Untersuchung der Wahl der Äbte Clunys von Berno bis Odilo“


Hausarbeit, 2010

10 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Gliederung

Titelblatt

Gliederung

Darstellung des Themas

Wie es sein soll: Unterschiedliche Normen

Die Abtswahl gemäß der Benedictregel

Die Abtswahl gemäß der Gründungsurkunde und die Verträglichkeit mit der Benedictregel

Die Praxis

Der Ablauf der Wahl

Einzelne Äbte

Exkurs: Designation versus Abtswahl

Resümee

Quellen

Literaturliste

Darstellung des Themas

Am elften September des Jahres 9091 /9102 schenkte der Herzog Wilhelm III von Aquitanien seine Ländereien in Cluny dem damaligen Abt von Baume, Berno3. Der Herzog, der auch „der Fromme“ genannt wird, war anfangs nicht sicher, ob er das Land und die Gebäude wirklich den Mönchen schenken sollte. Er wurde der Sage nach jedoch von Berno überzeugt.

Cluny und den ihm unterstellten Klöstern gelang es nach der Gründung eine regelrechte Erfolgsgeschichte4 unter seinen verschiedenen Äbten zu schaffen, die nicht vorhersehbar war. Das, was später die clunicensis ecclesia genannt wurde, reformierte das benediktinische Möchtum, was zu dieser Zeit bedeutete, dass die Regeln des heiligen Benedict5 strenger als im sonstigen Mönchtum6 befolgt wurden.

Die sich später entwickelnde ecclesia clunicensis war durch die vereinheitlichende benediktinische Klosterregel verbunden. Die Klöster in Form eines zentral gelenkten Verbandes zu organisieren wuchs nach weitläufiger Ansicht aus der Situation der Klostergruppe selbst heraus.7 Veronika von Büren schlussfolgert aus ihrer Untersuchung der Bibliothek, es habe sich beim Klosterverband - mindestens in der Anfangszeit der ecclesia cluniacensis - mehr um einen „`Personenverband`“ als um einen Klosterverband gehandelt.8

In der regula Benedicti hat der Abt die mit Abstand wichtigste Stellung. Er entscheidet über ökonomische9 und soziale10 Belange und ist nicht zuletzt der Stellvertreter Christi im Kloster11. Dementsprechend wurde er auch geehrt und konnte bei gegebener Größe seines Klosters und den dazugehörigen Beziehungen sogar auf die Politik Einfluss nehmen12, was eigentlich dem zurückgezogenen Dasein, welches in der monastischen Tradition angestrebt werden soll, widerspricht.

Das ist jedoch nicht der einzige Widerspruch der sich zeigt. Der Abt - als Hüter der Regeltreue, der sich versündigt, wenn er die ihm anvertrauten Mönche bei Vergehen nicht züchtigt13 - kam manches mal nicht nach den in der regula Benedicti vorgesehenen Bestimmungen ins Amt.

Hier soll zunächst untersucht werden, welche Methoden bzw. welches System14 zur Einsetzung eines Abtes nach der regula Benedicti15 verwendet werden sollte und was die Gründungsurkunde dazu besagt16. Darauf folgt ein Abgleich mit der Einsetzung ausgewählte Äbte aus der Anfangszeit des Mutterklosters.

Wie es sein soll: Unterschiedliche Normen

Die Abtswahl gemäß der Benedictregel

Gemäß der regula Benedicti soll der Abt das „Herzstück“ des Klosters sein17, auf dem die Verantwortung für die Brüder lastet. Doch wie gelangte man zu dem Titel „Abt Clunys“?

Nachdem Abt Berno18 von Wilhelm III. dem Frommen von Aquitanien zum Klostervorsteher ernannt wurde19, sollte nach der Schenkungsurkunde die regula Benedicti alleine über das Kloster herrschen ohne, dass es von äußeren Einflüssen heimgesucht wird.20 Also sollte die Frage vielmehr lauten: Wie wird man in einem benediktinischen Kloster zum Vorsteher?

Die Antwort ist: Man lässt sich wählen. Für den möglichen Ablauf einer solchen Wahl erkennt Maria Hillebrandt „drei Wege“21. Der erste Weg sei der „einstimmige(n) Beschluß der gesamten Gemeinschaft“ Der zweite Weg sei, wenn der erste Weg nicht offen steht, die Wahl von einer Gruppe Auserlesener (seniores)22.

