Behinderung und Geschlecht

Frauen und Behinderung


Seminararbeit, 2009

13 Seiten, Note: 1.00


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Frauen und Behinderung
2.1 Behinderung und Arbeitswelt
2.2 Das Behindertengleichstellungsgesetz
2.3 Die Lebenssituation behinderter Frauen in Österreich

3. Sexualität
3.1 Sexuelle Selbstbestimmung
3.2 Sexuelle Gewalt
3.3 Hilfeleistungen

4. Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Frauen mit Behinderung werden in unserer Gesellschaft viele Hindernisse in den Weg gelegt. Sie sind auch doppelt und dreifachbenachteiligt, nämlich als Frau mit einer Behinderung und dann auch noch als Mutter. Sie sind so gut wie unsichtbar in unserer Gesellschaft. In den Bemühungen um Menschen mit Behinderung wird noch ganz selten nach den Geschlechtern differenziert und zuallererst steht da meist die Behinderung. Das Frau-Sein ist nachrangig. Doch Frauen mit einer Behinderung haben teilweise ganz andere Bedürfnisse und Interessen und müssen gegen ganz andere gesellschaftliche Diskriminierungen ankämpfen. In dieser Arbeit möchte ich nun auf die wichtigsten Aspekte von Behinderung, bezugnehmend auf das weibliche Geschlecht eingehen. Im zweiten Teil meiner Arbeit wird auch ein Tabu-Thema, das den Oberbegriff der „Sexualität“ trägt, besprochen. In diesem Themengebiet wird auch speziell auf Gewalt und Missbrauch von Frauen mit Behinderung eingegangen.

