Die Deutsche Einheit kam blitzschnell. Jetzt standen die Politiker vor einer nahezu unlösbaren Aufgabe: Einer Währungsunion und der Umstruktierung der Planwirtschaft der ehemaligen DDR und ihre Eingliederung in den kapitalistischen Westen. Welche Fehler hierbei gemacht worden sind und welche Alternativen es gegeben hätte, stelle ich in dieser Arbeit dar.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die DDR-Wirtschaft vor der Wende
3. Wirtschaftskrise in der DDR
4. Nach der Wende
5. Der Umstellungskurs der D-Mark
6. Einbruch des DDR-Außenhandels
7. Die Treuhandanstalt
8. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und Herausforderungen während der deutschen Wiedervereinigung 1989/1990. Dabei stehen die Einführung der Währungsunion, der Umstellungskurs der D-Mark sowie die Rolle der Treuhandanstalt bei der Transformation der ostdeutschen Planwirtschaft in die soziale Marktwirtschaft im Zentrum der Untersuchung.
- Wirtschaftliche Ausgangslage der DDR vor 1989
- Debatten um den Umstellungskurs von D-Mark und Ostmark
- Die Funktion und Kritik an der Arbeit der Treuhandanstalt
- Transformation der Planwirtschaft in ein marktwirtschaftliches System
- Soziale und ökonomische Folgen der Wiedervereinigung
Auszug aus dem Buch
5. Der Umstellungskurs der D-Mark
Eine sehr wichtige Frage bei der Währungsunion war die Frage des Umstellungskurses. Wie bereits erwähnt, mussten einreisende Bürger(innen) aus Westdeutschland in der DDR ihr Geld zu einem Kurs von 1:1 umtauschen. Dieser Kurs entsprach aber bekanntermaßen nicht der Realität. Zu diesem Zeitpunkt lag der offizielle Wechselkurs für West-Ost-Reisende bei 1:3. Das DDR Finanzministerium gab an, dass das durchschnittliche Austauschverhältnis beim Handel mit Westdeutschland bei 1:4,4 lag. Der Kurs im Freiverkehr lag jedoch bei 1:8, teils gar bei 1 :10.
Thilo Sarrazin, der 1989/90 im Bundesfinanzministerium das „Referat Innerdeutsche Beziehungen“ für die Währungs- und Wirtschaftsunion vorbereitete, stellte eine volkswirtschaftliche Berechnung für die Währungsumstellung auf. Die Produktivität der DDR-Wirtschaft sah er bei durchschnittlich 40 % der BRD Wirtschaft. Bei 8,6 Millionen Erwerbstätigen in der DDR gegenüber 29,7 Millionen Beschäftigten in der BRD, liegt die Gesamtproduktivität der DDR bei 11,6% Gesamtdeutschlands. Sarrazin schlussfolgert, dass bei einem Anstieg der Produktivität der neuen Gesamtbundesrepublik im Vergleich zur alten BRD, die D-Mark-Geldmenge also auch um ca. 11,6 % anwachsen darf, ohne dass die D-Mark mit größeren Währungsschwankungen aus der Währungsunion herausgeht. Im Jahr 1988 verdienten die DDR-Bürger(innen) 163 Milliarden Mark, die BRD-Bürger(innen) 1343 Milliarden D-Mark. Die Einnahmen der DDR-Bürger(innen) machen 12,1% der Gesamtmenge aus. Dieser Wert liegt sehr nahe an den 11,6% aus der Produktivitätsberechnung. Aus diesem Grund sprach Sarrazin sich für einen Umstellungssatz von 1:1 aus.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung der historischen Ausgangslage der friedlichen Revolution und Definition der Forschungsfrage bezüglich des Umstellungskurses und der Treuhandanstalt.
2. Die DDR-Wirtschaft vor der Wende: Detaillierte Beschreibung der zentral geplanten Volkswirtschaft, der mangelnden Wettbewerbsfähigkeit und der Abhängigkeit vom RGW-Handel.
