Angststörungen im Kindes- und Jugendalter


Hausarbeit, 2007

15 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

0. Einleitung

„Angst hat keine Freunde, trotzdem kennt man sie gut,

denn sie macht sich lieber Feinde und sie frisst am liebsten Mut.

Keiner kann sie leiden, doch sie hat jeden gern
sie kennt auch jeden Menschen, ganz egal ob nah ob fern.“[1]

Dieser Textteil aus einem Lied macht deutlich, dass die Angst alle betrifft, und sie niemand umgehen kann. Vor allem für zukünftige Lehrer ist es essentiell, Ängste bei Schülerinnen und Schüler zu erkennen, um in angemessener Weise auf sie eingehen zu können. Doch an welchen Symptomen lassen sich Ängste erkennen, und wann muss man sogar von einer Angststörung sprechen? Wie wirkt sich eine Angststörung auf das Kind bzw. den Jugendlichen aus? Diese und andere Fragen sollen im Folgenden verdeutlicht werden.

1. Zum Begriff der Angst

Angst lässt sich definieren als ein Zustand starker emotionaler Erregung, der das Verhalten leitet und der durch die Wahrnehmung von Gefahr oder Bedrohung in der Umwelt oder im Individuum ausgelöst wird. Grundsätzlich dient dieser Affektzustand als biologisches Warnsystem, das bei Gefahr aktiviert wird und sich als Reaktion auf eine Bedrohung durch zukünftige Ereignisse äußert. Sie erhöht die Aufmerksamkeit und Handlungsbereitschaft.[2] Angst-Auslöser können dabei z.B. gefährliche Situationen sein oder beispielsweise etwas Fremdes. Die „normale Angst“ verhilft dem Menschen zu einer Reaktion, die seinem Schutz dient.

Beispiele für Ängste sind neben Trennungsangst auch Versagensangst, Schulangst oder auch verborgene Ängste. Ein geringes Ausmaß an Angst ist durchaus normal und kann bei der Bewältigung bestimmter Situationen hilfreich sein. Verschwinden die Ängste nach dem Ende einer Gefahr jedoch nicht und belasten sie die Betroffenen permanent, wird diese Angst Krankhaft.

2. Auswirkungen der Angst auf verschiedene Systeme

Das Erfahren von Angst ist als äußerst komplex zu charakterisieren. Sie wirkt sich auf verschiedene Systeme aus. Neben körperlichen Komponenten wirkt sie zusätzlich auf kognitiver und behavioraler Ebene.

2.1 Auswirkung der Angst auf das körperliche System

Wird eine Gefahr wahrgenommen, so wird das sympathische Nervensystem, das für Aktivität und Leistung zuständig ist, aktiviert. Daraufhin werden Adrenalin und Noradrenalin freigesetzt. Dabei erhöht sich der Pulsschlag, und der Körper wird in Aktionsbereitschaft versetzt. Somit wird der Stoffwechsel intensiver, und der Körper wird auf einen Kampf bzw. eine Flucht vorbereitet. Deshalb wird dieses Phänomen auch die „Kampf/Flucht-Reaktion“ genannt. Symptome äußern sich in einer steigenden Herzfrequenz, einer schnelleren und tieferen Atmung und damit verbundenen Erstickungsgefühlen, Schmerzen in der Brust usw. Durch die abnehmende Blutzufuhr kommt es zu Schwindel bis hin zu Sehstörungen. Außerdem ist ein Weiten der Pupillen festzustellen. Muskeln spannen sich an, und es kommt häufig zu starken Anspannungen, die sich im Zittern äußern.[3]

2.2 Auswirkungen der Angst auf das kognitive System

Die kognitiven Aspekte beinhalten zum einen die Unsicherheit darüber, wie mit einer bestimmten Situation umzugehen ist und zum anderen die Unsicherheit darüber, was in Zukunft passieren wird. Dazu gehören neben Sorge auch die Erwartung einer Katastrophe und die Angst, bestimmte Situationen nicht bewältigen zu können.