Für den dritten Weg mussten die Mönche sich an Menschen außerhalb des Klosters wenden. In der regula Benedicti stehen ausdrücklich die zuständigen episcopi, […]vel aut abbates aut Christianos vicinos23, die die schlechte Wahl eines verkommenen Abtes verhindern sollten. Entscheidend ist hier RB 64, 6: Die Gläubigen sind sogar vor Gott dazu verpflichtet, solche Zustände zu unterbinden, die der Askese und Regeltreue im Weg stehen.

Die Abtswahl gemäß der Gründungsurkunde und die Verträglichkeit mit der Benedictregel

Doch gerade diese dritte Option wird schon in der Gründungsurkunde ausgehebelt. Das Kloster soll frei sein. Und unter dem Schutz des Papstes und der Apostel Petrus und Paulus soll es in Frieden bestehen, sonst möge der Zorn Gottes seine Angreifer vernichten24. Eine Drohung, die in dieser Zeit nicht zu belächeln war, da der Zeitpunkt der Apokalypse in den Augen der Bevölkerung25 möglicherweise unmittelbar bevorstand.

Findet an dieser Stelle nicht ein Regelverstoß statt26 ? Es wird bildlich gesprochen ein trickreicher Notar eingesetzt, mit dessen Hilfe man ein Gesetz oder eine Wahlmöglichkeit umgehen kann27, nämlich die in der regula Benedicti offen stehende Möglichkeit zur Fremdbestimmung des Abtes durch eine bestimmte Gruppe, oder Einzelpersonen. Eine gewisse Spannung innerhalb dieser „Gesetzeslage“ ist nicht ab zu streiten. Auch in den heutigen Gesetzen gibt es solche Widersprüchlichkeiten. Rechtsphilosophisch betrachtet bestimmt die Uneindeutigkeit einer Rechtslage den Handelnden zum Interpreten der Gesamtsituation und drängt den/die Richter zur Auslegung. Es kommt also darauf an, wie die Regeln gewertet werden, beziehungsweise wie man die Prioritäten setzt.

Wer das Verbot der Fremdbestimmung aus der Gründungsurkunde höher schätzt als die Worte aus der regula Benedicti, wird gewiss gegen eine Vorgehensweise sein, bei der außen Stehende mit einbezogen werden. Während ein Benediktinermönch, der nichts wichtigeres als die Einhaltung der Klosterregel kennt, wohl ein anderes Votum befürworten würde28. Man sollte bei diesen Überlegungen jedoch nicht außer Acht lassen, dass es sich nur um seltene Fälle handelt und diese Spannung innerhalb der Rechtssetzung nicht permanent den Zusammenhalt im Kloster zermürbte. Es wurde schließlich nicht allzu oft ein neuer Abt gewählt29. Und wenn einem Mönch die Entscheidung nicht zusagt, muss er die Ernennung voll Demut akzeptieren. Es kommt ein weiterer Teil zum bewussten Verzicht auf Seiten des Mönchs hinzu.

[...]


1 Wollasch kann dieses Jahr nicht sicher ausschließen. Vgl. Joachim Wollasch, Cluny - „Licht der Welt“. Aufstieg und Niedergang der Klösterlichen Gemeinschaft (Zürich/Düsseldorf 1996) S. 19

2 Dieses Datum wird in der Literatur für gewöhnlich angenommen und vorausgesetzt.

3 Vgl. N. Bulst, Cluny, Cluniazenser in: Lex.MA Bd. II (1983) Sp. 2172-2173.

4 Vgl. Kassius Hallinger, Gorze-Kluny. Studien zu den monastischen Lebensformen und Gegensätzen im Hochmittelalter (Rom 1951) Bd. II S. 730f.

5 Hier wird mit der regula Benedicti die des Benedict von Nursia gemeint, und nicht die regula Benedicti oder regula Magistri des Benedict von Aniane, die erst später seine Verbreitung fand.

6 Vgl. Karl Suso Frank, Geschichte des christlichen Mönchtums, 5. Aufl. (Darmstadt, 1996) S. 61

7 Wie zum Beispiel Arnold Angenendt, Vom Kloster und Klosterverband zwischen von Nursia und Benedict von Aniane, in: Vom Kloster und Klosterverband: das Werkzeug der Schriftlichkeit; Akten des internationalen Kolloquiums des Projekts L 2 im SFB 231 (22.-23. Februar 1996), hg. von Hagen Keller und Franz Neiske, München 1997) S. 7-35, hier: S. 35 oder auch Hallinger, 1951 S. 749

8 „[Z]umindest im kulturellen Bereich“. Vgl. Veronika vom Büren, Vom Kloster und Klosterverband zwischen von Nursia und Benedikt von Aniane, in: Vom Kloster und Klosterverband: das Werkzeug der Schriftlichkeit; Akten des internationalen Kolloquiums des Projekts L 2 im SFB 231 (22.-23. Februar 1996), hg. von Hagen Keller und Franz Neiske, München 1997)S. 88-99, hier S. 99.

