Inwieweit lassen sich die Begriffe „Ästhetik“ und „Schule“ vereinbaren, wo doch die Schule und alles, was mit ihr zusammenhängt, von vielen grundsätzlich als gänzlich „unästhetisch“ angesehen wird?
Die Idee des „ästhetischen Lernens“ ist jedoch keine völlig neue Erfindung. Im Bereich der Religionspädagogik wird es bereits seit den achtziger Jahren im Hinblick auf religionspädagogisches Handeln reflektiert.
In der heutigen Zeit stellt sich in besonderer Weise die Frage, wie der Religionsunterricht für Schülerinnen und Schüler noch erfahrbar und interessant gestaltet werden kann. Denn in unserer leistungsorientierten Lebenswelt mit ihrem selektiven Schulsystem werden Kinder und Jugendliche häufig Opfer einer (medialen) Reizüberflutung, und es stellt sich die Frage, wie man Kinder und Jugendliche für eine bestimmte Wahrnehmung sensibilisieren kann, damit sie beispielsweise alltägliche Probleme besser bewältigen können.
Die vorliegende Arbeit versucht, sich dieser Fragestellung anzunehmen. Es soll veranschaulicht werden, dass „ästhetischer Religionsunterricht“ möglicherweise einen
didaktischen Beitrag leisten kann, die Lebenswirklichkeit von Kindern und Jugendlichen mit den Inhalten des Glaubens zu verknüpfen. Dazu ist es selbstverständlich erforderlich, die zentralen Charakteristika des „ästhetischen Religionsunterrichts“ darzustellen und zu bewerten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffsentwicklung
3. Ästhetische Bildung und Pädagogik
4. Dimensionen ästhetischer Bildung
4.1 Aisthesis
4.2 Poiesis
4.3 Katharsis
5. Ästhetisches Lernen in der Religionsdidaktik
6. Elemente eines ästhetischen Religionsunterrichts
7. Zusammenfassung
8. Literatur
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Möglichkeiten und Notwendigkeiten der Integration ästhetischer Lernprozesse in den Religionsunterricht, um Schülern einen erfahrungsbasierten Zugang zum Glauben zu ermöglichen und sie für eine komplexe Lebenswelt zu sensibilisieren.
- Historische und philosophische Herleitung des Ästhetik-Begriffs
- Verknüpfung von ästhetischer Bildung mit pädagogischen Konzepten
- Die drei Dimensionen ästhetischer Erfahrung: Aisthesis, Poiesis und Katharsis
- Anwendung ästhetischer Didaktik im Religionsunterricht
- Förderung von Wahrnehmung und Verlangsamung als Lernprinzip
Auszug aus dem Buch
4.2 Poiesis
Neben der Wahrnehmung ist auch das ästhetische Gestalten der Wirklichkeit von großer Bedeutung. Ästhetische Bildung geht über sinnliches Wahrnehmen hinaus hin zu ästhetischem Gestalten von Wirklichkeit und eröffnet dabei Raum für das Mögliche und Erhoffte. Diese Gestaltungs- und Ausdrucksfähigkeiten stehen für menschliche Freiheit und erstrecken sich über alle menschlichen Lebensbereiche. Dies gilt insbesondere für das Erzählen, Musizieren, Spielen, Malen, Textgestalten und auch für rhythmische Bewegungsformen, aber auch für den Bereich der ästhetischen Alltagspraxis. Auch Bereiche wie Religion, Politik, Ökonomie und Gesellschaft sind in diesen Vorstellungen integriert.
Bezieht man sich wiederum auf die Schulpraxis, so sollen Schülerinnen und Schüler „innere Vorgänge, vertiefende Eindrücke, Wahrnehmungen, Lebensstile, Botschaften, Gemeinsamkeiten etc. mit vielen Möglichkeiten ausdrücken lernen und ausdrücken dürfen“.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Herausforderung, Ästhetik in die Schule zu integrieren, und formuliert das Ziel, den Religionsunterricht durch ästhetische Elemente lebensnäher zu gestalten.
2. Begriffsentwicklung: Dieses Kapitel zeichnet die philosophische Entwicklung des Ästhetik-Begriffs von Alexander Gottlieb Baumgarten bis zu Theodor W. Adorno nach.
3. Ästhetische Bildung und Pädagogik: Hier wird die historische Verbindung zwischen ästhetischer Erziehung und Pädagogik, insbesondere durch Friedrich Schiller und Hartmut von Hentig, analysiert.
4. Dimensionen ästhetischer Bildung: Dieses Kapitel gliedert die ästhetische Erfahrung in die drei Bereiche Aisthesis, Poiesis und Katharsis, um sie für die Didaktik greifbar zu machen.
5. Ästhetisches Lernen in der Religionsdidaktik: Hier wird der Transfer ästhetischer Konzepte auf den konkreten religionspädagogischen Unterricht untersucht.
6. Elemente eines ästhetischen Religionsunterrichts: Das Kapitel erläutert praktische Ansätze wie die Schulung der Aufmerksamkeit und die bewusste Verlangsamung des Lernprozesses.
7. Zusammenfassung: Die Arbeit zieht das Fazit, dass ästhetische Elemente den Religionsunterricht sinnvoll bereichern und Distanzen zum Glauben abbauen können.
8. Literatur: Auflistung der verwendeten Fachliteratur und Quellen.
Schlüsselwörter
Ästhetisches Lernen, Religionsunterricht, Aisthesis, Poiesis, Katharsis, Religionsdidaktik, Wahrnehmungsfähigkeit, Ästhetische Bildung, Schulpraxis, Bildungstheorie, Sinnlichkeit, Lebenswirklichkeit, Verlangsamung, Kreatives Handeln, Religionspädagogik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Integration ästhetischer Lernmethoden in den Religionsunterricht, um Schülern einen lebendigen Zugang zu Glaubensinhalten zu ermöglichen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind die philosophische Herleitung des Ästhetik-Begriffs, die pädagogische Bedeutung ästhetischer Erfahrungen und deren praktische Anwendung im schulischen Kontext.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie ästhetischer Religionsunterricht die Lebenswirklichkeit der Schüler mit den Inhalten des Glaubens verknüpfen und so das Interesse am Fach steigern kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoriegeleitete Ausarbeitung, die auf Fachliteratur zur Religionsdidaktik und ästhetischen Bildung basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die historischen Grundlagen der Ästhetik, definiert die Dimensionen Aisthesis, Poiesis und Katharsis und leitet daraus konkrete didaktische Handlungsmöglichkeiten ab.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie ästhetisches Lernen, Wahrnehmung, Religionsdidaktik und Kreativität geprägt.
Wie unterscheidet sich der ästhetische Ansatz vom regulären Unterricht?
Der ästhetische Ansatz fungiert als Kontrastprogramm zum leistungsorientierten Lernen, indem er subjektive Erfahrungen und die Sinne stärker in den Mittelpunkt rückt.
Was bedeutet der Begriff „Verlangsamung“ in diesem Kontext?
Verlangsamung bedeutet, in der Schule bewusst Räume zu schaffen, die frei von Hektik und Zeitdruck sind, um so ein tieferes Verständnis und ästhetische Kompetenz zu ermöglichen.
- Quote paper
- Michael Kollenberg (Author), 2008, Ästhetisches Lernen im Religionsunterricht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/157820