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Medien und Politik - Zur Formung und Bedeutung der Öffentlichen Meinung in Niklas Luhmanns Sicht

Title: Medien und Politik - Zur Formung und Bedeutung der Öffentlichen Meinung in Niklas Luhmanns Sicht

Term Paper (Advanced seminar) , 2003 , 26 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Oliver Klug (Author)

Politics - Political Theory and the History of Ideas Journal
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Einleitung

Wenn Luhmann von Öffentlichkeit oder öffentlicher Meinung in modernen Gesellschaften spricht, dann meint er damit vor allem eine massenmedial vermittelte Publikumsöffentlichkeit. Beide Termini sind in engen Zusammenhang mit dem Funktionssystem der Massenmedien gerückt und ohne diesen kaum im Luhmannschen Verständnis skizzierbar. In kritischer Abgrenzung zu einem „aufklärerischen“, meist normativen Verständnis von Öffentlichkeit und öffentlicher Meinung, sucht Luhmann das Verständnis beider Termini „systemfunktional“ zu rekonstruieren, und so Öffentlichkeit und öffentliche Meinung innerhalb seiner allgemeinen Gesellschaftstheorie nutzbar zu machen. Mit Blick auf eine zunehmende Medienkritik sollen in dieser Arbeit die nach Luhmann unvermeidbaren Implikationen der strukturelle Kopplung von Parteiendemokratie, Massenmedien und Wählern skizziert werden und ihre Gefahren wie Vorzüge angedeutet werden.

Fragestellung

Um das Luhmannsche Verständnis von öffentlicher Meinung und Öffentlichkeit zu verdeutlichen, bieten sich folgende Untersuchungsfragen an:
1. Wo sind „Öffentlichkeit“ und „öffentliche Meinung“ in der Luhmannschen Systemtheorie zu verorten?
2. Wie beschreibt Luhmann die Operationsweise der Massenmedien in ihrer Funktion als primärer Formgeber der öffentlichen Meinung?
3. In welcher Beziehung steht die öffentliche Meinung zu psychischen Systemen, zum Gesellschaftssystem und insbesondere zur Politik? Welche Funktionen übernimmt die öffentliche Meinung für diese Systeme?
4. Welche Möglichkeiten und Begrenzungen ergeben sich aus dieser Beziehung für mediale- und für politische Kommunikationen?

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Fragestellung

Vorgehensweise

1 Öffentlichkeit

2 Die Operationsweise der Massenmedien

2.1 Die erste Realität der Massenmedien: Wie Medien operieren

2.2 Zweite Realität: Zur Realitätskonstruktion durch Medien

2.2.1 Die Formung der öffentlichen Meinung durch Schemata

2.2.2 Die Autonomie der Systeme

2.2.3 Soziale Funktionen der öffentlichen Meinung

3 Öffentliche Meinung und Parteiendemokratie

3.1 Die Übertragung der öffentlichen Meinung ins politische System

3.2 Formung der öffentlichen Meinung durch politische Akteure?

4 Kritische Würdigung

Zielsetzung und Themen

Die Arbeit verfolgt das Ziel, Niklas Luhmanns systemtheoretische Perspektive auf Öffentlichkeit und öffentliche Meinung im Kontext moderner Gesellschaften darzulegen und kritisch zu reflektieren. Im Zentrum steht dabei die Analyse der strukturellen Kopplung zwischen dem Massenmediensystem, dem politischen System und den Wählern.

  • Verortung von Öffentlichkeit und öffentlicher Meinung innerhalb der Systemtheorie.
  • Analyse der Operationsweise der Massenmedien als Formgeber der öffentlichen Meinung.
  • Untersuchung der Funktionen öffentlicher Meinung für politische und psychische Systeme.
  • Reflexion der Möglichkeiten und Grenzen politischer Kommunikation in diesem Systemgefüge.

Auszug aus dem Buch

2.1 Die erste Realität der Massenmedien: Wie Medien operieren

Der Code, nach dem das Funktionssystem der Massenmedien aus seiner gesellschaftlichen Umwelt Kommunikationen selektiert, ist „Information/Nichtinformation“. Innerhalb der Massenmedien ermöglicht nur die positive Seite des Codes, also „Information“ weitere Kommunikationen. Mit der Unterscheidung Information/Nichtinformation reduziert das Mediensystem die Komplexität einer Vielzahl möglicher (kontingenter) Kommunikationen in der medialen Systemumwelt. Da Informationen durch die Medien permanent in „Nichtinformationen“ gewandelt werden, indem diese nach ihrer Veröffentlichung „bekannt“ und „veraltet“ sind, bedürfen Medien permanent „neuer“ Informationen. Diese können aus fremden Systemen kommen, oder sie werden –selbstrefrenziell– im System der Massenmedien erzeugt. Jedenfalls muss in den Medien auf jede Veröffentlichung eine weitere folgen. Um unabhängig von Neuigkeiten aus der Umwelt existieren zu können, erzeugen die Massenmedien vermehrt eigenständig Neuigkeiten, auf die sie sich rekursiv beziehen können. Dieser autopoietische Mechanismus festigt das System zunehmend als selbstreferenziell-geschlossenes System im Gesellschaftssystem. In Folge ihrer autopoietischen Geschlossenheit sind Medien(-Kommunikationen) durch die Kommunikationen aus ihrer Umwelt nur noch „bedingt irritierbar“: Das heißt, sie reagieren auf diese nur, sofern die Kommunikationen der positiven Seite des medialen Codes entsprechen – sofern sie „Informationen“ für die Medien sind.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Öffentlichkeit: Dieses Kapitel verortet Öffentlichkeit als gesellschaftsinterne Umwelt und Raum zwischen Teilsystemen, wobei Luhmann sie als systemfunktionalen Aspekt und nicht als eigenständiges System begreift.

