Islam in Afrika, Deutsche Propaganda und die Rolle des Islam in Deutschen Kolonien in Ostafrika


Hausarbeit, 2010
15 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Die Beziehung zwischen deutschen Kolonialherren und Einheimischen vor dem Kriegsausbruch in den Kolonien und die Rolle des Islam

3. Kriegsausbruch, die Notwendigkeit der Askaris und der Aufruf zum Heiligen Krieg

4.Deutsche Kolonialherrschafft, dessen Propaganda und die Bedeutung für den Islam

5. Schluss

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Der erste Weltkrieg ist wie kaum ein anderes historisches Ereignis in der Erinnerung der Menschen gegenwärtig. Für die Franzosen ist er noch heute „la Grande Guerre“, für die Briten und Amerikaner stets „the Great War“ und selbst in Deutschland und Österreich war er lange Zeit der Große Krieg. (…) Doch der Krieg ist nicht mit den Generationen, die ihn ausgetragen und erlitten haben, dahingegangen. Er war und bleibt das prägende Ereignis des 20. Jahrhunderts.“[1] „In Afrika gerieten die deutschen Kolonien bereits kurz nach Kriegsbeginn in den Strudel des Krieges, wenn auch vielerorts nur für wenige Wochen oder Monate. Nur in Deutsch-Ostafrika, heute das Gebiet dreier afrikanischer Staaten (…) wurde der Krieg mit bis dahin in Afrika nicht gesehener Härte und Aufwand an Mensch und Material geführt. (…) Für die Afrikaner, die in diesem Krieg gekämpft und unter ihm gelitten hatten, waren Krieg und Nachkriegszeit Zeiten der Desillusionierung und Neubewertung des europäischen Kolonialismus. Ähnlich wie in Europa war der Krieg Auslöser einer Moderne. (…) Sie war genauso christlich geprägt, wie sie muslimisch oder von lokalen Religionen beeinflusst war.“[2] „Noch nie zuvor waren die Deutschen auf die Kooperation der Afrikaner so angewiesen (…). Fast alles, was für den Krieg benötigt wurde, musste in der Kolonie hergestellt werden. Neue Soldaten mussten rekrutiert, ausgebildet und verpflegt, eine offensive militärische Infrastruktur geschaffen werden. Wollten die Deutschen diesen Krieg führen, so mussten sie erst einen anderen Krieg gewinnen, den um die Herzen und Gedanken der Afrikaner. Eingedenk der blutigen Geschichte der deutschen Kolonialherschafft war dies ein schwieriges Unterfangen. In diesem Moment tauchte die Idee vom Heiligen Krieg auf. (…) Bereits 1914 hatte der Generalstab in Berlin Pläne entworfen, den Vormarsch der mit dem Reich verbündeten Türken auf den Suezkanal durch Sabotageakte deutscher Agenten und antibritische und antifranzösische Propaganda zu unterstützen. In Afrika konnte eine solche Propaganda durchaus auf fruchtbaren Boden fallen, schließlich war es hier immer wieder zu Aufständen gegen die europäischen Kolonialherren gekommen (…).“[3] Ziel dieser hier vorliegenden Hausarbeit soll es sein, darzustellen, auf welche Art und Weise Propaganda seitens der deutschen Kolonialherren eingesetzt wurde und vor allen Dingen, welche Rolle der Islam in diesem Zusammenhang spielte. So soll zu Beginn dieser Hausarbeit die Beziehung zwischen den deutschen Kolonialherren und den Einheimischen vor dem Kriegsausbruch in den Kolonien untersucht werden. Besonderes Augenmerk soll hier auf die Rolle des Islam gelegt werden. Anschließend wird der Kriegsausbruch in den Kolonien thematisiert, die aufkommende Notwendigkeit der Askaris wird untersucht und der damit zusammenhängende Vormarsch des Islam in deutschen Kolonien. Im weiteren Verlauf werden die Kolonialherschafft und dessen Propaganda näher untersucht. Welche Bedeutung kann in diesem Zusammenhang dem Islam zugesprochen werden? Der Schluss dieser Hausarbeit soll einer kurzen Zusammenfassung der hier gewonnenen Ergebnisse dienen, darüber hinaus soll er aber auch Raum für einen Ausblick bereit halten.

