Die Bedeutung der Sprache bei Wilhelm von Humboldt


Seminararbeit, 2009
11 Seiten, Note: 1.00

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Ursprung der Sprache

3. Sprache und Bildung

4. Der Mensch und seine Nation

5. Formen der Sprache

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Noch nie wusste man soviel über die Sprache als wie heute. Die Sprachen der Menschheit sind weitgehend erfasst und sind hinsichtlich ihrer Abstammungsverhältnisse plausibel zu Sprachfamilien zusammengefasst worden. „ihre strukturellen Eigenschaften werden quer zu diesen genealogischen Zusammenhängen verglichen, und die sogenannten Kultursprachen sind gleichsam bis in die letzten Winkel ihrer historischen und aktuellen Erscheinungsformen ausgeleuchtet“(TRABANT, 2008, S.11). Was nun die Sprache an sich ist, lässt sich auf verschiedenen Wegen erklären, eine davon wäre „der angeborene kognitive Kern das eigentliche Menschliche der Sprache ausmacht, also dasjenige, was uns von unseren Primaten- Verwandten trennt (hinsichtlich der Evolution hätten dann die bisher angenommenen biologischen Bedingungen für die Ausbildung der Sprache wie der aufrechte Gang, die Vergrößerung des Gehirnvolumens, die Lateralisierung der Gehirnhälften, die Absenkung des Kehlkopfes etc. nur noch sekundäre Bedeutung)“ (TRABANT, 2008, S.13). Kinder erlernen die Sprache durch das Umfeld indem sie aufwachsen, denn „nur in der Interaktion mit dem Menschen die sie aufziehen, erwerben Kinder – nach einem biologisch vorgegebenen Zeitplan – die Sprache oder Sprachen ihrer Umwelt. Die „Arbeit des Geistes“, als die Wilhelm von Humboldt Sprache bezeichnete, vollzieht sich wohl immer angesichts des Anderen, auf ein Du hörend“ (TRABANT, 2008, S.13).Über die Sprache des Menschen, wie er zu dieser Sprache kommt sieht Humboldt „Denn der Mensch kommt nicht nach Art eines reinen Geistes in die Welt, der den fertigen Gedanken nur mit Tönen umkleidet, sondern als ein tönendes Erdengeschöpf“ (LOHMANN / WEISSE, 1994, S.103)

