Zu: Martha Gellhorn - "Pfade des Ruhms"


Referat (Ausarbeitung), 2000
27 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Biographie

3. Martha Gellhorn und der Krieg

4. Besondere Merkmale der Reportagen Gellhorns

5. „Pfade des Ruhms“
5.1 der historische Hintergrund: Die Nürnberger Kriegsverbrecher Prozesse
5.2 Überprüfung der Bestimmungskriterien am Text
5.2.1. Faktengestützter, längerer Bericht
5.2.2. Augenzeugenschaft
5.2.3. namentliche Kennzeichnung
5.2.4. Persönliche Merkmale des Autors
5.2.5. subjektive Anteilnahme der Autorin
5.2.6. Angebot und Auslöser zu subjektiver Anteilnahme im Rezeptionsprozess

6. Schlußbetrachtung

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Martha Gellhorn ist im englischsprachigen Raum eine bekannte Schriftstellerin und hat sich sowohl als Journalistin als auch als Verfasserin von Kurzgeschichten und Romanen einen Namen gemacht. Hierzulande ist sie jedoch weniger bekannt.

In dieser Ausarbeitung soll Martha Gellhorn anhand einer ausgewählten Reportage vorgestellt werden. Zu diesem Zwecke soll in Punkt 2 zunächst eine biographische Annäherung an die Journalistin, die nur sehr wenig von sich preisgegeben hat, vorgenommen werden.

Da Martha Gellhorn in erster Linie als Kriegsberichterstatterin gearbeitet und somit viel Zeit ihres Lebens in Kriegen verbracht hat, ist es, um sie und ihre Reportagen richtig zu verstehen und einordnen zu können, wichtig, ihre Einstellung zum Krieg zu kennen. Punkt 3 wird dem nachkommen.

In dieser Arbeit wird lediglich eine Reportage Gellhorns behandelt. In Punkt 4 sollen die besonderen Merkmale herausgearbeitet werden, die sich in den meisten ihrer Reportagen wiederfinden lassen.

In Punkt 5 wird die Reportage „Pfade des Ruhms“ in den zeitgeschichtlichen und politischen Zusammenhang gebracht und mit Hilfe der unter 5.2 definierten Bestimmungskriterien der Reportage analysiert.

Die Ausarbeitung endet in Punkt 6 mit einer kritischen Schlußbetrachtung.

Besonders hilfreich für diese Ausarbeitung war Gellhorns Buch „Das Gesicht des Krieges“[1], da es neben den Reportagen viele persönliche Gedanken enthält und es so ermöglicht, Martha Gellhorn ein wenig näher kennenzulernen.

2 Biographie

Martha Gellhorn wurde 1908 als einzige Tochter neben drei Brüdern in eine liberale Upperclass Familie in St. Louis geboren. Sie wuchs in einer Umgebung auf, die für das frühe 20. Jahrhundert eher ungewöhnlich ist. Ihr Vater George war ein berühmter Gynäkologe. Auch ihre Mutter Edna war Akademikerin, sie arbeitete zu der Zeit viel für soziale Anliegen. Edna Gellhorn war eine Aktivistin, die für freie Kliniken, das Frauenwahlrecht und Gleichberechtigung kämpfte. Ihr Mann unterstützte die Aktivitäten seiner Frau und man sah ihn oft als begeisterten Zuschauer ihrer Reden. Die Eltern ermutigten ihre drei Kinder und förderten ihre Interessen. Von klein auf brachte man ihnen bei, dass man eine Verantwortung habe, zu versuchen, die Welt zu ändern. Diesen Idealismus findet man besonders bei frühen Werken von Martha Gellhorn immer wieder. In ihrem Buch “Das Gesicht des Krieges” sagt sie:

“Die Sache einer Journalistin war es, Nachrichten zu liefern, das Auge ihres (der Menschen) Gewissens zu sein.”[2]

Am Tisch der Gellhorns wurde oft politisch und sozial diskutiert. Viele verschiedene Gäste nahmen an diesen Gesprächen teil, von klein auf wurde Martha politisch gefördert, hört verschiedene Ansichten und lernt, sich eine Meinung von den Geschehnissen zu machen. Martha Gellhorn selber bezeichnete ihr Zuhause als liebevoll, lustig und anregend.[3]

Bereits während ihrer Schulzeit unternahm sie mehrere Europareisen. Sie wuchs also äußerst privilegiert auf.

