Erkennt, dass der HERR Gott ist. Exegetische Arbeit am Psalm 100


Seminararbeit, 2009

20 Seiten, Note: 1,4


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Textanalyse
2.1 Textbesonderheiten
a) Die Überschrift
b) Variationen im Text
c) Übersetzungsvariation
2.2 Arbeitsübersetzung
2.3 Strukturanalyse

3. Kontextanalyse
3.1 Die JHWH-Psalmen
a) Identifizierung als JHWH-Psalm
b) Vergleich mit anderen JWHW-Psalmen
3.2 Universalisierung

4. Theologie des Textes
a) Ein Dankpsalm
b) Königshuldigung der Völker
c) Erkennt, dass der HERR Gott ist
d) Tretet ein! Kommt vor sein Angesicht!
e) Der HERR ist gut

5. Resumé:

Bibliographie:

1. Einleitung

Oft erscheint das Alte Testament als der Teil der Bibel, das einen zornigen und Krieg führenden Gott darstellt. Doch der nun betrachtete Psalm soll auch die Freude, die das Volk Israel hatte zum Ausdruck bringen. Wir werden im Verlauf der Arbeit sehen, was der Grund für diese Freude, auch im Alten Testament, war. Vor allem die Freude am Heiligtum, vor dem Angesicht Gottes, bewegte die Israeliten. Und auch in diesem Psalm merkt man die Freude der Anbetenden. Eigentlich sollte dieser Psalm von keinem Theologen, sondern wohl eher von Musikern untersucht werden. Jedenfalls ist es nicht verwunderlich, dass auch die Großen der Musikszene (Schütz, Reger, Distler, Mendelsohn) sich diesem Psalm nicht entziehen konnten.[1]

2. Textanalyse

Hier sollen kurz mögliche Variationen, sowie Schwierigkeiten im Text besprochen werden. Auch soll am Ende dieses Teils eine eigene Arbeitsübersetzung gegeben werde. Bezüglich der Textgattung können wir sagen, dass der Psalm zu den „hymnischen Chorliedern“[2] gehört. Um es noch genauer zu beschreiben, „folgt der Psalm […] dem Schema des imperativischen Hymnus“[3].

2.1 Textbesonderheiten

a) Die Überschrift

„מִזְמוֹר לְתוֹדָה“ (Ein Psalm/Lied des Lobes/Dankes) ist durch die Anordnung im MT und im Vergleich zu anderen Psalmen[4], bei denen dieselbe Anordnung besteht, deutlich, dass es hier um einen Hinweis bzw. eine Überschrift handelt, die uns den Psalm oder das Lied kurz vorstellen bzw. einleiten soll. Eine Frage die sich in Bezug auf לְתוֹדָה noch stellt ist die Übersetzung. Handelt es sich hier um ein „Dankopfer“ oder vielleicht ein „Danklied“ bzw. um eine „Dankliturgie“ oder sollte durch diesen Psalm nur der „Dank“ ausgedrückt werden? Sicher ist, dass dieser Psalm Teil einer Prozession oder Liturgie am Heiligtum war. Wohl dürfen wir hier eher an ein „Danklied“ denken zu dem die eintretende Feiergemeinde (V.2 u.4) eingeladen und ermutigt wird (V.1, 2 u. 4).[5] Wobei wir den Psalmentargum nicht übersehen dürfen der dort „ein Opfer des Dankes“ sieht (engl. the offering of thanksgiving).

b) Variationen im Text

Wir haben nur eine Textvariation zu betrachten. In Vers 3 geht es um die erklärende Ergänzung zu der Aussage, dass Gott uns gemacht hat. Die KJV sieht in diesem Vers die Aussage, dass Gott uns gemacht hat und „nicht wir uns selbst“ („and not we ourselves“ – אֲנַחְנוּ אֹלו). Diese Übersetzung findet Unterstützung durch die LXX und Manuskripte aus der Kairoer Genezia. Auf der anderen Seite haben wir aber die Variation „und wir sind sein“ (hebr. אֲנַחְנוּ וְלוֹ). Diese Übersetzungsvariante findet Unterstützung durch hebräische Manuskripte. Aber selbst der MT gibt uns hier zwei Lesarten: Ketiv[6] („und nicht wir uns selbst“) und eben Qere[7] („wir gehören ihm/ sind sein“).

„Vom Variantentyp her kann jeder der beiden eine Verschreibung der anderen sein, eine Richtung der Abhängigkeit läßt sich so nicht feststellen. Man muß vom Inhalt her auf die vermutlich ursprüngliche Lesart schließen … Mir scheint – mit vielen Vorgängern -, daß die Entscheidung im Blick auf Ps. 95,6 fallen muß, und dann fällt sie für das Qere. Das ist vor allem notwendig, wenn schon aus anderen Gründen naheliegt, dass Ps. 100 überhaupt geschaffen worden ist, um die vorausgehenden Jahwe-Königspsalmen abzuschließen. Doch selbst unabhängig davon gibt es Gründe zur Annahme, hier werde Wortmaterial aus Ps. 95,6 aufgenommen. Ist das der Fall, dann ist das Qere ursprünglich, und wir haben einen Bezug zur bekannten „Bundesformel“.“[8]

Der Meinung und der Beweisführung dieses Zitates wollen wir uns anschließen und für die Qere-Lesart plädieren und uns somit für „wir sind sein“ entscheiden.

c) Übersetzungsvariation

Wir müssen uns bevor wir uns über den Inhalt des Textes Gedanken machen, zu Erst eine Frage der Übersetzungsmöglichkeiten machen. Hier soll keine Auslegung geschehen, wenn gleich Übersetzung immer was mit dem Kontext und der Intension des Autors zu tun hat und dem Erkennen dessen.

