Zahngesundheitsbewusstsein von Kindergartenkindern unterschiedlicher Herkunft

Eine Untersuchung von 3- bis 6jährigen Kindern im Kindergarten


Forschungsarbeit, 2010

113 Seiten, Note: Gut


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. EINFÜHRUNG
1.1. Problemstellung
1.2. Ziele und Gang der Arbeit
1.3. Forschungsfragen

2. ZAHNMEDIZINISCHE GRUNDLAGEN
2.1. Aufbau der Zähne
2.1.1. Zahnschmelz
2.1.2. Zahnbein
2.1.3. Zahnmark
2.1.4. Zahnhalteapparat
2.1.5. Zahnfleisch
2.2. Systematische Einteilung und Bezifferung der Zähne
2.3. Kennwerte der Zahngesundheit
2.3.1. DMF T/S-Wert
2.3.2. Morbidität
2.3.3. Kariesinzidenz
2.3.4. Kariesprävalenz
2.4. Karies und Plaque
2.4.1. Ätiologie
2.4.2. Epidemiologie
2.5. Mundhygienetechniken
2.5.1. Modifizierte Zahnputzmethode nach Bass
2.5.2. KAI-Methode
2.6. Prophylaxe
2.6.1. Primarprävention
2.6.2. Sekundärprävention
2.6.3. Tertiärprävention
2.7. Zusammenhang von Ernährung und Zahngesundheit
2.8. Vorkommen und Wirkung von Fluoriden
2.8.1. Tablettenfluoridierung
2.8.2. Trinkwasserfluoridierung
2.8.3. Salzfluoridierung

3. MIGRATION UND GESUNDHEIT
3.1. Gesundheitliche Lage
3.1.1. Migranten und Migrantinnen
3.1.2 Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund
3.2. Probleme - Positionen - Perspektiven

4. THEORETISCHER UND GESUNDHEITSPOLITISCHER HINTERGRUND DER ZAHNGESUNDHEITSFÖRDERUNG
4.1. Salutogenese von Antonovsky
4.1.1 Gesundheits-Krankheits-Kontinuum
4.1.2. Kohärenzgefühl
4.2. Zielsetzung der Weltgesundheitsorganisation für die Zahngesundheit
4.3. Soziale Ungleichheit und Zahngesundheit

5. PROPHYLAXEPROGRAMM
5.1. Individual- und Gruppenprophylaxe
5.2. Persönlicher Nutzen durch gute Mundgesundheit
5.3. Ökonomischer Nutzen der Gruppenprophylaxe
5.4. Gruppenprophylaxe in Österreich
5.5. Modellprojekt „Verein für prophylaktische Gesundheitsarbeit“ im Kindergarten
5.5.1. Ziele der Zahngesundheitsförderung des PGA
5.5.2. Inhalte der Betreuung im Kindergarten
5.5.3. Elternabende

6. EMPIRISCHE UNTERSUCHUNG: ZAHNGESUNDHEIT IM KINDERGARTEN
6.1. Ausgangslage und Problemstellung
6.2. Methodik
6.2.1. Beschreibung der Zielpopulation, Auswahlkriterien und Response
6.2.2. Design und Methode der Studie
6.2.3. Studienziele und Forschungsfragen
6.2.4. Statistische Auswertung
6.2.5. Hypothesen
6.3. Darstellung der Ergebnisse der Elternbefragung
6.3.1. Fragen zum Zahnpflegeverhalten
6.3.2. Fragen zur Anwendung von Fluoriden
6.3.3. Inanspruchnahme zahnmedizinischer Leistungen
6.3.4. Fragen zu den Ernährungsgewohnheiten
6.3.5. Angaben zur Familie
6.3.6. Bildung der Mütter und Zahnpflegeverhalten der Kinder
6.3.7. Bildung der Mutter und Ernährungsgewohnheiten
6.3.8. Bildung der Mutter und Anwendung von Fluoriden
6.3.9. Bildung der Mutter und Inanspruchnahme zahnärztlicher Leistungen
6.4. Diskussion der Auswertungen der Elternbefragung

7. VORSCHLÄGE ZUR VERBESSERUNG DES MUND-GESUNDHEITSBEWUSSTSEINS IN DEN FÜNF AUSGEWÄHLTEN KINDERGÄRTEN
7.1. Vorbildwirkung der Eltern auf die Zahngesundheit der Kinder
7.2. Zahngesunde Ernährung und Fluoridierung
7.3. Ausweitung der Vorsorgeuntersuchung bei Schwangeren und Kleinkindern

8. LITERATURVERZEICHNIS

Anhänge

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Funktionseinheit Zahn und Zahnbett

Abbildung 2: Für die Kariesentstehung notwendige Faktoren

Abbildung 3: Wirkung von Fluoriden

Abbildung 4: Erklärungsmodell zum Zusammenhang von Migration und Gesundheit

Abbildung 5: Salutogenesemodell (sehr vereinfacht)

Abbildung 6: Erklärungsmodell gesundheitlicher Ungleichheit

Abbildung 7: Karies bedingte Leistungen (Füllungen) im Jahr 2003 - verglichen mit jenen aus dem Jahr

Abbildung 8: Kariesmorbidität Volksschulen OÖ - Gesamt Vergleich SJ 1995/96 - SJ 2007/

Abbildung 9: Art und Weise der Zahnreinigung bei österreichischen und nicht-österreichischen Kindern

Abbildung 10: Information über Fluoridtabletten durch einen Arzt

Abbildung 11: Anwendung von fluoridiertem Speisesalz

Abbildung 12: Frequenz der Zahnarztbesuche

Abbildung 13: Häufigkeit des Süßigkeitenkonsums

Abbildung 14: Berufstätigkeit der Eltern

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Zahnschema eines bleibenden Gebisses

