Routineformeln können wohl kaum auf eine einheitliche und eindimensionale Art klassifiziert werden. Das macht allein schon ihre Inkompatibilität mit herkömmlichen syntaktischen und morphologischen Beschreibungsmitteln auf der einen Seite und auf der anderen ihre Vielschichtigkeit auf funktionaler und pragmatischer Ebene klar. Der Kriterien zur Einteilung sind viele, was es der Übersichtlichkeit nicht leicht macht, sich zu behaupten; und wäre eine solche Aufteilung selbst vollständig und erschöpfend, so hieße es doch lediglich, sich neuerdings dem Problem gegenübergestellt zu sehen, die Vielzahl der Formeln in die vorgefertigten Kategorien zu zwängen, was ein mindestens ebenso schwieriges Unterfangen zu sein scheint wie ersteres. Eine Einheitlichkeit kann auf diese Weise kaum erreicht werden.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
I. Definition
II. Einteilungsversuche
II. 1. Coulmas
II.1.1 Funktionale Differenzierung
II.1.2 Systematisierung, Typologie und das Modell der Typzuweisung
II.2 Stein
II.2.1 Grobgliederung
II.2.2 Gesprächssteuernde Formeln und die Methode der Funktionszuweisung
III. Abschließende Bemerkungen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht und vergleicht die Klassifikationsversuche von Routineformeln in den Werken von Florian Coulmas (1981) und Stephan Stein (1995), um die Möglichkeiten und Grenzen einer systematischen Einteilung dieser sprachlichen Phänomene aufzuzeigen.
- Grundlagen der Definition von Routineformeln im sprachwissenschaftlichen Kontext
- Gegenüberstellung der funktional-pragmatischen Ansätze nach Coulmas und Stein
- Diskussion der Problematik von Monofunktionalität versus Polyfunktionalität
- Analyse der Schwierigkeiten bei der Erstellung einheitlicher Typologien
Auszug aus dem Buch
II.1. Coulmas
Wie bereits oben erwähnt, versucht Florian Coulmas in seinem Werk „Routine im Gespräch“ Routineformeln von ihren Funktionen her einzuteilen. Kommunikation ist für ihn „grundsätzlich situationsgebunden und in unterschiedlichem Maße situationsabhängig.“ (77) Er zählt vier Gesichtspunkte auf, um die Situationsabhängigkeit von Routineformeln zu präzisieren (81 ff.): Die Voraussagbarkeit im Kommunikationsablauf, die Obligiertheit für die einzelnen Sprecher, die Abhängigkeit der Bedeutung und Verständlichkeit von der Äußerungssituation und schließlich die Kulturspezifik, welche besonders für die Übersetzung von Routineformeln von Bedeutung ist. Aus der Analyse einzelner Beispiele wird ersichtlich, dass die Komplexität der Situationsabhängigkeit – ersichtlich allein aus der Anzahl der Komponenten, die eine Sprechsituation charakterisieren: Ort, Zeit, Sprecher, Hörer, interindividuelle und soziale Beziehung zwischen ihnen, Teilnehmerkonstellation usw. (vgl. 83) – „sehr unterschiedliche Funktionsprofile“ (86) für Routineformeln bedingt. Funktionen sind für Coulmas nicht nur Mittel zur Bedeutungsfindung (die klassische denotative Ermittlung von Bedeutung ist für ihn bei Routineformeln nicht sinnvoll anwendbar), sondern auch Hauptkriterium zur Differenzierung des Gegenstandes.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Diese Einleitung stellt die Bedeutung von Routineformeln in der modernen Phraseologieforschung dar und begründet die Auswahl der Werke von Coulmas und Stein für den methodischen Vergleich.
I. Definition: Das Kapitel erörtert die Schwierigkeiten einer rein formalen Bestimmung von Routineformeln und leitet zur bevorzugten kommunikativ-pragmatischen Definitionsweise über.
II. Einteilungsversuche: Hier wird der Kern der Untersuchung gelegt, indem die unterschiedlichen theoretischen Ansätze zur Klassifizierung von Routineformeln in den gewählten Werken detailliert vorgestellt werden.
