Das politische Personal: Die Bedeutung des Ehrenamtes


Hausarbeit (Hauptseminar), 2005
22 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung
1.1 Begriffsabgrenzung und Methode
1.2 Aufbau der Arbeit

2. Die Bedeutung für die Gesellschaft
2.1 Individuelle Faktoren
2.2 Übertragung auf die Gesamtheit

3. Der wirtschaftliche Nutzen
3.1 Betriebswirtschaftliche Bedeutung.....
3.2 Volkswirtschaftlicher Aspekt

4. Schlussbemerkung

Literatur

1 Einleitung

Durch die jetzige Wirtschaftssituation werden, aufgrund der staatlichen Konsolidierung einige Bereich verknappt oder sogar gänzlich eingespart. Besonders kostenintensive Sektoren fallen Privatisierungen anheim. Vor allem Sozialdienste sind von dieser Entwicklung betroffen. Hier findet sich auch der größte Teil der ehrenamtlichen Arbeit. Ehrenamtliche Arbeit bedeutet eine Aufgabe ohne Bezahlung in seiner arbeitsfreien Zeit zu bewältigen. So finden sich in diesem Bereich diverse Arten der Beschäftigung; sei es das Essenausfahren, das Betreuen von alten oder jungen Leuten, das Pflegen von Gemeinschaft in form von Vereinen und Interessensgemeinschaften. Immer sind es Bürger, die Missstände aufheben bzw. verändern wollen.

Diese Entwicklung geht bis in das Mittelalter zurück, in dem sich der unmündige Bürger, cives, in ein selbst bestimmtes Individuum wandelt. In dieser Epoche nahmen meistens Klöster und kirchliche Stellen diesen Aufgabenbereich ein. Aber auch der Ritterstand war zu bürgerschaftlichen Engagement verpflichtet. Diesem konnte er nur deshalb nachgehen, da seine Existenzgrundlage gesichert war und er somit genügend Auskommen hatte, welches er Spenden konnte. Mit dem Schritt in die Neuzeit und der gleichzeitig stärkeren Einbindung der Bevölkerung an der Politik, war auch der Einsatz des normalen Menschen gefordert. Dieser wurde ebenfalls erst durch die Sicherung und Deckung existenzieller Bedürfnisse möglich. Durch die Gesetzgebung, wie die Rentengesetzgebung und Versicherungen, wurde der Bürger losgelöst von der Unsicherheit, die bis dahin das Leben beherrschte. Durch die Verbesserung der ärztlichen Versorgung und bessere Ernährungsmöglichkeiten wurde diese Entwicklung zusätzlich gefördert. Der Bürger als Gestalter seiner Umwelt in den Bereichen Kultur und Musik, Freizeit und Geselligkeit, Soziales, Schule/Kindergarten, Umwelt-/Natur- und Tierschutz, kirchlicher/ religiöser Bereich, Justiz/ Kriminalitätsprobleme (s. Schöffen bei Gericht), Unfall- und Rettungsdienst/ freiwillige Feuerwehr, sonstige bürgerschaftliche Aktivitäten am Wohnort, Wirtschaftliche Selbsthilfe, Politik (innerhalb von Parteien, Hochschulgruppen); Bildung (Jugendfreizeiten, Weiterbildungen, Workshops), Gesundheitsbereich (Pflege zuhause); Sport und Bewegung; Betriebsräte; etc. und gleichzeitig der Politik. Hier sind es explizit die Mitglieder in den Parteien, die das politische Personal rekrutieren und die Öffentlichkeit über Programme informieren.

Es war/ist eine Möglichkeit, wie es bereits Hegel1 sah, zur Aktivierung und Fundierung der Demokratie. Mit Hilfe des bürgerschaftlichen Engagements wurden/werden staatliche Lücken geschlossen, die sich aufgrund ineffizienter Ressourcenallokation ergeben2. Im Gegenzug erhielten die Ehrenamtlichen gesellschaftliche Anerkennung, zuweilen in form einer Ehrenmedaille, wie Bundesverdienstkreuz oder private Programme, wie startcontact sponsored by ProSieben Sat1 Media AG. Allerdings schwindet die gesellschaftliche Akzeptanz und ehrenamtlich Aktive werden eher belächelt3. Gleichzeitig wirkt sich dies auch auf die Mitgliederzahlen diverser Vereine und Interessengruppen aus.