3. Wirtschaftskrise in der DDR: Analyse der Ursachen für den wirtschaftlichen Niedergang der DDR in den 80er Jahren, geprägt von Energieknappheit und Investitionsstau.
4. Nach der Wende: Betrachtung der politischen und ökonomischen Situation nach dem Mauerfall sowie der verschiedenen Konzepte zur wirtschaftlichen Transformation.
5. Der Umstellungskurs der D-Mark: Untersuchung der Debatten um den Währungsumtausch, einschließlich der Positionen von Sarrazin, Pöhl und der Entscheidung für den 1:1 Kurs.
6. Einbruch des DDR-Außenhandels: Kurze Erörterung des Wegfalls der RGW-Exportmärkte nach der Währungsunion.
7. Die Treuhandanstalt: Darstellung des Auftrags, der Strategie und der Kritik an der Privatisierung der volkseigenen Betriebe.
8. Fazit: Kritische Reflexion der getroffenen wirtschaftspolitischen Entscheidungen und Bewertung der sozialen Folgen der Wiedervereinigung.
Schlüsselwörter
DDR, Wiedervereinigung, Währungsunion, Ostmark, D-Mark, Treuhandanstalt, Planwirtschaft, soziale Marktwirtschaft, Umstellungskurs, Privatisierung, RGW, Volkseigene Betriebe, Transformation, Helmut Kohl, Wirtschaftsgeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den ökonomischen Herausforderungen der deutschen Wiedervereinigung, insbesondere dem Übergang der DDR-Planwirtschaft in das marktwirtschaftliche System der Bundesrepublik Deutschland.
Welche zentralen Themenfelder behandelt der Text?
Im Zentrum stehen die Währungs- und Wirtschaftsunion, die Entwicklung der ostdeutschen Industriebetriebe, die Rolle der Treuhandanstalt und die sozialen Auswirkungen der ökonomischen Transformation.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel der Arbeit ist es, die Entscheidungen zur Währungsumstellung und zur Privatisierungspolitik der Treuhandanstalt kritisch zu hinterfragen und zu prüfen, welche Alternativen es gegeben hätte.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Der Autor führt eine literaturgestützte Analyse durch, indem er zeitgenössische Berichte, ökonomische Berechnungen und historische Fachliteratur auswertet, um den Prozess der deutschen Einheit nachzuzeichnen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der wirtschaftlichen Ausgangslage der DDR, die politische Entscheidungsfindung zur Währungsunion, den Umstellungsprozess sowie die praktische Umsetzung der Privatisierung durch die Treuhandanstalt.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem die Währungsunion, Treuhandanstalt, Volkseigene Betriebe, Umstellungskurs, Planwirtschaft und soziale Marktwirtschaft.
Warum war der Umstellungskurs von 1:1 so umstritten?
Er war umstritten, da er einerseits eine soziale Härte für die Bevölkerung durch einen niedrigeren Kurs abwendete, andererseits jedoch die Wettbewerbsfähigkeit der DDR-Betriebe durch die resultierenden hohen Lohnstückkosten stark belastete.
Welche Rolle spielt der RGW-Handel für das Verständnis der DDR-Krise?
Der Zusammenbruch des RGW-Handels nach der Währungsunion entzog vielen DDR-Betrieben die Grundlage für ihre Exporte, was den bereits laufenden Niedergang der ostdeutschen Wirtschaft zusätzlich beschleunigte.
Welche alternative Strategie hätte für die Treuhandanstalt zur Verfügung gestanden?
Der Autor argumentiert, dass anstelle einer rein neoliberalen Privatisierungspolitik ein zweiter Arbeitsmarkt mit keynesianischen Elementen zur langfristigen Beschäftigungssicherung hätte aufgebaut werden können.
- Citation du texte
- Hajo Kiel (Auteur), 2009, Die Deutsche Währungs- und Wirtschaftsunion, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/157860