9 Vgl. z. B. RB 31, 15.

10 Vgl. z. B. RB 28, 1-6.

11 Vgl. Adalbert de Vogüé, Die Regula Benedicti - Theologisch spiritueller Kommentar (Hildesheim 1983) S.84.

12 So kam es dazu, dass im Investiturstreit ein cluniazensischer Abt zum Vermittler zwischen König und Papst wurde.

13 Vgl. RB 2,7, Michaela Puzicha, Kommentar zur Benediktusregel, Hrsg.: Salzburger Äbtekonferenz. Mit einer Einführung von Christian Schütz (St. Ottilien 2002) S. 83 und de Vogüé, 1983 S. 79.

14 Es ist hierbei zu beachten, dass im Mittelalter Normen und Grundsätze nicht so exakt befolgt wurden, bzw. (fast) nie kategorisch galten.

15 Wie Adalbert de Vogüé festhielt bilden die Kapitel 2 - 3 und 64 eine Einheit. Das soll hier berücksichtigt werden und dient als Orientierung für die Schwerpunktsetzung der vorliegenden Arbeit. Vgl. de Vogüé, 1983 S. 75.

16 Es wird sich von Anfang an ein Widerspruch zwischen der Regel und den Festsetzungen der Gründungsurkunde zeigen.

17 Vgl. Angenendt, 1997 S. 12.

18 Über den ansonsten recht wenig herauszufinden ist.

19 Schon diese Einsetzung überging das Wahlrecht der Mönche.

20 Vgl. Maria Hillebrandt, Abt und Gemeinschaft in Cluny (10.-11. Jahrhundert) in:Vom Kloster und Klosterverband: das Werkzeug der Schriftlichkeit; Akten des internationalen Kolloquiums des Projekts L 2 im SFB 231 (22.-23. Februar 1996), hg. von Hagen Keller und Franz Neiske, München 1997) S.147-172, hier S. 147f.

21 Vgl. Hillebrandt, 1997 S.148.

22 Zu der Zusammensetzung des Rats der Brüder und einigen anderen Funktionen dieser Gruppe: vgl. Hillebrandt, 1997 S. 149ff. De Vogüé sieht die seniores als eine Lehrautorität an, die die asketische Tradition verteidigen sollen. Vgl. de Vogüé, 1983 S. 82.

23 Vgl. RB 64, 4.

24 Die Formulierung wurde ein Exportschlager für Urkundentexte.

25 Mehr noch als in den Augen des Adels.

26 Gemeint ist das Aufsetzen der Gründungsurkunde inklusive der Einsetzung des Abtes und die damit verbundene Aushebelung der Fremdbestimmung.

27 Wie „Der Eingebildete Kranke“ Molières es tun wollte. Molière, Der eingebildete Kranke, Übertragung aus dem Französischen und Nachwort von Johannes von Guenther (Stuttgart 1972) S. 21.

28 Man darf hier auch nicht außer acht lassen, dass in der regula Benedicti der Abt das letzte Wort behält und er die

Empfehlungen des Rates und der einzelnen Brüder, die sich zu Wort melden könnten, zwar bei seiner Entscheidung berücksichtigen möge, aber selbst entscheiden soll. Vgl. Puzicha, 2002 S. 97.

29 Das gilt zumindest für den hier untersuchten Zeitraum.

Ende der Leseprobe aus 10 Seiten

Details

Titel
Untersuchung der Wahl der Äbte Clunys von Berno bis Odilo“
Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen
Veranstaltung
Cluny. Erfolgsgeschichte einer Klostermgemeinschaft
Note
2,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
10
Katalognummer
V158086
ISBN (eBook)
9783640717194
ISBN (Buch)
9783640717316
Dateigröße
791 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Literatursuche gestaltete sich außerordentlich schwierig.
Schlagworte
Mönche, Mönchtum, Benedikt, Benediktinerregel, Benediktinermönche, Benediktiner, Cluny, Cluniazenser
Arbeit zitieren
Manfred Lotz (Autor), 2010, Untersuchung der Wahl der Äbte Clunys von Berno bis Odilo“, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/158086

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