2. Die Beziehung zwischen deutschen Kolonialherren und Einheimischen vor dem Kriegsausbruch in den Kolonien und die Rolle des Islam

„Vom ersten Tag ihrer Herrschafft an hatten die Deutschen die gebildeten Schichten der Küstenstädte in die Verwaltung geholt.“[4] Der Grund hierfür war, dass jene gebildeten Schichten die Fähigkeit der Schriftlichkeit besaßen. So wurden Dienste wie die des Zöllners, eines Gerichtsdieners oder eines Regierungsschreibers oftmals von Einheimischen erledigt. Sicherlich, jene Einheimische waren nun im Dienste des kolonialen Staates, ihm gegenüber auch verpflichtet, den christlichen Glauben aber nahmen sie nicht an und auch die „europäische Kultur“ wurde eben so wenig verkündet.[5] Dieses Phänomen aber führte innerhalb der Deutschen Kolonialregierung, wie aber auch in Deutschland selbst, zu heftigen Diskussionen und Auseinandersetzungen. Vor allen Dingen christliche Missionare heizten die Diskussionen an und gingen nicht konform mit der Auffassung der kolonialen Regierung, man sei auf die islamischen Mitarbeiter in den Kolonien selbst angewiesen, man dulde den Islam also auch („(…) tat daher wenig, um den wachsenden Einfluss des Islam einzudämmen“[6] ), ganz im Gegenteil: „In vielen Regionen der Kolonie, dort, wo die Muslime die Mehrheit der Bevölkerung stellten, war den Missionen die Missionierung und der Bau von Schulen verboten. Stattdessen richtete das Gouvernement dort oft Regierungsschulen ein, in der viele Muslime unterrichteten.“[7] Diese Auseinandersetzungen innerhalb der deutschen Regierung führten schließlich so weit, dass auf der im Jahre 1910 ausgerichteten Konferenz vom Deutschen Kolonialbund hauptsächlich das Thema des wachsenden Einflusses des Islam behandelt wurde.[8] „In apokalyptischen Farben malten die Missionare eine muslimische Bedrohung für die deutsche Kolonialherrschafft. Doch trotz aller Absichtserklärungen und Proklamationen änderte sich wenig an der Politik des Gouvernements.“[9] „Das Verhältnis zwischen Mission und Kolonialverwaltung war in jenen Jahren nicht sehr gut und es scheint sich oftmals mit der wachsenden Distanz der Verwaltung zu Berlin verschärft zu haben.“[10] „Bis zum Ende der deutschen Kolonialherrschafft prägte die Dominanz von Muslimen in Verwaltung und Militär zu einem Gutteil den kolonialen Staat.“[11] Hinzu kamen „muslimische Schlachtgesänge der Askaris“ oder eben „muslimische Feiertage“, die den Islam weiter erstarken ließen. „(…) Im kolonialen Alltag spielte die christliche Komponente des kolonialen Zivilisationsprojektes nur selten eine wichtige Rolle. Das gehe so weit, beschwerte sich ein Missionar, dass die Afrikaner den Eindruck gewinnen müssten, der Islam sei so etwas wie eine Staatsreligion in der Kolonie.“[12]