Nach ihrem Schulabschluß besuchte Gellhorn das College, brach aber am Ende ihres dritten Jahres die Ausbildung ab. Ihr Ziel war es, auf eigenen Füßen zu stehen und so verdiente sie sich ihren Unterhalt zunächst bei der “New Republik” und später bei der “Hearst Times Union”.

1929 ging Gellhorn nach Paris. Sie hatte sich fest vorgenommen, Auslandskorrespondentin zu werden. In Paris arbeitete sie zunächst bei der “United Press” als Mädchen für alles, später für die Zeitschrift “Vogue”. Als freie Mitarbeiterin verdiente sie sich genug, um Reisen durch ganz Europa zu finanzieren. Bereits zu dieser Zeit nahm sie in Frankreich Kontakt zur pazifistischen Bewegung auf.

1933 heiratete Gellhorn den französischen Schriftsteller Bertrand de Jouvenel, der ihretwegen seine Frau verließ. Anhand des vorliegenden Materials ist nicht genau zu erkennen, wann sie sich wieder von ihm scheiden ließ.

1934 kehrte sie zurück nach Amerika, um ihrem eigenen Land zu helfen. Im selben Jahr erschien ihr erster Roman “What mad persuit” (“Was für ein verrücktes Unterfangen”). Es handelt sich hierbei um eine Geschichte über die Selbstfindung einer jungen Amerikanerin und weist stark autobiographische Züge auf.

Für ein knappes Jahr arbeitete Gellhorn als Fürsorgeforscherin für die Federal Emergency Relief Administration (FERA). Ihre Aufgabe war es, den Kontinent zur Zeit der Depression zu bereisen und Sozialreportagen zu schreiben. Sie war von dem Gesehenen derart entsetzt, dass sie ihre Arbeit beenden wollte. Präsident Roosevelt war jedoch von ihren Reportagen begeistert und überzeugte sie davon, dass sie ihrem Land am besten helfen könne, wenn sie weiterhin reiste.

Zu diesem Zeitpunkt war Martha Gellhorn sehr idealistisch und wollte die Welt verändern. Roosevelt hatte somit genau den richtigen Ton getroffen. Dies war auch der Beginn einer lebenslangen Freundschaft mit den Roosevelts, besonders mit Eleanor Roosevelt, der Frau des Präsidenten.[4]

Ihre Arbeit für die FERA endete, als sie während ihrer Recherchearbeiten eine Gruppe Arbeitsloser ermutigte, gegen einen korrupten Unternehmer anzugehen, der sie ausbeutete. Die “Protestgruppe”[5] warf daraufhin Steine durch die Scheiben des Sozialamtes. Als das FBI in dem Fall ermittelte, war dies sowohl das Ende des korrupten Unternehmers als auch das Ende von Gellhorns Arbeit.

Ihre Eindrücke von dieser Arbeit verarbeitete sie 1936 in dem Sammelband “The trouble I´ve seen”. Das Buch brachte ihr den Durchbruch, sie wurde eine nationale Berühmtheit. Graham Greene rezensierte das Buch und bescheinigte der Autorin einen “erstaunlich unweiblichen Stil”, was wohlgemerkt äußerst positiv gemeint war, und attestierte ihr die Fähigkeit, „männliche Charaktere genauso gut darstellen zu können wie weibliche“.[6]

Inzwischen war sie freie Mitarbeiterin der Zeitschriften “The New Yorker” und “Harpers Bazaar” geworden.

1936 verließ sie Amerika, einerseits, weil der Rummel um ihre Person ihr zuviel wurde, aber auch, um in Europa für ihren neuen Roman zu recherchieren. In Europa besucht sie zur Zeit der Olympischen Spiele Hitler-Deutschland. Aus der bis dato engagierten Pazifistin, die sich der deutsch-französischen Freundschaft verschrieben hatte, wurde nun eine überzeugte Antifaschistin, die sich von der deutschen Propaganda nicht blenden ließ.[7]

