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Das Leben des Paul Scheerbart: Zwischen Genius und Alkohol im wilhelminischen Militärstaate

Title: Das Leben des Paul Scheerbart: Zwischen Genius und Alkohol im wilhelminischen Militärstaate

Term Paper (Advanced seminar) , 2009 , 24 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Alexander Uhlig (Author)

German Studies - Modern German Literature
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„Charakter ist nur Eigensinn. Es lebe die Zigeunerin“, war einer der liebsten Aussprüche Ernst Rowohlts, dem Gründer des Rowohlt Verlages und er ging ihm zeit seines Lebens mit Frohsinn über die Lippen. Das Zitat stammt aus einer Gedichtsammlung, an die sich kaum jemand erinnert, von einem Dichter, über dessen Name nur wenige stolpern, ihn aufschnappen, einordnen und meist vergessen. Es sei der Ehre halber aber auch erwähnt, dass eben jener Berliner Schriftsteller und Bohemien schon zu seinen Schaffenszeiten wenig literarischen Erfolg feiern konnte: die Rede ist von Paul Scheerbart, das Buch heißt Katerpoesie (1909).
Dabei hat Scheerbart es zu Lebzeiten zu einigem Ruhm gebracht. Mit seiner fantastischen Literatur, die meist in den Weiten des Universums angesiedelt ist, gilt er als Vorläufer der Expressionisten und Dadaisten, entwarf lange vor Kandinsky abstrakte Theaterstücke und zählte neben Ernst Rowohlt auch Erich Mühsam, Walter Benjamin, Herwarth Walden und Richard Dehmel zu seinem Bekannten- und Freundeskreis. Dennoch blieb Scheerbart allzeit ein Außenseiter, u.a. beschäftigt mit skurrilen Ideen wie der Erfindung des Perpetuum mobile, mit dem er seinen chronischen Geldmangel beheben und auf einen Schlag Multimillionär werden wollte. So berichtet etwa Erich Mühsam in seinen Erinnerungen: „Perpeh nannte er sein Werk, und ich bekam Postkarten aus München mit dem Postskriptum: Perpeh läßt Dich schön grüßen. Einmal teilte mir Scheerbart mit: „Perpeh ist fertig; es bewegt sich nur noch nicht“ .
An bierreichen Abenden im „Schwarzen Ferkel“ oder dem „Café des Westens“ nahm er seine Zuhörer mit auf astrale Spaziergänge zu fremden Sternenwelten, wo er mit spitzem Witz seine fiktiven Königreiche erbaute. „Visionären Dichter“ nannten ihn die Einen, der mit seinem weltumspannenden Humor gesellschaftliche Missstände thematisiere. Als untalentierten „skurrilen Literaturclown“ diffamierten ihn die Anderen, dem jegliches Verständnis für literarische Form und Tiefe fehle. Worin sind die Gründe zu suchen, dass Paul Scheerbart zwar viel belächelt, aber nach wie vor wenig gelesen wird? Waren seine fantastischen Romane eine Art schriftstellerischer Protest an geltenden gesellschaftlichen Normen und Institutionen? Oder schrieb er aus Bierlaune entstandene Fiktionen nieder? Flüchtete er sich lediglich mit Hilfe des Alkohols aus seiner persönlichen Lebenslage? Oder war es ein pazifistisches Weltverständnis, das ihn an der Realität verzweifeln ließ?

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

1.1 Aufbau

2. Scheerbarts Schaffen

2.1. Positive Kritik

2.2. Negative Kritik

3. Paul Scheerbart. Antimilitarist und Pazifist

3.1. Epochale Begleitumstände

3.2. Scheerbarts Gesellschaftskritik am Beispiel des Romans „Die große Revolution“

3.2.1. Demokratie

3.2.2. Kunst und Kultur

3.2.3. Militarismus

4. Exkurs: Glasarchitektur

5. Schlussbetrachtung

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit zeichnet ein Bild des Schriftstellers Paul Scheerbart, indem sie sein Werk einer kritischen Analyse unterzieht und den historischen Kontext sowie seine pazifistische Weltanschauung beleuchtet. Ziel ist es, die gesellschaftskritischen Aspekte, insbesondere in seinem Mondroman, herauszuarbeiten und seine Position in der Epoche zwischen Naturalismus und Expressionismus zu bestimmen.

  • Kritische Analyse von Rezeption und Werk Paul Scheerbarts
  • Historischer Kontext des wilhelminischen Zeitalters
  • Scheerbarts pazifistisches Weltbild und Antimilitarismus
  • Analyse des Romans „Die große Revolution“
  • Scheerbarts architektonische Visionen der Glasarchitektur

Auszug aus dem Buch

3.2.3 Militarismus

Der leicht auszumachende Themenschwerpunkt des Romans liegt auf dem Militarismus. Scheerbart zieht alle Register, um sich als Pazifist ersten Ranges zu beweisen: „Wir können auf der Erde nur dann erträgliche Zustände haben, wenn wir den für unsre Kultur blamablen Militarismus zerbrechen […]. Es muß so weit kommen, daß man im Soldaten die Wurzel alles irdischen Übels sieht. Es muß zum guten Tone gehören, vom Soldaten mit derselben Entrüstung zu sprechen, mit der man bislang vom gemeinen Raubmörder sprach. Um diese Stimmung zu erzeugen, ist zunächst die gesamte Tagespresse, das gesamte Schulwesen und auch das Bekleidungswesen in diesem Sinne zu beeinflussen“.