Tabelle 2: Richtwerte zur Fluoridapplikation in mg/Tag

Tabelle 3: Fluoridgehalt im Trinkwasser April 2009 (Stadt Linz)

Tabelle 4: Träger der Kariesprophylaxeaktivitäten in den Bundesländern

Tabelle 5: Response

Tabelle 6: Verteilung der Kinder nach dem Herkunftsland der Familien

Tabelle 7: Operationalisierung der Fragestellung

Tabelle 8: Häufigkeit des Zähneputzens bei österreichischen und nicht-österreichischen Kindern

Tabelle 9: Verwendung von fluoridierter Zahnpasta bei österreichischen und nicht-österreichischen Kindern

Tabelle 10: Gründe für die Nichtanwendung von Fluoridtabletten

Tabelle 11: Gründe für die Nichtanwendung von fluoridiertem Speisesalz

Tabelle 12: Themen zur Kariesvorbeugung

Tabelle 13: Maßnahmen zur Zahngesundheitsförderung

Tabelle 14: Bildung der Eltern

Tabelle 15: Berufliche Stellung der Eltern

Tabelle 16: Bildung der Mutter und Zahnpflegeverhalten

Tabelle 17: Bildung der Mutter und Ernährungsgewohnheiten

Tabelle 18: Bildung der Mutter und Fluoridtablettenverwendung

Tabelle 19: Bildung der Mutter und die Verwendung von fluoridhaltigen Produkten

Tabelle 20: Bildung der Mutter und die Verwendung fluoridierter Zahnpasta

Tabelle 21: Bildung der Mutter und die Frequenz des Zahnarztbesuchs (gekürzt)

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

"Die Karies ist wie ein gefährlicher Tiger hinter Gittern. Man muss die Gitter pflegen, sonst werden sie rostig und brechen, sodass der Tiger ausbrechen kann und erneut sein Unwesen treiben wird". (Marthaler 2002)

Teil A: Literaturanalyse

1. EINFÜHRUNG

1.1. Problemstellung

Der heutige Wissensstand zur Ätiologie und Pathogenese der Karies ist so gut, dass durch den Einsatz präventiver Maßnahmen ein deutlicher Kariesrückgang erzielt werden kann.

In den letzten Jahren wurde bereits und vor allem in den Industrienationen ein Rückgang der Kariesprävalenz nachgewiesen, wobei dies in erhöhtem Maße die Zähne der bleibenden Dentition betrifft. Die Zahngesundheit im Milchgebiss weist geringere Erfolge auf, es wird sogar ein Wiederanstieg der Milchzahnkaries beobachtet.

Im Ergebnis des allgemeinen Kariesrückgangs zeigt sich insbesondere im Milchgebiss, dass dies für Kinder sozial benachteiligter Gruppen, sowie für Kinder aus Migrantenfamilien nicht gilt. Dieser Effekt wird „Polarisation des Kariesbefalls“ genannt, d.h. bei einem minimalen Anteil der Bevölkerung gibt es eine hohe Konzentration von kariösen Läsionen.[1] Die Ursachen für die großen Unterschiede in der Zahngesundheit sieht man in der sozialen Schichtung – je niedriger der soziale Status, welcher mit niedrigem Bildungsgrad und geringer sozialer Integration einhergeht, desto schlechter der Zustand der Zähne, so Micheelis/Bauch 1991[2], 1993; Micheelis/Reich 1999. Geringeres Bildungsniveau der Eltern, geringes Einkommen, Sprachbarrieren, sowie kulturelle Unterschiede bei den Ernährungsgewohnheiten und Hygienemaßstäben stehen hier im Vordergrund. Viele Familien mit Migrationshintergrund sind betroffen.[3]

Die MigrantInnen bilden eine äußerst inhomogene Gruppe. Kulturelle und sprachliche Unterschiede zersplitten die Einwanderer aus über 150 Ländern in viele Subkulturen, deshalb scheinen sie nicht gleichmäßig an der fortschreitenden Verbesserung der Zahngesundheit zu partizipieren.[4]

1.2.Ziele und Gang der Arbeit

Der zentrale Inhalt dieser Forschungsarbeit - Zahngesundheitsbewusstsein von Kindergartenkindern unterschiedlicher Herkunft - behandelt meiner Meinung nach zwei wichtige Aufgaben unserer Zeit: Integration der Migrantenkinder und Gesundheitsförderung. In der Zahngesundheit spielt das Ziel Menschen mit Migrationshintergrund in der Gesundheitsförderung bestmöglich zu integrieren eine bedeutende Rolle. Alleine im Hinblick auf die demographischen Entwicklungen hat dies in den vergangenen Jahren stark an Bedeutung gewonnen.

Die Gliederung meiner Arbeit ist grundsätzlich zweigeteilt. Der erste Teil wurde auf Basis einer Literaturanalyse erstellt. Der zweite Teil der Arbeit bezieht sich auf die im Zuge der Arbeit durchgeführte empirische Untersuchung und deren Ergebnisse.

Der Hauptteil der Literaturanalyse gliedert sich in drei Kapitel. Dabei wird zunächst ein Literaturüberblick über die zahnmedizinischen Grundlagen, im Detail der Aufbau des Zahnes, Entstehung von Karies und Plaque, Mundhygienetechniken, sowie Grundlagen zur Prophylaxe und möglichen Maßnahmen zur Verbesserung der Mundgesundheit gegeben.

