Wie aus vorhergehenden Studien abgeleitet werden kann, hängt Lehrqualität maßgeblich von den Handlungskompetenzen von Lehrkräften ab. Durch einen quantitativen Fragebogen wurden Schüler*innen und Studierende der therapeutischen Gesundheitsfachberufe zu ihrer Sicht auf die Relevanz verschiedenen Lehrhandelns, Akademisierung von Lehrkräften und den Stand der Lehrevaluationen befragt. Lehrkräfte beantworteten neben der Relevanz und der Akademisierung auch eine Selbsteinschätzung des Lehrhandelns und gaben ihre Einschätzung zum Ist-Zustand der Lehrevaluationen. Bei den verschiedenen Items wurden Korrelationen zu soziodemographischen Daten untersucht. Die Ergebnisse zeigen keinen klaren Zusammenhang zwischen der Lehrqualität und dem Bildungsabschluss. Es konnten jedoch Meinungsbilder zur Akademisierung eingeholt werden, die klare Befürchtungen zu Verlust von Praxisbezug und fachlichem Wissen äußern. Diese können anhand der Bewertungen durch Lernende jedoch widerlegt werden. Lehrkräfte mit Masterabschluss schneiden durchschnittlich am besten ab, jedoch zeigen Lehrkräfte mit pädagogischer Weiterbildung einen klaren Vorteil in therapeutischen und sozialen Fähigkeiten. Diese Ergebnisse unterstützen die voranschreitende Professionalisierung im Gesundheitsfachbereich.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Hintergrund
2.1 Der Kompetenzbegriff
2.1.1 Lehrkompetenz
2.2 Lehrhandeln
2.3 Didaktik in der Berufsbildung
2.3.1 Definition Didaktik
2.3.2 Fachdidaktik
2.4 Lehrendenbildung
2.4.1 Bologna Prozess und die Akademisierung
2.5 Lehrevaluation
2.6 Bedeutung für die tGfb
3 Methode
3.1 Studiendesign
3.2 Erstellung der Fragebogen Items
3.3 Ein- und Ausschlusskriterien
3.4 Ablauf
3.5 Testgütekriterien
3.5.1 Objektivität
3.5.2 Validität
3.5.3 Reliabilität
4 Ergebnisse
4.1 Deskriptive Evaluation
4.1.1 Lehrkräfte
4.1.2 Schüler*innen und Studierende
4.2 Überprüfung der Forschungsfragen
4.2.1 Relevanz von Lehrhandeln
4.2.2 Bewertung von Lehrhandeln durch Schüler*innen und Studierende
4.2.3 Akademisierung von Lehrkräften
4.2.4 Selbsteinschätzung von Lehrkräften
4.2.5 Lehrevaluation
5 Diskussion
5.1 Limitationen
5.2 Fazit
5.3 Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Lehrhandeln und die wahrgenommene Lehrqualität in den therapeutischen Gesundheitsfachberufen (tGfb), um den Zusammenhang zwischen dem Qualifikationsniveau von Lehrkräften und dem Lernerfolg sowie dem Bedürfnis nach Akademisierung zu analysieren.
- Relevanz und Wahrnehmung von Lehrkompetenz in der Ausbildung.
- Einfluss des Bildungsgrades auf die Qualität des Lehrhandelns.
- Bedeutung von Lehrevaluationen für die Unterrichtsqualität.
- Diskurs um die Akademisierung im Gesundheitssektor.
- Vergleich der Einschätzungen von Lehrkräften und Studierenden.
Auszug aus dem Buch
2.2 Lehrhandeln
Jede noch so gute kognitive Kompetenz ist unzureichend, solange sie nicht auf der Handlungsebene ausgetragen werden kann. Klieme und Rakoczy (2008) beschreiben dies als Prozessqualität, denn erst auf der Lehr-Lern-Ebene wird sichtbar, durch welche empirischen Forschungsergebnisse die Qualität des Unterrichts wirklich verbessert werden kann.
Hattie (2021) beschreibt die von Schüler*innen wahrgenommene Relevanz des Lernens und der Wissensvermittlung der Lehrkräfte als den größten extern verursachten Lerneffekt. Er nennt dies „die inspirierte Lehrperson“ und zeigt auf, dass Lehrkräfte mit überdurchschnittlichem Effektmaß zwei Dinge gemeinsam haben: sie unterrichten situationsabhängig und evidenzbasiert (Hattie, 2021).