II. 1. Coulmas: Dieser Abschnitt widmet sich der funktionalen Differenzierung von Routineformeln nach Coulmas, unterteilt in soziale und diskursive Funktionen sowie deren Einbettung in eine umfassendere Typologie.
II.1.1 Funktionale Differenzierung: Dieses Kapitel erläutert die Unterteilung der Funktionen in soziale Kategorien wie Kontakt- oder Schibboleth-Funktion sowie diskursive Kategorien wie gesprächssteuernde oder evaluative Funktionen.
II.1.2 Systematisierung, Typologie und das Modell der Typzuweisung: Es wird die übergreifende Typologie von Coulmas dargelegt, welche Routineformeln in Bereiche wie Gesprächssteuerungs-, Höflichkeits- und metakommunikative Formeln einordnet.
II.2 Stein: Dieses Kapitel beschreibt den Ansatz von Stein, der auf Coulmas aufbaut, aber eine eigene, eher an der Polyfunktionalität orientierte Methode zur Beschreibung formelhafter Sprache wählt.
II.2.1 Grobgliederung: Hier wird Steins Einteilung der Formeln in situationell gebundene und situationsunabhängige Routineformeln vorgestellt.
II.2.2 Gesprächssteuernde Formeln und die Methode der Funktionszuweisung: Der Abschnitt analysiert Steins Methode, bei der nicht feste Klassen gebildet, sondern der konkrete Gebrauch polyfunktionaler Formeln untersucht wird.
III. Abschließende Bemerkungen: Das Fazit stellt fest, dass eine einheitliche, eindimensionale Klassifikation von Routineformeln aufgrund ihrer Vielschichtigkeit kaum möglich ist und spricht sich für eine kontextbezogene Analyse aus.
Schlüsselwörter
Routineformeln, Phraseologie, Pragmatik, Coulmas, Stein, Sprachwissenschaft, funktionale Klassifikation, diskursive Funktionen, Situationsgebundenheit, Polyfunktionalität, Gesprächssteuerung, kommunikative Funktionen, Typologie, sprachliche Normen, Formelhaftigkeit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie zwei bedeutende Sprachwissenschaftler, Florian Coulmas und Stephan Stein, Routineformeln klassifiziert und in ihren Funktionen beschrieben haben.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themenfelder umfassen die Definition von Routineformeln, die theoretische Herleitung von Typologien und die Herausforderungen bei der funktionalen Einordnung dieser sprachlichen Einheiten.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Methoden von Coulmas und Stein darzustellen, deren Vor- und Nachteile gegenüberzustellen und zu prüfen, ob einer der Ansätze als überlegen gelten kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine vergleichende Literaturanalyse, die zentrale phraseologische Konzepte beider Autoren gegenüberstellt und kritisch diskutiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert detailliert die Kriterien zur Klassifizierung bei Coulmas und Stein, ihre jeweiligen Typologien sowie ihre Auffassungen zur Funktionalität von Routineformeln.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Routineformeln, Pragmatik, funktionale Differenzierung, Polyfunktionalität und phraseologische Klassifikation.
Wie unterscheidet Coulmas zwischen sozialen und diskursiven Funktionen?
Coulmas unterteilt soziale Funktionen in Bereiche wie Identitätsstiftung und Höflichkeit, während diskursive Funktionen primär die Strukturierung und Steuerung des Gesprächsverlaufs betreffen.
Warum kritisiert Stein die Klassifizierung von Coulmas?
Stein kritisiert, dass Coulmas' Ansatz teilweise den Eindruck erwecke, man könne Formeln eindeutig feste Funktionen zuweisen, während Stein betont, dass die meisten Formeln in der Praxis polyfunktional sind.
Zu welchem Fazit kommt der Autor bezüglich einer einheitlichen Klassifikation?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass eine einheitliche und eindimensionale Klassifikation der komplexen und vielfältigen Routineformeln in der Sprachwissenschaft derzeit nicht praktikabel ist.
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- Christian Ebert (Author), 2010, Klassifikationsversuche von Routineformeln bei Coulmas und Stein, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/158107