Kapitel drei befasst sich mit den Grundlagen der Zahngesundheitsförderung und beinhaltet Grundsätze der World Health Organization (WHO) und einen theoretischen Ansatz bezüglich der Erhaltung von Gesundheit beziehungsweise (bzw.) Verhinderung von Krankheit. Darüber hinaus wird die Beziehung zwischen sozialer Ungleichheit und Zahngesundheit kurz dargestellt.

Die empirische Untersuchung die den zweiten Teil meiner Diplomarbeit darstellt, zeigt sich folgendermaßen: Nach Beschreibung der Problemstellung und des Forschungsdesigns sowie der Auflistung von Hypothesen, werden die Ergebnisse der Elternbefragung in den fünf ausgewählten Kindergärten auch in Bezug auf die dargestellten Hypothesen referiert.

Mit diesem Forschungsprojekt soll dazu beigetragen werden, die Erkenntnisse bezüglich der Zahngesundheit von MigrantInnen weiterzuentwickeln, und auf die Zahngesundheitsförderung umzulegen. Die Ziele der empirischen Untersuchung liegen erstens in der Evaluation der aktuellen Situation des Zahngesundheitsbewusstseins von MigrantInnen im Vergleich zur Mehrheitsbevölkerung, zweitens im Aufdecken möglicher Verbesserungspotentiale und drittens im Ableiten konkreter Maßnahmen. Falls sich verbesserungswürdige Bereiche und Maßnahmen feststellen lassen, könnten diese die Basis potentieller Konsequenzen für die Praxis darstellen.

Abschließend werden die möglichen Maßnahmen und Verbesserungspotentiale der Zahngesundheitsförderung in Kindergärten dargestellt und diskutiert.

1.3.Forschungsfragen

- Zeigen sich Unterschiede zwischen österreichischen Kindern und Kindern mit Migrationshintergrund im Hinblick auf Zahnpflegeverhalten, auf die Ernährungsgewohnheiten, auf die Anwendung häuslicher prophylaktischer Maßnahmen, und auf das Inanspruchnahmeverhalten zahnärztlicher Leistungen?

- Lassen sich Unterschiede je nach sozialer Lage feststellen?

2. ZAHNMEDIZINISCHE GRUNDLAGEN

2.1. Aufbau der Zähne

Der Zahn gehört zu den härtesten Gebilden des Organismus und ist symmetrisch in den Zahnfächern (Alveolen) der Alveolarfortsätze des Ober- und Unterkiefers befestigt.

Zahn und Zahnhalteapparat bilden eine funktionelle Einheit, die auch als Odonton bezeichnet wird. Der eigentliche Zahn besteht in seiner Hauptmasse aus Dentin, welches kronenwärts mit einer Schmelzkappe bedeckt ist, im Wurzelanteil mit Wurzelzement überzogen ist, und im inneren das Zahnmark, die Pulpa einschließt.[5]

2.1.1. Zahnschmelz

Der Zahnschmelz ist eine zellfreie Hartsubstanz, die eine sehr hohe Neigung zur Verkalkung aufweist.[6] Im Mundhöhlenmilieu ist der Schmelz außen stets von einer häutchenartigen Schicht überzogen, dem Zahnoberhäutchen, welches vom Speichel gebildet wird.[7] Die Bedeutung des Zahnoberhäutchens für den Verlauf oder sogar Hemmung der Karies ist noch nicht ganz geklärt.[8]

2.1.2. Zahnbein

Das Zahnbein, auch als Dentin bekannt, stellt den größten Teil des menschlichen Zahnes dar, und ähnelt in seiner Zusammensetzung der des Knochens. Das Dentin gilt als hochelastisch, verformbar, ist weniger hart als Schmelz und besitzt eine gelbliche Farbe.[9]

2.1.3. Zahnmark

Das Zahnmark (Pulpa) füllt den freien Raum im Dentinkörper und versorgt mit seinen Blutgefäßen und Nervenfasern den Zahn. In ihrer Form entspricht sie einem kleineren Abbild des Zahnes. Bei jungen Menschen ist die Pulpa noch groß. Durch die häufigen Sinnesreize (kalt, warm, mechanische Belastung) zieht sich die Pulpa im Laufe eines Lebens zurück und wird etwas kleiner [Abbildung 1].[10]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Funktionseinheit Zahn und Zahnbett

2.1.4. Zahnhalteapparat

Alle Zähne sind einzeln durch ein spezielles Haltesystem in der knöchernen Alveole befestigt. Vier verschiedene Gewebsgruppen wirken hier aufeinander, und werden zusammenfassend als Parodont bezeichnet. Viele feine Fasern hängen den Zahn in der Alveole elastisch auf, wodurch der Kaudruck nicht als Druck, sondern als Zug auf den Kieferknochen übertragen wird. Direkte Druckausübung würde einen Knochenabbau bedeuten.[11]

2.1.5. Zahnfleisch

Der Übergang von den Zähnen zum Kieferknochen sprich Zahnhälse werden kragenartig vom Zahnfleisch beziehungsweise (bzw.) Gingiva bedeckt. In der Furche zwischen Zahn und Zahnfleisch gibt es spezielle Abwehrzellen die eindringende Mikroorganismen und Zellreste entfernen.[12]

2.2. Systematische Einteilung und Bezifferung der Zähne

Das international verwendete Zahnschema klassifiziert die Zähne zweiziffrig und ohne zusätzliche Vorzeichen oder Symbole. Die erste Zahl steht für den Kieferquadranten, die zweite Zahl für die Zahnposition im jeweiligen Quadranten, wobei die Seitenbezeichnungen aus der Sicht des Betrachters/Betrachterin (Arzt/Ärztin) zu verstehen sind. Im bleibendem Gebiss werden die Quadranten, rechts oben beginnend, im Uhrzeigersinn, mit den Zahlen 1-2-3-4 beschrieben. Die bleibenden Zähne jeder Kieferhälfte werden von 1-8 durchnummeriert und bekommen zusätzlich die Kennziffer von 1-4 vorangestellt, die den jeweiligen Quadranten bezeichnet.