2 Die Operationsweise der Massenmedien: Hier wird analysiert, wie Medien über den Code Information/Nichtinformation Realität konstruieren und mittels Schemata und thematischer Strukturen als soziales Gedächtnis fungieren.

3 Öffentliche Meinung und Parteiendemokratie: Dieses Kapitel beleuchtet die Funktionssymbiose zwischen öffentlicher Meinung und Politik sowie die Versuche politischer Akteure, diese Themenstrukturen für sich zu nutzen.

4 Kritische Würdigung: Hier erfolgt eine reflexive Auseinandersetzung mit Luhmanns konstruktivistischem Ansatz, insbesondere hinsichtlich der Problematik äquivalenter Realitäten und der Bedeutung normativer Standards.

Schlüsselwörter

Luhmann, Systemtheorie, Massenmedien, Öffentlichkeit, öffentliche Meinung, Realitätskonstruktion, Information, Themenkarriere, Schemata, politische Kommunikation, Parteiendemokratie, strukturelle Kopplung, soziales Gedächtnis, Kontingenz, autopoietische Systeme.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das Verständnis von Öffentlichkeit und öffentlicher Meinung aus der systemtheoretischen Perspektive von Niklas Luhmann und deren Bedeutung für die politische Kommunikation in modernen Demokratien.

Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?

Die zentralen Themen sind die autopoietische Operationsweise der Massenmedien, der Prozess der Realitätskonstruktion durch diese, die Funktion der öffentlichen Meinung als soziales Gedächtnis sowie die Wechselwirkungen zwischen Medien, Politik und Gesellschaft.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, die Luhmannsche Sichtweise auf die strukturelle Kopplung von Medien und Politik darzustellen und aufzuzeigen, wie öffentliche Meinung als Themenstruktur zur Reduktion politischer Komplexität dient.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?

Der Autor stützt sich weitestgehend auf die Primärliteratur von Niklas Luhmann und arbeitet konsequent mit dessen systemtheoretischen Begrifflichkeiten, um die Theorie rekonstruierend anzuwenden.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der medialen Operationsweise, die Erläuterung der "ersten" und "zweiten" Realität der Medien, die Funktion von Schemata für das soziale Gedächtnis sowie die Anwendung dieser Konzepte auf politische Kommunikationsprozesse und Parteiendemokratien.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Charakterisierende Begriffe sind unter anderem Systemtheorie, autopoietische Geschlossenheit, strukturelle Kopplung, Themenkarriere, soziale Funktionen und mediale Realitätskonstruktion.

Inwiefern beeinflussen Massenmedien laut Luhmann die politische Willensbildung?

Medien beeinflussen die politische Kommunikation, indem sie Themen durch Schematisierungen strukturieren, diese zur "öffentlichen Meinung" verdichten und so die Komplexität für das politische System reduzieren, während sie gleichzeitig Druck zur Reaktion erzeugen.

Warum ist laut Luhmann die Fehlbarkeit von Schemata "funktionsnotwendig"?

Die Fehlbarkeit ist funktionsnotwendig, da sie den ständigen Wandel von Themen und Schemata ermöglicht und verhindert, dass das System in einer starren, festgefahrenen Kommunikation verharrt, wodurch die notwendige Dynamik und Irritierbarkeit des gesellschaftlichen Systems gewahrt bleibt.

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Details

Title
Medien und Politik - Zur Formung und Bedeutung der Öffentlichen Meinung in Niklas Luhmanns Sicht
College
University of Hamburg  (Institut für Politische Wissenschaft)
Course
Theoriekurs: Politische Theorie der Öffentlichkeit
Grade
1,0
Author
Oliver Klug (Author)
Publication Year
2003
Pages
26
Catalog Number
V15786
ISBN (eBook)
9783638208048
ISBN (Book)
9783640385454
Language
German
Tags
Medien Politik Sicht Theoriekurs Politische Theorie Soziologie Massenmedien Sozialtheorie Öffentliche Meinung Niklas Luhmann Luhmann politische Theorie veröffentlichte Meinung Boulevard Journalismus Medienforschung
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Oliver Klug (Author), 2003, Medien und Politik - Zur Formung und Bedeutung der Öffentlichen Meinung in Niklas Luhmanns Sicht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/15786
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