Das Leben der heutigen jungen Generation sieht deutlich anders aus als früher, da in den letzten Jahrzehnten zahlreiche Veränderungen stattgefunden haben, die sich auch auf ihr Leben ausgewirkt haben. So wachsen Kinder und Jugendliche in der Familie heute anders auf, weil etwa die Erziehung aufgrund neuer Wertvorstellungen anderen Anforderungen unterliegt und auch die Zusammensetzung der Familie und die Rollenverteilung innerhalb der Familie einen Wandel durchlebt haben. Aber auch der Freizeit- und Konsumsektor, neue Medien und die Gleichaltrigengruppen spielen im Leben der Jugendlichen heute eine zentrale Rolle. Folgende Aussage soll diesen Wandel aufzeigen: „Die Kinder seien eben anders, als sie früher waren“ […] und zwar aus dem Grund, weil sich „die Bedingungen geändert haben, unter denen sie heute aufwachsen. Sie werden in ganz anderer Weise ‚sozialisiert‘ als damals“. (Giesecke 1998, S. 9) Doch nicht nur alleine das Aufwachsen hat sich verändert, sondern auch die gesellschaftlichen Ansprüche, die an die junge Generation in der Zukunft gestellt werden. Es ist notwendig auf diese neuen Lebensbedingungen der Jugendlichen und die Zeit, in der sie leben, einzugehen, um sie bestmöglich zu fördern und auf ihre Zukunft vorzubereiten. Dieser Tatsache muss primär im Unterricht Rechnung getragen werden. Der Unterricht sollte so gestaltet sein, dass er zeitgemäß und dem Leben der Jugendlichen angepasst, stattfindet.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Aufbau der Arbeit
1.3 Zielsetzung
2 Erziehung und gesellschaftliche Einflüsse
2.1 Erziehungsbegriff
2.2 Ziele der Erziehung
2.2.1 Konstanz und Wandel von Erziehungszielen
2.2.2 Entstehung von Erziehungszielen
2.3 Erziehungsstile
2.3.1 Autoritative Erziehung
2.3.2 Autoritäre Erziehung
2.3.3 Antiautoritäre Erziehung
2.4 Gesellschaft als Einflussgröße
2.4.1 Gesellschaftlicher Informalisierungstrend
2.4.2 Allgemeine Verunsicherung
3 Familie
3.1 Familienbegriff
3.2 Familienformen
3.2.1 Kernfamilien
3.2.2 Ein-Eltern-Familien
3.2.3 Stieffamilien
3.3 Scheidungen
3.4 Wandel der Familiengröße und Auswirkungen auf den Familienalltag
3.5 Wandel der Mutter- und Vater-Rolle
3.5.1 Erwerbstätigkeit von Müttern
3.5.2 Neue Väter
4 Jugend
4.1 Lebensphase Jugend
4.2 Wertorientierungen
4.2.1 Zeitgeist und Wertegruppen
4.2.2 Stellenwert der Familie
4.3 Freizeitsektor
4.4 Konsumsektor
4.5 Gleichaltrigengruppen
4.6 Medien
4.7 Politisches Engagement
5 Schule und Unterricht
5.1 Funktionen der Schule
5.2 Kompetenzen im Lehrplan der HAK
5.2.1 Handlungskompetenz
5.2.2 Medienkompetenz
5.3 Unterrichtsmethoden
5.3.1 Methodenintegration
5.3.2 Ein Beispiel: Handlungsorientierter Unterricht
5.4 Veränderte Lehrerrolle
5.5 Teamentwicklung
6 Resumé
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit setzt sich mit den veränderten Lebensbedingungen der heutigen Jugend (14- bis 19-Jährige) auseinander, um daraus notwendige Konsequenzen für eine zeitgemäße Unterrichtsgestaltung an der Handelsakademie abzuleiten.
- Analyse der soziokulturellen Einflüsse auf Erziehung und Familienstrukturen.
- Untersuchung der spezifischen Lebenswelt Jugendlicher (Freizeit, Konsum, Medien, Gleichaltrige).
- Evaluierung von Handlungskompetenz und Medienkompetenz als zentrale Bildungsziele.
- Darstellung moderner, schüleraktiver Unterrichtsmethoden und deren Anwendbarkeit.
- Reflektion über die notwendige Anpassung der Lehrerrolle im Kontext des Wandels.
Auszug aus dem Buch
2.4.1 Gesellschaftlicher Informalisierungstrend
Erziehung impliziert immer ein Gewaltverhältnis von bestimmten Erwachsenen (Eltern, Lehrer) über bestimmte Kinder und Jugendliche. Da Kinder in zahlreichen Situationen nicht selbstständig handeln können, bedürfen sie der Fürsorge Erwachsener, die für sie die Verantwortung übernehmen. Dieses Gewalt- und Fürsorgeverhältnis beschränkt sich dabei auf die Unmündigkeit des Kindes und Jugendlichen. Ziel aller Erziehungsmaßnahmen ist damit das Erreichen der Mündigkeit, da mit ihm das Ende der Erziehung eintritt (Giesecke 1999, S. 71ff).
In der Erziehung dieser Unmündigen spiegelt sich auch ein Generationenverhältnis wider. In jedem Fall ist es die erwachsene, mündige Generation, die die nachwachsende, unmündige in die vorgegebenen kulturellen Normen und Rollen einführt. Die nachfolgenden Generationen behalten sich dabei aber immer einen gewissen Freiraum für etwaige Veränderungen, ansonsten gäbe es weder einen Wandel noch eine Weiterentwicklung (Giesecke 1999, S. 74).