Im Milchgebiss erfolgt die Kennzeichnung der Quadranten in der gleichen Reihenfolge, allerdings werden die Kennziffern 5-8 verwendet und die Zähne von 1-5 durchnummeriert.

Die folgende Tabelle zeigt das Zahnschema eines bleibenden Gebisses.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Zahnschema eines bleibenden Gebisses[13]

2.3. Kennwerte der Zahngesundheit

2.3.1. DMF T/S-Wert

Weltweit gebräuchlich dient der Index besonders bei Bevölkerungsuntersuchungen zur Dokumentation der Ausprägung des Kariesbefalls bei einer Person. Dabei werden alle wegen Karies erkrankten (Decayed), fehlenden (Missing), und mit einer Füllung (Filled) versehenen Zähne (Teeth) beziehungsweise Zahnflächen (Surfaces) summiert. Dieser Kennwert kann auf alle Zähne (dmf t/s-Wert), oder nur auf die bleibenden Zähne (DMF T/S-Wert) bezogen werden.[14]

2.3.2. Morbidität

Die Morbidität gibt den prozentualen Anteil kariesgeschädigter Individuen einer Population an. Bereits ein einziger durch Karies geschädigter Zahn im Gebiss eines Menschen, bedeutet das Gebiss als morbide zu betrachten. Hierbei ist es unerheblich ob der Zahn extrahiert, versorgt oder unversorgt ist.[15]

2.3.3. Kariesinzidenz

Die Inzidenz ist ein Fachausdruck aus der medizinischen Statistik und stellt eine epidemiologische Maßzahl dar, welche die Anzahl der Neuerkrankungen einer bestimmten Krankheit, in einer bestimmten Bevölkerungsgruppe und in einem bestimmten Zeitraum angibt.

2.3.4. Kariesprävalenz

Als Kariesprävalenz bezeichnet man die durchschnittliche Anzahl kariös geschädigter Zähne im bleibenden Gebiss und wird im DMFT-Index ausgedrückt. Dieser Wert wird auch zu internationalen Vergleichen herangezogen.

2.4.Karies und Plaque

„Ein sauberer Zahn wird nicht kariös, ein sauberer Zahnhals ist die beste Prophylaxe gegen Zahnbetterkrankungen.“ Kantorowicz (1953) [16]

2.4.1. Ätiologie

Karies ist die häufigste Erkrankung der Zahnhartgewebe. Sie entsteht infolge einer Störung des lokalen Gleichgewichts zwischen entkalkenden, sauren und neutralisierenden bzw. remineralisierenden Komponenten innerhalb der Mundhöhle.[17]

Durch dieses Ungleichgewicht der Mundflora entstehen Zahnbeläge sprich Plaque. Die Zahnplaque wird definiert als festhaftender, weicher, dicht verfilzter, saurer, gelblich-grauer und zum Teil klebriger bakterieller Zahnbelag. Zunächst entstehen weiße, matte Flecken (Initialkaries), dann bräunliche Verfärbungen.[18]

Die ausgereifte Plaque lässt sich nur mechanisch mit der Zahnbürste und/oder instrumentell durch den Zahnarzt entfernen, und kann nicht durch die im Munde stattfindende Selbstreinigung, durch Wangen- und Zungenbewegungen, sowie nicht durch Wasserspray abgetragen werden.[19]

Die Entstehung von Zahnkaries wird in zwei deutlich ausgeprägte Stadien eingeteilt:

- die Erweichung des Gewebes durch Säuren
- Auflösung des erweichten Rückstandes[20]

Der Kariesbefall wird auch als multifaktoriell bedingtes Geschehen angesehen, da dass Zustandekommen an verschiedene Voraussetzungen gebunden ist. Nach König (1971) wirken vier Faktoren (Wirtsfaktoren, Zeit, Substrat und Mikroorganismus) bei der Kariesentstehung zusammen, welche gleichzeitig vorliegen müssen, um den Erkrankungsprozess in Gang zu bringen. Vereinfacht formuliert entsteht Karies als Folge eines bakteriellen Stoffwechselvorganges, an dessen Ende die Produktion organischer Säuren steht. Als Substrat sind vor allem niedermolekulare Kohlenhydrate von Bedeutung. Wird oft genug Säure freigesetzt und wirkt sie lang genug auf die Zahnhartsubstanzen, kommt es zur Auflösung und nachfolgend zum Verlust der Hartsubstanz.[21] Untenstehend werden die Faktoren für die Kariesentstehung bildlich dargestellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Für die Kariesentstehung notwendige Faktoren[22]

Wichtige Faktoren bei der Kariesentstehung sind:

- Die Häufigkeit oder Einnahmefrequenz der zuckerhaltigen Zwischenmahlzeiten
- Dauer des Verzehrs (Dauernuckeln, Hustenzuckerl)
- Die Konsistenz der Nahrung (klebrig z.B. Bananen, Müsliriegel, Trockenfrüchte)
- Die Säurehaltigkeit der Nahrung (Erosionsgefahr bei Zitrusfrüchten, Cola, Essig)[23]

2.4.2. Epidemiologie

Die Epidemiologie beschäftigt sich mit der Untersuchung der Verteilung einer Krankheit innerhalb eines Raumes, einer Zeit und einer bestimmten Population, sowie den Faktoren, die auf diese Verteilung Einfluss nehmen.[24]

Die Verbreitung der Zahnkaries ist bereits sehr intensiv beforscht worden, wobei hier ganz besonders die Karieserfahrungen bei Kinder und Jugendlichen aufgrund diverser präventiver Projekte im Vordergrund standen.

