Wandel der Illokution der sprachpuristischen Konzeptionen vom 17. bis zum 20. Jh. (bis 1945)


Seminararbeit, 2008

12 Seiten


Leseprobe

Inhaltverzeichnis

1. Einleitung und Zielsetzung meiner Arbeit

2. Das 17. und 18. Jahrhundert
2.1 Konzepte der Sprachreinigung in dieser Zeit und ihre Ziele
2.1.1 Sprachpurismus im engeren Sinne und seine Ziele
2.1.2 Sprachpurismus im weiteren Sinne und seine Ziele
2.1.3 Adelung vs. Campe - Beispiel für Stellvertretung der sprachpuristischen Konzepte im engeren und weiteren Sinne
2.2 Die Beispiele für Anwendung der sprachpuristischen Konzepte auf verschiedenen Ebenen der Sprachwissenschaft
2.3 Kurze Kapitelzusammenfassung

3. Zweite Phase 1811-1945
3.1 Übergangsphase 18./ 19. Jahrhundert
3.2 Nationalsozialismus und Sprachreinigung
3.3 Faschismus und Sprachreinigung

4. Zusammenfassung

5. Bibliographie

1. Einleitung und Zielsetzung meiner Arbeit

Die Konzepte der Sprachreinigung sind mögliche Formen der Spracharbeit (vgl. Polenz 1994, 107). Sie sollen aber auf keinen Fall als ein statisches Phänomen1 verstanden werden. Ehe sollte man von einer ständigen Veränderung dessen, worauf die Realisierung dieser Konzepte zielt, und dessen, was man unter ihnen versteht, sprechen. Deswegen, wenn man die Zielsetzung des Sprachpurismus zu erklären versucht, muss man sie immer auf die geschichtlichen Epochen beziehen bzw. begrenzen, weil das, was die Sprachreinigung z. B. im 17. Jahrhundert bezweckt, sich stark von ihrer Zielsetzung im 19. und 20. Jahrhundert unterscheidet. Das Ziel dieser Arbeit besteht also darin, die Veränderung der Ziele der Sprachreinigung im Laufe der Geschichte bis zum 1945 zu skizzieren.

Um das erreichen zu können, werde ich in folgenden Unterkapiteln versuchen, zuerst verschiedene Konzepte2 der Sprachreinigung im 17. und 18. Jh. darzustellen. Dann befasse ich mich mit 19. und 20. Jh. (bis 1945) und werde im Kapitel „Zusammenfassung“ die beiden „Phasen“ im Bezug auf ihre Zwecke kurz miteinander vergleichen.

2. Das 17. und 18. Jahrhundert

Konzepte der Sprachreinigung in dieser Zeit und ihre Ziele Zur Entstehung der Sprachreinigung im 17. und 18. Jh. haben die so genannten Sprachgesellschaften einen grossen Beitrag geleistet, in deren Programmen sie sehr oft mitberücksichtigt war (Polenz 1978, 109).3 Nach Alan Kirkness lässt sich grundsätzlich zwei Typen des Sprachpurismus unterschieden: Sprachreinigung im engeren (gleich Fremdwortpurismus) und im weiteren Sinne (Bereinigung der deutschen Sprache von der eigenen normungerechten Zügen) (vgl. Kirkness 1984, 290).

Sprachpurismus im engeren Sinne und seine Ziele Über den Sprachpurismus im engeren Sinne lässt sich sagen, dass er sich auf die Vermeidung4 der Fremdwörter im Deutschen beschränkt. Es kommt nur in seltenen Fällen dazu, dass die Sprachreinigung im engeren Sinne zum Zweck einer Ersetzung der Wörter der fremdsprachigen Abstammung durch die „verdeutschten“ Entsprechungen gebraucht wurde (vgl. Kirkness 1984, 290).5 Wichtig scheint es aber, dass solche Versuche, die Sprachreinigung, die ehe auf das Vermeiden der fremdsprachigen Wörter zielt, zur Ver-deutschung der „fremden Eindringlingen“ zu gebrauchen, meistens verspottet und nicht akzeptiert wurden (vgl. Polenz 1994, 121). Um diese Erschaffung der Ersatzwörter zu veranschaulichen, habe ich einige Beispiele für solche „Neubildungen“ aus der Habilita-tionsschrift von Alan Kirkness gebracht.