Besonders nationalistischer Pathos und der Militärwahn, der von der Gesellschaft durch alle Schichten hindurch mitgetragen wird, scheinen den Dichter zu seinen poetischen Gegenentwürfen animiert zu haben. Die antimilitaristischen Passagen stellen faktisch einen Gegenpol zum Hurra-Patriotismus des wilhelminischen Staates dar. Er scheut sich nicht davor, Kriegstreiben mit Kannibalismus zu vergleichen und Soldaten als abscheuliche „kostümierte Massenmörder“ zu bezeichnen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Vorstellung des Autors Paul Scheerbart als Bohemien und Außenseiter, verbunden mit der Darlegung des methodischen Aufbaus dieser Arbeit.

2. Scheerbarts Schaffen: Untersuchung der zeitgenössischen Wahrnehmung des Autors, unterteilt in seine Fürsprecher und seine scharfen Kritiker.

3. Paul Scheerbart. Antimilitarist und Pazifist: Analyse des historischen Hintergrunds sowie der gesellschaftskritischen Motive in seinem Roman „Die große Revolution“.

4. Exkurs: Glasarchitektur: Erläuterung der Verbindung von Scheerbarts literarischen Visionen zur gläsernen Architektur und deren reale Umsetzung durch den Architekten Bruno Taut.

5. Schlussbetrachtung: Zusammenfassende Einordnung von Scheerbarts Bedeutung als visionärer Satiriker und Grenzgänger der Literatur.

Schlüsselwörter

Paul Scheerbart, Pazifismus, Antimilitarismus, Gesellschaftskritik, Literaturkritik, wilhelminische Ära, Die große Revolution, Glasarchitektur, Utopie, Satire, Mondroman, Außenseiter, Moderne, Ausdruck, Humanismus

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es grundsätzlich in der Arbeit?

Die Arbeit beschäftigt sich mit dem Werk und Wirken des Berliner Schriftstellers Paul Scheerbart unter besonderer Berücksichtigung seiner gesellschaftskritischen und pazifistischen Ansichten.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die Kritik am Militarismus des wilhelminischen Kaiserreichs, die Analyse von Scheerbarts fantastischer Literatur und seine Visionen zur Glasarchitektur.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, ein klares Profil Scheerbarts als Autor zu zeichnen, indem seine satirischen Werke und deren Intentionen analysiert werden.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit kombiniert eine Literaturkritik mit einer historischen Kontextualisierung und einer inhaltlichen Analyse ausgewählter Romane, insbesondere „Die große Revolution“.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil beleuchtet die Rezeption Scheerbarts, das historische Umfeld um die Jahrhundertwende und analysiert detailliert die Themen Demokratie, Kunst, Kultur und Militarismus in seinem Werk.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Pazifismus, Antimilitarismus, Gesellschaftskritik, Scheerbart, Glasarchitektur und Utopie charakterisiert.

Warum spielt der Roman „Die große Revolution“ eine zentrale Rolle?

Der Roman dient als konkretes Beispiel für Scheerbarts gesellschaftliche Kritik und seinen radikalen Pazifismus, da er hier ein utopisches Gegenmodell zur realen Welt entwirft.

Welche Rolle spielt die Architektur für Scheerbart?

Für Scheerbart ist Architektur ein Mittel zur sozialen Beseelung des Menschen; durch Glasarchitektur wollte er Transparenz schaffen und den militaristischen Geist der Epoche überwinden.

Wie verhielt sich Scheerbart zum Ersten Weltkrieg?

Scheerbart lehnte den Krieg entschieden ab und verweigerte während des Ersten Weltkriegs aus Protest die Nahrungsaufnahme, bis er 1915 den Hungertod starb.

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Details

Title
Das Leben des Paul Scheerbart: Zwischen Genius und Alkohol im wilhelminischen Militärstaate
College
Technical University of Chemnitz  (Germanistik)
Grade
2,0
Author
Alexander Uhlig (Author)
Publication Year
2009
Pages
24
Catalog Number
V158178
ISBN (eBook)
9783640783960
ISBN (Book)
9783640784035
Language
German
Tags
Scheerbart Große Revolution Rowohlt Erich Mühsam
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Alexander Uhlig (Author), 2009, Das Leben des Paul Scheerbart: Zwischen Genius und Alkohol im wilhelminischen Militärstaate, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/158178
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