Insgesamt fällt auf, dass international der Karieszuwachs bei Kindern im Durchschnitt rückläufig ist.[25] Jedoch zeigen Untersuchungen zur interindividuellen Verteilung der Kariesinzidenz, dass bei einer großen Bevölkerungsgruppe der Karieszuwachs deutlich sank, während bei einer kleinen Gruppe von PatientInnen die Kariesrate im selben Zeitraum anstieg.[26] Die Ermittlung und Behandlung solcher Risikogruppen ist eine besondere Aufgabe der präventiven Zahnheilkunde geworden.

In vielen experimentellen Erhebungen wurde die Effektivität von Prophylaxeprogrammen untersucht. Sie zeigen, dass durch die Teilnahme bei präventiven Maßnahmen die Kariesinzidenz stark reduziert werden kann. Eine weitere Aufgabe der analytischen Untersuchung ist es Umwelteinflüsse zu ermitteln, welche die Kariesmorbidität beeinflussen. Beispielsweise konnte eine Trinkwasserfluoridierung einen protektiven Effekt der Fluoride bestätigen.[27]

2.5.Mundhygienetechniken

Die Notwendigkeit einer systematischen Technik beim Zähneputzen ist unumgänglich. Meist wird die Bürste nur horizontal über die Zahnflächen hin und her bewegt, während die oralen Bereiche vernachlässigt bleiben. Dadurch werden Plaquereste in die Zahnzwischenräume eingepresst, und ebenso eine mechanische Irritation des Zahnfleisches ausgelöst. Aus einer Vielzahl der empfohlenen Mundhygienetechniken wird international die Methode nach Bass (1954) als eine sehr wirksame Technik zur Entfernung von Belägen angesehen. Im Anschluss an die Darstellung der Bass-Methode wird die speziellere KAI-Methode für Kleinkinder beschrieben.

2.5.1. Modifizierte Zahnputzmethode nach Bass

Die modifizierte Zahnreinigungsmethode nach Bass stellt eine sehr wirkungsvolle und gleichzeitig schonende Technik dar, da bei der Durchführung kein großer Druck auf die Bürste ausgeübt werden muss. Zur Anwendung bestimmt sind vor allem Jugendliche und Erwachsene, die eine ausreichende manuelle Geschicklichkeit zeigen. Der Bürstenkopf wird schräg im Winkel von 45 Grad auf den Zahnhalsbereich aufgesetzt. In dieser Stellung werden leicht horizontal rüttelnde Bewegungen ausgeführt. Dadurch löst sich die Plaque und die Borsten dringen in die Zahnzwischenräume ein. Anschließend folgt eine auswischende Bewegung hin zur Kaufläche der Zähne und führt so die gelockerten Beläge weg vom Zahn. Auf diese Weise werden die gesamten Gebissabschnitte mehrmals an derselben Stelle gereinigt.[28]

2.5.2. KAI-Methode

Beginnend mit den Kauflächen werden die Zähne in kreisförmigen Rüttelbewegungen gesäubert. Die Außenflächen jedes Zahnes werden mit fünf kleinen Kreisen gereinigt, dabei wird der Belag nach dem Schema von rot nach weiß weggewischt. Bei den Zahninnenflächen ebenso vorgehen wie bei den Außenflächen. Zur Reinigung der Schneidezähne wird die Bürste senkrecht gehalten.

2.6.Prophylaxe

Prophylaxe ist die Vorbeugung der Entstehung von Krankheiten.[29] Ziel der Prophylaxe sollte die Stärkung der Eigenständigkeit und Eigenverantwortlichkeit sein. Ein weiterer Begriff dazu, welcher oft als Synonym verwendet wird ist „Prävention“.[30] Laaser und Hurrelmann bezeichnen Prävention als Interventionsmaßnahme, die das Auftreten von Krankheiten oder unerwünschten physischen und psychischen Zuständen zu verhindern oder zumindest zu verzögern versucht. Prävention setzt also üblicherweise zeitlich vor und nicht nach dem Auftreten von Krankheiten an. Zweckmäßige und wirksame präventive Maßnahmen verlangen ein umfangreiches Wissen über die Entstehung von Krankheiten. Oft liegt jedoch einer Erkrankung eine Vernetzung multipler Faktoren zugrunde, wo weder alle möglichen Einflussfaktoren noch die Art ihres Zusammenwirkens bekannt sind. Aus diesem Grund zielt die Prävention darauf ab, die Bedingungs- und Risikofaktoren von spezifischen Krankheiten bzw. auch ganzer Krankheitsspektren zu beeinflussen. Wesentliche Unterschiede der Prävention von Kuration und Therapie sind einerseits die Breitenwirkung und Gemeindeorientierung und andererseits wird nicht das Verlangen durch Patienten und Patientinnen abgewartet, sondern die Maßnahmen werden offensiv an die Zielgruppen herangetragen.[31]

2.6.1. Primarprävention

Der Zeitpunkt einer Maßnahme der Primärprävention liegt in jedem Fall vor dem Erstauftreten einer Erkrankung oder eines unerwünschten Zustandes. Ziel ist es, die Anzahl der Neuerkrankungen zu reduzieren. Es werden vorwiegend Gesunde oder Personen ohne manifeste Symptomatik angesprochen. Primärpräventive Maßnahmen sind beispielsweise Impfungen oder schulische Aktionen zur Vorbeugung von Tabakkonsum.[32]

