Gleichgeschlechtliche Bindung


Hausarbeit (Hauptseminar), 2003

13 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Bowlbys Bindungstheorie

3. Evolutionstheoretischer Ansatz

4. Verschiedene Erklärungsansätze

5. Schlussüberlegungen

6. Literatur

1. Einleitung

Der Bindung zwischen Eltern und Kind wird in der Entwicklungspsychologie eine wichtige Bedeutung beigemessen. In diesem Bereich werden bereits im frühkindlichen Alter Verhaltensweisen festgelegt, die den späteren Umgang des Erwachsenen in der Interaktion mit anderen Menschen grundlegend und weitreichend beeinflussen.

Der Arzt und Psychoanalytiker John Bowlby (1907 - 1990) gilt als Pionier der Bindungsforschung. Die von ihm hervorgebrachte Bindungstheorie wurde primär als klinische Theorie entwickelt, um Formen von emotionalen und Persönlichkeitsstörungen, einschließlich Angst, Wut, Depression und emotionale Entfremdung, die durch ungewollte Trennung und Verlust ausgelöst werden zu erklären. Die Bindungstheorie liefert ein Konzept, um die menschliche Neigung zu erklären, enge emotionale Beziehungen zu suchen. Dabei versteht man unter Bindung ("Attachment") eine besondere Beziehung eines Kindes zu seinen Eltern oder Personen, die es beständig betreuen. Somit ergibt sich ein andauerndes affektives Band zu bestimmten Personen, die nicht ohne weiteres auswechselbar sind.

Diese Arbeit betrachtet die Bindung eher aus evolutionstheoretischer Sicht. Es soll die Frage erörtert werden inwiefern die bestehende Bindungstheorie ausreicht um das Phänomen Homosexualität („same-sex-attachment“), bei dem offenbar ähnliche Bindungsformen zu bestehen scheinen, zu erklären und inwieweit offene Fragen bestehen, die bisher noch nicht erforscht wurden. Im Vordergrund steht hierbei demnach vielmehr die Frage „Weshalb Bindung?“ als die Frage nach dem „Wie“.

2. Bowlby’s Bindungstheorie

Bowlby legte seiner ursprünglichen theoretischen Arbeit Darwins Evolutionstheorie zugrunde. Ein zentraler Kern seiner Arbeit beruhte damit auf der Annahme, dass alles Leben einem einzigen Ziel unterliegt, dem Überleben des Individuums („survival of the fittest“, Darwin). Dies bedeutet dass alle Handlungen und Funktionen eines Individuums in letzter Konsequenz Schutzfunktionen darstellen, die das Überleben des Einzelnen sichern sollen.

Bindung stellte für Bowlby damit zumindest insofern eine evolutionsunterstützende Funktion dar, dass sie weitestgehend den Schutz und die Reproduktion derjenigen Individuen sichert, die dazu neigen eine große Nähe zu ihren Versorgern und Sexualpartnern zu halten.

Definition von Bindung und Bindungstheorie

Bowlby betrachtet Mutter und Säugling als Teilnehmer in einem sich wechselseitig bedingenden und selbstregulierenden System. Die Bindung zwischen Mutter und Kind innerhalb dieses Systems unterscheidet sich vom Begriff „Beziehung" dadurch, dass "Bindung" lediglich als ein Teil des komplexen Systems der Beziehung zu verstehen ist, während der Beziehungsbegriff eine komplexe Zusammensetzung vieler Komponenten darstellt, die auch Handlungsmuster und Kommunikationsebenen beinhaltet.
Die Bindungstheorie verbindet ethologisches, entwicklungspsychologisches, systemisches und psychoanalytisches Denken. In ihren Annahmen befasst sie sich mit den grundlegenden frühen Einflüssen auf die emotionale Entwicklung des Kindes und versucht, die Entstehung und Veränderung von starken gefühlsmäßigen Bindungen zwischen Individuen im gesamten menschlichen Lebenslauf zu erklären.

Das Bindungssystem

Nach Bowlby stellt das Bindungssystem ein primäres, genetisch verankertes motivationales System dar, das zwischen der primären Bezugsperson und dem Säugling, in nicht näher definierter biologischer Präformiertheit, nach der Geburt aktiviert wird und eine überlebenssichernde Funktion ausführt. Der Säugling sucht besonders dann die Nähe zu seiner Mutter, wenn er Angst erlebt. Dies kann etwa der Fall sein, wenn er sich von seiner Mutter getrennt fühlt, unbekannte Situationen oder die Anwesenheit fremder Menschen als bedrohlich erlebt, wenn er etwa an körperlichen Schmerzen leidet. Er erhofft sich von der Nähe zu seiner Mutter Sicherheit, Schutz und Geborgenheit. Das Nähesuchen wird durch Blickkontakt zur Mutter, aber auch besonders durch Nachfolgen und Herstellen von Körperlichem Kontakt mit der Mutter erreicht. Dabei ist das Kind immer in aktiver Interaktion und signalisiert, wann Bedürfnisse nach Nähe und Schutz auftauchen und befriedigt werden wollen. Demnach erfüllt Bindung in erster Linie eine überlebenssichernde Funktion, die zwar im Laufe der Entwicklung eines Menschen Veränderungen durchläuft und sich den jeweiligen Bedürfnissen der Lebenssituation anpasst (beispielsweise in Form von Fürsorgeverhalten), jedoch immer eine Form von Schutz darstellt.

[...]

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Gleichgeschlechtliche Bindung
Hochschule
Universität Augsburg  (Sozialwiss. Fakultät)
Veranstaltung
Hauptseminar: Bindungstheorien
Note
1,0
Autor
Jahr
2003
Seiten
13
Katalognummer
V15808
ISBN (eBook)
9783638208253
Dateigröße
451 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gleichgeschlechtliche, Bindung, Hauptseminar, Bindungstheorien
Arbeit zitieren
Stefan Schmid (Autor), 2003, Gleichgeschlechtliche Bindung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/15808

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