüberstellung.
Welche Schlüsselbegriffe prägen die Analyse?
Wichtige Begriffe sind Investitionsrisiko, soziale Herkunft, Nutzenmaximierung und Bildungsmotivation.
Wie beeinflusst der soziale Status der Eltern die Entscheidung laut der Theorie?
Eltern aus höheren Schichten neigen dazu, Risiken durch Investitionen in Nachhilfe oder bessere Bildungswege zu minimieren, um einen Statusabstieg ihrer Kinder zu verhindern.
Welche Grenzen des Rational-Choice-Modells nennt der Autor?
Der Autor kritisiert, dass das Modell das Mitspracherecht der Kinder, regionale Unterschiede im Bildungsangebot und emotionale oder soziale Faktoren jenseits der reinen Kalkulation vernachlässigt.
- Citation du texte
- Christin P. (Auteur), 2009, Der Rational-Choice-Ansatz zur Erklärung von Bildungsverhalten, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/157300