In der vorliegenden Hausarbeit sollen die Beziehungen zwischen Staat und Nonprofit-Organisationen, die in den Bereichen Gesundheit und Soziale Dienste tätig sind, untersucht werden. Eine Einschränkung des Themas auf diesen Bereich der Wohlfahrtspflege wird vorgenommen, da die verschiedenen Bereiche des Nonprofit-Sektors für eine einheitliche Betrachtung zu unterschiedlich sind und es generell schwer fällt, von dem „einen“ Nonprofit-Sektor zu sprechen. Finanzierung, Struktur, Personal und andere Merkmale unterscheiden sich in den einzelnen Bereichen wie Gesundheit, Sport und Kultur zu stark, um von einem einheitlichen Sektor sprechen zu können.
Im ersten Teil der Hausarbeit werden drei ausgewählte Theorien untersucht, die die historische Entwicklung der Theorien selbst – von einem Konkurrenzmodell zwischen Staat und Nonprofit-Organisationen über ein Interdependenzmodell der beiden Akteure bis hin zu einer national und historisch differenzierenden Institutionellen Theorie – und ihres Verständnisses der Beziehungen zwischen Staat und Nonprofit-Organisationen veranschaulichen. Diese Theorien beziehen sich nicht spezifisch auf den Bereich der Wohlfahrtspflege, sondern sprechen vom gesamten Nonprofit-Sektor, haben teilweise aber dennoch starken Fokus auf den genannten Bereich. Zu jeder Theorie werden außerdem die Ergebnisse einer empirischen Untersuchung von Salamon/Anheier herangezogen.
Im zweiten Teil sollen diese Theorien auf ihre Aussagekraft bezüglich des Verhältnisses zwischen den deutschen Nonprofit-Organisationen, welche in den Bereichen Gesundheit und Soziale Dienste tätig sind, und dem deutschen Staat betrachtet werden. Eine Einschränkung auf die Bereiche Gesundheit und Soziale Dienste wird erneut vorgenommen, da es sich hier im Gegensatz zu Bereichen wie Sport und Kultur in Deutschland um sehr staatsnahe und hoch subventionierte Bereiche des Nonprofit-Sektors handelt. Zum Verständnis dieser Beziehungen soll ein historischer Überblick gegeben werden, wie sich das heutige „duale“ System in Deutschland in den Bereichen Gesundheit und Soziale Dienste ausbilden konnte.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Ausgewählte Theorien zu den Beziehungen zwischen Staat und Nonprofit-Organisationen
Weisbrods Heterogenitätsthese
Hauptaussagen der Theorie von Weisbrod
Empirische Überprüfung der Theorie durch Salamon/Anheier
Salamons Theorie des „Third-Party-Government“
Hauptaussagen der Theorie von Salamon
Empirische Überprüfung der Theorie durch Salamon/Anheier
Die Institutionelle Theorie auf der Grundlage von Esping-Andersens Wohlfahrtsstaatmodellen
Hauptaussagen der Institutionellen Theorie
Empirische Überprüfung der Theorie durch Salamon/Anheier
Die Beziehungen zwischen deutschen Nonprofit-Organisationen in den Bereichen Gesundheit und Soziale Dienste und dem Staat
Die Entwicklung des dualen Systems der Wohlfahrtspflege in Deutschland
Beurteilung der Theorien in Bezug auf das duale System der Wohlfahrtspflege in Deutschland
Beurteilung der Heterogenitätsthese
Beurteilung der Theorie des „Third-Party-Government“
Beurteilung der Institutionellen Theorie
Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Verhältnis zwischen Staat und Nonprofit-Organisationen in Deutschland, mit einer spezifischen Fokussierung auf die Bereiche Gesundheit und Soziale Dienste, um zu bewerten, inwieweit etablierte theoretische Erklärungsmodelle dieses System abbilden können.
- Vergleich theoretischer Modelle zur Beziehung zwischen Staat und Nonprofit-Sektor.
- Analyse der historischen Entwicklung des dualen Wohlfahrtspflegesystems in Deutschland.
- Überprüfung der Erklärungsreichweite der Theorien von Weisbrod, Salamon und des institutionellen Ansatzes.
- Untersuchung der strukturellen Besonderheiten deutscher Nonprofit-Organisationen im Kontext der Staatsnähe.
Auszug aus dem Buch
Die Institutionelle Theorie auf der Grundlage von Esping-Andersens Wohlfahrtsstaatmodellen
Salamon/Anheier ziehen für die Erklärung der Beziehungen zwischen Staat und Nonprofit-Sektor als weitere die Institutionelle Theorie heran, welche die historische Entwicklung des jeweiligen nationalen Umfeldes der Nonprofit-Organisationen mit einbezieht (Salamon/Anheier 1997b, 224ff).
