Darstellung des Themas
Am elften September des Jahres 909/910 schenkte der Herzog Wilhelm III von Aquitanien seine
Ländereien in Cluny dem damaligen Abt von Baume, Berno. Der Herzog, der auch „der Fromme“
genannt wird, war anfangs nicht sicher, ob er das Land und die Gebäude wirklich den Mönchen
schenken sollte. Er wurde der Sage nach jedoch von Berno überzeugt.
Cluny und den ihm unterstellten Klöstern gelang es nach der Gründung eine regelrechte
Erfolgsgeschichte unter seinen verschiedenen Äbten zu schaffen, die nicht vorhersehbar war. Das,
was später die clunicensis ecclesia genannt wurde, reformierte das benediktinische Möchtum, was
zu dieser Zeit bedeutete, dass die Regeln des heiligen Benedict strenger als im sonstigen
Mönchtum befolgt wurden.
Die sich später entwickelnde ecclesia clunicensis war durch die vereinheitlichende benediktinische
Klosterregel verbunden. Die Klöster in Form eines zentral gelenkten Verbandes zu organisieren
wuchs nach weitläufiger Ansicht aus der Situation der Klostergruppe selbst heraus. Veronika von
Büren schlussfolgert aus ihrer Untersuchung der Bibliothek, es habe sich beim Klosterverband -
mindestens in der Anfangszeit der ecclesia cluniacensis - mehr um einen „`Personenverband`“ als
um einen Klosterverband gehandelt.
In der regula Benedicti hat der Abt die mit Abstand wichtigste Stellung. Er entscheidet über
ökonomische und soziale Belange und ist nicht zuletzt der Stellvertreter Christi im Kloster.
Dementsprechend wurde er auch geehrt und konnte bei gegebener Größe seines Klosters und den
dazugehörigen Beziehungen sogar auf die Politik Einfluss nehmen, was eigentlich dem
zurückgezogenen Dasein, welches in der monastischen Tradition angestrebt werden soll, widerspricht.
Das ist jedoch nicht der einzige Widerspruch der sich zeigt. Der Abt – als Hüter der Regeltreue, der
sich versündigt, wenn er die ihm anvertrauten Mönche bei Vergehen nicht züchtigt – kam manches
mal nicht nach den in der regula Benedicti vorgesehenen Bestimmungen ins Amt.
Hier soll zunächst untersucht werden, welche Methoden bzw. welches System zur Einsetzung
eines Abtes nach der regula Benedicti verwendet werden sollte und was die Gründungsurkunde
dazu besagt. Darauf folgt ein Abgleich mit der Einsetzung ausgewählte Äbte aus der Anfangszeit
des Mutterklosters.
Inhaltsverzeichnis
Darstellung des Themas
Wie es sein soll: Unterschiedliche Normen
Die Abtswahl gemäß der Benedictregel
Die Abtswahl gemäß der Gründungsurkunde und die Verträglichkeit mit der Benedictregel
Die Praxis
Der Ablauf der Wahl
Einzelne Äbte
Exkurs: Designation versus Abtswahl
Resümee
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen den normativen Vorgaben der Regula Benedicti und der tatsächlichen Praxis der Abtswahl im Kloster Cluny während seiner Anfangszeit. Dabei wird analysiert, wie trotz formeller Wahlverfahren eine zielgerichtete Designation durch den jeweiligen Vorgänger oder den Ältestenrat (seniores) erfolgen konnte und inwieweit dies mit den klösterlichen Rechtsnormen vereinbar war.
- Normative Grundlagen der Abtswahl gemäß Regula Benedicti
- Einfluss der cluniazensischen Gründungsurkunde auf das Wahlrecht
- Rolle der seniores und des Ältestenrats bei der Äbte-Designation
- Verfahrensweisen bei den Äbten Berno, Odo, Aimard und Maiolus
- Verhältnis von Designation versus demokratische Wahl
Auszug aus dem Buch
Exkurs: Designation versus Abtswahl
Die Designation - so könnte man aus den Annalen Clunys schließen - war ein recht übliches Mittel, das die Abtswahl beschleunigte. Die Modi der Amtseinsetzung, waren bei den Namen der Äbte vermerkt und es wurde kein Hehl aus den Designationen Odos, Maiolus und Odilos gemacht.
Eine interessante Frage wäre hier, ob der heilige Benedict von Nursia die Abtswahl als ein demokratisches Element in der Organisation des Klosters ansah, das ein partizipatives Fundament für das Zusammenleben der Brüder stellen sollte. Es ist recht wahrscheinlich, dass die Teilhabe an der Abstimmung mit der persönlichen Zustimmung verbunden sein sollte, zumal die Demokratie keine Erfindung der Neuzeit war und antike Philosophen wie Aristoteles und andere anerkannte Denker, die sich auch mit der politischen Philosophie befassten, zumindest wissenschaftlich analysiert wurden.
