Verlage in der SBZ am Beispiel des Aufbau Verlages 1945-1949


Hausarbeit, 2009
15 Seiten, Note: 2,7

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Ausgangslage für die Verlage der sowjetischen Besatzungszone
2.1 Wirtschaftliche Lage
2.2 Politische Lage
2.3 Produktionstechnische Lage

3. Typische Verlage 1945 - 1949
3.1 Neuer Weg
3.2 Volk und Wissen
3.3 Private Verlage

4. Aufbau Verlag
4.1 Verlagsgründung
4.2 Gründungsmitglieder
4.4 Wirtschaftliche Situation
4.5 Programmkatalog

5. Zusammenfassung

1. Einleitung

Die Nachkriegsjahre von 1945 bis 1949 waren nicht nur für die deutsche Bevölkerung von einschneidender Bedeutung, auch das Verlagswesen hat in diesen Jahren prägende Umstrukturierungen erfahren. Zwar sollen die Faktoren die diese Änderungen herbeiführten nicht Thema dieser Hausarbeit sein, doch sehr wohl deren Auswirkungen auf das sich neu entwickelnde Verlagswesen.

Was sind das für Auswirkungen? Wieso prägten sie die Verlage auch über die Besatzungszeit hinaus? Warum wurde der Aufbau Verlag als Beispiel für das Verlagswesen in der SBZ gewählt? Diese drei Fragen sollen im weiteren Verlauf dieser Arbeit erläutert und beantwortet werden.

Bevor näher auf das Musterbeispiel Aufbau Verlag eingegangen werden kann, ist es nötig, die Ausgangslage der bestehenden Verlage, beziehungsweise der neu zu gründenden Häuser näher zu beschreiben. Nachdem die wirtschaftliche und politische Lage geklärt wurde, können einzelne typische Verlage kurz erwähnt werden, die neben dem Aufbau exemplarisch für die Verlagsjahre 1945 bis 1949 stehen.

Mit diesem politischen und wirtschaftlichen Vorwissen über den Zustand des Buchwesens in der sowjetischen Besatzungszone kann dann anschließend das Beispiel des Aufbau Verlages heran gezogen werden. Die Verlagsgründung mit ihren Gründungsmitgliedern ist dabei ebenso Thema wie die wirtschaftliche Situation des Verlagshauses und des eng damit verwobenen Programmkataloges.

Die Zusammenfassung am Ende dieser Hausarbeit wird sich vorrangig damit beschäftigen, in wie weit der Aufbau Verlag tatsächlich als Musterbeispiel für das Verlagswesen in der sowjetischen Besatzungszone einstehen kann und beinhaltet einen kurzen Überblick über die im Hauptteil behandelten Schwerpunkte.

Ausgangslage für die Verlage der sowjetischen Besatzungszone Ebenso wie in den westlichen Besatzungszonen kam es auch in der Sowjetischen Besatzungszone zu umfassenden Säuberungen, deren Folgen für das Buchwesen der besetzten Zone gleichsam zahlreich wie auch schwerwiegend gewesen sind.[1]

So wurden bereits kurz nach Kriegsende im Sommer 1945 allein in Leipzig etwa 2 Millionen Bücher konfisziert. Durch diese umfassende Säuberungsaktion seitens der sowjetischen Militäradministration in Deutschland sollten die Bücherbestände der Zeit von 1933-1945, die von militaristischer und faschistischer Literatur geprägt waren, nun ausfindig gemacht und sichergestellt werden. Die Gründlichkeit der SMAD bei der Sicherstellung der Bände zeigt sich in den erstellten Aussonderungs-Listen der Deutschen Bücherei die bis 1953 ganze 50.000 Titel umfassten[2], die für die SMAD als Grundlage für deren Säuberung des Büchermarktes diente.