2.6.2. Sekundärprävention

Die Sekundärprävention dient der Früherkennung von Krankheiten und der Krankheitseindämmung. Noch bevor für den Betroffenen eine Krankheitssymptomatik feststellbar ist, werden mit Hilfe spezieller diagnostischer Verfahren pathogene Veränderungen und/oder Risikofaktoren festgemacht. Dadurch kann ein Auftreten oder weiteres Fortschreiten der Krankheit verhindert oder zumindest abgeschwächt werden. Beispiele für Maßnahmen der Sekundärprävention sind Vorsorge- oder Gesundenuntersuchungen sowie Massenscreenings z.B. Mammographien, aber auch Programme für Jungendliche, die bereits Drogen einnehmen, wo es darum geht, die Entwicklung einer Sucht zu verhindern. Die Zielgruppe für sekundärpräventive Maßnahmen sind vermeintlich Gesunde, welche innerhalb dem Procedere der Untersuchung aber zu Patienten mit physischen oder psychischen Problemen werden.[33]

2.6.3. Tertiärprävention

Tertiäre Intervention bezeichnet die Vermeidung der Verschlimmerung von bereits manifest gewordenen Krankheiten bzw. unerwünschten Zuständen. Ziel ist es, nach akuter Behandlung einer Erkrankung die Folgeschäden zu vermindern und das Risiko eines Rückfalles zu minimieren. Diese Art der Prävention soll den PatientInnen helfen, die Schädigung zu bewältigen und zu kompensieren, damit die Wiedereingliederung ins Berufsleben und in ein soziales Umfeld erleichtert wird. Die AdressatInnen der tertiären Prävention sind Personen mit chronischer Beeinträchtigung und RehabilitandInnen. Betreffend die tertiäre Prävention liegen Probleme definitorischer Abgrenzung vor, da sich der Begriff stark mit der medizinisch-therapeutischen Behandlung und der Rehabilitation überschneidet.[34]

2.7. Zusammenhang von Ernährung und Zahngesundheit

Die Ernährung war schon immer ein sehr ideologisch besetztes, von politischen und ökonomischen Interessen hart umkämpftes Gebiet. Darum werden Äußerungen betreffend Ernährung oftmals nicht nur aus hoch gestellter wissenschaftlicher Sicht getroffen. Die Antwort auf die Frage, welche Inhaltsstoffe und Darreichungsformen von Nahrungs- und Genussmitteln der Zahngesundheit abträglich oder dienlich sind, hat dabei im Verlauf der jüngeren Geschichte zahlreiche Modifikationen erfahren.[35]

In den 50er Jahren wurden Vitamin- und Mineralstoffmangel, sowie feingemahlene Stärkeprodukte (Weißmehl) als wichtigste Ursachen angesehen, während dem ungünstigen Einfluss von Zucker und der schützenden Wirkung von Fluoriden weniger Bedeutung beigemessen wurde. Bis zu den 70er Jahren trat der Haushaltszucker wegen der nachgewiesenen Zucker-Karies-Beziehung in den Vordergrund der Betrachtungen. Die äußerst positive Wirkung von Fluoriden fand erst am Anfang der 70er Jahre weite Verbreitung. Gegenwärtig gelten sie als Eckpfeiler der Kariesprophylaxe, hierzu aber erst im nächsten Unterkapitel mehr.[36]

Zwischen den Ernährungsgewohnheiten und dem Auftreten von Karies und Parodontopathie besteht ein enger Zusammenhang. Die richtige Ernährung für gesunde Zähne beginnt schon sehr bald im Leben eines Menschen. Beginnend mit der Brusternährung bzw. Stillen wird die Entwicklung der Kieferknochen, der Kau- und Zungenmuskulatur, sowie der oberen hals- und mimischen Muskulatur erzielt. Ebenso wird durch das Stillen das Risiko für Zahnfehlstellungen minimiert. Wenn es nicht möglich ist das Kind zu Stillen, ist es ratsam, für die Flaschenernährung kiefergerechte Sauger mit einem kleinen Loch zu verwenden, um ein ähnliches Ergebnis wie das beim Stillen zu erreichen. Kleinkinder sollten so früh wie möglich aus einer Tasse trinken, da durch das oftmalige Trinken aus der Flasche oder Schnabeltasse die Zähne ständig umspült werden, wodurch eine stark zahnzerstörende Wirkung entsteht (15% der Kleinkinder leiden an Nuckelflaschenkaries).[37] Weiters wichtig zu erwähnen ist, dass Karies eine Infektionskrankheit ist, das heißt (d.h.) das Karies ansteckend ist und meist erfolgt die Bakterienübertragung von den Eltern, Erziehungspersonen bzw. anderen Personen über den Speichel auf die Kinder. Sauger, Schnuller, Löffel des Kindes sollen daher nicht von anderen Personen in den Mund genommen und wieder dem Kind gegeben werden z.B. Ein zu Boden gefallener Schnuller wird von der Mutter abgeschleckt und wieder dem Kind gegeben.[38]

Bei der Wahl der Nahrung kommt es darauf an, die Menge der kariogenen Bestandteile zu reduzieren bzw. Alternativen zu finden. Als „kariogen“ werden diejenigen Nährstoffe bezeichnet, die durch bestimmte Stoffwechselvorgänge in der Mundhöhle zu Säuren umgewandelt werden können, und damit Karies verursachen können.[39] Von den angebotenen Nährstoffen erfüllen nur Kohlenhydrate diese Funktion. Kohlenhydrate sind niedermolekulare Zucker, die bevorzugt von kariogenen Mikroorganismen zu Säuren abgebaut werden.

