[...] „Noch nie zuvor waren die Deutschen
auf die Kooperation der Afrikaner so angewiesen (…). Fast alles, was für den Krieg
benötigt wurde, musste in der Kolonie hergestellt werden. Neue Soldaten mussten
rekrutiert, ausgebildet und verpflegt, eine offensive militärische Infrastruktur
geschaffen werden. Wollten die Deutschen diesen Krieg führen, so mussten sie erst
einen anderen Krieg gewinnen, den um die Herzen und Gedanken der Afrikaner.
Eingedenk der blutigen Geschichte der deutschen Kolonialherschafft war dies ein
schwieriges Unterfangen. In diesem Moment tauchte die Idee vom Heiligen Krieg auf.
(…) Bereits 1914 hatte der Generalstab in Berlin Pläne entworfen, den Vormarsch
der mit dem Reich verbündeten Türken auf den Suezkanal durch Sabotageakte
deutscher Agenten und antibritische und antifranzösische Propaganda zu
unterstützen. In Afrika konnte eine solche Propaganda durchaus auf fruchtbaren
Boden fallen, schließlich war es hier immer wieder zu Aufständen gegen die
europäischen Kolonialherren gekommen (…).“ Ziel dieser hier vorliegenden
Hausarbeit soll es sein, darzustellen, auf welche Art und Weise Propaganda seitens der deutschen Kolonialherren eingesetzt wurde und vor allen Dingen, welche Rolle
der Islam in diesem Zusammenhang spielte. So soll zu Beginn dieser Hausarbeit die
Beziehung zwischen den deutschen Kolonialherren und den Einheimischen vor dem
Kriegsausbruch in den Kolonien untersucht werden. Besonderes Augenmerk soll hier
auf die Rolle des Islam gelegt werden. Anschließend wird der Kriegsausbruch in den
Kolonien thematisiert, die aufkommende Notwendigkeit der Askaris wird untersucht
und der damit zusammenhängende Vormarsch des Islam in deutschen Kolonien. Im
weiteren Verlauf werden die Kolonialherschafft und dessen Propaganda näher
untersucht. Welche Bedeutung kann in diesem Zusammenhang dem Islam
zugesprochen werden? Der Schluss dieser Hausarbeit soll einer kurzen
Zusammenfassung der hier gewonnenen Ergebnisse dienen, darüber hinaus soll er
aber auch Raum für einen Ausblick bereit halten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Beziehung zwischen deutschen Kolonialherren und Einheimischen vor dem Kriegsausbruch in den Kolonien und die Rolle des Islam
3. Kriegsausbruch, die Notwendigkeit der Askaris und der Aufruf zum Heiligen Krieg
4.Deutsche Kolonialherrschafft, dessen Propaganda und die Bedeutung für den Islam
5. Schluss
Zielsetzung & Themen
Diese Hausarbeit untersucht die koloniale Propaganda des Deutschen Kaiserreiches in Ostafrika während des Ersten Weltkrieges und analysiert dabei insbesondere die strategische Instrumentalisierung des Islam zur Gewinnung der lokalen Bevölkerung.
- Die Rolle muslimischer Eliten in der deutschen Kolonialverwaltung
- Die militärische Bedeutung der Askaris und ihre Wahrnehmung
- Propagandistische Konzepte des "Heiligen Krieges" (Dschihad)
- Die Auswirkungen der deutschen Islampolitik auf die regionale Identitätsbildung
Auszug aus dem Buch
4.Deutsche Kolonialherrschafft, dessen Propaganda und die Bedeutung für den Islam
In Deutsch-Ostafrika lebten etwa 350000 Muslime. Umgerechnet konnte man hier auch von ungefähr 3,5 Prozent der Gesamtbevölkerung sprechen – also einer Minderheit. Dennoch, wie schon weiter vorne in dieser Hausarbeit erwähnt, Muslime waren überdurchschnittlich häufig in der Kolonialverwaltung oder auch in den Kolonialtruppen zu finden. „Sich ihrer Loyalität zu versichern war für die Deutschen entscheidend für den weiteren Verlauf des Krieges.“ „Denn plötzlich sahen Deutsche im allgemeinen Kriegsrausch im Islam eine rettende Macht.“
Allerdings ist an dieser Stelle zu erwähnen, dass jene sogenannte „Dschihad Propaganda“ schon zu Beginn äußerst umstritten war. Sowohl die deutsche Regierung als aber auch führende Vertreter der Britischen Regierung betrachteten die propagandistischen Methoden der Deutschen als sehr gefährlich. Hintergrund dieser kritischen Gedanken war, dass, um eben jene Propaganda auch glaubhaft umzusetzen, die Kolonialpolitik verändert werden musste. Hiervor fürchtete man sich: „(...) fürchtete, dass die Dschihad-Propaganda in Afrika zu einer Radikalisierung führe, die selbst für Deutsche unabsehbare Konsequenzen haben könne.“
Betrachtet man sich die Gegebenheiten vor dem Kriegseintritt der einzelnen Kolonien, so ist eine deutliche Trennlinie zwischen „Schwarz und Weiß“ zu erkennen, genau dies aber galt es nun, zu verändern und neue Umstände für sich zu gewinnen. Die Deutschen bedienten sich hier einer List. So wurde das französische Kolonialsystem von den Deutschen bezeichnet als „darauf zugeschnitten, den Neger zum `schwarzen Franzosen` zu machen, der sich willig der französischen Armee einreihen und zum Kanonenfutter abrichten lässt“.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die historische Bedeutung des Ersten Weltkrieges und die Notwendigkeit, die Rolle der afrikanischen Bevölkerung sowie die Bedeutung des Islam für die deutsche Kolonialführung zu untersuchen.
