Friedrich Dürrenmatt hat mit seinem Theaterstück "Der Besuch der alten Dame" seinen größten Erfolg erzielt und sich damit finanziell abgesichert. Noch heutzutage wird es regelmäßig auf den großen Bühnen der Welt aufgeführt. Sein Stück dreht sich um die Gesellschaftskritik an der Hochkonjunktur der 50er Jahre und um die Abhängigkeit der Menschen von Geld. Im Rahmen des literaturwissenschaftlichen Proseminars: „Einführung in die Dramenanalyse: Die Komödie“ an der Universität Freiburg werde ich im folgenden untersuchen, inwiefern das Stück eine Komödie ist, unter den im Proseminar gelernten Aspekten und unter denen, die ich aus verschiedener Sekundärliteratur hinzuziehe. Des weiteren werde ich Dürrenmatts persönliche Sicht auf das Theater mit dem zu untersuchenden Stück in Verbindung bringen. Da Dürrenmatt sein Stück außerdem als „Eine Tragische Komödie“ bezeichnet, untersuche ich die Einbettung der tragischen Elemente in die Komödie und ihr Wechselspiel untereinander.
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Bereits im Personenverzeichnis beginnt die Komödie mit den Bezeichnungen der vier Gruppen, denen die Figuren zuzuordnen sind. Die Gruppen heißen „Die Besucher“, „Die Besuchten“, „Die Sonstigen“ und „Die Lästigen“. Während die Besucher, und die Besuchten direkt als Kontrast einander gegenüberstehen, sind die Sonstigen einfach die vier Personen, die keiner dieser beiden Gruppen angehören. Die Personen, die hier als „Die Lästigen“ aufgeführt werden, sind die Mitglieder der Presse. Auch in diesem Punkt bringt Dürrenmatt seine Kritik an der Presse zum Ausdruck. Außerdem bekommt man das Gefühl, dass die Pressearbeiter den Ablauf des Stückes stören, in dem sie ...
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Weltanschauung Dürrenmatts in Bezug auf das Theater: „Theaterprobleme“
2.1 Dürrenmatts Vorstellung einer Komödie
2.2 Die Komödie als Lösung der „Theaterprobleme“
3. Komische Elemente
3.1 Die Komödie nach Aristoteles
3.1.1 Vergleich
3.2 Die Aristophanische Komödie
3.2.1 Vergleich
3.3. Die komischen Elemente
3.3.1 Komik in Figuren und -konstellation
3.3.2 Komik in der Sprache
3.3.3 Komik in der Parodie
4. Die tragische Komödie
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Theaterstück "Der Besuch der alten Dame" von Friedrich Dürrenmatt unter dem Aspekt der komischen Elemente und deren Funktion innerhalb der Gattung der tragischen Komödie sowie der persönlichen Weltsicht des Autors.
- Analyse von Dürrenmatts Theaterkonzeption anhand der Schrift "Theaterprobleme"
- Untersuchung der Komik in den Figuren, der Sprache und parodistischen Elementen
- Gegenüberstellung klassischer Dramentheorien mit Dürrenmatts dramaturgischem Ansatz
- Betrachtung der Gesellschaftskritik und des Motivs der Käuflichkeit
- Interpretation der "tragischen Komödie" als Ausdrucksform einer chaotischen Wirklichkeit
Auszug aus dem Buch
3.3.2 Komik in der Sprache
Da Dürrenmatts Theaterstück auf den ersten Blick von der Handlung her mehr tragisch als komisch wirkt, ist es wichtig zu untersuchen, wie stark der Aspekt der Komödie, zum Beispiel in der Sprache, vertreten ist.
Einen wesentlichen Teil leistet Dürrenmatt in der gewollten und ungewollten Komik, die die Sprache ausstrahlt. Es gibt viele Wortwitze und intertextuelle Hinweise.
Zum Beispiel gibt es eine Menge Material, das man auch als schwarzen Humor bezeichnen könnte, über Ills bevorstehenden Tod und das Todesmotiv an sich.