Der zugrunde liegende Gedanke der Institutionellen Theorie ist, dass die Annahme der freien Institutionenwahl, wie sie in den anderen Theorien getroffen wird, nicht bestätigt werden kann. Der individuelle Nachfrager kann nicht unabhängig entscheiden, ob er eine soziale Leistung im Markt erwerben oder von staatlichen oder Nonprofit-Organisationen gestellt bekommen will. Die Art des Angebots von sozialen Leistungen ist immer bedingt durch die jeweilige nationale historische Entwicklung (Salamon/Anheier 1997b, 225).
Grundlage für die Theorie sind die von Esping-Andersen entwickelten idealtypischen Wohlfahrtsstaatmodelle (Esping-Andersen 1990). Er unterscheidet: 1. den liberalen Wohlfahrtsstaat (nur begrenzte – an strenge Vorschriften gebundene – staatliche Sozialleistungen), 2. den konservativen Wohlfahrtsstaat (umfassende, aber oft statusbezogene staatliche Sozialleistungen; teilweise Beibehaltung einer Ständeordnung; stark korporatistische Züge) und 3. den sozialdemokratischen Wohlfahrtsstaat (gleiche und universelle Ansprüche auf staatliche Sozialleistungen).
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Definition des Untersuchungsgegenstandes und Einschränkung auf den Bereich der Wohlfahrtspflege in Deutschland.
Ausgewählte Theorien zu den Beziehungen zwischen Staat und Nonprofit-Organisationen: Theoretische Herleitung der Interaktionen durch Ansätze von Weisbrod, Salamon und der institutionellen Theorie.
Die Beziehungen zwischen deutschen Nonprofit-Organisationen in den Bereichen Gesundheit und Soziale Dienste und dem Staat: Historische Kontextualisierung des dualen Systems und empirische Einordnung des deutschen Modells.
Zusammenfassung: Synthese der Erkenntnisse zur Aussagekraft der behandelten Theorien für das deutsche Wohlfahrtspflegesystem.
Schlüsselwörter
Nonprofit-Organisationen, Staat, Wohlfahrtspflege, Duales System, Subsidiarität, Weisbrod, Heterogenitätsthese, Third-Party-Government, Interdependenztheorie, Institutionelle Theorie, Esping-Andersen, Sozialausgaben, Deutschland, Wohlfahrtsstaat, Marktversagen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Beziehungsverhältnis zwischen dem Staat und Nonprofit-Organisationen, insbesondere im Bereich der deutschen Wohlfahrtspflege.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die theoretische Modellierung des Nonprofit-Sektors, die Rolle des Wohlfahrtsstaates und die historische Entwicklung sozialer Dienste in Deutschland.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die Überprüfung der Aussagekraft ausgewählter soziologischer und ökonomischer Theorien hinsichtlich ihrer Fähigkeit, das spezifische deutsche System der Wohlfahrtspflege zu erklären.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine theoretische Literaturanalyse sowie den Abgleich dieser Theorien mit empirischen Ergebnissen des Johns Hopkins Comparative Nonprofit Sector-Projekts.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert Weisbrods Heterogenitätsthese, Salamons Third-Party-Government-Theorie und die Institutionelle Theorie, gefolgt von einer historischen Aufarbeitung des dualen deutschen Systems.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Nonprofit-Organisationen, Duales System, Subsidiarität, Interdependenz und die Wohlfahrtsstaatsmodelle nach Esping-Andersen.
Warum wird Weisbrods Heterogenitätsthese für Deutschland kritisiert?
Weil sie die hohe Staatsnähe und den umfangreichen Sektor in Deutschland nicht erklären kann, da sie Nonprofit-Organisationen primär als Lückenbüßer bei Marktversagen sieht.
Inwiefern leistet die Institutionelle Theorie einen Mehrwert?
Sie integriert nationale historische Kontextfaktoren und politische Rahmenbedingungen, was ein präziseres Verständnis für das deutsche System der Wohlfahrtspflege ermöglicht.
Welche Rolle spielt das Subsidiaritätsprinzip im deutschen Kontext?
Es dient als Begründung für die gesetzliche Bevorzugung von Nonprofit-Organisationen gegenüber staatlichen Institutionen bei der Erbringung sozialer Dienstleistungen.
Wie bewertet die Autorin die Anwendbarkeit der Theorien?
Sie schlussfolgert, dass die Institutionelle Theorie das deutsche Modell am besten erfasst, räumt jedoch ein, dass auch diese eher als heuristischer Kunstgriff zu verstehen ist.
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- Isabel Meyer (Autor), 2006, Untersuchung ausgewählter Theorien zu den Beziehungen zwischen Staat und Nonprofit-Organisationen , Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/157560