Als sie vom spanischen Bürgerkrieg hörte, wollte sie nach Spanien reisen. Es war für sie selbstverständlich und ein Akt der Solidarität. Sie bekam jedoch Schwierigkeiten, denn da sie nicht für ein bestimmtes Magazin berichtete, verweigerten die französischen Behörden ihr die Ausstellung wichtiger Papiere. Martha Gellhorn war es jedoch gewohnt, zu bekommen, was sie wollte und ließ sich von diesen Umständen nicht entmutigen. Sie fuhr kurzerhand mit einem Zug zur spanischen Grenze, stieg dort aus, lief durch einen Wald über die Grenze und stieg in Spanien wieder den Zug. Dieses Vorgehen war typisch für Martha Gellhorn, sie war eisern in ihren Zielen, Zeitgenossen beschreiben sie zudem als furchtlos, ehrgeizig und intelligent.[8]

In Spanien lernte sie ihren späteren Mann, Ernest Hemingway, kennen. Mit ihm und anderen Reportern reiste sie durch Spanien. Er war es, der ihr nahelegte, über das Geschehen zu schreiben. Bemerkenswert ist, dass sie ihn selber nie erwähnt. In ihrem Buch “Das Gesicht des Krieges” sagt sie lediglich, ein Reporter habe ihr geraten, ihre Erlebnisse nieder zu schreiben.

Zeit ihres Lebens ärgerte sie sich über die Reduzierung ihrer Person auf ihre Rolle als Gattin Ernest Hemingways und ihr Äußeres, denn wenn man über sie schrieb, dann mehr über diese Nebensächlichkeiten als über ihre Fähigkeiten. Sie selber sagte: “Er war ein sehr kleiner Teil meines Lebens.”[9] Der Hemingway-Mythos habe mit ihr und der Wirklichkeit nicht das geringste zu tun.[10]

Sie fing also an zu schreiben und schickte ihre Artikel an einen Redakteur des “Collier´s”. Von da an war sie 8 Jahre lang Kriegsberichterstatterin für den “Collier´s”. Der Collier´s kürzte nie einen ihrer Artikel, egal was sie schrieb, er veränderte lediglich einige ihrer Überschriften.

So begann in Barcelona, Madrid und Valencia ihre Karriere als Kriegsberichterstatterin. Ende der 30er Jahre ist dieser Beruf eine absolute Seltenheit für Frauen, Martha Gellhorn ist eine der ersten Kriegsberichterstatterinnen überhaupt.

1937 kehrte sie ein zweites Mal nach Amerika zurück. Auf Lesereisen und Schriftstellerkongressen trat sie für Freiheit und Gerechtigkeit ein und warnte vor dem Faschismus in Europa. 1938 schieb sie an Eleanor Roosevelt:

“Was hier geschieht, geht alle an, die nicht in einer Welt leben wollen, deren Bibel “Mein Kampf” ist”.[11]

Martha Gellhorn ist zu diesem Zeitpunkt 30 Jahre und erkennt Dinge, vor denen die Welt die Augen verschließt.

Ihre nächste Kriegsstation war die Tschechoslowakei. Unmittelbar nach dem Abschluß des Münchner Abkommens berichtete sie von dem Einmarsch deutscher Truppen in das Sudetenland.

In Helsinki war Gellhorn eine der ersten Journalisten während der russischen Invasion.

1940 heiratete Martha Gellhorn Ernest Hemingway. Er war ihr zweiter Mann von dreien.. Von allen dreien wurde sie geschieden.

Ab 1941 berichtete Gellhorn von Kriegsschauplätzen im Fernen Osten. 1943 war sie dann als offizielle Korrespondentin für “Collier´s” im Rang eines Hauptmannes der amerikanischen Armee wieder an Kriegsschauplätzen in Europa.

Da sie eine der ersten Frauen war, die an der Front über den Krieg berichteten, hatte sie oftmals mit erheblichen Schwierigkeiten zu kämpfen. Die Armee sah sie nur ungern in der Nähe der Front. Doch nicht nur die Armee, auch der eigene Ehemann bereitete Gellhorn Schwierigkeiten. Die Armeepolizei erlaubte nur einen Korrespondenten von jeder Zeitung oder Zeitschrift. Alle zusätzlichen Reporter wurden zu einem untergeordneten Status degradiert. Hemingway galt als einer der angesehensten Journalisten zu dieser Zeit und konnte sich jedes beliebige Magazin aussuchen. Er jedoch wählte “Collier´s” und beraubte dadurch seine Frau jeglicher Möglichkeit offiziell über das Kampfgeschehen zu berichten.[12] Bereits 1945 waren sie geschieden, sie ist die einzige Frau, in einer langen Liste, die ihn verließ. Nicht einmal seinen Namen wollte sie mehr tragen.[13]

