1.1. Bezug zum Thema
Das Themengebiet Übergang von der Schule in den Beruf hat in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen.
Ein gelingender Einstieg in einen Beruf ist von enormer Bedeutung für das weitere Leben in unserer Gesellschaft. Vor dem Hintergrund immer komplizierter werdender Übergänge und das damit verbundene Wachsen von Risiken gewinnt Beratung zur Entwicklung eigener Perspektiven und Wege zunehmend an Bedeutung.
Persönlich bin ich im Laufe meines Studiums und im Rahmen zweier abgeleisteter Praktika verstärkt mit dem Bereich der Beratung von jungen Menschen zur Berufsorientierung in Kontakt gekommen und habe dabei selbst Erfahrungen in der Beratung sammeln können.
Dabei erlebte ich, wie unterschiedlich und individuell Beratungen verlaufen und wie unterschiedlich deren Ergebnisse ausfallen können.
Aus diesen Erfahrungen heraus entstand bei mir die Motivation mich mit den Herausforderungen, Chancen und Grenzen der Beratung von jungen Menschen am Übergang Schule – Beruf zu befassen.
1.2. Problemstellung
Die Beratung von Jugendlichen am Übergang Schule Beruf bewegt sich in einem Spannungsfeld von ganz verschiedenen Bereichen.
Zum einen befinden sich ihre Adressaten in einer intensiven Phase des Umbruchs und Entwicklung, in welcher vielfältige Entwicklungsaufgaben zu bewältigen sind. Diese Lebensphase Jugend ist, so Hurrelmann, „eine der wichtigsten Phasen im menschlichen Lebenslauf“1.
Dabei üben verschiedene Bereiche wie Freundeskreis, Familie, Schule sowie die
gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, Normen und Werte Einfluss auf die Entwicklung junger Menschen aus.
Entwicklung geschieht, eingebettet in diese Bereiche, höchst individuell. Somit steht die Beratung vor der Herausforderung, sich mit ganz individuellen Lebenslagen und
Voraussetzungen der Jugendlichen auf der einen Seite und den Anforderungen und Gegebenheiten des Arbeitsmarktes auf der anderen Seite auseinanderzusetzen.
1.3. Fragestellung
Dieser Thematik möchte ich mich mittels drei Fragen nähern:
1. Welche Faktoren haben im Laufe der Entwicklung einer/eines Jugendlichen einen Einfluss auf die Herausbildung eines Berufswunsches bzw. auf die Auseinandersetzung mit der eigenen beruflichen Zukunft?
2. Wo stehen Jugendliche, die eine Beratung aufsuchen, in der Auseinandersetzung mit ihrer beruflichen Zukunft und welche äußeren Faktoren und Rahmenbedingungen haben Einfluss auf eine Beratung?