Die Wahrscheinlichkeit Karies zu erzeugen, wird bestimmt durch:

- Hohe Zuckerkonzentrationen
- Klebrige Nahrung
- Zusammenwirken mit anderen Nahrungsbestandteilen (Stärke)
- Verweildauer pathogener Substanzen in der Mundhöhle
- Häufigkeit der Zuckeraufnahme

Die Nahrungsaufnahme wird heute mehr denn je als Genuss empfunden und damit grundsätzlich positiv bewertet. Diese „lustbetonte“ Ernährung beinhaltet meist eine stark gesüßte und damit kariogene Kost. Die australische Hopewood-House-Studie bestätigt eine enge Korrelation zwischen Zuckerkonsum und Kariesinzidenz. So wurde von australischen Heimkindern der Kariesbefall ermittelt, die im Wesentlichen mit Vollkorn- und vegetarischen Produkten ernährt wurden. Diese Kinder zeigten einen bedeutend geringeren Kariesbefall als jene Kinder einer Kontrollgruppe, welche mit zuckerreicher Kost ernährt wurden. Dabei standen den Heimkindern keine Mittel der Fluoridierung zur Verfügung, und auch der Mundhygiene wurde keine besondere Beachtung geschenkt.[40] Folgende Grundregeln sollten deshalb beachtet werden:

- Zähne putzen nach jeder Hauptmahlzeit und nach Verzehr von gesüßten Speisen und Getränken.
- Fünf bis sechs zeitlich klar begrenzte Mahlzeiten pro Tag.
- Der Verzehr von Süßigkeiten sollte möglichst im Rahmen einer Hauptmahlzeit erfolgen.
- Naturbelassene Nahrungsmittel haben durch ihre Konsistenz einen gewissen Reinigungseffekt auf die Zähne.
- Durch eine nährstoffreiche Ernährung mit Obst, Gemüse, Vollkornbrot und Milchprodukten wird das Bedürfnis nach Süßigkeiten nachlassen.[41]

2.8. Vorkommen und Wirkung von Fluoriden

Als weitere Maßnahme für gesunde Zähne gilt neben der üblichen Zahnpflege und einer für die Zähne gesunde Ernährung auch die Fluoridierung, die die natürliche Fluoridkonzentration im Zahnschmelz zum Zweck der Vorbeugung erhöhen soll. Wenige Mittel innerhalb der Zahngesundheitsförderung wurden so intensiv, über einen so langen Zeitraum und unter derartig verschiedenen Gesichtspunkten untersucht, wie die Anwendung von Fluoriden. Dabei stellt das Zähneputzen mit einer qualifizierten fluoridhaltigen Zahnpasta für den größten Teil der Bevölkerung die wichtigste regelmäßige Maßnahme der Fluoridanwendung dar.[42]

Fluorid kommt in natürlicher Form als Spurenelement im Wasser (Süß- und Meerwasser), im Boden, in Lebensmitteln (Gemüse, Kräuter, Tee) sowie in Körpersäften von Mensch, Tier und Pflanzen vor.[43] Vorzugsweise wird das Fluorid mittels Nahrung (zu ca. 25% über das Trinkwasser) in den Körper aufgenommen und daraus zu ca. 30 Prozent in die Kalkgewebe, den Zahnschmelz und das Dentin, eingelagert. Der Rest wird über die Nieren ausgeschieden. Die eingelagerten Fluoride stärken den Zahnschmelz gegen Säureangriffe und hemmen den Stoffwechsel der Plaquebakterien.[44]

Die Fluoridaufnahme kann durch Trinkwasserfluoridierung, Fluoridierung des Kochsalzes, Fluorideinnahme mit Tabletten, fluoridhaltige Zahnpasten und Mundspülungen, Gels, Lacke und Lösungen bewerkstelligt werden.[45] Zu beachten ist aber, dass Fluorid ab einer bestimmten Menge toxisch wirkt und akute sowie chronische Schäden hervorrufen kann.

Folgende Tabelle zeigt die Richtwerte zur angemessenen und ergänzenden Fluoridapplikation in mg/Tag, erstellt von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 2: Richtwerte zur Fluoridapplikation in mg/Tag[46]

2.8.1. Tablettenfluoridierung

Eine einst weit verbreitete Form der systemischen Fluoridzufuhr ist die Tablettenfluoridierung. Die zugeführten Fluoride wirken einerseits präeruptiv während der Mineralisation des Schmelzes (systemische Wirkung) und andererseits posteruptiv über den Speichel direkt auf die Zähne (lokale Wirkung).

Vor einigen Jahren wurde diese Art der Fluoridierung noch als eine Maßnahme der Gruppenprophylaxe in Kindergärten und Schulen eingesetzt, sowie zur individuellen Betreuung von PatientInnen in der Zahnarztpraxis angewendet, da eine exakte Dosierung möglich ist und damit regionale Unterschiede z.B. bei der Trinkwasserfluoridierung ausgeglichen werden können. Aktuell ist die Tablettenfluoridierung vor allem dann indiziert, wenn keine andere kollektive Maßnahme zur Verfügung steht, oder wenn bei einem Kind ein sehr hohes Kariesrisiko festgestellt wurde.[47]