2. Ursprung der Sprache

Für Humboldt erübrigt sich die systematische Auseinandersetzung mit der Frage des Sprachursprungs, „die für Mendelssohns Sprachphilosophie von zentraler Bedeutung gewesen war, denn hinter die Bestimmung des Menschen als eines Sprachgeschöpfes kann nicht mehr zurückgegangen werden“. „Der Mensch ist nur Mensch durch Sprache [….] um aber die Sprache zu erfinden müßte er schon Mensch seyn“(HEIDEGGER / SCHÜSSLER, 1999, S.157). „so wie man wähnt, dass dies allmählig und stufenweise ..geschehen, durch einen Theil mehr erfundner Sprache der Mensch mehr Mensch werden, und durch diese Steigerung wieder mehr Sprache erfinden könne, verkennt man die Untrennbarkeit des Menschlichen Bewusstseyns und der menschlichen Sprache, und die Natur der Verstandeshandlung, welche zum Begreifen eines einzigen Wortes erfordert wird, aber hernach hinreicht, die ganze Sprache zu fassen. Darum aber darf man sich die Sprache nicht als etwas fertig Gegebenes denken, da sonst eben so wenig zu begreifen wäre, wie der Mensch die gegebene verstehen und sich ihrer bedienen könnte (HUMBOLDT, 1843, S.253). Hieraus ergäbe sich, dass die Sprache nicht erfindbar ist. Humboldt sagt daher, „die Sprache ist in den Menschen hineingelegt“ (HEIDEGGER / SCHÜSSLER, 1999, S.157). Die Grundüberzeugung von der mit dem Menschen selbst gegeben „Synthesis von Sprache und Denken lässt aber nicht nur die Frage des Sprachursprungs bedeutungslos werden, sondern verweist in der darin enthaltenen strikten Zurückweisung eines rein instrumentellen Charakters von Sprache zugleich auf die Macht der Sprache über den Menschen. Und dies gilt nicht bloß, insofern der Mensch ein gesellschaftliches, durch den Grad seiner Sprachbeherrschung mehr oder minder zur Teilhabe an einer Kultur und zur Teilnahme am Dialog mit anderen befähigtes Wesen ist, vielmehr äußert sich die Macht der Sprache als eine jeder Gesellschaftlichkeit vorausliegende „conditio sine qua non“, die aus dem ursprünglichen Verwiesen sein des Menschen auf „ein Drittes, ….dessen eigentlich unterscheidendes Merkmal es ist, NichtMensch, d.i. Welt zu seyn, hervorgeht“ (LOHMANN / WEISSE, 1994, S.103). Humboldt sieht in der Kommunikation zwischen zwei Menschen, dass das Sprechen „eine nothwendige Bedingung des Denkens des einzelnen in abgeschlossener Einsamkeit“ (LOHMANN / WEISSE, 1994, S.103) ist. Erst durch die Sprache wird das geistige Fortschreiten der Menschen möglich. In der Sprache erkannte Wilhelm von Humboldt ein Mittel zur Bildung des Menschen. Die Sprache ist der Charakter der Vernunft. Erkenntnisse hinsichtlich der Existenz von Sprache liegen für Wilhelm von Humboldt im Sprechakt. Er sieht die Grammatik und die Wörterbücher als Konstrukt der Linguisten und Sprachwissenschaftler, die aber nicht in der Lage sind den menschlichen Ausdruckswillen und die sprachliche Ausdrucksfähigkeit zu erfassen. Wilhelm von Humboldt setzt die sprachliche Ausdrucksfähigkeit dem organischen Leben gleich (vgl. Schlerath, 1986, S. 219). „Über Denken und Sprechen“ ist die Überschrift der frühesten sprachphilosophischen Aufzeichnung von Wilhelm von Humboldt. Die Sprache erhält eine Vermittlungsfunktion zwischen Denktätigkeiten und Welttätigkeiten, tätigem Selbstverhältnis des Denkenden zu sich selbst und die Tätigkeit des Ich an der Welt. Wilhelm von Humboldt beschreibt den Menschen als einen „Sprache suchenden Menschen“, der „Zeichen sucht“ (vgl. Benner, 1990, S. 120). „Die Sprachzeichen sind daher nothwendig Töne, und nach der geheimen Analogie, die zwischen allen Vermögen des Menschen ist, musste der Mensch, sobald er deutlich einen Gegenstand als geschieden von sich erkannte, auch unmittelbar den Ton aussprechen, der denselben bezeichnen sollte.“ (Benner, 1990, S. 121). Die These von Wilhelm von Humboldt, dass der Mensch, sobald er von einem Gegenstand geschieden ist, auch einen Ton ausspricht, ist zweideutig. Einerseits geht es um den Begriff des sich selbst setzenden Ichs, und andererseits um weitere Überlegungen des Denkens, der Welterfahrung und der Sprache. Denken und Sprechen stehen in einem engen Zusammenhang. Einerseits ist die Sprache das Ergebnis menschlicher Tätigkeit, und andererseits ist die menschliche Suche nach Zeichen eine Anstrengung, in dessen Suchen sprachlich vorgegangen wird (vgl. Benner, 1990, S. 121). Bei Humboldt ist die Sprache ist das Resultat menschlicher Tätigkeit. Wilhelm von Humboldt war der Auffassung, dass Sprache zugleich Maßstab und Mittel der Bildung ist, und distanziert sich von zwei bildungstheoretisch unhaltbaren Sprachauffassungen. Einerseits sieht er die Sprache als ein Medium des Denkens, als ein Medium der Kommunikation, dessen sich die Menschen in Kommunikationssituationen bedienen, und andererseits sieht er die Sprache als Mittel der Bildung, bei der die Sprache eine vorgegebene Norm des Denkens ist. Die Geltung und die Qualität menschlicher Aussagen werden danach bemessen, ob sie den Regeln eines standardisierten Sprachgebrauchs genügen. Wilhelm von Humboldt betont immer wieder, dass die Sprache weder ein objektives Wahrheitskriterium noch ein Mittel zur Verständigung unter Kommunikationspartnern ist, sondern keines von beiden, und doch beides zugleich. „Man nähert sich diesem … wessen …, je mehr verschiedene Sprachen man genauer betrachtet, … je mehr man jede einzelne … als den individuell bestimmten Ausdruck einer gewissen nationalen Charakterform zu erkennen bemüht ist. Wenn man diesen Weg richtig verfolgt, gelang man indes freilich selbst über die Grenzen des bloßen Sprachstudiums hinaus. Denn die Sprache ist überall Vermittlerin, erst zwischen der unendlichen und endlichen Natur, dann zwischen dem anderen Individuum; zugleich und durch denselben Act mach sie die Vereinigung möglich, und entsteht aus derselben; nie liegt ihr ganzes Wesen in einem Einzelnen …“ (Humboldt zitiert nach BENNER, 1990, S. 123)

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Details

Titel
Die Bedeutung der Sprache bei Wilhelm von Humboldt
Hochschule
Alpen-Adria-Universität Klagenfurt  (Erziehungswissenschaft und Bildungsforschung)
Note
1.00
Autor
Jahr
2009
Seiten
11
Katalognummer
V157987
ISBN (eBook)
9783668349278
ISBN (Buch)
9783668349285
Dateigröße
473 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
bedeutung, sprache, wilhelm, humboldt
Arbeit zitieren
Mag. Wolfgang Sebastian Weberitsch (Autor), 2009, Die Bedeutung der Sprache bei Wilhelm von Humboldt, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/157987

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