1.1 Begriffseingrenzung und Methode

Im folgendem soll die Bedeutung des Ehrenamtes aufgezeigt und eruiert werden, inwieweit es eine Konkurrenz zwischen den Angestellten und den ehrenamtlichen Aktiven gibt. Hierzu wird das Ehrenamt in volkswirtschaftlicher, rechtlicher und gesellschaftlicher Hinsicht betrachtet.

Diese drei Bereiche wurden ausgewählt, um die Vergleichbarkeit zwischen den Berufstätigen und Ehrenamtlichen zu gewährleisten. Prinzipiell wird davon ausgegangen, dass sich die Berufstätigen von den Ehrenamtlichen hinsichtlich der menschlichen Sicht bereits deutlich unterscheiden. So wird hier der Berufstätige, als ein Wirtschaftssubjekt angesehen, welches mit seiner Tätigkeit seine Bedürfnisse stillt4. Der Markt wirkt hier stärker bzw. mit seinen Gesetzen. Die Nachfrage regelt das Angebot. Im ehrenamtlichen Bereich ist die Initiative anders fundiert. Hier handelt der Aktive als Individuum, welches neben der Arbeit noch etwas für die Gesellschaft leistet. Das Engagement ist freiwillig und zumeist ohne nennenswerten materiellen Ertrag5. Dies ist meist lediglich in der Kombination mit einem ausreichend dotierten Job möglich oder mit einer guten Versorgung über den Lebenspartner möglich (s. hierzu Hausfrauen, die neben ihrer Mutterrolle noch im Elternbeirat etc. aktiv sind. Die Konstellation eines Ehrenamtlichen und gleichzeitig eines Geringverdieners ist auch möglich, allerdings auch wieder nur in Kombination mit der vorher gesicherten Grundversorgung. Diese Zusammenhänge werden in Abschnitt 2.2 nochmals ausführlich beleuchtet.

Eine weitere Grundannahme der Untersuchung stellt die Schwierigkeit der Messbarkeit dar. Sie ergibt sich aus der vorherigen Unterscheidung von Wirtschaftssubjekten und Individuen. Denn durch die ideellen Motivationsgründe erhält die ehrenamtliche Arbeit eine zusätzliche qualitative Komponente, die die Möglichkeiten der quantitativen Messung übersteigt. Aus diesem Grund fällt die gesellschaftliche Sichtweise stark ins Gewicht. Denn über sie gibt es einen Rückkopplungseffekt. Die „menschliche“ Seite des Menschen wird gefordert. Der zweite Analyseschritt trägt der quantitativen Seite Rechnung. Hier wird vor allem auf die ökonomischen Aspekte der beiden Berufsfelder eingegangen. Dabei werden zum einen die Wohlfahrtseffekte durch die ehrenamtliche Arbeit aufgezeigt. Der Unterschied zu der hauptberuflichen Arbeit ist evident und logischerweise quantitativ gemessen enorm. Da der volkswirtschaftliche Nutzen lediglich annäherungsweise geschätzt werden kann, wird hier die Bemessungsmethode des Freiwilligensurvey, die versucht durch die Bezifferung der Stunden eine Maßeinheit zu finden den entstehenden Output zu beziffern. So wird der Wert für die gesamte Volkswirtschaft eruiert und kann bei Nichtbestehen den Wohlfahrtsverlust verdeutlichen. Gleichzeitig wird der Effekt auf den Arbeitsmarkt aufgezeigt. Dadurch soll ein weiterer Blick für die Makroebene geöffnet werden.

Die Schlussbemerkung stellt die Ergebnisse aus der Untersuchung zusammen und hebt die wichtigsten Punkte hervor.

