Vergleichsanalyse zwischen Euripides` „Medea“ und Dea Lohers „Manhattan Medea“


Hausarbeit (Hauptseminar), 2010
11 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

INHALTSANGABE

1. Der Medea-Mythos (die Argonauten/das goldene Vliess)

2. Die Autoren und ihre historisch-künstlerische Einordnung

3. Vergleich der dramaturgischen Mittel
Schwerpunkte der Bearbeitungen
Szenen-Unterteilung
Funktion der Szenen
Handlungsort
Figuren und ihre Entsprechungen
Sprache/Grammatik

4. Literaturliste

Anmerkung:

Da in der von mir benutzen Stückfassung von „Manhattan Medea“ keine Vers- bzw. Zeilenangaben vorhanden sind, habe ich die Zeilen selbst gezählt, Leerzeilen zählen als Zeile, auf jeder Seite beginnt es von neuem mit der ersten Zeile. Zur besseren Orientierung habe ich die Seitenangaben mit hinzugenommen.

1. der Medea-Mythos (die Argonauten/Das Goldene Fliess)

Euripides benutzte für seine Tragödie „Medea“ aus dem Jahre 431 vor Christus den Mythos der Argonauten, die unter der Führung Jasons das goldenen Fliess suchen und an sich zu bringen versuchen. Medea spielt in diesem Mythos eine Nebenrolle, die allerdings so interessant war, dass Euripides sie zur Hauptfigur seines Dramas machte. Insgesamt sollen mehr als 300 Bearbeitungen des Medeastoffes existieren.[1]

Medea ist die Tochter des Königs Aites von Kolchis und damit die Enkelin des Sonnengottes Helios und die Nichte der Kirke. Von dieser hat sie ihr pharmakologisches Wissen und Rezepte zur Herstellung von heilenden sowie zerstörerischen Medikamenten, usw. gelernt. In vielen Bearbeitungen des Stoffes wird ihr dies als Hexenkunst ausgelegt. Am Hof ihres Vaters trifft Medea auf Jason, Sohn des Aison und Neffe des Pelias, König von Jolkos in Thessalien. Jason ist mit mit einem Schiff (der „Argo“) und eine Mannschaft bestehend aus griechischen Prinzen (den „Argonauten“) gekommen, um von Aites das goldene Vlies zu verlangen – das Fell eines fliegenden und sprechenden Widders. Die Göttin Hera, die Pelias sehr hasste, verzauberte Medea mit Hilfe von Aphrodite, so dass Medea sich rettungslos in Jason verliebte. Aites wollte Jason das Vliess freiwillig überlassen, wenn er zwei feuerspeiende Stiere vor einen Pflug spannen, damit ein Feld umpflügen, in die Furchen Drachenzähne sähen und die daraus erwachsenden Krieger töten würde. Jason schaffte diese unlösbare Aufgabe nur mit Hilfe Medeas und einem ihrer Zaubertränke, als Belohnung versprach er ihr, sie mit auf seinem Schiff nach Griechenland zu nehmen. Als Aites das Vliss aber nicht wie versprochen an Jason übergab sondern behalten wollte, traf Medea sich heimlich mit Jason und er erklärte vor allem Gefährten feierlich, dass er Medea heiraten wollte, wenn sie zusammen nach Griechenland gelangen würden. Daraufhin nahm Medea Jason mit zum Hain des Ares, in dem ein Drache das goldene Vliess bewachte. Mit einem Zauberkraut und Beschwörungsformeln versetzte sie den Drachen in Schlaf, so dass Jason das Vliess an sich nehmen konnte. Sie liefen sofort zur Argo und verließen mit dem geraubten Vliess Kolchis. Aites bemerkte den Raub bald und schickte seine Flotte hinterher. Medea hatte ihren Bruder Apsyrtos mitgenommen und forderte nun Jason auf, ihn zu töten, seinen Leichnam zu zerhacken und die Teile ins Meer zu werfen, da ihre Verfolger seinen Körper vollständig aus dem Wasser fischen mussten, um ihn beerdigen zu können. Medeas Tante Kirke entsühnte den Beiden den Mord an Apsyrtos und verheiratete sie. Zusammen kamen sie nach einigen Abenteuern am Hof des Pelias an, der seit längerem schon plante, seinen Neffen Jason zu töten. Medea überredete die Töchter des Pelias mit Hilfe von Zaubertränken dazu, ihren Vater nach einem bestimmten Rezept verjüngen zu lassen, dafür mussten sie ihn zerhacken und in einem speziellen Sud aufkochen. Pelias überlebte die Prozedur nicht und sein Sohn Akastos schaffte es schließlich, Medea und Jason aus Jolkos zu vertreiben. Sie fanden Zuflucht bei König Kreon in Korinth, der von Jasons Ruhm profitieren wollte und ihm nach zehn Jahren die Hand seiner Tochter Kreusa (Glauke) anbot. Jason hatte mit Medea zu diesem Zeitpunkt zwei Söhne, doch ihre Ehe war in Korinth nie anerkannt worden, die Kinder galten als Bastarde und Medea als Barbarin.[2]