2. Die Beziehung zwischen deutschen Kolonialherren und Einheimischen vor dem Kriegsausbruch in den Kolonien und die Rolle des Islam: Dieses Kapitel analysiert das ambivalente Verhältnis zwischen der Kolonialregierung und den muslimischen Bevölkerungsschichten, die aufgrund ihrer Bildung und Funktion im Staatsdienst eine besondere Stellung einnahmen.
3. Kriegsausbruch, die Notwendigkeit der Askaris und der Aufruf zum Heiligen Krieg: Der Fokus liegt hier auf dem militärischen Kontext des Krieges in Ostafrika, der Rekrutierung der Askaris und den ersten Versuchen der Deutschen, den Islam für ihre Kriegspropaganda nutzbar zu machen.
4.Deutsche Kolonialherrschafft, dessen Propaganda und die Bedeutung für den Islam: Dieses Kapitel vertieft die Untersuchung der propagandistischen Maßnahmen und hinterfragt, inwiefern die Instrumentalisierung des Islam die loyalistische Haltung der lokalen Muslime beeinflussen konnte.
5. Schluss: Der Schluss fasst die Ergebnisse zusammen und diskutiert die langfristigen Auswirkungen der deutschen Islampolitik, die den Islam paradoxerweise als "Gewinner" aus dem Konflikt hervorgehen ließ.
Schlüsselwörter
Deutsch-Ostafrika, Erster Weltkrieg, Kolonialpropaganda, Islam, Dschihad, Askaris, Kolonialverwaltung, Missionierung, Glaubenswechsel, Suaheli-Kultur, Identitätsbildung, Deutsche Kolonialherrschafft, Religionspolitik, Schwarze Schmach, Militär
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit behandelt das ambivalente Verhältnis zwischen der deutschen Kolonialverwaltung in Ostafrika und der dort lebenden muslimischen Bevölkerung während des Ersten Weltkrieges.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die koloniale Islampolitik, die Funktion der Askaris, die Instrumentalisierung des Islam durch deutsche Kriegspropaganda und der Wandel religiöser Identitäten.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es darzustellen, wie die deutschen Kolonialherren Propaganda einsetzten und welche Rolle der Islam dabei spielte, um die Kooperation der einheimischen Bevölkerung zu sichern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine historische Analyse, die auf der Auswertung von Literatur und zeitgenössischen Quellen basiert, um das Verhältnis von Kolonialherrschaft und religiöser Praxis zu beleuchten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Vorkriegsbeziehungen, die militärischen Erfordernisse nach Kriegsbeginn sowie die propagandistischen Versuche, den Islam als politisches Instrument gegen die Alliierten zu nutzen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselbegriffe sind Deutsch-Ostafrika, Kolonialpropaganda, Islam, Dschihad, Askaris und Akkulturation.
Warum war die Zusammenarbeit mit muslimischen Eliten für die Deutschen so wichtig?
Aufgrund ihrer Kenntnisse in der Schriftlichkeit waren sie in der Kolonialverwaltung unersetzlich, und ihre Rolle war entscheidend für die Aufrechterhaltung der Ordnung und Loyalität während des Krieges.
Warum blieb der Aufruf zum "Heiligen Krieg" in der Kolonie letztlich wirkungslos?
Der erhoffte großflächige Aufstand gegen die britischen Gegner blieb aus, da die deutsche Strategie nicht tief genug in der religiösen Realität der Bevölkerung verankert war und keine panislamische Rebellion auslöste.
- Citation du texte
- Lars Renngardt (Auteur), 2010, Islam in Afrika, Deutsche Propaganda und die Rolle des Islam in Deutschen Kolonien in Ostafrika, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/157369