3. Welche Konsequenzen hat das für die Beratung?
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
1.1. BEZUG ZUM THEMA
1.2. PROBLEMSTELLUNG
1.3. FRAGESTELLUNG
1.4. THEMATISCHER SCHWERPUNKT
1.5. METHODISCHES VORGEHEN UND AUFBAU DER ARBEIT
2. LEBENSPHASE JUGEND
2.1. THEORIEN ÜBER DIE LEBENSPHASE JUGEND
2.2. BERUF UND IDENTITÄT IM JUGENDALTER
2.3. KOMPETENZAUFBAU
3. BEEINFLUSSENDE FAKTOREN FÜR DIE BERUFSORIENTIERUNG
3.1. ELTERN UND FAMILIE
3.2. SCHULE
3.2.1. Erfolg und Misserfolg
3.2.2. Berufsorientierung an der Schule am Beispiel Berlin
3.3. FREUNDE UND GLEICHALTRIGE – DIE PEERGROUP
3.4. GESELLSCHAFT
3.4.1. Rahmenbedingungen des Arbeits- und Ausbildungsmarktes
3.4.1.1. Arbeitstugenden
3.4.2.Geschlechternormen und Geschlechtermoral
4. BERATUNG AM ÜBERGANG SCHULE-BERUF
4.1. PROBLEMAUFRISS
4.2. SETTINGS VON BERATUNG
4.3. HANDLUNGSMETHODEN SOZIALARBEITERISCHER BERUFSBERATUNG
4.3.1. Ressourcenorientierung
4.3.2. Klientenzentriertheit
4.3.3. Weitere Methoden und erforderliche Kenntnisse
4.3.4. Motivation
5. VERHÄLTNIS ZUM STRUKTURELLEN RAHMEN
6. DIE PROBLEMATIK DER BENACHTEILIGTENZUSCHREIBUNG
7. FAZIT
8. ÜBER DIE BERATUNG HINAUSGEHENDE AUFGABEN FÜR DEN GELINGENDEN ÜBERGANG SCHULE - BERUF
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Herausforderungen, Chancen und Grenzen der Beratung junger Menschen beim Übergang von der Schule in den Beruf. Die zentrale Forschungsfrage befasst sich mit den Einflussfaktoren auf die berufliche Orientierung, den Bedingungen professioneller Beratung sowie den Konsequenzen aus diesen Erkenntnissen für die sozialpädagogische Praxis.
- Theoretische Einordnung der Lebensphase Jugend
- Analyse einflussnehmender Faktoren (Familie, Schule, Peergroup, Gesellschaft)
- Untersuchung von Beratungsmethoden in der Jugendberufshilfe
- Betrachtung struktureller Rahmenbedingungen und Benachteiligungszuschreibungen
- Evaluation praktischer Projektarbeit durch Experteninterviews
Auszug aus dem Buch
3.1. Eltern und Familie
Die Familie zählt trotz ihrer strukturellen Veränderungen der letzten Jahrzehnte als die wichtigste Sozialisationsinstanz. Den größten Einfluss haben hierbei die Eltern. Zum einen nehmen sie über Erziehung und Erziehungsstile maßgeblich Einfluss auf die Entwicklung ihrer Kinder und deren Persönlichkeit. Zum anderen wirken sie aber auch in ihrem Vorleben von Partnerschaftlichkeit und Geschlechterrollen prägend. Auch auf die Entwicklung von beruflichen Perspektiven und Wünschen haben sie maßgeblichen Einfluss. Sie bilden den Rahmen für die Lernerfahrungen ihrer Kinder sowohl mit ihrem Einfluss auf die Schullaufbahn, als auch im außerschulischen Bereich. Hier spielt aber auch die ökonomische Absicherung eine immer bedeutendere Rolle.
Die soziale Herkunft hat ebenfalls einen immer größer werdenden Einfluss auf die Bildungschancen und damit auch auf die spätere Berufslaufbahn. Mit ihrem eigenen Vorbild als Berufstätige, ihrer Meinung zu Arbeit und Beruf und in ihrer Eigenschaft als Ratgebende üben sie starken Einfluss aus. Je nach Familiensituation, Unterstützung durch die Eltern, Beziehung zwischen Jugendlichen und Eltern kann dieser Einfluss sehr unterschiedlich, förderlich oder hinderlich ausfallen. Durch das Zunehmen der Dauer von Übergängen in die Selbständigkeit und damit verbunden wachsender Risiken und Unüberschaubarkeit sind junge Menschen immer stärker auf Unterstützung durch die Familie angewiesen. Unterstützungen können hierbei sehr unterschiedlich und in verschiedenen Bereichen ausfallen. Sie reichen von materiellen Unterstützungen wie Geld und Wohnraum bis emotionalen Beistand.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Darstellung der persönlichen Motivation und der Relevanz der Thematik für den Übergang von der Schule in den Beruf.
2. LEBENSPHASE JUGEND: Überblick über theoretische Konzepte zur Jugendphase und deren Bedeutung für die Identitätsentwicklung und den Kompetenzaufbau.