Im Frühjahr 1944 hatte Gellhorn erneut mit Schwierigkeiten zu kämpfen. Die Pressesprecher der US-Armee wollten nicht, dass eine Frau bei der Kampftruppe als Korrespondentin fungierte. Gellhorn ließ sich nicht abschrecken und schmuggelte sich auf ein Lazarettschiff, um etwas vom D-Day, der Landung der Alliierten in der Normandie mitzubekommen. In der beeindruckenden Reportage “Das Lazarettschiff” beschreibt sie dieses Erlebnis. Von da an war Gellhorn auf der Flucht vor den Behörden und konnte nur noch von Nebenkriegschauplätzen schreiben.[14]

Kurz nach der Befreiung des Konzentrationslagers “Dachau” durch die alliierten Truppen, kam Martha Gellhorn dorthin. Sie erfuhr dort von Ende des Krieges:

“...dennoch erschien mir Dachau als der passendste Ort in Europa, um die Nachricht vom Sieg zu hören. Denn gewiss wurde dieser Krieg geführt, um Dachau und alle Orte wie Dachau und alles wofür Dachau stand, abzuschaffen und zwar für alle Zeiten.”[15]

Martha Gellhorn kehrte nie wieder nach Amerika zurück.

“Amerika war ein fremdes Land, bewohnt von Fremden, deren Äußerungen mich erbosten oder langweilten. Es war isoliert in seiner Sicherheit und trotz einer massiven Kriegsberichterstattung hatten seine Bewohner keinen Begriff vom Krieg.”[16]

Mit Ende des zweiten Weltkrieges war Gellhorn nahezu 8 lange Jahre im Krieg gewesen, hatte unendliches Leid und Grausamkeiten gesehen. Sie lebte dann einige Zeit in Mexiko, hörte dort vom Ausbruch des Koreakrieges. Doch sie hatte genug von Leichen und Krieg und wollte nicht noch mehr sehen. Zu dieser Zeit war Gellhorn äußerst desillusioniert. Sie, die immer sehr idealistisch war und die es sich zur Aufgabe gemacht hatte, ihr Heimatland über die Seiten des Krieges aufzuklären, hatte feststellen müssen, dass ihre Arbeit nicht fruchtete.

“Es war nutzlos, den Leuten weiterhin zu erzählen, was Krieg bedeutete, da sie ihn noch immer gehorsam hinnahmen.”[17]

[...]


[1] Gellhorn, Martha: Das Gesicht des Krieges. Reportagen 1937-1987.München/Hamburg 1989.

[2] Gellhorn,. S.11.

[3] Kert, Bernice: Die Frauen Hemingways. Die ihn geliebt haben – Ehefrauen und andere. Frankfurt/Main/Berlin 1987. S.272.

[4] Löffler,Sigrid: „Der Hemingway-Mythos hat nichts mit mir zu tun“. In: Profil: das unabhängige Magazin Österreichs, 23.10.1998, Heft 43. S.107

[5] Dorman, Angelia Hardy: „An unscathed tourist of wars“. Martha Gellhorn´s early writing carrer.Columbia, South Carolina, 1988. www.uidaho.edu/-dorm9686/gell1.htm.06.06.2000

[6] Kert, S.276

[7] Gellhorn, S.28

[8] Gellhorn, S.367

[9] Löffler, S.105.

[10] ebd. S.105

[11] Gellhorn, S.367

[12] Kert, S.381.

[13] Rollyson, Carl: Nothing ever happens to the brave.The story of Martha Gellhorn. New York 1990. S.210.

[14] Gellhorn. S.102.

[15] Gellhorn, S.206.

[16] ebenda, S.208.

[17] ebenda, 245.

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Zu: Martha Gellhorn - "Pfade des Ruhms"
Hochschule
Universität Lüneburg  (Kulturwissenschaften)
Veranstaltung
Pressereportagen in Vergangenheit und Gegenwart
Note
1,7
Autor
Jahr
2000
Seiten
27
Katalognummer
V15747
ISBN (eBook)
9783638207713
ISBN (Buch)
9783638644181
Dateigröße
564 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Martha, Gellhorn, Pfade, Ruhms, Pressereportagen, Vergangenheit, Gegenwart
Arbeit zitieren
MA Claudia Hoogestraat (Autor), 2000, Zu: Martha Gellhorn - "Pfade des Ruhms", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/15747

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