1.2 Aufbau der Arbeit

Aus dieser Analyse ergibt sich folgender Aufbau. In den ersten drei Abschnitten 2 bis 3 werden die allgemeinen Rahmenbedingungen des Ehrenamtes aufgezeigt und Tendenzen festgestellt. Die Positionierung in der Gesellschaft geht an der Definition Hegels für die Bürgergesellschaft aus. Mit einer aktiven Beteiligung der Bürger wird die Demokratie und damit der Staat gestärkt. Zu diesem Zweck wird die Motivlage des Einzelnen untersucht und die Zusammensetzung der Engagiertengruppe. Übertragen auf die Gesellschaft wird der Unterschied zwischen Ost- und Westdeutschland heraus gearbeitet, um die diverse Signifikanz zu begründen.

In Punkt 4 wird dann explizit auf das politische Ehrenamt eingegangen und der Vergleich von Berufspolitikern und ehrenamtlich Tätigen. Dabei spielen auch die Begriffe Unbestechlichkeit und moralische Ideale eine Rolle, die so einige Theorien in den Hintergrund rücken sollen.

Der letzte Abschnitt hat, wie bereits erwähnt, einen zusammenfassenden Charakter. Er ist deskriptiv und rundet das Gesamtbild ab.

2 Die Bedeutung für die Gesellschaft

Das Ehrenamt ist eine Möglichkeit die Bevölkerung aktiv an der Demokratie mitgestalten zu lassen. Laut Schultze/ Holzinger handelt es sich hierbei um „das Amt, welches der durch Rechtsvorschriften einer natürlichen Person zur pflichtgemäßen Wahrnehmung zugewiesener Wirkungskreis beinhaltet“. Durch die Mitbestimmung in den zugewiesenen Bereichen wird Stabilität vermittelt und sozialer Frieden aufgebaut. Die Stabilität kommt durch die Vermittlung bzw. den Aufbau von selbstverantwortlichen Projekten zustande. Analog nimmt das Ehrenamt dadurch eine Integrations- und eine Identifikationsfunktion. Durch den aktiven Gestaltungswillen der Bürger werden Synergieeffekte geschaffen, die nicht in nominellen Einheiten gemessen werden können. Mit der Entfaltung der Persönlichkeit und dem Ausbau von Zusatzqualifikationen entstehen neue Ressourcen, die die Umwelt insbesondere mitprägen.

In den letzten Jahren reduzierten sich die Mitgliederzahlen in eingetragenen Vereinen außerordentlich und es zeigt sich ein deutlicher Trend hin zur Individualisierung des Ehrenamtes6. Nachbarschaftshilfe und Freundschaftsdienste werden eher geleistet, als eine feste Verpflichtung gegenüber formellen Strukturen einzugehen. Diese Entwicklung spiegelt sich auch in der Umbenennung in bürgerschaftliches Engagement wider7.

2.1 Individuelle Faktoren

Gemäß den gesamten Tendenzen können auch individuelle Trends auf dem Gebiet der Rekrutierung und ihren Motiven festgestellt werden. So ist laut Mutz der optimale „Ehrenämtler“ zu gleichen Teilen männlich wie weiblich, stammt aus einem Mehr-Personen- Haushalt, mittleren Alters, hat einen eher gehobenen Bildungsabschluss und nimmt eine mittlere bis höhere berufliche Position ein. Die berufliche Position ist vor allem aufgrund der entgeltlosen Tätigkeit wichtig, denn sie ermöglicht erst die Ausübung eines solchen Amtes8. Die Motive zur aktiven Teilnahme an der Gesellschaft liegen hier in der Lebensphase und Lebenslage verborgen, so ist die Aktivität während des Arbeitslebens ausschlaggebend und tritt nicht erst durch Ausschluss aus dem Arbeitsleben (, wie z.B. Arbeitslosigkeit und Rente) auf. So ist die Argumentation, dass lediglich erst Personen, die genügend Zeit haben sich aktiv an bürgerschaftlichen Engagement beteiligen hinfällig. Damit sind auch neuere Diskussionen über die Aktivierung von Stillen Reserven, bzw. Humankapital in form von Arbeitslosen, nicht möglich9. In Tabelle 1 wird deutlich, dass erst durch die monetäre Sicherung des eigenen Bedarfes, ein Engagement erst möglich wird. Dadurch können zum einen die Uneigennützigkeit und zum anderen die Objektivität des Handelnden gesichert werden. Dabei lässt sich die Uneigennützigkeit jedoch lediglich auf den rein materiellen Gewinn beziehen. Denn die Entlohnung ist auf immaterieller Ebene hoch.