Durch derartige Aktionen kam es zu einem erheblichen Bücherschwund in der Sowjetischen Besatzungszone, der nur schwer behoben werden konnte. Einerseits sorgten die Reparationszahlungen, durch beispielsweise Beschlagnahmung von Devisenbeständen oder die Demontage einzelner Fabriken, darunter auch Druckereien in der besetzten Zone, für die schwierige Ausgangslage der deutschen Verlage. Andererseits ist der generelle Zustand des Druckereiwesens und der Rohstoffmangel nach dem 2. Weltkrieg in Deutschland alles andere als zweckdienlich für einen raschen Aufbau einer neuen Verlagslandschaft nach dem Krieg gewesen. So sind in Leipzig rund drei Viertel der branchentypischen Fabriken samt der benötigten Produktionsmittel durch Kriegshandlungen zerstört worden. Zwar war in Berlin die Lage durch brach liegende Druckereikapazitäten etwas glücklicher, doch um den Schwund an Büchern auszugleichen, reichten früher oder später auch diese Kapazitäten nicht mehr aus[3]. Unter diesen Bedingungen war es teilweise nicht möglich bereits fertige Manuskripte zu drucken: „Das Fortwursteln mit Versprechungen, die nicht eingehalten werden, mit Zusagen, die verspätet und nur zum Teil erfüllt werden, mit Hoffnungen, die nicht verwirklicht werden, führen zu einem Ersticken der Arbeit [...]. Für die Buchproduktion wurde dem Verlag im zweiten Vierteljahr 1947 kein Kontingent erteilt. Die Verlagsproduktion ist dadurch zum Stillstand gekommen. Zuweisungen von Einbandmaterial erfolgen nur tropfenweise. Das Buch Wie der Stahl gehärtet wurde von Nikolaus Ostrowski kann nicht fertiggestellt werden, da das Einbandmaterial fehlt. Das gleiche gilt für andere Schriften [...]. Die Briefe, in denen die Organisationen der FDJ und die Jugendfreunde aus allen Zonen nach unseren Zeitungen und nach unserer Literatur schreien, überfluten uns“[4], so ein Sprecher des FDJ Verlags Neues Leben.

Neben den wirtschaftlichen und strukturellen Bedingungen im Nachkriegsjahr 1945 sorgten auch die politischen Einschränkungen durch die SMAD für komplizierte Rahmenbedingungen, um die deutsche Bevölkerung mit neuen Büchern zu versorgen. So verordnete die sowjetische Militäradministration mit dem Befehl Nr.19, dass sich ab dem 02. August 1945 neben den Druckereien auch die Verlage registrieren lassen mussten. Dieser Schritt der SMAD ist das erste Anzeichen darauf, dass zukünftig vor allem durch das Verlagswesen, nicht aber durch den Buchhandel die Umerziehung, also Demokratisierung, Entnazifierung und Demilitarisierung der deutschen Bevölkerung, erfolgen sollte. Neben der Lizensierungspolitik übte die SMAD mithilfe der Deutschen Verwaltung für Volksbildung durch Zensur der Druckerzeugnisse eine weitere Form der Kontrolle aus, die später prägend für die Verlagslandschaft in der SBZ und späteren DDR werden sollte. Prägend vor allem deshalb, weil der später führende Verlagsleiter Fritz Schälike des Dietz Verlags und der 1946 ins Amt kommende Leiter des Aufbau Verlags Erich Wendt beim russischen Emigranten Verlag VEGAAR ihre verlegerischen Spuren verdienten. Dieser Verlag brachte viele Exilautoren durch seine „stalinistischen Begutachtungsritualien“[5] in der Sowjetunion an den Rand der Verzweiflung. So schrieb Willi Bredel in den Exiljahren seinem Schriftstellerkollegen Wieland Herzfelde er könne „heulen vor Wut“, wenn er sehe wie seine Manuskripte beim VEGAAR Verlag „durchgehechelt“ würden[6].

Typische Verlage 1945-1949

Doch die sowjetischen Besatzer hatten nicht erst mit dem Eintreffen in Deutschland 1945 damit begonnen, Überlegungen über die zukünftige Verlagswelt in der besetzten Zone anzustellen. Mithilfe von deutschen Emigranten in der Sowjetunion, darunter Schriftsteller und Politiker mit kommunistischer Gesinnung, begann die Rote Armee bereits in den Kriegsjahren des 2. Weltkrieges mit einem verlagspolitischen Konzept[7]. So erstellte Walter Ulbricht im Jahr 1944 einen Katalog von 75 Titeln, die nach Kriegsende in Deutschland gedruckt und veröffentlicht werden sollten[8]. Auch Johannes R. Becher, der spätere spiritus rector des Aufbau Verlages, nutzte die Zeit in der Emigration für ein verlagspolitisches Konzept, das zwar nicht vollständig umgesetzt werden konnte, aber dennoch als Leitmedium für die Verlagsgründung des Dietz Verlages, des Aufbau Verlages und des Volk und Wissen Verlages sehr hilfreich werden sollte.