Beispiele für Ersatzwörter vgl. Kirkness (1975, 430-439)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Zur Entstehung der Sprachkultivierung6 hat einen Beitrag die Tatsache geleistet, dass das Prestige des Deutschen (die Bewertung des Deutschen von Ausländern)7 in dieser Zeit sehr gering war. Die Aufgabe der Gelehrten soll also darin liegen, das abgewertete Image zu verändern (vgl. Stukenbrock 2005, 74f.).

„Die im sprachreflexiven Diskurs über das Deutsche vorgebrachten ausländischen Negativurteile beziehen sich erstens auf das Sprachkorpus. Laut Schottelius nehmen die Ausländer die deutsche Sprache rauh, hart und knarrig wahr und werfen ihr einen Mangel an Reinheit (puritas) und Reichtum (copia) vor (Stukenbrock 2005, 76).

Diese Vorwürfe (keine Reinheit) werden also auch mit dem Mangel an Reichtum der Sprache verbunden, was bei vielen Gelehrten, die durch ihre Studien doch das Gegenteil zu beweisen versucht haben, Empörung hervorrufen konnte.8 Deswegen, um den Ausländern zu beweisen, dass die deutsche Sprache doch „rein“ ist, und dadurch das Prestige des Deutschen zu gewinnen, ist das Konzept der Sprachreinheit im engeren Sinne zum Programm der Sprachgesellschaften geworden (Stukenbrock 2005, 77f.).9,10 Die Sprachreinigung und besonders die im engeren Sinne wurde also in dieser Zeit argumentativ zum Zweck der Förderung des Deutschen und seiner internationalen Anerkennung (Gleichsetzung des Deutschen mit 3 Heiligen Sprache11 und die Gleichstellung mit Italienischem und Französischen als europäische „Hauptsprache“) verwendet (dazu vgl. Polenz 1994, 110).

Sprachpurismus im weiteren Sinne und seine Ziele Wenn man von Sprachreinigung im 17./18. Jahrhundert spricht, darf man sie nicht nur auf die Befreiung/Bereinigung der Sprache vom Einfluss der Fremdwörter beschrän-ken (vgl. Kirkness 1975, 410). Neben diesem Aspekt des Sprachpurismus finden wir noch einige, auf die viel grösserer Wert gelegt wird (z. B. Vermeidung der dialektalen Einflüsse und der veralteten Wörter, Abneigung gegen sprachliche und syntaktische Ambiguität12 ) (vgl. Polenz 2000, 5).

[...]


1 Unter diesem Aspekt der statischen Wahrnehmung eines Begriffes verstehe ich die Unveränderbarkeit seiner Bedeutung und seines Zwecks im Laufe der Geschichte.

2 Ich meine hier nicht nur verschiedene Auffassungen der Sprachreinigung sondern auch das, was mit dem Sprachpurismus bezweckt, und wie er angewendet wurde. Gerade hier (beim Zweck) befinden sich auffällige Unterschiede zwischen dem 17./18. und 19./20. Jahrhundert.

3 Auch die Tatsache, dass die Mitgliedschaft in den im 17. Jahrhundert entstandenen Spracharbeits- gesellschaften im Gegensatz zu den im Mittelalter populären Ordensgesellschaften nicht nur auf die adligen Schichten beschränkt war sondern auf alle, die ihre deutsche Muttersprache „geliebt haben“, hat dazu beigetragen, dass viele Intellektuelle aus der Bürgerschicht (Opitz, Schottel usw.) in denjenigen Sprachgesellschaften mitgewirkt haben. Das beeinflusste sehr positiv die Effektivität dieser Institutionen, deren Ziel die so genannte Spracharbeit (also auch Sprachreinigung) war (vgl. Polenz 1978, 110).