2. Die autoren und ihre historisch-künstlerische einordnung

Im Jahre 485 vor Christus auf der griechischen Insel Salamis geboren, entwickelte Euripides sich vom jugendlichen Faustkämpfer und Fackelträger und Tänzer des Apollonkults zum jüngsten Dichter der attischen Tragödie neben Aischylos und Sophokles. Er nahm zwischen 455 bis 408 v. Chr. regelmäßig im tragischen Agon zu Athen mit Tetralogien an Tragödienwettbewerben teil, im Jahre 441 v. Chr. siegte er zum ersten Mal, weitere Siege folgten. 408 vor Christus verließ er Athen und ging an den Hof des Könis Archelaos von Makedonien nach Pella, wo er Anfang des Jahres 406 v. Chr. starb.[3] Von seinen geschätzten 90 Tragödien sind 18 erhalten geblieben. Er galt und gilt als der mordernste (und auch problematischste) Tragödiendichter der Antike, was ihn schon zu Lebzeiten zu einem umstrittenen Künstler machte. Gleichzeitig wurde er aber auch zum am meisten gespielten und gelesenen Dramatiker der Antike.[4]

Dea Loher schrieb „Manhattan Medea“ 1999 als Auftragsarbeit für den Steirischen Herbst[5] in New York, uraufgeführt wurde es in Graz am 22. Oktober 1999, die deutsche Erstaufführung folgte eine Woche später am 29. Oktober 1999 am Mecklenburgischen Staatstheater Schwerin.[6] Geboren 1964 im bayrischen Traunstein, studierte sie zunächst Germanistik und Philosophie in München, um dann nach einem längeren Brasilien-Aufenthalt Szenisches Schreiben bei Heiner Müller an der Hochschule der Künste in Berlin zu studieren. Seit 1990 erhält sie kontinuierlich nationale und internationale Auszeichnungen und Preise, sie lebt gegenwärtig (Stand Sommer 2009) in Berlin, ihre Stücke werden an allen renommierten deutschen sowie an europäischen Theaterhäusern gespielt.[7] Die Schwerpunkte der Stücke von Dea Loher sind vielfältig, bergen aber fast immer eine politische bzw. gesellschaftskritische Thematik (z. B. Leviathan (1993), Klaras Verhältnisse (2000) oder ihr erster großer Erfolg Tätowierung (1992).)[8] Dea Loher entwickelte im Laufe ihrer Arbeit einen eigenen Stil, der sich konzeptionell u. a. dramaturgischer und ästhetischer Mittel Bertolt Brechts[9] und Heiner Müllers bedient, aber auch Einflüsse anderer deutscher Autoren wie Horváth[10], Dorst[11] oder Bernhard[12] aufweist.

[...]


[1] Ludger Lütkehaus: „Der Medea-Komplex“ S. 12 in „Mythos Medea- Texte von Euripides bis Christa Wolf“ Hrsg: Ludger Lütkehaus, Reclam, 2001/2006 Stuttgart; Quellenangabe von Lütkehaus: Das Register bei Duarte Mimoso-Ruiz: Medée antique et morderne. Aspects rituels et socio-politiques d´un mythe, Paris 1982, S. 209ff

[2] vgl. Hubert Ortkemper: „Medea in Athen“ – Die Uraufführung und ihre Zuschauer, insel taschenbuch, 2001 Frankfurt am Main /Leipzig, S. 24-27

[3] Karl Heinz Eller: Nachwort (1983), in: Euripides: Medea (übersetzt und herausgegeben von Karl Heinz Eller), Philipp Reclam jun., Stuttgart, 1992 (bibliographisch ergänzte Ausgabe), S. 129

[4] http://de.wikipedia.org/wiki/Euripides

[5] ein internationales Festival für zeitgenössische Kunst in Graz

[6] Inge Stephan: „Gewalt-Szenarien“ – Medea-Mythen in der Literatur der Gegenwart: Taboris M (1985) und Lohers „Manhattan Medea“ (1999), in: „Gewalt und kulturelles Gedächtnis“ – Repräsentationsformen von Gewalt in Literatur und Film seit 1945, Hrsg. Robert Weninger, Stauffenberg Verlag, Tübingen, 2005, S. 103/104

[7] vgl. Birgit Haas: Das Theater von Dea Loher: Brecht und (k)ein Ende, Aisthesis Verlag, Bielefeld, 2006, S. 7-15

[8] vgl. ebd. S. 237-244

[9] ebd. S. 22

[10] ebd. S. 18

[11] ebd. S. 26

[12] ebd. S. 30/31

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Details

Titel
Vergleichsanalyse zwischen Euripides` „Medea“ und Dea Lohers „Manhattan Medea“
Hochschule
Hochschule für Film und Fernsehen "Konrad Wolf" Potsdam-Babelsberg  (Drehbuch/Dramaturgie)
Note
2,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
11
Katalognummer
V158180
ISBN (eBook)
9783640707751
ISBN (Buch)
9783640707928
Dateigröße
573 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Theaterwissenschaft, Dramaturgie, Postmoderne, Theater, Medea
Arbeit zitieren
Carola Boßler (Autor), 2010, Vergleichsanalyse zwischen Euripides` „Medea“ und Dea Lohers „Manhattan Medea“, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/158180

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