Die Schriftenreihe, die von Walter Ulbricht zusammengestellt wurde, konnte zwar aufgrund von Rohstoffmangel nicht komplett umgesetzt werden, doch nach der Streichung einzelner Titel lagen immer noch zahlreiche druckreife Manuskripte vor, welche kurz nach Kriegsende als erster Produktionsplan dem Verlag Neuer Weg vorgelegt werden konnten. Der Neue Weg wurde als KPD Parteiverlag gegründet und beschäftigte sich anfänglich mit verschiedenen Schriften der Kommunistischen Partei und Werbebroschüren, aber auch so genannte Bauern- und Taschenkalender oder Bilder von Arbeiterführern wurden gedruckt. Diese Druckerzeugnisse waren die ersten Printsachen, die im Nachkriegsdeutschland in der sowjetischen Zone publiziert wurden, nachdem zuvor die SMAD jegliche Produktion von Büchern und ähnlichem verboten hatte. Im Jahr 1946 ging der „Neuer Weg“ zusammen mit dem SPD nahen Vorwärts Verlag in den Dietz Verlag über, der zwar vorerst als J. H. W. Dietz Nachf. GmbH gegründet wurde, aber aufgrund von rechtlichen Hintergründen im Jahr 1947 als neuer Verlag mit dem Namen Dietz Verlag unter Karl Dietz neugegründet wurde. Dietz etablierte sich später als einer der größten Verlage in der DDR unter Führung der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands.

Nach wie vor waren alle Bemühungen der SMAD um die Verlagswelt der Umerziehung der deutschen Bevölkerung geschuldet. So ist es verständlich das die Erziehung und Umerziehung der Kinder und Jugend an priorisierter Stelle stand. Mit der Gründung von Volk und Wissen im Jahr 1945 begann sich der Schulbuchverlag zu dem größten Verlagshaus der SBZ und späteren DDR zu entwickeln. So ist es nicht verwunderlich, dass bis 1947 ganze 15 Millionen Bücher zur Herstellung vorgesehen waren und bis 1949 der Volk und Wissen Verlag die Hälfte aller Bücher in der gesamten SBZ druckte. Traditionsreichere Schulbuchverlage wie Teubner waren zwar immer noch aktiv, wurden aber aufgrund verschiedener Faktoren in die Rolle der Lektoren gedrängt[9].

Volk und Wissen, Dietz und Aufbau stehen stellvertretend für viele Verlage in der SBZ respektive der DDR. Alle drei waren entweder parteieigen oder standen unter der Kontrolle verschiedener Massenorganisationen.

[...]


[1] Vgl. Lokatis, Siegfried (1997), S.112

[2] Steigers, Ute (1991), S.236-256

[3] Vgl. Wurm, Carsten (1995), S.12

[4] Verlag Neues Leben an Paul Verner (11.6.1947). BA DY 30 IV 2/16/106

[5] Vgl. Lokatis, Siegfried (1997), S.113

[6] Zitate in: Pike, David (1981), S.315-318

[7] Vgl. Lokatis, Siegfried (1997), S.113

[8] Lokatis, Siegfried (1997), S.113

[9] Ebd. S.113

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Verlage in der SBZ am Beispiel des Aufbau Verlages 1945-1949
Hochschule
Universität Leipzig  (Kommunikations- und Medienwisschenschaft)
Note
2,7
Autor
Jahr
2009
Seiten
15
Katalognummer
V157318
ISBN (eBook)
9783640694303
ISBN (Buch)
9783640695317
Dateigröße
597 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Verlage, Beispiel, Aufbau, Verlages
Arbeit zitieren
Christian Wetzel (Autor), 2009, Verlage in der SBZ am Beispiel des Aufbau Verlages 1945-1949, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/157318

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