Das klassisch beobachtbare Verhalten von Lehrkräften scheint in erster Linie die Lehrform zu sein. Der Lehrvortrag, zeitweise der Goldstandard, wird heute oft als nicht mehr zeitgemäß abgestempelt. Trotz der Unbeliebtheit bei modernen Didaktikern können große Themenbereiche mit geringem Zeitaufwand bearbeitet werden. Entscheidend ist, wie der Inhalt aufbereitet wird, denn durch eine Anpassung auf die Lernenden und den Einsatz didaktischer Hilfsmittel kann der Lehrvortrag einen wertvollen Teil des Unterrichts ausmachen (Sahmel, 2018). Bligh veröffentlichte im Jahr 2000 seine Forschungsarbeit, in welcher er die Effektivität von Lehrformen vergleicht. Vorlesungen sind genauso gut oder sogar besser für die Vermittlung von Wissen geeignet wie Diskussionen, Projekte, multimediabasierte Lernformen und Einzelarbeiten. Für die Vermittlung sozialer Kompetenz und das Lösen komplexer Sachverhalte sind jedoch alternative Lehrformen zur Vorlesung vorzuziehen (Bligh, 2000). Vor allem ist das kompetenzorientierte Unterrichten essenzieller Teil des modernen Lehrhandelns (Klieme & Rakoczy, 2008).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Definiert die Relevanz der Lehrkompetenz und führt in die Problematik fehlender Standardisierungen in den tGfb-Berufen ein.
2 Hintergrund: Bietet einen literaturbasierten Überblick zu den Themen Kompetenzbegriff, Didaktik und Entwicklungen in der Lehrendenbildung.
3 Methode: Beschreibt das wissenschaftliche Studiendesign sowie die Konstruktion der für die Befragung verwendeten Fragebögen.
4 Ergebnisse: Präsentiert die empirischen Daten der durchgeführten quantitativen Befragung und überprüft die aufgestellten Hypothesen.
5 Diskussion: Reflektiert kritisch die Resultate der Studie, setzt diese in einen wissenschaftlichen Kontext und bietet einen Ausblick.
Schlüsselwörter
Lehrhandeln, Lehrkompetenz, Gesundheitsfachberufe, tGfb, Lehrevaluation, Akademisierung, Didaktik, Berufsbildung, Lehrqualität, empirische Forschung, Fragebogenstudie, Kompetenzorientierung, Lehrerfahrung, Bildungsabschluss, Professionalisierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Masterarbeit befasst sich mit der Untersuchung des Lehrhandelns und der Lehrqualität innerhalb der therapeutischen Gesundheitsfachberufe, um den Einfluss von Lehrkräften auf den Lernerfolg wissenschaftlich zu beleuchten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Definition von Lehrkompetenz, der aktuelle Stand der Didaktik und Lehrendenbildung in diesen Berufen sowie der Einfluss der Akademisierung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es zu ermitteln, welche Lehrkompetenzen für die tGfb besonders relevant sind und inwiefern das Qualifikationsniveau der Lehrenden die Wahrnehmung der Lehrqualität durch Lernende beeinflusst.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wurde eine quantitative Querschnittstudie mittels eines neu entwickelten Online-Fragebogens durchgeführt, deren Daten inferenzstatistisch ausgewertet wurden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil erfolgen die Literaturanalyse, die Darlegung der methodischen Vorgehensweise, die deskriptive und inferenzstatistische Analyse der Studienergebnisse sowie deren kritische Diskussion.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit zeichnet sich durch Begriffe wie Lehrhandeln, Gesundheitsfachberufe, Lehrevaluation, Akademisierung und Kompetenzorientierung aus.
Welche Rolle spielt die Lehrevaluation in der Studie?
Lehrevaluation dient als zentrales Instrument zur Analyse der Unterrichtsqualität. Die Arbeit betrachtet sowohl die Häufigkeit der Evaluation durch Lehrkräfte als auch das Feedback der Studierenden hierzu.
Hat sich die Hypothese zum Einfluss des Bildungsgrades bestätigt?
Hypothese B, dass die Bewertung der Lehrqualität linear mit steigendem Bildungsabschluss zunimmt, wurde falsifiziert, da Lehrkräfte mit pädagogischer Weiterbildung in bestimmten Bereichen teils besser abschneiden.
- Quote paper
- Tabea Stegmüller (Author), 2023, Lehrbildung und Lehrverhalten. Differenzen und Chancen für Ergotherapie, Physiotherapie und Logopädie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1575959