Bei dem Friedensbündnis, das Augustus 20 v. Chr. mit den Parthern schloss, erreichte er auch die Rückgabe der zuvor bei Carrhae verloren gegangenen Feldzeichen. Der Princeps wusste, wie auch schon zuvor bei diversen anderen Ereignissen, diesen Sieg möglichst vorteilhaft der römischen Öffentlichkeit zu präsentieren, um seinen nach dem Bürgerkrieg noch nicht ganz sicheren Stand als de facto Alleinherrscher weiter zu sichern. Er nutzte dabei alle verfügbaren Medien der damaligen Zeit und so finden sich Zeugnisse dieses Ereignisses in der antiken Geschichtsschreibung, Dichtung, Kunst und auf Münzen. Im Rahmen dieser Arbeit soll kritisch untersucht werden, wie dieser Sieg dargestellt wurde, welche Intentionen Augustus damit verfolgte und inwiefern die überlieferten Quellen dazu wohl der Wahrheit entsprechen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Quellenanalyse
3 Das Geschehen bis zur Rückgewinnung der Feldzeichen
4 Die Darstellung der Ereignisse
4.1 Im Handeln des Augustus
4.2 In der Geschichtsschreibung
4.3 In der Dichtung
4.4 In der Kunst
4.5 Auf Münzen
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die mediale Inszenierung der Rückgabe der bei Carrhae verlorenen römischen Feldzeichen durch Augustus. Ziel ist es, kritisch zu hinterfragen, wie dieser vorwiegend diplomatische Erfolg propagandistisch in ein militärisches Ereignis von historischem Ausmaß umgedeutet wurde, um die Autorität des Princeps zu festigen.
- Analyse der Darstellung in den antiken Res Gestae
- Untersuchung literarischer Zeugnisse bei Horaz, Ovid und Properz
- Interpretation der bildlichen Darstellung auf der Augustusstatue von Primaporta
- Auswertung numismatischer Belege zur politischen Außenkommunikation
Auszug aus dem Buch
4.4 In der Kunst
In der Kunst sticht besonders die Augustusstatue von Primaporta hervor. Zwar ist die Rückgabe der Feldzeichen auch auf einigen Silberbechern und Ringen zu finden, aber nirgends so prägnant wie auf der Panzerstatue.
Augustus steht in einer Kontrapost-Haltung, wobei sein rechtes Bein durchgestreckt und das Linke leicht gebeugt ist. Mit seiner erhobenen rechten Hand scheint er eine militärische Ansprache zu halten, es könnte aber auch sein, dass er ursprünglich die Feldzeichen gehalten hatte. In der Linken hält er eine Lanze. Sein Gesichtsausdruck wirkt ruhig und konzentriert, mit einer idealisierten, fast göttlichen Anmutung, was auch durch das Fehlen irdischen Schuhwerks verstärkt wird. Augustus trägt einen kunstvoll gearbeiteten Brustpanzer, der reich mit symbolischen Darstellungen verziert ist. Zentral auf dem Panzer ist vermutlich der Partherkönig Phraates darsgestellt, der die Feldzeichen an einen militärisch gekleideten Vertreter Roms übergibt. Es könnte sich dabei um Mars handeln, da auch ein Wolf, das heilige Tier des Gottes, in der Komposition auftaucht. Links und rechts davon sitzen zwei trauernde weibliche Gestalten, die als Personifikation der von Rom unterworfenen Völker verstanden werden können. Unterhalb ist die Erdgötting abgebildet, oberhalb die Gestirnsgottheiten Apollo, Diana, Caelus, Luna und Sol. Dies gibt der Feldzeichenübergabe eine kosmische Dimension und soll wie schon in den lyrischen Darstellungen den Beginn des “goldenen Zeitalters“ markieren.
Unter den Füßen des Augustus befindet sich ein kleiner Eros, der auf einem Delphin reitet – ein Symbol für die Verbindung von Augustus mit Venus und damit Zeugnis seiner göttlichen Abstammung.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung steckt den Rahmen der Arbeit ab und erläutert die Bedeutung der Feldzeichenrückgabe als Mittel zur Herrschaftslegitimation unter Augustus.
2 Quellenanalyse: Dieses Kapitel stellt die primären Quellengattungen vor, darunter die Res Gestae, historiographische Werke sowie archäologische und numismatische Funde.
3 Das Geschehen bis zur Rückgewinnung der Feldzeichen: Es erfolgt eine historische Einordnung der Ereignisse von der Niederlage bei Carrhae im Jahr 53 v. Chr. bis zur diplomatischen Einigung im Jahr 20 v. Chr.
4 Die Darstellung der Ereignisse: Dies ist das Hauptkapitel, welches differenziert untersucht, wie Augustus in Handlungen, Literatur, Kunst und Münzprägung als glorreiche Figur und Wiederhersteller römischen Stolzes inszeniert wird.
5 Fazit: Das Fazit synthetisiert die Ergebnisse und konstatiert eine einheitliche, teils irreführende Inszenierung des diplomatischen Erfolgs als militärischen Triumph, die Augustus' eigene Version der Geschichte widerspiegelt.
Schlüsselwörter
Augustus, Feldzeichen, Carrhae, Parther, Res Gestae, Propaganda, Prinzipat, Repräsentation, Münzprägung, Primaporta, Pax Augusta, Herrschaftslegitimation, Diplomatie, Antike, Mars Ultor
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die verschiedenen Medien – wie Geschichtsschreibung, Dichtung, Kunst und Münzprägung –, die Augustus nutzte, um die Rückgabe der bei Carrhae verlorenen Feldzeichen der Öffentlichkeit als großen, machtvollen Erfolg zu präsentieren.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Felder sind die historische Kontextualisierung des Partherfriedens, die Analyse der augusteischen Selbstdarstellung und die Untersuchung der Abhängigkeit antiker Quellen vom politischen Druck des Herrschers.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es zu untersuchen, wie Augustus' Herrschaft durch die geschickte mediale Aufbereitung eines diplomatischen Friedensschlusses, der als militärischer Sieg ausgegeben wurde, legitimiert und gefestigt wurde.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?
Die Arbeit folgt einem geschichtswissenschaftlichen Ansatz, bei dem verschiedene literarische und materielle Quellenquellen analysiert, gegenübergestellt und in ihrem historischen Kontext bewertet werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden die einzelnen Medien (Handeln, Geschichtsschreibung, Dichtung, Kunst, Münzen) explizit untersucht, um die Konsistenz und die intendierte Botschaft der augusteischen Inszenierung aufzuzeigen.
Welche Schlagworte charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Augustus, Feldzeichen, Carrhae, Propaganda, Prinzipat und mediale Inszenierung.
Welche Rolle spielt die Augustusstatue von Primaporta im Kontext der Feldzeichen?
Die Statue spielt eine zentrale Rolle, da ihr Brustpanzer eine detaillierte bildliche Darstellung der Kapitulation der Parther enthält, die dem Ereignis eine fast kosmische, göttlich legitimierte Bedeutung verleiht.
Wie unterscheidet sich die Darstellung bei Pompeius Trogus von der bei Augustus?
Während Augustus die eigene Überlegenheit absolut darstellt, zeichnet Pompeius Trogus bei Iustinus ein etwas neutraleres Bild, welches die Parther durchaus als ebenbürtige Großmacht anerkennt.
- Arbeit zitieren
- Sebastian Dölle (Autor:in), 2024, Signis Receptis. Die Rückgabe der bei Carrhae verlorenen Feldzeichen und ihre Darstellungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1573344