Zu Beginn sagt der Bürgermeister, der seine Hoffnung in Ill setzt, zu ihm: „Da hängt alles von ihnen ab,“(S. 18) und sich dem Wahrheitsgehalt seiner Aussage noch nicht richtig bewusst ist, aber für jemanden, der den Fortlauf des Stücks bereits kennt, ist dieser Satz komisch. Claire bringt außerdem einen Sarg mit auf ihren Besuch und fragt verschiedene Anwesende nach ihrer Ankunft etwas über den Tod. Der Arzt wird gefragt, ob er Totenscheine ausstellt (S. 30) und sogar der Turner soll die Frage beantworten, ob er schon einmal „jemand erwürgt“ habe mit seinen „Kräften“ (S. 41). Als Antwort auf diese Frage bezeichnet Ill Claire als „Zum Totlachen“ (S. 41) und nach dem Angebot von Claire an die Güllener herrscht „Totenstille“ (S. 45) im Saal, wobei dieses Wort aus der Buchseite heraus sticht und eine wichtige Aussage über die Situation macht. Noch bevor die beiden Zeugen und der Richter vorgeführt werden, scheint der Ausgang der Geschichte schon festzustehen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung des Theaterstücks und Definition der Zielsetzung der Proseminar-Arbeit hinsichtlich der Dramenanalyse.
2. Weltanschauung Dürrenmatts in Bezug auf das Theater: „Theaterprobleme“: Erörterung von Dürrenmatts Sicht auf die Welt als Chaos und die daraus resultierende Notwendigkeit der Komödie als Theaterform.
3. Komische Elemente: Detaillierte Analyse der komischen Aspekte im Werk, unterteilt in aristotelische, aristophanische und spezifisch komische Mittel wie Figurenkonstellation, Sprache und Parodie.
4. Die tragische Komödie: Untersuchung der Verbindung von Tragik und Komik sowie der Wandlung des Protagonisten Ill und der Entindividualisierung der Güllener.
5. Fazit: Zusammenfassende Betrachtung der zweigleisigen Struktur des Stücks und Einordnung des Werks in Dürrenmatts gesamtes theoretisches Konzept.
Schlüsselwörter
Friedrich Dürrenmatt, Der Besuch der alten Dame, Komödie, tragische Komödie, Theaterprobleme, Groteske, Gesellschaftskritik, Aristoteles, Aristophanes, Käuflichkeit, Güllen, Parodie, Schwarzer Humor, Dramenanalyse, Weltanschauung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert Friedrich Dürrenmatts Theaterstück "Der Besuch der alten Dame" und untersucht insbesondere die Verwendung komischer Elemente innerhalb einer tragischen Struktur.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Arbeit befasst sich mit Dürrenmatts Weltanschauung, der Gattungsdefinition der tragischen Komödie, gesellschaftskritischen Aspekten wie der Käuflichkeit sowie verschiedenen komischen Ausdrucksformen.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Dürrenmatt tragische und komische Elemente miteinander verknüpft, um die moderne, chaotische Welt auf der Bühne darzustellen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Dramenanalyse, die den Text des Stücks mit Dürrenmatts eigenen theoretischen Schriften sowie verschiedener Sekundärliteratur in Beziehung setzt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung über Dürrenmatts Theaterverständnis und eine detaillierte Analyse der komischen Mittel, wie sprachlicher Humor, Parodie und Figurenkonstellationen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind die "tragische Komödie", "das Groteske", "gesellschaftskritische Satire", "Käuflichkeit" und der Vergleich mit klassischen dramatischen Traditionen.
Wie spielt das "Groteske" eine Rolle für Dürrenmatts Komödie?
Das Groteske dient bei Dürrenmatt als Kompromiss zwischen der Darstellung einer realistischen, chaotischen Welt und der Notwendigkeit einer künstlerischen Stilisierung auf der Bühne.
Warum wird die Rolle der Presse im Stück kritisch beleuchtet?
Dürrenmatt nutzt die Presse als eine Figur, die das Geschehen inszeniert, eine "Phantomwelt" konstruiert und somit die Unterscheidung zwischen Wahrheit und bloßer Darstellung aufhebt.
Was bedeutet die Entwicklung von Ill und den Güllenern?
Während Ill eine individuelle Entwicklung zum tragischen Helden durchläuft, erleben die Güllener eine Entindividualisierung zur gesichtslosen, gierigen Masse.
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- Jan Heemann (Author), 2009, Die komischen Elemente der tragischen Komödie von Dürrenmatt: Der Besuch der alten Dame, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/157794