Kinder mit Angststörungen haben oft Probleme, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren, weil ihre Aufmerksamkeit permanent auf die Suche nach einer potentiellen Gefahr oder Bedrohung ausgerichtet ist. Falls diese Kinder keine äußeren Gefahren oder Bedrohungen finden können, richten sie die Aufmerksamkeit häufig nach innen und suchen dort. Folglich denken diese Kinder, dass mit ihren selbst etwas nicht in Ordnung sein kann, da eine äußere Gefahr nicht feststellbar ist. Die häufigsten Symptome äußern sich in Gefühlen von Furcht und Nervosität. Außerdem sind Panik und Konzentrationsschwierigkeiten vorherrschend.[4]

2.3 Auswirkungen der Angst auf das behavoriale System

Durch die Kampf/Flucht-Reaktion entsteht neben dem Wunsch, der angsteinflößenden Situation davonzueilen, auch Aggression. Häufig verhindern jedoch soziale Zwänge, dass diesen Impulsen nachgegeben wird und es kommt zum Vermeidungsverhalten. Durch dieses Vermeidungsverhalten wird die Angst trotz momentaner Erleichterung aufrechterhalten, und neue Erfahrungen werden verhindert. Das Verhalten wird negativ verstärkt, d.h. es wird bekräftigt, wenn es die Entfernung eines negativen Ereignisses zur Folge hat. Dementsprechend versucht das Kind, bei jeder Konfrontation mit einer angsterzeugenden Situation, schnellstmöglich zu entfliehen. Die schnelle Überwindung der Situation hat zur Folge, dass das Vermeidungsverhalten des Kindes immer stärker ausgeprägt wird. Am ständigen Weinen, Schreien oder Anklammern lässt sich ein Vermeindungsverhalten feststellen. Außerdem lässt die Bitte an die Eltern, dem Kind zu helfen, ebenfalls auf ein Vermeidungsverhalten schließen. Zudem zeigen Ablenkungen und Distanzierungen von Situationen, die Angst erzeugen, ein mögliches Vermeidungsverhalten.[5]

3. Formen der Angststörungen

Angststörungen lassen sich in verschiedene Formen klassifizieren. Ängstliches Verhalten wird bei Jugendlichen und Kindern in ihrer Entwicklung als normal angesehen.

Vor allem drei Formen von Ängsten treten häufig bei Kindern und Jugendlichen auf. Diese beinhalten neben Störungen mit Kontaktvermeidung auch Trennungsangst oder Überängstlichkeit. Nach Studien weisen ca. 10% der Kinder und Jugendlichen Angststörungen auf.[6] „Zusätzlich umfasst das DSM-III-R (1989) fünf Angststörungen, die auf Kinder und Jugendliche ebenso wie auf Erwachsene zutreffen können: Panikstörungen, Phobische Störungen, Zwangsstörungen, Posttraumatische Belastungsstörungen und Generalisierte Angststörungen.“[7]

Diese Störungen sollen im Folgenden genauer beschrieben bzw. differenziert werden.

3.1 Störungen mit Kontaktvermeidung

Ein extremes und auffälliges Umgehen von Kontakten mit unbekannten Menschen ist das Hauptmerkmal für eine Störung mit Kontaktvermeidung. Das Kind verhält sich bei dieser Störung stark zurückhaltend und ist äußerst scheu. Diese Vermeidung ist dann so stark, dass das Kind nur schwer Beziehungen zu Gleichaltrigen aufbauen kann.[8]

Hält diese Kontaktvermeidung länger an, kann es zu Störungen des Sozialverhaltens und der Unfähigkeit zur Kontaktaufnahme mit Mitmenschen kommen. Diese Störung darf jedoch keinesfalls mit dem Verhalten schüchterner Kinder und Jugendlicher verwechselt werden. Diese kommen mit unbekannten Personen generell nur langsam in Kontakt, verweigern sich diesen jedoch nicht vollkommen.[9]

[...]


[1] Naidoo N. Kleines Lied.

[2] Koeslin, J. Psychiatrie und Psychotherapie für Heilpraktiker. München (2005): Elsevier. S. 109

[3] Essau, C. A. Angst bei Kinder und Jugendlichen. München (2003): Reinhardt. S. 14f.

[4] Ebd. S. 15f.

[5] Essau, C. A. Angst bei Kinder und Jugendlichen. München (2003): Reinhardt. S. 16.

[6] Petermann, F. Lehrbuch der Klinischen Kinderpsychologie: Erklärungsansätze und Interventionsverfahren. Göttingen (1998): Hogrefe. S.224.

[7] Vgl. Ebd. S. 219

[8] Essau, C. A. Angst bei Kinder und Jugendlichen. München (2003): Reinhardt. S. 56

[9] Petermann, F. Lehrbuch der Klinischen Kinderpsychologie: Erklärungsansätze und Interventionsverfahren. Göttingen (1998): Hogrefe. S. 220

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Angststörungen im Kindes- und Jugendalter
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster  (Soziologie)
Veranstaltung
Angststörungen
Note
2,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
15
Katalognummer
V157821
ISBN (eBook)
9783640704859
ISBN (Buch)
9783640704958
Dateigröße
408 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Angststörungen, Kindes-, Jugendalter
Arbeit zitieren
Michael Kollenberg (Autor), 2007, Angststörungen im Kindes- und Jugendalter, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/157821

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