Tabelle 1: Personengruppen (Segmente des zugehörigen Baumdiagramms) mit einer Engagiertenquote von mindestens dem 1,5fachen des Gesamtdurchschnitts: Zweiter Analyseschritt (Wohnbevölkerung ab 14 Jahren)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Dathe/ Kistler; S. 56

So diskutieren in ihrem Aufsatz Evers, Kortmann, Olk und Roth10, ob das bürgerschaftliche Engagement einer umfassenden „Kultur der Anerkennung“, die ehrlich und ernst gemeint ist, in der heutigen Zeit bedarf. Sie kommen zu dem Schluss, dass es auf jeden Fall notwendig ist und den Bedürfnissen der verschiedenen aktiven Gruppen gerecht werden muss. Folglich müssen unterschiedliche Ehrungsmodi für Senioren, Jugendliche, Frauen und alle ehrenamtlich Aktiven gefunden werden. Damit fallen den öffentlichen Verleihungen von Orden, wie sie bereits angesprochen wurde, besondere Bedeutung zu.

[...]


1 Hegel, G.W.F.; Verfassungsschrift; s. auch Lohmann, Georg und Forndran, Erhard.

2 Ressourcenverteilung wird hier in jeglicher Hinsicht gebraucht. So sind darin auch eingeschlossen, nicht nur monetären Ressourcen, sondern auch Humankapital, Bereitstellung von Gebäuden, Verpflegung, etc.

3 Evers, Adalbert/ Kortmann, Karin/ Olk, Thomas/ Roth, Roland; S. 154.

4 Hierbei wird nicht vom Billiglohnsektor gesprochen, sondern von einer Tätigkeit, die die Unabhängigkeit der Individuen gewährleistet.

5 Igl, Gerhard/ Jachmann, Monika/ Eichenhofer, Eberhard; S. 37f.

6 Mutz, Gerd; Bürgerengagement und Soziale Arbeit - Anmerkungen zu einem problematischen Verhältnis aus empirischer Sicht; in: Möller, Kurt; Auf dem Weg in die Bürgergesellschaft ?; S. 15

7 Ebd.; S. 13

8 s. auch Gensicke, Thomas; S. 103

9 Erst mit der Möglichkeit der Festanstellung werden diese „Stillen Reserven“ aktiviert.

10 Evers, Adalbert/ Kortmann, Karin/ Olk, Thomas/ Roth, Roland; Engagementpolitik als Demokratiepolitik. Reformpolitische Perspektiven für Politik und Bürgergesellschaft; S. 153

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Das politische Personal: Die Bedeutung des Ehrenamtes
Hochschule
Universität Augsburg  (Philosophische-Sozialwissenschaftliche Fakultät)
Veranstaltung
Hauptseminar
Note
2,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
22
Katalognummer
V158029
ISBN (eBook)
9783640710867
ISBN (Buch)
9783640710966
Dateigröße
467 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Diese Arbeit beleuchtet den voranschreitenden Prozess der Verschiebung von Hauptamlichen zu Ehrenamtlichen Beteiligten im politischen Alltag. Aus dieser Entwicklung entstehen nicht nur Vor- sondern auch evidente Nachteile, die manche Fragen aufwerfen. Wie sieht es aus mit der Verantwortung? Verliert die Bevölkerung mit dieser Entwicklung auch immer mehr den Einfluss in der Politik? Entwickelt sich hierdurch auch eine Politikverdrossenheit? Zum Teil, ja. Aber lesen Sie selbst. Kann der Ansatz vielleicht helfen die Geographie der politischen Landschaft besser zu verstehen?
Schlagworte
Politische Landschaft, Politisches Klima, Politisches System, Politische Meinungsbildungsprozess, Politikverdrossenheit
Arbeit zitieren
S. Mayinger (Autor), 2005, Das politische Personal: Die Bedeutung des Ehrenamtes, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/158029

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Das politische Personal: Die Bedeutung des Ehrenamtes


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden