Bilinguismus und Multilinguismus - Ein Überblick


Seminararbeit, 2010

15 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definition und Abgrenzung: Multilinguismus – Bilinguismus
2.1 Definitionen des Bilinguismus
2.1.1 Der individuelle Bilinguismus
2.1.2 Der kollektive Bilinguismus

3. Erstsprache und Zweitsprache
3.1 Unterscheidung zwischen Erstsprache, Zweitsprache und Muttersprache
3.2 Die Erstsprache und ihre Bedeutung
3.3 Strategien des Zweitsprachenerwerbs
3.4 Die Arten des Zweitsprachenerwerbs
3.5 Auswirkungen der Zweisprachigkeit
3.5.1 Das Code Switching
3.5.2 Die Sprachmischung
3.5.3 Die Sprachverweigerung
3.5.4 Die Sprachinterferenz
3.6 Negative und positive Aspekte von Zweisprachigkeit
3.6.1 Studien vor 1960
3.6.2 Studien nach 1960
3.7 Vorteile und Nachteile der Zweisprachigkeit

4. Zusammenfassung

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In der deutschen Sprachwissenschaft wurde der Bilinguismus und der Multi-linguismus lange nicht beachtet. Die Psychologie und auch die Pädagogik verurteilten die individuelle Zweisprachigkeit als schädlich für die Persönlichkeits-entwicklung und Charakterbildung.

Der Sozialforscher Izhac Epstein nannte sie 1915: “plaie sociale, soziale Wunde“ (Epstein 1915, S. 210). Erst am Anfang des 20. Jahrhunderts begann man sich mit dem Thema näher auseinander zu setzen.

Man zweifelte sowohl an der Ausdrucksfähigkeit der Sprecher in den jeweiligen Sprachen, als auch an der Intelligenz der Betroffenen. Man war der Meinung, sie verlangsame das Denken und habe einen negativen Einfluss auf die Entwicklung. Es wurde sogar von einem gespaltenen Bewusstsein, einer Schizophrenie bilingualer Sprecher ausgegangen

(vgl. Kremnitz, 1994).

Erst ab den 60er Jahren wurde die bilinguale Erziehung, aufgrund zahlreicher Untersuchungen, in einigen Aspekten als vorteilhaft angesehen. Es trat nun ein größeres Bewusstsein für Sprachunterschiede, mehr Motivation und Lernfähigkeit, interkulturelle Kompetenz, ein besseres Kulturverständnis und sogar höhere Intelligenz als positive Aspekte des Bi- und Multilinguismus in den Vordergrund. Einer der ersten Vertreter dieser Auffassung war der kanadische Universitäts-professor Wallace E. Lambert. In vergleichenden Untersuchungen zur Intelligenz von Bi-und Monolingualen in Kanada kam Lambert zu positiven Ergebnissen zugunsten von Zweisprachigkeit.

Heutzutage ist anerkannt, dass Zweisprachigkeit oder Mehrsprachigkeit zahlreiche Vorteile für die Menschen mitbringt, die sie beherrschen. Trotz vieler Vorteile haben diese Menschen aber auch mit zahlreichen Schwierigkeiten zu kämpfen und sehen sich enormen Herausforderungen gegenüber.

Ich möchte zunächst eine Definition und damit gleichzeitig eine Abgrenzung der Begriffe „Bilinguismus“ und „Multilinguismus“ geben. Danach möchte ich mich intensiver auf die verschiedenen Varianten des Bilinguismus konzentrieren, um mich in das Thema einzuarbeiten und mich mit der Thematik vertraut zu machen. Insgesamt ist es mein Ziel einen kurzen Überblick über das Thema Bilinguismus zu geben.

2. Definition und Abgrenzung:
Multilinguismus – Bilinguismus

Multilinguismus (lat. Multi-, viel; lingua, Sprache) bedeutet die „Koexistenz von mehr als zwei Sprachen in einer als Staat organisierten Gesellschaft“ (Handbuch der Linguistik 1975, S.284). In multilingualen Gesellschaften wie zum Beispiel in Indien, arabischen Länder oder auch afrikanischen Entwicklungsstaaten trifft man auf das „Problem der Erhebung einer Sprache zum offiziellen (nationalen) Standard und damit die Notwendigkeit der Sprachplanung“(ebd.). Zur Lösung dieses Problems wird eine soziolinguistische Typologie der Sprachen in einer multilingualen Sprachsituation vorgenommen, die folgendermaßen verläuft:

1. nach dem Grad ihrer Standardisierung
2. nach dem Grad ihrer Autonomie
3. nach ihrer Sprachtradition (Historizität)
4. nach ihrer Vitalität (als gesprochene Sprache) (vgl.ebd.).

Aufgrund der Kombination dieser Sprachmerkmale kann man dann ableiten, ob es sich um „eine Standardsprache, einen Dialekt, eine kreolische oder eine Pidgin-Sprache handelt“(ebd.). Weiterhin sind die Sprachtypen nach ihren Gebrauchsfunktionen zu differenzieren: offiziell vs. provinziell, weiter vs. enger Kommunikationsradius, literarisch verankert vs. nicht literarisch benutzt etc. (vgl. ebd.).

Bilinguismus oder auch Bilingualismus wird bezeichnet als „die Praxis von Sprechern, zwei Sprachen abwechselnd zu benutzen, oder die durch historische, sozioökonomische und kulturelle Faktoren bedingte Kontaktsituation zweier koexistierender Sprachen“ (Handbuch der Linguistik 1975, S.67).

Eine typische den Bilingualismus fördernde Sprachkontaktsituationen kann man in der Schweiz finden. Dort wird französisch, schweizerdeutsch, italienisch, rätoromanisch gesprochen (vgl.ebd.). Außerdem wird zum Beispiel in Deutschland und in den USA im Zusammenhang mit sozioökonomischer Bedingungen die Entstehung von Bilingualismus durch Immigrantenbewegungen vorangetrieben (vgl.ebd.). Es gibt keine geschlossene Theorie des Bilingualismus (vgl.ebd.). Dennoch kann man zusammenfassend sagen, dass sich die Bilinguismusforschung mit drei Problemen befasst:

1. in welchem Grade Sprecher bilingual sind, d.h. mit welcher Fertigkeit sie zwei Sprachen sprechen;
2. in welchen Funktionen sie beide Sprachen benutzen, d.h. zu welchen Anlässen sie die eine bzw. andere Sprache gebrauchen;
3. unter welchen Bedingungen Bilinguale über zwei Sprachen unabhängig voneinander, d.h. als getrennt benutzte Systeme, verfügen (sprachunabhängiger Bilingualer) oder die Zweitsprache auf der Basis des Systems der Erstsprache verwenden (sprachinterdependenter Bilingualer) (vgl.ebd.).

Ausgehend von dem Forschungsinteresse an den Auswirkungen bilingualer Erziehung auf die intellektuelle Entwicklung, untersuchte die Psychologie den Grad der Bilingualität von Sprechern mit dem Ziel, mittels Messungen reiner Sprachfertigkeit auf die Dominanz einer Sprache gegenüber der anderen bzw. auf die Ausgewogenheit in der Beherrschung zweier Sprachen zu schließen (vgl. Handbuch der Linguistik 1975, S.68).

In der Fachliteratur wird meist nicht zwischen Bilinguismus und Multilinguismus in seiner Bedeutung als Mehrsprachigkeit unterschieden.

2.1 Definitionen des Bilinguismus

Generell bezeichnet der Begriff „Bilinguismus“ den regelmäßigen Gebrauch von zwei Sprachen. Hierbei lassen sich zunächst zwei Hauptformen unterscheiden, den individuellen und kollektiven Bilinguismus (Kremnitz, 1994). Auf diese beiden Formen werde ich im Folgenden noch näher eingehen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Bilinguismus und Multilinguismus - Ein Überblick
Hochschule
Universität Bielefeld
Veranstaltung
Bi- und Multilinguismus
Note
1,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
15
Katalognummer
V157330
ISBN (eBook)
9783640696659
ISBN (Buch)
9783640696215
Dateigröße
440 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bilinguismus Multilinguismus
Arbeit zitieren
Annika Friese (Autor:in), 2010, Bilinguismus und Multilinguismus - Ein Überblick, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/157330

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