4 Bzw. Bereinigung der deutschen Sprache von fremden Einflüssen.

5 Wie z. B. bei Zesen, Wieland, Rumpler (vgl. Kirkness 1975, 411) und Klopfstock (vgl. Kirkness 1984, 293).

6 Sprachpurismus ist in dieser Zeit eine mögliche Form der Sprachkultivierung.

7 Auch Deutschsprachige beklagen sich wegen dem Zerfall der deutschen Sprache, und fordern alle

Muttersprachler auf, das Deutsche rein zu gebrauchen (Reinheit sowohl im engeren als auch im weiteren Sinne) (vgl. z. B. die Rede von M. Opitz von 1617 (Szyrocki 1974, 23)).

8 Um diese Zeit bezeugten vor allem die Studien von Schottelius, dass die deutsche Sprache die

ursprünglichen Stammwörter und Wortbildungsmittel „am reinsten“ bewahrt hat, was ein Beweis dafür sein könnte, dass sie die älteste und reinste europäische Sprache ist, was die deutsche Nation dazu verpflichtete, diese Sprache ohne Einmischung der Fremdwörter zu fördern, um die „Beschmutzung“ dieser Reinheit vermeiden zu können (Kirkness 1984, 291). In extremen Fällen wurde die Überzeugung vom hohen Alter des Deutschen zum Argument für die „>...@Überlegenheit der deutschen Sprache über andere lebende Sprachen“ (Polenz 1994, 110f.).

9 Das zweite Ziel neben der Steigerung des Prestiges der deutschen Sprache war, sie als Sprache der Wissenschaft zu anerkennen (Polenz 1994, 107).

10 Als Beispiel für diese Demonstration der dt. Sprache zum Zweck der Prestigesteigerung können die Vergleichslisten dienen, die z. B. die Verwandtschaft des Deutschen mit dem Hebräischen beweisen sollten. Als Beispiel für solche Listen könnten die Darstellungen der Lautvergleiche mit verschieden Sprachen dienen. Das Ziel war, durch die Laut- und Schreibähnlichkeiten nicht nur die Verwandtschaft des Deutschen mit anderen Sprachen sondern auch deren Herkunft vom Altdeutschen zu belegen (Hundt 2000, 320) (Ausführliche Darstellung von solchen Listen bietet die Arbeit von Ma]rkus Hundt an vgl. Hundt (2000, 319-339)).

11 Gemeint werden das Hebräische, Griechische und Latein.

12 Im Programm der „Sprachreiniger“ (z. B. Opitz) nennt man diese Vorstellung von der Sprachreinheit „Deutlichkeit und Zierlichkeit“ der Sprache. Gemeint werden alle Bemühungen, die Sprache von den sowohl auf der Wort- als auch auf die Syntaxebene vorkommenden semantischen Zweideutigkeiten (Ambiguitäten) bzw. Unklarheiten zu bereinigen (vgl. Stukenbrock 2005, 82). Ein sprachliches Zeichen ist also dann „rein“ bzw. „reich“, wenn es sich auf ein einziges Weltobjekt bezieht (Leweling 2005, 225).

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Wandel der Illokution der sprachpuristischen Konzeptionen vom 17. bis zum 20. Jh. (bis 1945)
Hochschule
Universität Zürich
Autor
Jahr
2008
Seiten
12
Katalognummer
V158136
ISBN (eBook)
9783640715107
ISBN (Buch)
9783640715381
Dateigröße
439 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Wandel, Illokution, Konzeptionen, Sprachpurismus, Sprachreinheit
Arbeit zitieren
Mateusz Cwik (Autor), 2008, Wandel der Illokution der sprachpuristischen Konzeptionen vom 17. bis zum 20. Jh. (bis 1945), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/158136

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