Die Tradition übernimmt in Zeiten geringer gesellschaftlicher und ökonomischer Veränderungen stets eine beherrschende Stellung im Erziehungsprozess. Sobald Veränderungen in diesen Bereichen jedoch schneller voranschreiten, wie etwa in der Gegenwart, verliert die Tradition an Bedeutung und neue, aktuelle Inhalte werden wichtig. Auch das Generationengefälle spielt in so einem Fall eine geringere Rolle, da die im Laufe des Lebens gewonnene Erfahrung und Reife der älteren Generation für die sich ständig ändernden Bedingungen in der Gegenwart wenig hilfreich erscheinen. Vielmehr kommt es dadurch zu einer Art gemeinsamer Solidarität gegenüber gleichen Lebensproblemen, die beide Generationen bewältigen müssen. Auf das Verständnis von Erziehung wirkt sich diese Tatsache sehr stark aus, denn von nun an gibt es kein hierarchisches Gefälle von ‚Wissenden‘ und ‚Unwissenden‘ oder ‚Erfahrenen‘ und ‚Unerfahrenen‘ mehr. Auch das bereits erwähnte Gewalt- und Fürsorgeverhältnis wird dadurch in Frage gestellt. Kinder und Jugendliche gewinnen das moralische Recht über ihr eigenes Leben in den Bereichen wie z.B. Freizeit, Schule und Beruf selber entscheiden zu können (Giesecke 1999, S. 75f).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Definiert die Problemstellung, den Aufbau der Arbeit und die Zielsetzung im Hinblick auf die veränderten Lebensbedingungen Jugendlicher.
2 Erziehung und gesellschaftliche Einflüsse: Untersucht Erziehungsbegriffe, -ziele und -stile sowie den Einfluss der modernen Industriegesellschaft auf die elterliche Erziehung.
3 Familie: Analysiert den Wandel von Familienformen, die Auswirkungen von Scheidungen und die Rollenveränderungen bei Müttern und Vätern.
4 Jugend: Beleuchtet die Lebensphase Jugend, Wertorientierungen, den Freizeit- und Konsumsektor sowie die Rolle von Gleichaltrigengruppen, Medien und politischem Engagement.
5 Schule und Unterricht: Erläutert Funktionen der Schule, notwendige Kompetenzen im HAK-Lehrplan sowie handlungsorientierte Unterrichtsmethoden und die veränderte Lehrerrolle.
6 Resumé: Führt die wesentlichen Erkenntnisse über den gesellschaftlichen Wandel und dessen Konsequenzen für eine moderne, schüleraktive Unterrichtsgestaltung zusammen.
Schlüsselwörter
Erziehung, Jugend, Familie, Schule, Unterrichtsgestaltung, Handlungskompetenz, Medienkompetenz, Sozialisation, Wertorientierung, Gleichaltrigengruppen, Freizeitsektor, Konsumverhalten, Lehrerrolle, Teamentwicklung, HAK
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie sich die Lebenswelt heutiger Jugendlicher verändert hat und welche Konsequenzen sich daraus für die pädagogische Gestaltung des Unterrichts an Handelsakademien ergeben.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Felder sind die familiäre Sozialisation, die Lebenswelt Jugendlicher mit ihren Besonderheiten in Freizeit und Mediennutzung sowie die daraus resultierenden Anforderungen an schulische Lehrpläne und Unterrichtsmethodik.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, Möglichkeiten aufzuzeigen, wie Lehrer durch offene und handlungsorientierte Unterrichtsformen besser auf die spezifische Lebenssituation 14- bis 19-jähriger Schüler eingehen können.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Erarbeitung genutzt?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf umfangreicher Literaturrecherche basiert, inklusive der Einbeziehung relevanter Ergebnisse wie der Shell Jugendstudie.
Was steht im inhaltlichen Fokus des Hauptteils?
Der Hauptteil behandelt den Wandel von Erziehungszielen, die Bedeutung von Familienformen, das Verhalten von Jugendlichen in der Peergroup sowie die Transformation von Schule hin zu einem Ort der Kompetenzentwicklung.
Welche Schlagworte charakterisieren die Arbeit?
Die Kernbegriffe umfassen Handlungskompetenz, Medienkompetenz, Sozialisation, jugendliche Lebenswelten und handlungsorientierten Unterricht.
Warum wird der "handlungsorientierte Unterricht" als Lösungsansatz hervorgehoben?
Der handlungsorientierte Unterricht fördert die Eigenverantwortung und schüleraktive Teilhabe, was laut Autorin besonders wichtig ist, um die Motivation und das Selbstwertgefühl der Jugendlichen in einer komplexen Welt zu stärken.
Wie verändert sich die Rolle des Lehrers laut der Arbeit?
Der Lehrer wandelt sich vom reinen Instrukteur zum Lernbegleiter, Organisator und Berater, der gemeinsam mit Schülern Lerngelegenheiten schafft, anstatt vorgegebene Lerninhalte frontal zu vermitteln.
Welchen Einfluss haben Medien auf Jugendliche laut der Analyse?
Medien fungieren als mächtige Sozialisationsinstanz, die sowohl entwicklungschancen bietet, indem sie bei der Identitätsfindung unterstützen, als auch Risiken wie Konsumdruck oder Realitätsverzerrungen bergen können.
- Citar trabajo
- Bianca Schmid (Autor), 2010, Jugendliche heute - Mögliche Konsequenzen für die Gestaltung von Unterricht, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/158080