Wäre es der Fall, dass das Einfügen der Abstimmung in den Ablauf zur Ernennung zum Abt Clunys fundamental mit dem Gedanken an innerklösterliche Demokratie verbunden wäre, und nicht nur mit einem formellen Akt, der die Einstimmigkeit der Mönche unterstreichen soll, oder ähnliches, dann wäre mit der Designation der Sinn der Regel aufgeweicht und damit verkannt. Doch es geht nicht um Demokratie. Weder um eine antike Form, noch um eine moderne. Es ging darum, dass die Mönche mit ihrem Abt leben konnten. Ein Mönch, der dafür bekannt ist, dass er immer unordentlich ist und sich häufig verspätet, würde nicht designiert werden, weil die regeltreuen seniores ihn nicht zulassen würden. Ein zu strenger Mönch hingegen, hätte hier bessere Möglichkeiten kandidieren zu dürfen. Die regula Benedicti traut jedoch den seniores genügend Kompetenzen zu keinen viel zu strengen oder gar einen hartherzigen Abt einzusetzen. Wenn ein Abt dann doch strenger war als erwartet, war diese Entscheidung der Mönche verbindlich und seine Strenge gehörte zu ihrem selbst gewählten Leidensweg. Eine Wahl kann damit, wenn die seniores ihre Aufgabe erfüllen, und der Konvent den Vorschlag akzeptiert, nur ein positives Resultat haben.
Zusammenfassung der Kapitel
Darstellung des Themas: Einführung in die Gründung von Cluny unter Herzog Wilhelm III. und Erläuterung der Bedeutung des Abtes als zentrale Führungsfigur nach der Regula Benedicti.
Wie es sein soll: Unterschiedliche Normen: Untersuchung der Diskrepanz zwischen den Regeln des heiligen Benedikt und den Festlegungen in der Gründungsurkunde hinsichtlich der Einsetzung des Klostervorstehers.
Die Praxis: Beschreibung des tatsächlichen Wahlvorgangs, bei dem die Designation durch den amtierenden Abt oder die seniores dominierte, sowie Einzelfallbetrachtungen der Äbte.
Exkurs: Designation versus Abtswahl: Kritische Reflexion darüber, ob die Abtswahl als demokratisches Element zu verstehen ist oder lediglich der Einstimmigkeit diente.
Resümee: Zusammenfassende Einschätzung, dass die Einsetzung der Äbte in Cluny ein Spannungsfeld zwischen Regelvorgaben und pragmatischer Designation war, das jedoch keine ernsthaften Konflikte hervorrief.
Schlüsselwörter
Cluny, Regula Benedicti, Abtswahl, Designation, seniores, Klosterverband, Ecclesia cluniacensis, Benediktinermönchtum, Gründungsurkunde, Klostergeschichte, Ältestenrat, monastische Tradition, Cluniazenser, Wahlverfahren, klösterliche Gemeinschaft
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht das Verfahren zur Einsetzung von Äbten im Kloster Cluny während der Anfangszeit und vergleicht diese Praxis mit den theoretischen Vorgaben der Regula Benedicti.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Fokus stehen das monastische Wahlrecht, der rechtliche Status der Gründungsurkunde von Cluny sowie das Spannungsverhältnis zwischen normativen Regeln und der tatsächlichen Einsetzungspraxis.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es zu klären, inwieweit die Einsetzung der Cluny-Äbte von Berno bis Odilo den strengen Anforderungen der benediktinischen Regel entsprach oder ob alternative Designationen durch Vorgänger die Praxis bestimmten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor führt eine textanalytische Untersuchung historischer Quellen, insbesondere der Regula Benedicti und der Gründungsurkunde, durch und vergleicht diese mit historiographischen Sekundäranalysen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die rechtlichen Diskrepanzen zwischen Regelwerk und Urkunde, beschreibt den konkreten Ablauf der Abtswahl und diskutiert anhand einzelner Äbte, wie Designationen in der Praxis funktionierten.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind die Cluniazensische Reform, Designation, Äbte-Wahl, Regula Benedicti, seniores und das Spannungsfeld von Recht und Praxis im mittelalterlichen Mönchtum.
Warum war laut Autor die Designation für Cluny so relevant?
Die Designation diente dazu, die Stabilität und den klösterlichen Frieden zu wahren, indem die seniores als erfahrene Entscheidungsträger im Vorfeld einen geeigneten Nachfolger auswählten, um ungeeignete Kandidaten auszuschließen.
Inwieweit spielten externe Akteure wie "Christianos vicinos" eine Rolle bei der Wahl?
Diese externen Akteure wurden in den Wahlprozess miteinbezogen, um einerseits formal den Vorgaben der Regula Benedicti zu entsprechen und andererseits potentielle Kritik von außerhalb der Klostermauern präventiv zu neutralisieren.
- Citar trabajo
- Manfred Lotz (Autor), 2010, Untersuchung der Wahl der Äbte Clunys von Berno bis Odilo“, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/158086