הָאָרֶץ-כָּל zu Deutsch „ganze Erde“ trägt dazu bei die Universalität des Psalms zu unterstützen[9]. Betrifft es hier die buchstäbliche „ganze Erde“ oder ist hier nur das „ganze Land“ gemeint. Das „ganze Land“ der Anhänger JHWH’s oder das ganze Umland des Tempels, also das Einzugsgebiet des Heiligtums. Die Universalität des Psalm, die später noch näher erläuter werden soll, stimmt einer weitläufigeren Deutung zu. Auch die LXX[10] und der Psalmentargum[11] sehen hier eine deutlich offenere Haltung als uns das eigentlich von den Israeliten und seinem Gott bekannt ist, soll heißen auch die „Fremden“ sind eingeladen an der Prozession teilzunehmen, wenn sie sich den Geboten des heiligen Gottes unterordnen.

2.2 Arbeitsübersetzung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.3 Strukturanalyse

Die Struktur des Textes stellt den wichtigen Inhalt und damit auch den Höhepunkt des Kapitels 100 in den Vordergrund.

Dorsey geht in seinem Buch bezüglich der Strukturen des Alten Testaments meiner Meinung nach nur sehr oberflächlich an den Text heran[12]:

A Aufruf zum Lob: „Jauchzet dem HERRN“ (100,1-2)

B Grund für das Lob: „weil der HERR Gott ist, er hat uns gemacht“ (100,3)

Aufruf zum Lob: „Kommt herein durch die Tore mit Dank“ (100,4)

Grund für das Lob: „weil der HERR gut ist“ (100,5)

Einen groben Überblick über diese Textpassage gibt er uns, aber den wirklichen Inhalt und die Kernaussage kann er durch diese Struktur nur bedingt erfassen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Der Psalm zeigt eine unverwechselbare Besonderheit, indem er Trikola nicht nur in einzelnen Versen verwendet sondern durchgehend dabei bleibt. Es bilden jeweils drei poetische Versglieder eine Sachaussage. Hier soll keine Auslegung geschehen, sondern der Versuch der Einteilung und der Strukturierung des Psalms.

Der erste „Dreizeiler“ beginnt in 1b, da 1a die Überschrift bzw. die Einleitung des Psalms darstellt. Dieser Abschnitt fordert „alle Welt“ und damit eben alle Erdenbewohner auf sich dem Jubel und dem Dienst vor JHWH anzuschließen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Der zweite „Dreizeiler“ fordert alle Anwesenden auf den Gott, ihren Schöpfer zu erkennen bzw. anzuerkennen. Dieser Abschnitt ist eine Erweiterung, vielleicht leicht veränderte Version der „Bundesformel“ aus 5. Mose 26.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Der dritte „Dreizeiler“ zieht die Konsequenz aus dem Erkannten. Er fordert die Gemeinde mit drei Imperativen, welche teilweise die Imperative des ersten „Dreizeilers“ aufgreifen und intensivieren.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Der vierte und damit letzte „Dreizeiler“ ist „sowohl Begründung wie Durchführung der in V1-4 aneinandergereihten Aufforderungen zum hymnischen Lobpreis“[13].

[...]


[1] Helmut Lamparter, Das Buch der Psalmen II. (Stuttgart Calwer-Verlag 1959) S. 162

[2] Hans-Joachim Kraus, Psalmen 2. Teilband (Neukirchen Neukirchner Verlag 1966) S.686

[3] Frank-Lothar Hossfeld, Herders Theologischer Kommentar zum Alten Testament (Freiburg im Breisgau Herder-Verlag 2000) S.707

[4] Diese Art der Anordnung findet sich auch bei anderen Psalmen z. Bsp. Psalm 72; 73; 74; 78; 82;103 usw.

[5] Hans-Joachim Kraus, Psalmen 2. Teilband (Neukirchen Neukirchner Verlag 1966) S.686

[6] „Wie geschrieben steht“

[7] „lies!“

[8] N. Lohfink, Universalisierung

[9] Später mehr zu dieser Thematik der Universalität des Psalms 100

[10] τω κυριω πασα η γη (Der HERR über jedes Land)

[11] Auf Englisch: all inhabitants of the earth (alle Bewohner der Erde)

[12] David A. Dorsey „ The literary structure of the Old Testament“ (Grand Rapids Baker Books 1999) S.185

[13] Frank-Lothar Hossfeld, Herders Theologischer Kommentar zum Alten Testament (Freiburg im Breisgau Herder-Verlag 2000) S.711

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Erkennt, dass der HERR Gott ist. Exegetische Arbeit am Psalm 100
Hochschule
Seminar Schloss Bogenhofen
Note
1,4
Autor
Jahr
2009
Seiten
20
Katalognummer
V157843
ISBN (eBook)
9783640714735
ISBN (Buch)
9783640714827
Dateigröße
834 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Psalm, Dank, Gott, Erkenne, Psalm 100, 100, Heiligtum
Arbeit zitieren
Philipp Steinweber (Autor), 2009, Erkennt, dass der HERR Gott ist. Exegetische Arbeit am Psalm 100, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/157843

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