3. Kriegsausbruch, die Notwendigkeit der Askaris und der Aufruf zum Heiligen Krieg

„Das War Office in London fürchtete, deutsch-ostafrikanische Häfen könnten von der kaiserlichen Marine als Basen genutzt werden, um im indischen Ozean Jagd auf britische Versorgungsschiffe zu machen. Am 8. August bombardierte die Royal Navy Daressalam, die Hauptstadt der Kolonie. (…) Wenige Wochen später überschritten deutsche Einheiten die Grenze zur britischen Kolonie und eroberten den kleinen Posten Taveta. Der erste Weltkrieg in Ostafrika hatte begonnen.“[13] Die Kämpfe, die sich fortan in Ostafrika zentrierten, sollten sich zu den schlimmsten in ganz Afrika entwickeln, wie auch schon in der Einleitung dieser Hausarbeit erwähnt.[14] „Noch nie zuvor waren die Deutschen auf die Kooperation der Afrikaner so angewiesen, wie in diesen Jahren. Fast alles, was für den Krieg benötigt wurde, musste in der Kolonie hergestellt werden. Neue Soldaten mussten rekrutiert, ausgebildet und verpflegt, eine offensive militärische Infrastruktur geschaffen werden.“[15] Dies erforderte ein Höchstmaß an Disziplin und Anstrengung seitens der deutschen Kolonialherren. Allerdings, „der Einsatz von nichtweißen Söldnern in Übersee war keine deutsche Erfindung. Lange bevor Deutschland seine ersten Kolonien erwarb, hatten die traditionellen Kolonialmächte Portugal, Frankreich oder Großbritannien bereits die bittere Erfahrung machen müssen, das weiße Soldaten aufgrund ihrer Anfälligkeit für Krankheiten für koloniale Eroberungskriege kaum zu verwenden waren. Viele europäische Staaten begannen daher, ihre Kolonialtruppen aus Nichtweißen zu rekrutieren, die anfangs häufig in den Kolonien anderer Nationen angeworben wurden, später zunehmend aus den Überseegebieten stammten, in denen sie auch eingesetzt werden sollten.“[16] Vor allen Dingen waren es die Sudanesen, die Eindruck bei den Deutschen hinterließen („Keine andere Volksgruppe wurde von deutschen Kolonialoffizieren einhellig so positiv beurteilt wie sie“[17] ), „sie gingen ins Feuer wie zum Exerzieren, seien hart gegen Anstrengungen und Entbehrungen, keine schlechten Schützen im Allgemeinen und treu wie Gold“[18]. Jene Askaris, wie die Afrikanischen Truppen bezeichnet wurden, stammten allerdings nicht aus ein und derselben Volksgruppe, sie „bestanden aus einer Vielzahl von vor allem im Süden des heutigen Sudan lebenden Ethnien. Teilweise subsumierten die Deutschen unter dem Sammelnahmen Sudanesen aber auch Araber, Türken, Kurden, Äthiopier, Somali und Albaner“[19]. Wichtig in diesem Zusammenhang aber zu erwähnen ist, „Die Lebenswirklichkeit in der Kolonie Deutsch-Ostafrika wie in anderen deutschen Schutzgebieten war von Wiedersprüchen geprägt. Die afrikanischen Soldaten in deutschen Diensten wurden einerseits von der Bevölkerung als wild und grausam gefürchtet, anderseits waren sie angesehen und respektiert. (…) Die afrikanischen Soldaten, daran gibt es keinen Zweifel, standen für die koloniale Gewalt“[20]. Mit dem Kriegsausbruch kam bei den Deutschen auch die Idee des sogenannten Heiligen Krieges auf. „Allerdings kam sie nicht vom Gouvernement in Daressalam. Bereits 1914 hatte der Generalstab in Berlin Pläne entworfen, den Vormarsch der mit dem Reich verbündeten Türken auf den Suezkanal durch Sabotageakte deutscher Agenten und antibritische und antifranzösische Propaganda zu unterstützen“[21] (wie ebenfalls schon weiter vorne in dieser Hausarbeit erwähnt). „Im September 1914 wurde der Islamwissenschaftler und Diplomat Max von Oppenheim zum Chef des Nachrichtenbüros für den Nahen Osten im Auswärtigen Amt ernannt. Wenige Wochen nach seinem Dienstantritt legte er seinen Vorgesetzten einen Plan vor, wie die islamische Bevölkerung in den Einflussgebieten der Alliierten zu Aufständen zu ermutigen sei. Der Plan war grandios: In Ägypten sollte die probritische Regierung gestürzt werden, dann in der indischen Kronkolonie die Muslime rebellieren.“[22] Auf diese Art und Weise hätten die Briten wichtige Einheiten für die Niederschlagung der Aufstände abziehen müssen. „Am 12. November 1914 verkündet der türkische Kriegsminister Enva Pascha im Namen des osmanischen Kalifen den Heiligen Krieg gegen die Alliierten. Anwesend war auch der deutsche Botschafter, der in einer Rede den Kaiser als Freund aller Muslime bezeichnete.“[23] Schon hier sind erste propagandistische Unternehmungen seitens der Deutschen zu erkennen, die Deutschen benötigten die Unterstützung der islamischen Welt: „Von jedem Muslim überall in der Welt hinge nun das Schicksal des heiligen Kalifats von Konstantinopel und der muslimischen Welt ab, lautete die Botschaft.“[24]

[...]


[1] Hirschfeld, Seite 9

[2] Pesek, Seite 9

[3] http://www.zeit.de/2004/09/A-Dt_Jihad

[4] Pesek, Seite 11

[5] Pesek, Seite 11

[6] Pesek, Seite 11

[7] Pesek, Seite 11

[8] Van der Heyden, Seite 522

[9] Pesek, Seite 11

[10] Van der Heyden, Seite 99

[11] Pesek, Seite 11

[12] Pesek, Seite 11

[13] http://www.zeit.de/2004/09/A-Dt_Jihad

[14] Hirschfeld, Seite 244

[15] http://www.zeit.de/2004/09/A-Dt_Jihad

[16] Morlang, Seite 7

[17] Morlang, Seite 72

[18] Morlang, Seite 72

[19] Morlang, Seite 72

[20] Bechhaus-Gerst, Seite 39

[21] http://www.zeit.de/2004/09/A-Dt_Jihad

[22] http://www.zeit.de/2004/09/A-Dt_Jihad

[23] http://www.zeit.de/2004/09/A-Dt_Jihad

[24] http://www.zeit.de/2004/09/A-Dt_Jihad

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Islam in Afrika, Deutsche Propaganda und die Rolle des Islam in Deutschen Kolonien in Ostafrika
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg  (Institut für Religionswissenschaft)
Veranstaltung
Islam in Afrika
Note
2,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
15
Katalognummer
V157369
ISBN (eBook)
9783640698899
ISBN (Buch)
9783656057512
Dateigröße
375 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Islam, Afrika, Deutsche, Propaganda, Rolle, Deutschen, Kolonien, Ostafrika
Arbeit zitieren
Lars Renngardt (Autor), 2010, Islam in Afrika, Deutsche Propaganda und die Rolle des Islam in Deutschen Kolonien in Ostafrika, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/157369

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