3. BEEINFLUSSENDE FAKTOREN FÜR DIE BERUFSORIENTIERUNG: Analyse der prägenden Instanzen Familie, Schule, Freunde und gesellschaftlicher Rahmenbedingungen auf die Berufswahl.
4. BERATUNG AM ÜBERGANG SCHULE-BERUF: Vorstellung von Settings und sozialarbeiterischen Handlungsmethoden zur Unterstützung junger Menschen bei der Berufsfindung.
5. VERHÄLTNIS ZUM STRUKTURELLEN RAHMEN: Diskussion der Abhängigkeit von Projektarbeit und Finanzierungsstrukturen im Rahmen gesetzlicher Vorgaben.
6. DIE PROBLEMATIK DER BENACHTEILIGTENZUSCHREIBUNG: Kritische Auseinandersetzung mit der gesetzlichen Definition von Benachteiligung und deren stigmatisierender Wirkung.
7. FAZIT: Zusammenfassende Betrachtung der Beratung als Unterstützungsinstrument unter Berücksichtigung individueller und struktureller Herausforderungen.
8. ÜBER DIE BERATUNG HINAUSGEHENDE AUFGABEN FÜR DEN GELINGENDEN ÜBERGANG SCHULE - BERUF: Ausblick auf notwendige gesellschaftliche und schulische Veränderungen für eine erfolgreiche Zukunftsperspektive junger Menschen.
Schlüsselwörter
Übergang Schule-Beruf, Jugend, Sozialpädagogische Beratung, Identitätsentwicklung, Berufsorientierung, Ressourcenorientierung, Klientenzentriertheit, Bildungsbenachteiligung, Sozialisationsinstanzen, Arbeitsmarkt, Projektarbeit, Lebensphase Jugend, Kompetenzaufbau, Ausbildung, Strukturwandel.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es grundsätzlich in der Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit den komplexen Anforderungen an junge Menschen beim Übergang von der Schule in die Berufswelt und der Rolle sozialpädagogischer Beratung in diesem Prozess.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Themenfelder umfassen die Entwicklungsaufgaben in der Lebensphase Jugend, die Rolle von Familie und Schule, gesellschaftliche Einflüsse sowie moderne Ansätze der Berufsberatung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Beratung jungen Menschen helfen kann, trotz struktureller Hürden und individueller Krisen eine tragfähige berufliche Perspektive zu entwickeln.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturrecherche sowie der Auswertung eines Experteninterviews mit einer Sozialarbeiterin, ergänzt durch eigene Praxiserfahrungen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden sowohl theoretische Grundlagen der Jugendforschung als auch praktische Beratungskonzepte wie Ressourcenorientierung und klientenzentrierte Ansätze detailliert erörtert.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Beratungskompetenz, Strukturkrise des Arbeitsmarktes, Identitätsbildung und der Einfluss sozialer Herkunft auf Bildungschancen.
Wie wirkt sich die Schulstrukturreform in Berlin auf die Beratung aus?
Die Reform soll durch das "Duale Lernen" Theorie und Praxis enger verknüpfen, stellt jedoch gleichzeitig an die soziale Arbeit neue Anforderungen hinsichtlich der Integration dieser Ansätze in den Schulalltag.
Welche Rolle spielt die "Benachteiligtenzuschreibung" im SGB III?
Die Autorin kritisiert, dass diese gesetzliche Definition oft individuelle Defizite in den Mittelpunkt stellt, anstatt strukturelle Barrieren im Schul- und Arbeitsmarktsystem zu adressieren.
Wie gehen Sozialarbeiter mit den "Grenzen der Beratung" um?
Die Beratung stößt an Grenzen, wenn äußere Lebensumstände wie familiäre Krisen die Kapazitäten der Jugendlichen vollständig binden; hier ist eine wertschätzende Akzeptanz des Möglichen entscheidend.
- Quote paper
- Paul Hecht (Author), 2010, Herausforderungen, Chancen und Grenzen der Beratung von jungen Menschen am Übergang Schule - Beruf, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/157648