2. Frauen und Behinderung

Frauen mit einer Behinderung „werden gesellschaftlich durchaus wahrgenommen, denn würden sie nicht gesehen, könnten sie auch nicht unterdrückt und diskriminiert werden“ (LAUBENSTEIN, 2008, S.312). In dieser Definition von Desiree Laubenstein erkennt man die kausalen Zusammenhänge der gesellschaftlichen Rollen von behinderten Frauen sowie die Wertschätzung und Akzeptanz, die man behinderten Frauen entgegen bringt. Lauenstein sagt auch, dass „dieser sozialisationsbedingte Entfremdungsprozess nicht ohne Auswirkungen für eine spätere weibliche Identitätsfindung bei Frauen mit Behinderung bleiben kann, sie werden trotz Anpassungsbemühungen an gesellschaftliche Normvorgaben seitens der Eltern, Therapeuten und anderer Fachleute mit dem gesellschaftlichen Stigma der ökonomischen Geringschätzung konfrontiert und machen zudem noch die Erfahrung, als Frau minderer Güte zu gelten. Frauen mit einer Behinderung werden nicht primär als Frau sondern als Behinderte wahrgenommen, so dass ihr Geschlecht unter der Kategorie der Behinderung subsumiert wird“ (LAUBENSTEIN, 2008, S.312). Bei Kodalle entsteht Behinderung erst „im Zusammenspiel von körperlicher, geistiger, seelischer oder Sinnes-Schädigung“(KODALLE, 2004, S.105). Weiters eröffnen sich mit dem sozialen Modell „von Behinderung daher eine Sicht, mit der für behinderte Frauen ihre Lebensqualität und ihre Lebenschancen nicht unweigerlich dadurch festgelegt sind was ihre Körper nicht tun können, wie ihre Körper aussehen oder wie ihr Geist funktioniert […..]. Mit dieser Sichtweise ist auch der Blick auf das Geschlechterverhältnis geöffnet. Behinderung hat mit dem Geschlechterverhältnis insofern zu tun, als das Geschlecht ein wesentlicher Faktor darin ist, wie auf Schädigungen reagiert wird – und sogar darin, was als körperliche, geistige, seelische oder Sinnes-Schädigung angesehen wird. Auch behinderte Menschen haben in unserer Gesellschaft mit der kulturellen Einteilung in Frau oder Mann zu leben, mit den entsprechenden normativen Vorgaben an ihr Geschlecht“(KODALLE, 2004, S. 105). Kodalle geht davon aus, dass behinderte Frauen „stärker nach äußeren Kriterien beurteilt werden als Männer und behinderte Frauen kaum dem gängigen Schönheitsideal entsprechen“ (KODALLE, 2004, S. 107). Als weiterer Faktor für Diskriminierungen wird bei Kodalle genannt, „dass Frauen die schon von Kindheit an mit ihrer Behinderung leben, zudem oft ein negatives Selbstbild hätten, weil Ihnen von klein auf vermittelt wurde, dass ihr Körper „mangelhaft“ sei und ständig verbessert werden müsse. Dies bedeute ein zusätzliches Hindernis bei der Partnersuche“(KODALLE, 2004, S. 107). Ein weiterer wichtiger Punkt wäre die häusliche Fürsorgearbeit wo ein Mann leichter auf eine fürsorgende Partnerin hoffen kann, als eine behinderte Frau. (Vgl. KODALLE, 2004, S. 107). „Wenn wir annehmen, dass eine heterosexuelle Partnerschaft ein Gut darstellt, sind behinderte Frauen hier in einer schlechteren Lage als Männer oder nicht behinderte Frauen – in einer Lage, die Ausdruck ungerechter Verhältnisse und damit von Benachteiligung sein könnte“ (KODALLE, 2004, S. 107). Aufgrund der normativen Zuschreibung von Fürsorgearbeit zum Aufgabenbereich von Frauen befinden sich behinderte Mütter, die zum Teil auf die Hilfe anderer und ihrer Familie bei alltäglichen Aufgaben angewiesen sind, in einer besonders schwierigen Lage. „Eine behinderte Mutter muss damit rechnen, auf der Straße von Fremden gefragt zu werden, wie sie ihren Kindern „so eine Mutter“ zumuten könne. Ohne eine tatsächlich vorliegende Inkompetenz ist dieses Absprechen von Kompetenz ungerecht“(KODALLE, 2004, S. 107). Kodalle geht davon aus, dass die Frauen in Sorgende und Abhängige eingeteilt werden und macht somit die Erfahrungen von Frauen die selbst Hilfe benötigen würden unsichtbar (vgl. KODALLE, 2004, S. 107). „Die Erfahrung von Frauen sei schließlich das Sorgen und nicht das Umsorgt- Werden“ (KODALLE, 2004, S. 107). Ähnlich schwierig zeigt sich die Lage für behinderte Frauen, wenn es um Sexualität und Erotik geht. „In den 80er Jahren beschrieben behinderte Frauen ihre Situation folgendermaßen: Die besondere Art unserer Diskriminierung besteht darin, dass wir es noch nicht einmal wert sind, so mies und herablassend diskriminiert zu werden wie nichtbehinderte Frauen. Wir kommen nicht vor in der frauenverachtenden Pornografie- Literatur. Mit unseren nackten Körpern wird nicht für Autos geworben, uns wird nicht hinterhergepfiffen“ (KODALLE, 2004, S. 105). Barbara Rendtorff, Vera Moser und Karin Amos gehen in ihrem Buch „Geschlecht und Geschlechterverhältnisse in der Erziehungswissenschaft“ auf die doppelte Diskriminierung der Frau ein, wobei sie sich auf die Publikation von Ulrike Schildmann beziehen „Lebensbedingungen behinderter Frauen“. Sie gehen davon aus, dass „die spezifische Benachteiligung von Frauen im Allgemeinen aus ihrer strukturellen ökonomischen Benachteiligung abgeleitet (sowohl im Erwerbs wie im unbezahlten Reproduktionssektor) wird. Die Benachteiligung behinderter Frauen konstruiert Schildmann demzufolge im Sinne einer doppelten Diskriminierung, d.h. die ökonomisch verursachte Benachteiligung und ihre sekundären Folgen verschärfe sich noch einmal unter den Bedingungen von Behinderung (vgl. RENDTORFF / MOSER / AMOS, 1999, S. 249). „Im Rahmen der Rehabilitationsforschung bestätigt Mathilde Niehaus in ihrer Untersuchung „Behinderung und sozialer Rückhalt“ die These der doppelten Diskriminierung behinderter Frauen“ (RENDTORFF / MOSER / AMOS, 1999, S. 252).

[...]

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Behinderung und Geschlecht
Untertitel
Frauen und Behinderung
Hochschule
Alpen-Adria-Universität Klagenfurt  (Erziehungswissenschaft und Bildungsforschung)
Note
1.00
Autor
Jahr
2009
Seiten
13
Katalognummer
V158038
ISBN (eBook)
9783640719235
ISBN (Buch)
9783640719686
Dateigröße
395 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Behinderung, Geschlecht, Frauen, Behinderung
Arbeit zitieren
Mag. Wolfgang Sebastian Weberitsch (Autor), 2009, Behinderung und Geschlecht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/158038

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