2.8.2. Trinkwasserfluoridierung

Die Trinkwasserfluoridierung (TWF) stellt unter den systemischen Fluorid-anwendungen eine billige und einfache Art des Fluorideinsatzes dar.[48] Lange Zeit wurde dieser Art des Fluorideinsatzes der Vorrang gewährt, da auch diejenigen Menschen, die nicht auf ihre Mundgesundheit achten, erreicht werden können. Demgegenüber argumentieren die Gegner der TWF mit einer Art Zwangsmedikation der Bevölkerung. Es werden mögliche gesundheitliche Beeinträchtigungen wie gehäuftes Auftreten von Krebserkrankungen, Missbildungen, Neurodermitis, Allergien oder ähnliches befürchtet, wobei aber bislang wissenschaftlich keinerlei Zusammenhang zwischen diesen genannten Erkrankungen und der TWF vorliegt.[49]

Allerdings wurde wissenschaftlich eine Verbindung zwischen der systemischen Anwendung von Fluoriden, wie bei der TWF und Schmelzdefekten (Fluorose) belegt. In Gebieten mit Trinkwasserfluoridierung beispielsweise Irland und Schweiz wurden weitaus mehr Schmelzirritationen festgestellt, als in Gebieten ohne Trinkwasserfluoridierung. Auch bei regelmäßiger Verwendung von Fluoridtabletten und häufigem Verschlucken von Zahnpasta in den ersten Lebensjahren sind entwicklungsbedingte Schmelzdefekte häufiger zu beobachten, kaum aber in Gebieten, wo der Einsatz von Fluorid nur lokal, beispielsweise durch fluoridhältigen Zahnpasten, erfolgt.[50] In Österreich wird eine TWF aufgrund der Tatsache der kleinen Quellgebiete, sowie aus technischen und finanziellen Gründen nicht durchgeführt.[51]

[...]


[1] Senkel (2007), http://img.pte.at/files/binary/2679.pdf

[2] Micheelis/Bauch (1991) in: Bauch/Micheelis (1998), http://www.ssoar.info/ssoar/files/2008/1751/jour_198_sub_1998_1_artikel.pdf

[3] Mielck (1998) in: Klocke/Hurrelmann (1998), S. 233

[4] Müller (2001), http://www.zm-online.de/m5a.htm?/zm/22_01/pages2/geso1.htm

[5] Lippert (1995), S. 212

[6] Bartsch (1992), S. 1

[7] Lippert (1995), S. 212

[8] Nolden (1994), S. 14

[9] ebenda

[10] Lippert (1995), S. 212

[11] Bartsch (1992), S. 2

[12] Lippert (1995), S. 212

[13] Bartsch (1992), S. 3

[14] Ziller (2008), S. 4

[15] Pschyrembel (1994), S. 990

[16] Kirchhoff, Wolfgang (2009), http://www.zm-online.de/m5a.htm?/zm/19_09/pages2/hist1.htm

[17] Birgmann/Peböck (2004), S. 1.

[18] Nolden (1994), S. 24

[19] ebenda

[20] Nolden (1994), S. 26

[21] Roulet/Zimmer (2003), S. 31

[22] Nolden (1994), S. 28

[23] Luciak-Donsberger (2008), S. 34

[24] Nolden (1994), S. 33

[25] Glass (1982) in: Nolden (1994), S. 34

[26] Micheelis (1991) in: Mielck/Bloomfield (1991) S. 128

[27] Nolden (1994), S. 35

[28] Nolden (1994), S. 66

[29] Pschyrembel (1994), S. 1245

[30] Hurrelmann/Klotz/Haisch (2009), S. 257

[31] Hurrelmann/Klotz/Haisch (2009), S. 31

[32] ebenda

[33] Hurrelmann/Klotz/Haisch (2009), S. 31

[34] ebenda

[35] Stähle/Strippel (2008), S. 6

[36] ebenda

[37] Stähle/Strippel (2008), S. 8

[38] Piehslinger et. al. (1999), S. IP 9

[39] Luciak-Donsberger (2008), S. 36

[40] Nolden (1994), S. 40

[41] Stähle/Strippel (2008), S. 31

[42] Bratthall et al. (1996) in: Gülzow (2001), http://www.zm-online.de/m5a.htm?/zm/12_01/pages2/titel7.htm

[43] Birgmann/Peböck (2004), S. 5

[44] ebenda

[45] Birgmann/Peböck (2004), S. 5

[46] Loicht et. al. (1999), S. F3

[47] Bodenwinkler/Sprinzl (2007), S. 17

[48] Blüthner et al. (1974)/Künzel (1982) in: Holletschke (1982), http://deposit.ddb.de/cgi-bin/dokserv?idn=978460022&dok_var=d1&dok_ext=pdf&filename=978460022.pdf

[49] Nolden (1994), S. 75

[50] Städtler et. al. (2001), S. 43

[51] Nell (2008), S. 19

Ende der Leseprobe aus 113 Seiten

Details

Titel
Zahngesundheitsbewusstsein von Kindergartenkindern unterschiedlicher Herkunft
Untertitel
Eine Untersuchung von 3- bis 6jährigen Kindern im Kindergarten
Hochschule
Johannes Kepler Universität Linz  (Empirische Sozialforschung)
Note
Gut
Autor
Jahr
2010
Seiten
113
Katalognummer
V158013
ISBN (eBook)
9783640709731
ISBN (Buch)
9783640709632
Dateigröße
1109 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Zahngesundheit, Gesundheitsförderung, Kindergarten, Migration, Herkunft, Gesundheitsbewusstsein, Integration, Health, Public, Karies, Migrationshintergrund, Zähne
Arbeit zitieren
Nina Füreder (Autor), 2010, Zahngesundheitsbewusstsein von Kindergartenkindern unterschiedlicher Herkunft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/158013

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Zahngesundheitsbewusstsein von Kindergartenkindern unterschiedlicher Herkunft



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden